Frbhf. Breitenlee - Zerstörung und Pflegemassnahmen

Wie das Kostbare erhalten? Gefährdungen, Schutzmaßnahmen und Interviews
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Hermann Falkner
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Frbhf. Breitenlee - Zerstörung und Pflegemassnahmen

Beitragvon Hermann Falkner » Freitag 8. Juni 2018, 20:46

Ein Nachtrag zu meinen Beiträgen über eine zerstörte Fläche am Frachtenbahnhof Breitenlee - dazu einige Beiträge von mir im Orchideenthread, hier verlinkt - und im nächsten Beitrag ergänze ich dann, was sich hier weiter noch getan hat:
Bild
viewtopic.php?f=10&t=784&p=3105&hilit=orchis+militaris#p3105

Hermann Falkner hat geschrieben:
Stefan Lefnaer hat geschrieben:Zum Verschiebebahnhof Breitenlee: die meiste Fläche ist inzwischen Teil des Landschaftsschutzgebiets Donaustadt, B - Landschaftspflegezone Erhaltung. Das entspricht vom Schutz her ungefähr einem Naturschutzgebiet. Hermann: da wäre zu prüfen, ob die Eingriffe in dieser Zone liegen und rechtens waren. Hier Links zum Landesgesetzblatt und Karten:


Hermann Falkner hat geschrieben:Orchis militaris blüht inzwischen auch am Frachtenbahnhof Breitenlee (Blühbeginn); leider ist dort ein Teilareal völlig zerstört worden, im Zug einer Wegsanierung und -verbreiterung.
Kleiner Trost - das Hauptareal von Orchis militaris (wo auch andre, sehr seltene Arten wachsen) ist zum Glück nicht angerührt worden. (Ausserhalb der Lobau gibt's hier vermutlich den grössten Bestand der Art in Wien.)
Grössere Zerstörungsmassnahmen hat's übrigens über den Winter wieder einmal auch in einem grösseren Waldstück des Frachtenbahnhofs gegeben.
Das Gelände gehört der Bahn und man kann nicht einmal was dagegen machen, umso mehr wär's höchste Zeit, endlich die ÖBB dazu zu bewegen, das Gebiet unter Schutz zu stellen (in welcher Form auch immer, muss auch gar nicht unbedingt Naturschutzgebiet sein). Immerhin ist's ein staatliches Unternehmen, so viel Unverstand für ein Gebiet, das viele Arten der roten Liste beherbergt (die Orchideen sind hier übrigens nicht die grössten Seltenheiten; das sind andre, wie Blackstonia acuminata etwa), ist wirklich kaum zu glauben.

Und am Bisamberg ist Cypripedium calceolus inzwischen auch schon in Vollblüte.

https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Gesamtabfrage&Dokumentnummer=LGBLA_WI_20150615_22
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/LgblAuth/LGBLA_WI_20150615_22/Donaustadt_Anlage-Detailplan1-5.pdfsig

Auch im Wien-Atlas (Umweltgut) kann man den Schutzstatus einsehen:

https://www.wien.gv.at/umweltgut/public/

Im Zweifelsfall würde ich den Wiener Naturschutzbund darauf ansetzen sich das einmal anzusehen. Wenn du dokumentiert hast welche geschützten Arten vorher dort wuchsen, ist das sicher ein großer Vorteil.


Kleines Update dazu: der Naturschutzbund hat die MA22 verständigt und ich bin wegen der Zerstörungen auch schon kontaktiert worden; es soll eine Begehung mit Herrn Mrkvicka geben, bei der ich nach Möglichkeit auch dabei bin (wenn ich's irgendwie einrichten kann). Hat also in jedem Fall was gebracht, auch wenn die Eingriffe natürlich nicht mehr rückgängig gemacht werden können.

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Hermann Falkner
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Re: Frbhf. Breitenlee - Zerstörung und Pflegemassnahmen

Beitragvon Hermann Falkner » Freitag 8. Juni 2018, 21:04

Andreas Römer von der MA22 hat sich schon kurz nach meinem Schreiben an den Wiener Naturschutzbund gemeldet und hat eine Begehung vorgeschlagen.
Es hat in diesem Bereich Managementmassnahmen gegeben, aber auch einen Kanalbau zur Kleingartensiedlung der ÖBBler, und bei diesem Kanalbau ist offenbar eine Fläche "ausserplanmässig" zerstört worden, zum Glück eine der weniger sensiblen. Zu der Begehung ist's aus Zeitgründen bisher nicht gekommen (A. Mrkvicka wollte auch dabei sein), die wird's vielleicht aber noch geben, geplant wär's und wenn möglich, dann werd ich auch dabei sein.

Ich bin dann am 02.06.18 auch nochmals selbst (allein) zum Frachtenbahnhof gegangen und hab dabei auf der zerstörten Fläche bei der Kleingartensiedlung Erdhaufen entdeckt - und an Herrn Römer gemeldet: der hat auch sehr schnell reagiert, nach Lokalaugenschein ist der Verursacher (ein Kleingärtner) festgestellt worden und eine Beseitigung ist binnen einer Woche erfolgt, erst heute hat mir Herr Römer mitgeteilt, dass der Erdhaufen inzwischen weg ist.

Grundsätzlich zu diesen Flächen zu sagen ist noch:

- Ostteil des Frbhfs. Breitenlee:
Hier sind im Winter bewusst Managementmassnahmen durchgeführt worden, dh es ist entbuscht worden. Ich hab mich bei meinem Besuch am 02.06. selbst davon überzeugen können, dass das Ergebnis dieser Massnahmen durchaus positiv ist (so würd's jedenfalls ich sehen) - so schlimm diese Fläche auch kurz nach den Entholzungen ausgesehn hat, die in diesem Bereich starke Verbuschung bzw. Bewaldung mit Neophyten (insbes. Robinie, aber auch Götterbaum und Balsam- und/oder Hybridpappel) ist jetzt deutlich gelockert, und es ist zum Glück zu keinem massenhaften Aufwuchs von Robinie und Götterbaum gekommen, und die hier nur eingestreuten Trockenrasenflächen haben jetzt wieder viel mehr Luft als davor.

- Kleine zerstörte Fläche bei der Bahnsiedlung:
Die zerstörte, neu geschotterte Fläche hat sich bereits zu regenerieren begonnen, als die Erde abgelagert worden ist: die Erdhaufen haben hier natürlich nichts verloren und sind zum Glück inzwischen wieder weg; wichtig ist, dass diese Fläche als Pionierfläche erhalten bleibt, der Trockenrasen ist zwar zerstört worden, aber zum Glück war das keine so sensible Fläche mit Arten, die es unmittelbar nebenan auch - und reichlicher - gibt (Herr Römer hat mir mitgeteilt, dass das auch Alexander Mrkvicka so sehen würde) und es ist jetzt gewährleistet, dass sich diese Fläche wieder gut entwickeln kann.
Der Erdboden am Frachtenbahnhof ist übrigens stellenweise recht ungewöhnlich - sicherlich hat es hier in früheren Zeiten Industrieablagerungen gegeben (Asche, womöglich auch giftige Stoffe) -, und auch auf dieser Fläche ist der Boden weder Donauschotter noch Sand (hier hat's ja auch eine Sanddüne gegeben), sondern ziemlich dunkel, aber nicht humös. Das ist ja auch eine der Besonderheiten des Gebiets, wobei ich selbst die Bodengeografie des Frachtenbahnhofs nur "nach Farben" kenne, ohne dass ich genau wüsste, was sich da unter meinen Füssen wirklich befindet ...

Summa summarum jedenfalls weitergeben möchte ich - es lohnt sich, Umweltsünden zu melden ;-) es wird nicht in allen Fällen funktionieren, dass die Behörden gut und richtig reagieren, aber es besteht zumindest eine Chance darauf.
Und ausserdem erfährt man dann unter Umständen auch, dass zB eine bestimmte Rodung eine Managementmassnahme war - wie hier in Breitenlee-Ostteil.
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