Syntopie: sie kamen sich nahe

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Jürgen Baldinger
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Syntopie: sie kamen sich nahe

Beitragvon Jürgen Baldinger » Sonntag 16. Juni 2019, 22:19

Hermann hat bei Veratrum ja schon gezeigt, wie nahe sich nigrum und album kommen können. Auch mir gefällt es immer wieder zu sehen, in welcher geringer Distanz nah verwandte, aber ökologisch dennoch auch unterschiedlich eingenischte Arten auftreten können. Wer sich beteiligen möchte, kann seine Funde hier gerne dazustellen.

Heute auf der Donauinsel, Höhe Wasserspielplatz, habe ich zum Beispiel Salvia pratensis und S. nemorosa nur wenige Meter voneinander entfernt wachsen sehen.

Ökologische Zeigerwerte, skaliert nach Ellenberg et al. 1992 (von Karrer für Österreich übernommen):
S. nemorosa    L: 7    T: 7    K: -    F: 4    R: 9    N: 4
S. pratensis    L: 8    T: 6    K: 4    F: 3    R: 8    N: 4
Oberdorfer schreibt (für die deutschen Vorkommen) in der 8. Auflage der Pflanzensoziologischen Exkursionsflora:
S. pratensis: (...) häufig in Kalk-Magerrasen, Halbtrockenrasen oder warmen Fettwiesen, an Wegen und Böschungen, auf sommerwarmen, mäßig frisch-trockenen, mäßig nährstoffreich-mageren, basenreichen, vorzugsweise kalkhaltigen, mäßig sauren-milden, humosen oder rohen, lockeren Lehmböden, auch Rohboden-Pionier, über 100 cm tief wurzelnd, wärmeliebende Lichtpflanze (...)

S. nemorosa: (...) selten und unbeständig in ruderal beeinflussten Halbtrockenrasen, an Wegen, Dämmen, Schuttplätzen, auch in Gebüschsäumen, auf sommerwarmen, mäßig trockenen, meist kalkhaltigen, lockeren, sandig-steinigen Lehmböden (...)
Ich hätte angenommen, dass Stickstoff- und Feuchte-Zahl von nemorosa auf pannonischen Standorten, wo diese Salbei-Art im Hochsommer ja sehr häufig ist, etwas geringer wären als jene von pratensis, dass die Art also auf magereren, trockeneren Standorten als pratensis wächst, aber offensichtlich ist nemorosa nur wärmeliebender und noch stärker an basische Bodenreaktion gebunden. Die Feuchte-Zahl ist sogar um eine Stufe höher.
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salvia nemorosa links und s. pratensis rechts donauinsel wasserspielplatz_20190616_172352.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
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Jürgen Baldinger
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Re: Syntopie: sie kamen sich nahe

Beitragvon Jürgen Baldinger » Dienstag 10. März 2020, 21:50

Ich hab' beim Durchsehen meines Archivs noch folgendes Beispiel für syntope Arten einer Gattung gefunden: Acer campestre, A. platanoides und A. pseudoplatanus am Straßenrand zum Agnesbründl im Wienerwald (15. Aug. 2019).
acer campestre und platanoides und pseudoplatanus weg von rohrerwiese zum agnesbründl_20190815_114458.jpg
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Gagea villosa und G. lutea

Beitragvon Jürgen Baldinger » Sonntag 22. März 2020, 22:00

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Re: Syntopie: sie kamen sich nahe

Beitragvon Jürgen Baldinger » Freitag 27. März 2020, 21:35

Sedum sexangulare und Sedum rupestre agg., gestern, silikatischer Blockwurf mit (wohl zumindest teilweise kalkhaltiger) Kiesel- und Feinerdeauflage, beim Eingang des Freudenauer Seitenhafens gegenüber des Praterspitzes.
sedum sexangulare und sedum rupestre agg. eingang zu seitenhafen freudenau gegenüber praterspitz_20200326_153619 2.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
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Re: Syntopie: sie kamen sich nahe

Beitragvon Jürgen Baldinger » Sonntag 29. März 2020, 22:19

Salvia austriaca und S. nemorosa in Johannesberg in Unterlaa, Wien (21. Apr. 2017); S. aethiopis wächst wenige Meter entfernt.
salvia austriaca et nemorosa_hohlweg johannesberg_8107.JPG
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
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Re: Syntopie: sie kamen sich nahe

Beitragvon Jürgen Baldinger » Montag 30. März 2020, 22:22

Es ist ja nur eine Spielerei, die man mir nachsehe, nebeneinander vorkommende Arten einer Gattung abzubilden, aber es macht mir Spaß, und schließlich ist es harmlos. Hier heute daher Stellaria pallida und St. media s. str. im Wiener Schweizergarten.
schweizergarten_20200330_162038.jpg
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Re: Syntopie: sie kamen sich nahe

Beitragvon Jürgen Baldinger » Donnerstag 2. April 2020, 21:17

Sedum acre und S. album syntop am Bhf Lassee
sedum album et s. acre bhf lassee_20190712_080247.jpg
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