Neophyten + Naturschutz: Rudbeckia laciniata, Robinia pseudacacia, Impatiens glandulifera, "moderne" Waldbewirtschaftung

Wie das Kostbare erhalten? Gefährdungen, Schutzmaßnahmen und Interviews
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Hermann Falkner
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Neophyten + Naturschutz: Rudbeckia laciniata, Robinia pseudacacia, Impatiens glandulifera, "moderne" Waldbewirtschaftung

Beitragvon Hermann Falkner » Sonntag 6. August 2017, 20:51

[*]So problematisch die "Neophytenflur" am mittleren Kamp bei Rosenburg auch ist, das Schlitzblatt-Sonnenhut-Blütenmeer ist nichtsdestotrotz beeindruckend. Stellenweise ist Rudbeckia laciniata die dominierende Art und hält selbst Impatiens glandulifera und Solidago canadensis im Zaum, die beiden letztgenannten Arten kommen eher nur randlich vor.
Dasselbe gilt natürlich auch für heimische Arten - die hier massenhaft erwartbare Brennnessel gehört an den Rudbeckia-Standorten eher nur zur Begleitflora.

PS Beschriftung Impatiens "grandiflora" ist natürlich falsch, die Bildbeschriftung kann man aber anscheinend nicht ändern

Das Bild mit Solidago canadensis ist vom anderen Ufer, nicht aus der Nähe gesehen, daher cf. canadensis - auf "meiner" Seite hab ich aber nur S. canadensis gesehen.
Im Wald drin übrigens dann fast nur Impatiens parviflora - und nur sehr, sehr wenig Impatiens noli-tangere - I. parviflora bevölkert zwar eher trockenere Standorte, aber an einem (der nur 2!) Standorte von I. noli-tangere war diese schon von I. parviflora "umzingelt". Wird Impatiens noli-tangere bald schon eine gefährdete Art sein? Im Gebirge sicherlich nicht, aber in tieferen Lagen ...

Im Wasser war übrigens auch reichlich ein Neophyt vorhanden - Wasserpest, und dem Ansehen nach vermutlich Elodea nuttallii, bin aber nicht in die Fluten gestiegen; daneben aber auch reichlich Ranunculus (wohl) fluitans.
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Rudbeckia laciniata
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Rudbeckia laciniata, Solidago cf. canadensis, Impatiens grandiflora
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Hermann Falkner
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Re: Rudbeckia-laciniata-Ufergesellschaft

Beitragvon Hermann Falkner » Donnerstag 2. Januar 2020, 18:14

Dass Rudbeckia laciniata im Mühl- und Waldviertel in Ausbreitung begriffen ist, das ist ja nix Neues.

Über die Feiertage hab ich jetzt aber auch noch einen Standort bei Haslach an der Mühl entdeckt, an der Steinernen Mühl rund 2 km flussaufwärts von der Einmündung in die Grosse Mühl, der mir zumindest noch nicht bekannt war - den Standort gibt's sicherlich schon einige Jahre, die Art scheint dort lokal etabliert zu sein.
Die Bilder geben nicht viel her, die Grösse der abgestorbenen Blühtriebe und die sichtbaren Blattreste (teils noch grüne Blätter!) sind aber wohl eindeutig. Bilder sind vom 27.12.19.
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Re: Rudbeckia-laciniata-Ufergesellschaft

Beitragvon kurt nadler » Donnerstag 2. Januar 2020, 19:28

zumindest im unteren mühlviertel hat die pflanze ja schon lang den volkstümlichen namen "aist-blume" (für gebietsfremde: aist ist einer der hauptbäche des unteren mühlviertels).

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Re: Rudbeckia-laciniata-Ufergesellschaft

Beitragvon Hermann Falkner » Freitag 3. Januar 2020, 06:20

Ja, und auch im Waldviertel kommt sie schon vielerorts vor (und das sind dann oft sehr grosse Bestände), im Oberen Mühlviertel aber noch nicht so (wird aber auch dran liegen, dass ich zu lang schon vom Mühlviertel weg bin und ich die Entwicklung versäumt hab).

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Hermann Falkner
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Re: Rudbeckia-laciniata-Ufergesellschaft

Beitragvon Hermann Falkner » Dienstag 4. August 2020, 19:19

Am SO 01.08. hab ich die Gelegenheit genützt, den Rudbeckia-laciniata-Standort bei Haslach an der Mühl in voller Blüte zu besuchen; die Art ist dort voll eingebürgert, und ich würde sie auch als invasiv einstufen.
So schön die blühenden Mühl-Ufer auch sind (Steinerne & Grosse Mühl), es ist offensichtlich, dass einheimische Pflanzen verdrängt werden; woran übrigens auch Impatiens glandulifera beteiligt ist - hier ist aber Rudbeckia laciniata häufiger. (In den umliegenden Wäldern gibt es auch reichlich Impatiens parviflora sowie immer noch stabile Bestände von Impatiens noli-tangere, stellenweise umzingelt von den beiden Impatiens-Neophyten.)

Eine seltene Art, die ökologisch dieselbe Nische wie die Rudbeckia nützt, ist Aconitum variegatum - zumindest im Oberen Mühlviertel ist die Art selten (steht so auch in EfÖLS), auch hier in Haslach, in der Böhmerwaldgegend; bei Haslach kommt sie noch vor - man könnte vermuten, dass sie hier früher häufiger war, wissen tu ich's aber nicht, diesen Bereich der Mühltäler kenne ich erst seit kurzem.
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Josef
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Re: Rudbeckia-laciniata-Ufergesellschaft

Beitragvon Josef » Mittwoch 5. August 2020, 17:34

Zu Rudbeckia kann ich nur sagen, dass Rudbeckia hirta in unserem Garten überall aufgeht, auch dort wo sie nicht hingehört. Was die Springkräuter betrifft, so kenne ich bei uns um Lilienfeld mehrere Stellen, wo alle 3 Arten friedlich nebeneinander existieren, Impatiens glandulifera dominiert nach meinen Beobachtungen nur in der ersten Zeit nach Anlage z. B. eines neuen Schlages, nach einigen Jahren holen die "Alteingesessenen" wieder auf und ein gewisses Gleichgewicht stellt sich ein. Das Traisenufer war vor Jahren voller I. glandulifera, jetzt sieht man nur da und dort einen Flecken, was ich als Imker eher bedauere - ist eine gute Futterpflanze für die Bienen, zu einer Zeit wo sonst wenig blüht.
LG Josef

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Hermann Falkner
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Re: Rudbeckia-laciniata-Ufergesellschaft

Beitragvon Hermann Falkner » Mittwoch 5. August 2020, 19:16

Hallo Josef,

ich will draus keine ausufernde Diskussion machen ;-) - aber anmerken möchte ich doch, dass Impatiens glandulifera wohl nur den Imkern wirklich Freude bereitet. Ich kenne Massenbestände der Art zB vom Ufer der Fischa, wo stellenweise ausser Impatiens glandulifera in der Krautschicht fast nichts mehr wächst. In meiner engeren Heimat im Mühlviertel (inzwischen bin ich Wahl-Wiener ;-) war die Art - ebenso wie Impatiens parviflora - noch in den 1980er-Jahren nicht einmal vorhanden, inzwischen hat sich an feuchteren Standorten Impatiens glandulifera durchgesetzt, an trockeneren Impatiens parviflora - für Impatiens noli-tangere bleiben meist intermediäre Standorte, in höheren Lagen des Oberen Mühlviertels sind weiterhin alle 3 Arten gut vertreten, es ist aber evident, dass Impatiens noli-tangere enorm an Fläche und Individuenzahl eingebüsst hat.

So ist aber nun mal der Lauf der Geschichte, keiner wird mehr die beiden Neophyten ausrotten können; im NP Thaya-Tal wird das zwar versucht und rigoros gegen Impatiens glandulifera vorgegangen - mit nicht schlechtem Erfolg, der aber nur lokal begrenzt ist, und der allein schon vom Aufwand her auf grösseren Flächen nicht betrieben werden kann.

Manchmal wird behauptet, dass an den Standorten von Impatiens glandulifera sowieso nur Allerweltsarten wachsen würden - bzw. dass glandulifera-Standorte ohnehin nicht gut für noli-tangere geeignet seien, bzw. parviflora-Standorte dito; das alles mag so sein oder auch nicht, das ist aber auch eigentlich gar nicht der Punkt: "irgendwas" muss ja dort gewachsen sein, wo es jetzt die Neophyten in solchen Massen gibt.

Die Bachufergesellschaften sind durch die Art also sicher gravierend geändert worden; sowohl durch Impatiens glandulifera als auch - insbes. im Mühl- und Waldviertel - durch Rudbeckia laciniata, oder auch durch andere Arten wie Fallopia sp., etc.
Diese Entwicklung ist ausserdem sicher unumkehrbar (oder bestenfalls lokal bekämpfbar; wobei die Sinnhaftigkeit solcher Massnahmen durchaus auch hinterfragt werden kann). Vor Ausrottung ist Impatiens noli-tangere auch nicht bedroht - bzw. wenn, dann eher durch den Klimawandel als durch Impatiens glandulifera (I. noli-tangere könnte aus tieferen Lagen und trockener werdenden Gebieten verschwinden, sich also quasi in Gebirgsklimate zurückziehen).

Man sollte die Sache mit den Neophyten aber trotzdem schon differenziert sehen und nicht nur aus der Sicht des Imkers; oder - im Fall von Fallopia sp. - jener des Jägers, der den Staudenknöterich, Fallopia, pflanzt, damit die Rehe gutes Futter haben. :-)

Aber nix für ungut, und liebe Grüsse
Hermann

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Re: Rudbeckia-laciniata-Ufergesellschaft

Beitragvon kurt nadler » Donnerstag 6. August 2020, 01:24

in der naturschutzpraxis hab ich mit impatiens gland. keine probleme, da standorte der nitrophyten nicht grad vorrangig für uns naturschutzarbeiter sind. probleme habe ich neben den gehölzen ailanthus und robinia vor allem mit den schönen goldruten, insbes. solidago gigantea, in manchen regionen auch s. canadensis. vor allem wenn maschieneneinsätze insbesondere in der forstwirtschaft (forstfräsen!) dafür sorgen, dass sich fast nix andres mehr auf früheren waldböden ansamt.
aber nicht neophytisch und doch hochinvasiv und ein riesiges problem in alpenvorlands-"streuwiesen" ist phragmites australis, insbesondere wenn es zu eutrophierungen - u.a. durch verbrachung kommt.
mir gefällt die globalisierung gar nicht, aber wenn ichs als botaniker wertfrei abseits des naturschutzes seh, grad hier im forum, dann sind neophyten nicht grundsätzlich "schlecht". was freuen wir uns doch, wenn ein neuling wien besiedelt (ups, hab ich was politisch unkorrektes gesagt?)!
und wenns drum geht - da redet wieder der naturschützer in mir - naturschutzgelder für lebewesenbekämpfungen samt grauslichsten hetzkampagnen hierfür auszugeben - da ist bei mir dann schluss mit verständnis. zuerst mit umweltschädlichen vorgehensweisen die organismen herbeikarrren und dann mit überbordendem aufwand ausrotten ...

p.s.: die samen von imp. gland schmecken wirklich gut nussig und sind auch gut verträglich! - für alle, dies noch nicht wissen.

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Re: Rudbeckia-laciniata-Ufergesellschaft

Beitragvon Hermann Falkner » Donnerstag 6. August 2020, 06:39

Ich seh das eh auch ganz pragmatisch.
Und ja klar, auch heimische Pflanzen wie besonders Schilf können sehr problematisch sein (falls dem Neusiedler See jemals Donauwasser zugeführt werden sollte, wird der See zum Schilfmeer ...).

Es geht mir um die Perspektive: die Neophyten sind gekommen, um zu bleiben, Bekämpfung ist global sinnlos und nur lokal, in sensiblen Bereichen, administrierbar und finanzierbar; der feine Unterschied ist jener zwischen Problematik sehen vs Neophyten begrüssen oder sogar fördern, dh gezielt einbringen (letzteres machen ja auch Forstwirte aus wirtschaftlichen Gründen - wobei mir ein Tischler aus meiner Verwandtschaft übrigens kürzlich erklärt hat, dass Douglasie weder als Bauholz noch von Möbeltischlern gefragt sei - quasi nur zum Verheizen und für die Papierindustrie tauge - gepflanzt wird sie dennoch vermehrt).

Ohne Eingriffe gäbe es etwa am Fuchshäufl in der Lobau ein Robinienwäldchen mit vielleicht 4-5 Allerweltsarten in der Krautschicht; global ist die Robinie aber natürlich quasi unausrottbar, sie breitet sich sicher weiter aus.
Und nicht erleben möcht ich, dass bei uns Bambus zu blühen beginnt - dagegen sind die jetzigen Neophyten harmlos.

In Wäldern wirkt sich die Bewirtschaftung mit Holz-Harvestern sicher negativ aus, immer grösser werdendes Gerät zerstört bei der Holzbringung immer mehr. Und immer wieder mal sehe ich sogar, dass nach einem Kahlschlag, vor der Wiederbepflanzung, umgeackert wird, um einen in Niederholzwirtschaft betriebenen Wald in Hochwald umzuwandeln. Durchaus auch in schönen, artenreichen Wäldern - zB im Schwadorfer Wald östlich von Wien (war schon länger nicht mehr dort, ich hoffe, es ist noch genug schöner Wald übrig).
Diese Intensivierung fördert Neophyten natürlich auch, eh klar, keine Frage.

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Re: Rudbeckia-laciniata-Ufergesellschaft

Beitragvon Jürgen Baldinger » Donnerstag 6. August 2020, 08:55

Nur ein Aspekt von mir, weil Impatiens glandulifera nur wertlose Nitrophytenstandorte besiedle: In den Traiskirchner Schwechat-Auen geht sie (zusammen mit dem Staudenknöterich) stellenweise raus auf die offenen Schotterufer und nimmt damit u. a. xerothermen Heuschrecken wie Oedipoda caeruslescens ihren Lebensraum.
"(...) gib ihnen noch zwei südlichere Tage (...)"


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