Eragrostis multicaulis explodiert

= Blütenpflanzen
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Georg Pflugbeil
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Eragrostis multicaulis explodiert

Beitragvon Georg Pflugbeil » Mittwoch 9. August 2017, 19:19

Liebes Forum,
es handelt sich jetzt nicht um einen besonderen Fund, aber ich möchte das Thema gerne ansprechen und würde mich über eure Erfahrungen oder Anmerkungen freuen!
Ich war letztes Wochenende mit Peter (Pilsl) unterwegs, um Oenothera zu kartieren. Neben interessanten Funden der Nachtkerzen haben wir aber auch das "Explodieren" von Eragrostis multicaulis (agg.??) an den Straßenrändern beobachten können. Bei jedem Stopp im Flachgau haben wir die Art finden können... Peter ist mit dem Sammeln schon gar nicht mehr zusammen gekommen ;-)
Ich war heute auch in Nußdorf unterwegs und dort ist der gesamte Straßenrand der Landesstraße über Kilometer voll mit Liebesgras (siehe Fotos). Interessant ist hierbei, dass der Straßenabschnitt zwischen Weitwörth und Nußdorf von Eragrostis multicaulis dominiert wird. Im Ortsgebiet von Nußdorf selbst nimmt die Art nach Norden hin ab (es sind keine perfekten, schottrigen Straßenränder mehr vorhanden, sondern nur mehr Pflasterfugen); und an der Landesstraße nördlich davon ist plötzlich nur mehr Puccinellia distans zu finden. Spannend, ob sie die Art in den kommenden Jahren bis dorthin "durchschlagen" kann.
Stetig begleitet wird sie übrigens von Panicum capillare. Interessanterweise konnte ich dort noch keinen P. riparium finden.
Ein kurzer Abriss der Geschichte von Eragrostis multicaulis in Salzburg: 2002 erstmals an der Autobahn bei Kuchl gefunden und bis 2011 nur vereinzelt an bzw. in der Nähe der Autobahn; danach folgen einige Funde in der Stadt Salzburg, aber ab etwa 2015 scheint sich die Art richtig zu etablieren und besielt nun wohl die meisten Straßenränder an den Hauptverkehrsstraßen im Flachgau.
Im Gegensatz dazu scheint Eragrostis albensis (falls immer richtig angesprochen) vor allem in der Stadt Salzburg und deren näherer Umgebung vorzukommen. Meiner Meinung besiedelt diese lieber Pflasterfugen im (inner)städtischen Bereich, während Eragrostis multicaulis die direkten schottrigen Straßenränder der Landesstraßen bevorzugt. Ich freu mich auf eure Beiträge!

Zu den Fotos: Eragrostis multicaulis dominiert direkt neben der Straße, in einem ca. 20cm breiten Streifen

@Clemens: natürlich habe ich die Population für dich besammelt ;-)
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lg, Georg

Oliver Stöhr
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Re: Eragrostis multicaulis explodiert

Beitragvon Oliver Stöhr » Mittwoch 16. August 2017, 20:38

Hallo Georg!

Bei uns ins Osttirol ist derzeit Eragrostis minor an den Banketten in Ausbreitung - siehe Bild unten, das ich gestern unweit Ainet (Iseltal) aufgenommen habe. Sonst tritt noch lokal Eragrostis pilosa an den Straßenrändern auf. E. multicaulis habe ich bei uns (auch wieder am Straßenrand) erst einmal gefunden, könnte aber durchaus schon weiter verbreitet sein; und auch E. albensis gibt es, aber von mir bisher noch nicht an Straßenrändern gefunden.

Und dann noch die Frage: Wonach bestimmt ihr Eragrostis bzw. welcher Schlüssel hat sich als wirklich brauchbar / verlässlich herausgestellt? So ganz einfach ist die Sache ja nicht ...

Für Tirol gibt es übrigens dazu eine einschlägige Arbeit von K. Pagitz, siehe:
http://www.zobodat.at/pdf/STAPFIA_0097_0193-0205.pdf

Was aber bei uns in den letzten Jahren "explodiert" ist die Gattung Sporobolus (v.a. neglectus, aber nach K. Pagitz auch vaginiflorus), die man jetzt in dichten hellgrünen "Rasen" entlang der Bundesstraßen gut kartieren kann (verfärbt sich später dann rötlich) - anbei ebenfalls aus Bild nahe Ainet. Und von der weit verbreiteten Puccinellia distans redet ohnehin niemand mehr ;-)

Viele Grüße
Oliver
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Eragrostis minor (Ainet); Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
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Sporobolus neglectus (Ainet); Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
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Peter Pilsl
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Re: Eragrostis multicaulis explodiert

Beitragvon Peter Pilsl » Donnerstag 17. August 2017, 08:01

Zum Sporobolus kann ich aus Salzburger Sicht sagen, dass beide Arten gar nicht so selten vorkommen und wenn man zur richtigen Zeit kommt auch leicht zu kartieren sind. Besonders auf diese beiden Arten sollte man ab Mitte August schauen und das vor allem an Straßen bei denen die Straßenränder nicht gerade gemäht wurden. Ich habe letztes Jahr mehrere Bundes- und Landesstraßen im Flachgau mit dem Fahrrad abgeklappert und bin fast immer fündig geworden; bisher 15 Nachweise.
Die beiden Arten kamen bei mir nie gemischt vor, sondern immer nur in Reinbeständen. Das mit der Rotfärbung kann ich nur teilweise bestätigen, manche Pflanzen werden nie oder nur ganz basal ein wenig rot.
Beste Grüße
Peter Pilsl
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Oliver Stöhr
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Re: Eragrostis multicaulis explodiert

Beitragvon Oliver Stöhr » Mittwoch 6. September 2017, 20:45

Liebe alle,
nur ein paar kleine Ergänzungen zum Thema "Strassenrandflora in Salzburg" und zwar konkret für den Pongau, den ich in den letzten 2 Tagen beruflich durchfahren habe.
Panicum riparium: Diese Art ist in diesem Bezirk weit verbreitet, so etwa auf den Bundes- und Landesstraßen Radstadt-Untertauern (@Georg: jetzt wissen wir es ;-)), Radstadt-Forstau, Radstadt-Altenmarkt, St. Johann-Wagrein, Umfahrung Bischofshofen und dann auch schon im Gasteinertal zumindest bis Hofgastein. Die Art bildet streckenweise durchgehende Massen-Bestände an vorderster Bankettenfront und ist jetzt ob der gelblichweissen Farbgebung sehr auffällig.
Dittrichia graveolens: Zerstreut an den Bundesstraßen, so bei Schwarzach, St. Johann und nunmehr auch schon im Gasteinertal bei Dorfgastein und Hofgastein.
Sporobolus neglectus: Auch schon im Gasteinertal an den oben genannten Orten.
Und Eragrostis multicaulis habe ich heute auf einer Ruderalfläche in Radstadt mit Panicum riparium gesehen.
Also ich zitiere M. Hohla: "Plants on the road" - und es geht weiter...
Viele Grüße
Oliver

PS: Noch ein Nachtrag: Als neuer Name für Panicum riparium ist übrigens Panicum barbipulvinatum zu verwenden, siehe: http://botges.ch/bauhinia/bauhinia25(2014)59-68.pdf
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Panicum riparium bei Untertauern; Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
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Panicum riparium - Habitus; Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
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Dittrichia graveolens bei Hofgastein; Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
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Georg Pflugbeil
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Re: Eragrostis multicaulis explodiert

Beitragvon Georg Pflugbeil » Donnerstag 7. September 2017, 19:04

Ha, lustig! Ich habe bei der Rückfahrt aus Obertauern ebenfalls Panicum riparium belegt. Freut mich auch, dass wir uns dann bei der Bestimmung einig sind :-)
Die Verbreitung war ja fast durchgehend vom Ausgang der Klamm bei Untertauern bis zur Autobahnauffahrt, ausgenommen den versiegelten Rändern in den Ortschaften.
Dittrichia habe ich noch bei der Abfahrt in Pfarrwerfen gesehen, Sporobolus hätte ich dort in der Nähe ebenfalls vermutet, doch sind wir zu schnell vorbeigefahren... noch dazu ist es dort schlecht zum stehenbleiben gewesen :-)
Die Straßenränder sind absolut eine spannende Sache, da kann man die Ausbreitung von Arten im Zeitraffer beobachten.
lg, Georg

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Re: Eragrostis multicaulis explodiert

Beitragvon Oliver Stöhr » Sonntag 10. September 2017, 16:01

Hallo Georg,
fein dass ihr bei der Rückfahrt aus Obertauern stehen bleiben konntet und du auch zum gleichen Bestimmungsergebnis kommst. Die Bestände von Panicum riparium sind im Pongau schon beeindruckend. Die Art kommt übrigens auch noch zwischen Altenmarkt und Flachgau an der A10 vor, hört aber dann S Flachau bald auf. Auf der A10 im Lungau habe ich sie noch nicht gesehen, dort aber immerhin schon 1 Ind. von Senecio inaequidens (wohl neu für den Lungau) - diese Art wird auch bald überall zu finden sein ...
Viele Grüße
Oliver

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Re: Eragrostis multicaulis explodiert

Beitragvon Oliver Stöhr » Mittwoch 27. September 2017, 21:36

Noch ein rascher Nachtrag zu den Straßenrändern:
Heute im Oberpinzgau kein Panicum riparium zwischen Mittersill und Krimml gesichtet, Straßenrand aber dort gerade mehrheitlich frisch gemäht.
Dafür konnte ich diese Art auch bei Lendorf (Drautal, Kärnten) am Straßenrand sehen - ev neu für Kärnten?!
Und nun noch weiter nach Süden: Bei Tolmezzo tritt sie auch spärlich am Straßenrand auf, wie ich bei einer Fahrt ins ehemalige "k.k. Küstenland" letztes Wochenende sehen konnte. Die Art wurde mW nach noch nicht aus der Region Friaul-Julisch Venetien angeführt - als neu für Italien ist sie offenbar erst von Th. Wilhalm vor einigen Jahren gesichtet worden, vgl. https://www.zobodat.at/pdf/Gredleriana_ ... 1-0082.pdf

Lg
Oliver

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Re: Eragrostis multicaulis explodiert

Beitragvon Michael Hohla » Freitag 29. September 2017, 10:16

Liebe Kollegen,
um den laufenden Beiträgen noch ein kleines Schlagobershäubchen zu verpassen:
Im Innviertel beobachte ich seit 2-3 Jahren ein Eragrostis-Sippe, die zwischen E. pilosa und E. multicaulis steht, auffallend schmaler Blütenstand, vom Auto aus schon erkennbar. Die ersten beiden Sichtungen hatte ich in Katzenberg/Kirchdorf am Inn und Geinberg.
Seither breitet sich diese (neue?) Sippe rasant aus (8 Quadraten). Gräserkollegen (Portal, Verloove, ...) kennen diese Sippe nicht, spannend!
E. multicaulis ist im Innviertel in ca. 90 % der Quadranten nachgewiesen!
Meines Erachtens ist es vor allem das Mähen und Abkratzen der Straßenbankette, die die Arten derartig "beflügelt"

Oliver Stöhr
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Re: Eragrostis multicaulis explodiert

Beitragvon Oliver Stöhr » Mittwoch 18. Oktober 2017, 21:28

Liebe alle,
nach dem "Abkratzen" von Michaels Schlagobershäubchen hier noch die wiederum profane Beobachtung zu Senecio inaequidens, das ich heute zum ersten Mal (!) in Osttirol an einem Strassenrand gesehen habe (2 Ind., eindeutig Jungansiedelung) - ich kannte diese Art in diesem Bezirk bisher nur von 3 Stellen abseits der Straße. Eigentlich unvorstellbar, wenn man die Massen in anderen Gegenden Österreichs an Straßen kennt. In diesen Punkt ist Osttirol eindeutig "rückständig", aber natürlich nur in diesem Punkt :-)
Viele Grüße
Oliver

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Jürgen Baldinger
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Re: Eragrostis multicaulis explodiert

Beitragvon Jürgen Baldinger » Donnerstag 19. Oktober 2017, 20:44

Weil Du es angesprochen hast, aber Du kennst die Bilder ja eh: Zur Zeit gibt es anderswo, wie hier bei den Bahnhöfen im Osten, stellenweise große, oft monodominante Bestände von Senecio inaequidens. Heute, Wien Hauptbhf.
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"(...) gib ihnen noch zwei südlichere Tage (...)"


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