Der Sandberg von Devín (Bratislava) - Xeranthemum annuum, Helichrysum arenarium

Vielleicht künftig für die heimische Pflanzenwelt relevant: die Flora der Ostalpen, Grenzregionen, Nachbarländer
Benutzeravatar
Hermann Falkner
Beiträge: 501
Registriert: Sonntag 23. Oktober 2016, 20:16
Wohnort: Wien

Der Sandberg von Devín (Bratislava) - Xeranthemum annuum, Helichrysum arenarium

Beitragvon Hermann Falkner » Dienstag 16. Mai 2017, 17:49

Er gehört schon zum Stadtgebiet von Bratislava, der nordwestliche Zipfel des Thebener Kogels - der Sandberg von Devín (die gleichnamige Ortschaft heisst übrigens auch auf Slowakisch unübersetzt "Sandberg", das Grenzgebiet auf slowakischer Seite war ja früher gemischtsprachig bzw. Orte wie Sandberg wohl mehrheitlich deutschsprachig, wie die Toponyme andeuten) - und er ist ganz "auf Sand gebaut" (übrigens Meeressand laut einer dort aufgestellten Tafel, und kein Flugsand).

Sandgebiete sind am rechten March-Ufer, also in Niederösterreich, selten und auf wenige Dünengebiete beschränkt, die teils auch schon stark verwachsen sind.
Ich kenne keinen Standort von Xeranthemum annuum auf der niederösterreichischen Seite (weder an der March noch in den Hainburger Bergen; Xeranthemum annuum wird in der Exkursionsflora auch für Niederösterreich angegeben, ich habe aber keine Ahnung von wo), am Thebener Sandberg gibt es aber unweit der Strasse ein sehr schönes Vorkommen, wohl keine 500 Meter vom March-Ufer entfernt.
Selbst wenn die Art derzeit auf der niederösterreichischen Seite fehlen (oder verschollen sein) sollte, wäre Samenanflug auf "unsere" Seite denkbar - nicht bei vorherrschender Westwetterlage, wohl aber bei östlichen Winden.
Von Helichrysum arenarium gibt es eine kleine Population auf den Sanddünen bei Oberweiden, die sich aber in der dort ziemlich geschlossenen Grasnarbe relativ schwer tun; das Bild ist aus einer steilen Sandwand (unzugänglich), es kann sich aber wohl nur um diese Art handeln; auch deren Samen könnten über die Grenze wandern.

Habe den Berg selbst erst voriges Jahr entdeckt - ein Besuch ist absolut empfehlenswert; auch, da man dort relativ leicht Arten beobachten kann, die bei uns schon sehr selten sind.

Die Bilder sind vom 02.07.2016; ich war auch noch am 02.04.2017 dort, habe da aber nichts wirklich aussergewöhnliches gefunden (ausser Viola cf. ambigua - es war entweder ambigua oder die Hybride ambigua mit hirta) - gesucht hätte ich erwartbare Iris humilis, gefunden hab ich aber nur (gelbe und violette) Iris pumila.
Dateianhänge
20160702_0105_P7026590.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20160702_0105_P7026590.jpg (842.11 KiB) 1056 mal betrachtet
20160702_0098_P7026580.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20160702_0098_P7026580.jpg (1.49 MiB) 1056 mal betrachtet
20160702_0136_P7026642.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20160702_0136_P7026642.jpg (1.31 MiB) 1056 mal betrachtet

Benutzeravatar
Jürgen Baldinger
Beiträge: 988
Registriert: Montag 19. September 2016, 19:47
Wohnort: Wien
Kontaktdaten:

Re: Der Sandberg von Devín (Bratislava) - Xeranthemum annuum, Helichrysum arenarium

Beitragvon Jürgen Baldinger » Dienstag 16. Mai 2017, 19:31

Danke für den Tipp, da muss ich hinschauen. Übrigens ist Xeranthemum annuum in der Flora Wien noch 1995 bis 1998 für Favoriten angegeben: "Wienerberg: Westteil" sowie 1999 für die Leopoldstadt: "Zwischen dem 'Winterhafen und dem Donauufer auf Ödland neben einem neu errichteten Radweg an ein paar Stellen spärlich". Alte Nachweise stammen von Döbling, am Himmel und von Sievering. Galt aber schon Neilreich auf dem Stadtgebiet als sehr selten. Janchen gibt sie 1977 auf Sandsteppen und trockenem Ödland im Pannonikum als zerstreut an. Als Fundorte gibt er an in NÖ Marchfeld (Lassee und zwischen Seyring und Obersdorf), Steinfeld (zwischen Wiener Neustadt und Neunkirchen), Wiener Becken (Reisenberger Hügel (südöstlich von Gramat-Neusiedl), Gallbrunn, Königsberg a. d. Fischa), Gebiet der Hainburger Berge (bei Deutsch-Altenburg, Hundsheim, Wolfsthal, Edelsthal, Berg). Für das Burgenland nennt er Anhöhen nördlich des Neusiedler Sees von Gols über Weiden bis Jois und zum Hackelsberg, "mehrfach und reichlich". Jetzt wären halt rezente Kartierungsergebnisse gefragt... seufz.
"(...) gib ihnen noch zwei südlichere Tage (...)"

Oliver Stöhr
Beiträge: 570
Registriert: Freitag 25. November 2016, 20:05
Kontaktdaten:

Re: Der Sandberg von Devín (Bratislava) - Xeranthemum annuum, Helichrysum arenarium

Beitragvon Oliver Stöhr » Dienstag 16. Mai 2017, 20:30

Ein rezentes Kartierergebnis aus Österreich kann ich beisteuern: Und zwar wächst Xeranthemum annuum nach wie vor beständig am Hackelsberg bei Jois im Burgenland an sandigen Wegböschungen, anbei ein Bild aus 2007.
Viele Grüße
Oliver
Dateianhänge
Xeranthemum_annuum_1_Hackelsberg_2007.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
Xeranthemum_annuum_1_Hackelsberg_2007.jpg (1.1 MiB) 1048 mal betrachtet

Benutzeravatar
Hermann Falkner
Beiträge: 501
Registriert: Sonntag 23. Oktober 2016, 20:16
Wohnort: Wien

Re: Der Sandberg von Devín (Bratislava) - Xeranthemum annuum, Helichrysum arenarium

Beitragvon Hermann Falkner » Mittwoch 17. Mai 2017, 07:57

Danke Oliver ;-) dieses Vorkommen am Hackelsberg kenne ich selbst auch, dort ist die Art noch vital.
Ergänzend vielleicht zu meinem Besuch am Sandberg heuer im April - mit "keine Besonderheiten gefunden" meine ich, keine wirklich grossen Raritäten: es gibt natürlich dort sehr schöne Trockenrasen, die von der Artengarnitur an die Hainburger Berge erinnern, also in jedem Fall ein sehr sehenswertes Gebiet - bei meinen beiden Kurzbesuchen habe ich bisher an Raritäten aber nur diese beiden gefunden.
Ach ja - nachgetragen: man kann dort Alyssum montanum auf reinem Sand beobachten - die (sonst ja nicht so seltene) Art wächst sonst ja normalerweise im Fels, fühlt sich auf Sandwänden offensichtlich aber auch wohl.

Zu den Fundangaben für Wien aus den 1990ern - die sind beide verdächtig, anthropogen zu sein; der (heutzutage!) in Wien geeignetste Standort für Xeranthemum annuum (& auch Helichrysum arenarium) wäre wohl der kleine Rest von einem Sandgebiet in Breitenlee, es gibt dafür aber offenbar keine Angaben, auch über Google habe ich dazu nichts gefunden - und ich kenne den Frachtenbahnhof Breitenlee ja auch einigermassen; durch die relativ späte Blütezeit könnte man die aber natürlich schon auch übersehen, wenn man nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.

Übrigens - Verdacht auf anthropogenen Ursprung muss man bei rezenten Angaben von Xeranthemum annuum sowieso äussern, falls es ein anthropogener Standort wie eine "frische" Böschung ist, die Art wird nämlich gern auch in Rasenmischungen verwendet, weil sie schön blüht; die Fundangabe Wien Winterhafen geht übrigens auf Melzer/Barta (Linzer biol. Beitr. 32/1 Jahr 2000) zurück, pdf-Link zum Artikel:
https://www.google.at/url?sa=t&rct=j&q= ... 02NSyF6Ilw
(Übrigens auch mit einigen anderen sehr interessanten Neufunden!)
Die Autoren meinen, Xeranthemum annuum könne in Wien kaum eine Verwilderung sein, da nur selten kultiviert - dem sind leider die jetzt modernen Rasenmischungen entgegenzuhalten. Ob das auch schon für den Fund am Winterhafen von Melzer/Barta zutrifft? schwer zu sagen, die Rasenmischungen gibt's schon länger, Xeranthemum in diesen aber vielleicht noch nicht so lange.
--------> Nachtrag 17. Mai abends: hab ein wenig gegoogelt und Xeranthemum dürfte wohl doch nur eher selten in Saatgutmischungen drin sein; ist für mich auch schwer zu beurteilen, aber Xeranthemum dürft's eher einzeln als in Mischungen geben, und das könnte bedeuten: doch eher selten gesät

Die Autoren geben als weitere Neufunde von Xeranthemum annuum an (Zitat aus Melzer/Barta 2000):
- Weinviertel, bei Matzen am Süd- und Südwesthang des Wartberges, sowie an den Mühlbergen und nördlich davon an zwei Stellen, 1990, Ba - 7666/1
- Marchfeld, nordöstlich von Stammersdorf knapp außerhalb der Wiener Stadtgrenze an einer grasigen Böschung, 1988, möglicherweise an derselben ruderalisierten Böschung und im angrenzenden Brachland mehrere tausend vorjährige Exemplare, 2000, Ba - 7664/4
- B: Leithatal, Gattendorf, am südöstlichen Ortsrand an einer sandigen Böschung nahe der Bahnlinie, zahlreich, 1996, Ba - 7967/4.


Die Angabe bei Stammersdorf ("Marchfeld") könnte übrigens auch "verdächtig" sein, weil dort, bei den Alten Schanzen, Äcker und Brachen mit Saatgut weniger häufiger oder auch seltenerer Arten besät worden sind - ich weiss allerdings nicht, welche Arten man dort ausgebracht hat.

Zu den Angaben bei Janchen kann ich nicht sehr viel sagen, ausser dass ich an allen genannten Orten, die ich kenne (doch einige: Hainburger Berge, Reisenberg, etc etc), noch nie Xeranthemum annuum gesehen habe; aber versteckte, kleinere Vorkommen kann man leicht einmal übersehen, erst recht, wenn man zu früh im Jahr hinkommt; der Königsberg bei Enzersdorf an der Fischa (bei der Strasse ein Steinbruch, der geeignete Habitate bieten würde, bzw. möglicherweise auch am Königsberg oben selbst) beispielsweise muss leider als degradierender Trockenrasen betrachtet werden, ich war dort auch öfters schon im Sommer und im Herbst und wenn nicht sehr versteckt, dann hätte ich Xeranthemum dort eigentlich sehen "können". Die Hainburger Berge sind dagegen ein riesiges Gebiet, von dem ich nur relativ kleine Schnipsel kenne - dort könnte und sollte sich Xeranthemum schon gehalten haben.

Vegetativ ist die Art jedenfalls wohl nicht so leicht auszumachen, bei meinem Besuch im April bin ich am Sandberg wieder beim Xeranthemum-Vorkommen vorbeigegangen und ich hätte nicht sagen können, welche Jungpflanzen nun Xeranthemum sein sollen; es war aber auch noch vergleichsweise zeitig im Jahr. (> Nachtrag: hab ganz vergessen, als Einjährige können die um die Jahreszeit kaum über das Keimblattstadium hinaus entwickelt gewesen sein - und Keimlinge schauen ja oftmals "ganz anders" aus, kein Wunder, dass ich sie nicht erkannt habe.)


Zurück zu „Blick über die Grenzen“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast