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Zwergexemplare

Verfasst: Freitag 8. Mai 2020, 17:50
von Hermann Falkner
Nachdem es aufgrund der anhaltenden Trockenheit wohl nicht so viele Mastexemplare gibt, hab ich mir gedacht, dass ein Thema über Zwergexemplare auch was ganz nettes wäre - erst recht, da mir gestern wieder einige untergekommen sind:

07.05.2020, Himmelteich, auf sehr seichtgründigem Schotterboden, der aufgrund der anhaltenden Trockenheit weiterhin steinhart ist:

- Senecio vernalis:
Der Kameradeckel misst 72 mm im Durchmesser, ist also grad mal so circa 3,5 cm gross, selbst Draba verna ist normalerweise grösser ;-)
Lt EfÖLS wird Senecio vernalis eine Wuchshöhe von 15-45 cm zugeschrieben. Bei Einjährigen ist's aber natürlich oft einmal so, dass in schlechten Jahren oder an schlechten Standorten extreme Unterschiede sind (hier kommt beides zusammen). Und gar nicht weit von diesem Standort, beim ehemaligen ÖAMTC-Hubschrauber-Stützpunkt am Flugfeld Aspern (jetzt "Seestadt"), gibt es durchaus auch heuer normalwüchsige Exemplare (wenn auch keine Mastexemplare).
Auf dem letzten Bild mit dem Damen-Laufschuh (mit freundlicher Genehmigung meiner besseren Hälfte ;-) sogar ein noch kleineres Individuum, der Laufschuh misst rund 3,5 cm; die Pflanze ist rund 2,5 cm gross! - die Pflanzen direkt daneben sind mir erst zu Hause aufgefallen, es dürfte sich wohl um fruchtendes Cerastium und Veronica handeln, sicherlich aber keine seltenen Arten; sicherlich auch "leicht zwergwüchsig", aber bestimmt nicht so extrem wie das Senecio!

- Bromus tectorum (flaumige Behaarung sieht man am Bild auch recht gut; direkt hinter dem Senecio):
Auch nicht schlecht, lt EfÖLS aber doch immerhin 10-45 cm, hier so rund 5 cm hoch, wenn man an der höchsten Stelle des Stengels misst, bzw. rund 6 cm bis zur Spitze des ersten Ährchens.

- Bromus cf. hordaceus subsp. hordaceus (links vom Senecio):
Auch grade einmal 3,5 cm gross - die Grannen überragen grade einmal Senecio vernalis.
EfÖLS gibt (5)20-50(70) cm an, und ausserdem den aufschlussreichen Zusatz:
EfÖLS S. 1195 hat geschrieben:"Wie die meisten einjährigen Bromus-Arten neigt B. hordaceus auf trockenen Extremstandorten zu sehr stark reduziertem Wuchs (Pf oft mit nur einem einzigen Ä'ch). Solche Exemplare lassen sich idR nur bestimmen, wenn sich in der betreffenden Population auch normalwüchsige Pf finden (beim Sammeln beachten!)."
Bingo - so stelle ich mir das in einer Exkursionsflora vor, solche Hinweise sind gerade für Nicht-Kenner einer Gattung oder Art wirklich extrem hilfreich (und Bromus ist zwar nicht so schwierig, ich kenn die Gattung aber nicht so gut). - Hier ist also eine eindeutige Bestimmung kaum möglich, da in der unmittelbaren Umgebung keine gut entwickelten Individuen dieser Art waren.*)

*) Nachtrag 09.05.20: B. hordaceus (subsp. hordaceus) ist doch +/- gut entwickeltem Zustand 2-3 m vom Standort entfernt vorhanden, und auch im weiteren Umkreis zahlreich; somit können auch diese Kümmerexemplare an diesem extrem trockenen Standort mit grösster Wahrscheinlichkeit dieser Sippe zugeordnet werden.

Re: Zwergexemplare

Verfasst: Freitag 8. Mai 2020, 21:41
von Jürgen Baldinger
Nett. Wegen der botanischen Einbettung schlage ich hier gleich die neue Rubrik vor.

Re: Zwergexemplare

Verfasst: Freitag 8. Mai 2020, 23:04
von Hermann Falkner
Kannst gern verschieben ;-) war mir nicht sicher, wo es besser passt.

Re: Zwergexemplare

Verfasst: Samstag 9. Mai 2020, 19:03
von Hermann Falkner
Während sich in der Lobau Anacamptis morio noch einigermassen gut entwickeln hat können - Ende März/Anfang April war's noch nicht so extrem dürr -, kämpft Orchis militaris extrem (kommt zum Glück in der Lobau aber eh ziemlich häufig vor).
Einige Rosetten trocknen ohne Blühtrieb-Entwicklung aus, andere sind bereits schon wieder am Verblühen, ein zwergenhaftes Individuum hat es zwar noch zur Notblüte geschafft, den Blühtrieb aber aufgegeben, er vertrocknet noch blühend, ohne dass sich Samen bilden können; und auch die besser entwickelten sind heuer nicht sehr gross. An einer Stelle hab ich sogar ein (noch) blühendes Exemplar von Anacamptis morio gesehen, das wesentlich grösser war als wenige Meter entfernt wachsende Orchis militaris, die im Trockenheitsstress nur kümmerlich entwickelt waren.

Dieses Individuum von Orchis militaris überragt gerade noch den Objektivdeckel (wieder 72 mm), ist also 7,5 cm hoch.
EfÖLS gibt 25-45(65) cm an.

Re: Zwergexemplare

Verfasst: Mittwoch 20. Mai 2020, 23:40
von kurt nadler
wäre ein dankbares thema - wenn´s bloß so leicht dokumentierbar wäre wie die mast-exemplare. nun, ich bemüh mich redlich, die diversen zwergexemplare in meinen dorffloren zu würdigen. hier was daraus - extra, aber leider halt auch wieder nur das gut geeignete beispiel bromus hordeaceus im zentralen breitenbrunner scherrasen.

Re: Zwergexemplare

Verfasst: Donnerstag 21. Mai 2020, 06:43
von Hermann Falkner
kurt nadler hat geschrieben:... bromus hordeaceus im zentralen breitenbrunner scherrasen.

Rspekt, so klein und trotzdem so viele Ährchen! :-)

Re: Zwergexemplare

Verfasst: Sonntag 31. Mai 2020, 17:22
von Josef
So klein und blüht schon! Gestern am Schönbühel bei Lilienfeld vor die Linse gekommen: Cephalanthera damasonium (Breitblatt-Waldvögelein), 9 cm "hoch" und eine Blüte! Das Taschenmesser als Maßstab hat 8 cm.
LG Josef

Re: Zwergexemplare

Verfasst: Montag 8. Juni 2020, 21:40
von Hermann Falkner
Muscari comosum, NSG Sandberge/Niederweiden: ganz ohne fruchtbare Blüten, nur mit Schopfblüten, und noch nicht einmal seine eigenen Grundblätter überragend! Der Blütenstand war ca. 15 cm hoch (das höchste Grundblatt so rund 20 cm - bzw. natürlich länger, falls man es nicht im bogigen Habitus messen würde, sondern gestreckt); "Soll-Grösse" lt. EfÖLS 30-70(110) cm.

Zur wirklich sicheren Bestimmung müsste man das Individuum fast ausgraben, da der Befund anhand der Schopfblüten eigentlich nicht ganz eindeutig ist; da ich an diesem Standort aber nur M. comosum gesehen habe, kann M. tenuiflorum wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden.

Re: Zwergexemplare

Verfasst: Mittwoch 10. Juni 2020, 14:03
von Hermann Falkner
Und nochmals ein paar solche Zwerge, diesmal aus der Umgebung von Lassee: die Wintergerste, Hordeum vulgare, ist ja normalerweise schon nicht sehr hoch und heuer besonders kümmerlich (EfÖLS gibt 60-90 cm an, für die Sommergerste = Braugerste = Hordeum distichon 80-120 cm, aber das sind wirklich nur grobe Richtwerte, weil das stark von der Sorte abhängt); dieser Bestand hier ist grade mal so 50 cm hoch, incl. Grannen bis zur Spitze gemessen, so im Durchschnitt (mit eingestreuten kleineren Exemplaren; noch kümmerlichere Bestände hab ich auch schon gesehen).
Aber dass die Eselsdistel, Onopordum acanthium, doch tatsächlich die in EfÖLS "geforderten" "(50)80-200 cm" unterschreiten kann, hätte ich mir nicht gedacht. Der Bestand hier an der Ecke des Feldes ist zwar überwiegend so gross oder etwas grösser als die Gerste, einige Individuen sind aber deutlich kleiner, nur ca. 35-40 cm.
Die Pflanzen blühen zwar noch nicht, aber das Längenwachstum ist wohl +/- abgeschlossen.

Normal entwickelte Eselsdisteln hat es an anderen Stellen dort übrigens schon auch gegeben, stellenweise sogar mächtige Bestände mit gut 2 m Höhe, also "fast" Mastexemplare - vielleicht ist dort bewässert worden.

Re: Zwergexemplare

Verfasst: Mittwoch 2. September 2020, 19:25
von kurt nadler
Um dieses nette Thema wieder einmal zu aktivieren und da Hermann grad online ist, ein paar Zwergexemplare aus Prellenkirchen