Segetalflora 2020

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Stefan Lefnaer
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Re: Segetalflora 2020

Beitragvon Stefan Lefnaer » Samstag 4. Juli 2020, 21:40

Hier noch ein für das Weinviertel ungewöhnlicher Fund von gestern in Bereich der Hollabrunn-Mistelbach-Formation: Aphanes arvensis auf einem Erdstreifen zwischen einem Weg am Waldrand und einem eingezäunten Lagerplatz. Der Boden besteht laut Bodenkarte aus "entkalkter Lockersediment-Braunerde aus Löß (meist kalkfrei, selten kalkarm)" und bietet dieser kalkfeindlichen Art geeignete Lebensbedinungen.

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Nur rund 1,3 km weiter übrigens zwei Individuem des eher kalkliebenden Galium tricornutum  CR  an einem Ackerrand über "Tschernosem aus kalkhältigem, bindigem Feinmaterial (schwach kalkhältig bis stark kalkhältig)":

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Stefan Lefnaer
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Re: Segetalflora 2020

Beitragvon Stefan Lefnaer » Dienstag 7. Juli 2020, 21:54

Crepis pulchra gibt es am Friedhof (siehe oben) übrigens auf einer Art Brache mit anscheinend kürzlich umgebrochenen Boden (daher auch im weiteren Sinne segetal) recht zahlreich, wie ich zwischenzeitlich herausgefunden habe. Da die Körbe nur in der Früh offen sind, bin ich heute vor der Arbeit hingeradelt und habe einige Fotos gemacht:

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Re: Segetalflora 2020

Beitragvon Stefan Lefnaer » Dienstag 7. Juli 2020, 22:07

Am Abend war ich dann noch am Rand des Korneuburger Beckens unterwegs. Auf einer Brache am Waldrand wieder sehr zahlreich Filago vulgaris (= F. germanica)  CR . Entweder hat die Art heuer ein gutes Jahr oder breitet sich aus. Da stehen sie wie die Orgelpfeifen:

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Die Gesamtkorbstände waren oft reich verzweigt:

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Direkt daneben einige Individuen von Alcea biennis  CR . Interessanterweise vergesellschaftet mit Asclepias syriaca.

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Re: Segetalflora 2020

Beitragvon Stefan Lefnaer » Donnerstag 9. Juli 2020, 21:32

Ich war heute mit einem anderen Botaniker nächst Poysbrunn (Bezirk Mistelbach) unterwegs und wurde auf einer schottrigen Brache über "Braunlehm aus reliktem Bodenmaterial (kalkfrei)" wieder mit Filago vulgaris (= F. germanica)  CR  fündig:

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Prof. Niklfeld hat mir freundlicherweise seine Verbreitungskarte geschickt und dort sind im Weinviertel i.w.S. nur einige Quadranten im südlichen Marchfeld, zwei an der March, einer am Westrand (Übergang zur Böhmischen Masse) und jener, in der die Burg Kreuzenstein liegt, angeführt. Für letzteren gibt es bereits eine Angabe in Janchen (1977). Im zentralen Weinviertel herrscht jedoch gähnende Leere. Diese kann ich nun schon mit einigen Neufunden auffüllen. Hier meine vorläufige Verbreitungskarte:

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Nächst Poysbrunn auch wieder Galium tricornutum  CR  auf einer Brache über "kalkhältigem Kulturrohboden aus Feinsedimenten (stark kalkhaltig)":

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Ich weiß, die Art hatten wir hier schon oft. Ich führe sie nur samt meiner aktuellen Verbreitungskarte an, damit Jürgen keine Phantomschmerzen bekommt. :-)

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Jürgen Baldinger
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Re: Segetalflora 2020

Beitragvon Jürgen Baldinger » Donnerstag 9. Juli 2020, 22:11

Ich botanisiere eindeutig zuwenig.
"(...) gib ihnen noch zwei südlichere Tage (...)"

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Re: Segetalflora 2020

Beitragvon kurt nadler » Freitag 10. Juli 2020, 18:53

wieder herrliche funde in den letzten 2 wochen, gratulier euch.
mein highlight in floridsdorf ist sideritis!
super auch der melampyrum barbatum-acker so weit westlich. kann wer dessen (vom m. barbatum!) areal beschreiben?
Zuletzt geändert von kurt nadler am Freitag 10. Juli 2020, 23:48, insgesamt 1-mal geändert.

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Stefan Lefnaer
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Re: Segetalflora 2020

Beitragvon Stefan Lefnaer » Freitag 10. Juli 2020, 22:01

Ich müsste das Thema wohl nun in Filago vulgaris-Blog umbenennen. Ich bin nämlich nun gezielt auf kalkfreien Brachen an Waldrändern auf Suche gegangen. Am Vormittag war ich in der Hollabrunn-Mistelbach-Formation (HMF) nördlich des Buschbergs unterwegs. Dort westlich des Zaya Gates, wo die Urdonau über die Waschbergzone in den Lake Pannon floß, haben sich besonders viele schottrige kalkfreie Böden erhalten. Bereits auf meiner ersten Untersuchungsfläche fand ich recht zahlreich Filago vulgaris:

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Im nördlich anschließenden Quadranten habe ich mir eine weitere Brache angesehen und zahlreich F. arvensis gefunden.

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Darunter gemischt an einigen Stellen auch F. vulgaris:

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Man kann also konstatieren, dass sich in der HMF ein von der Florenkarierung bisher unentdecktes Filago vulgaris-Cluster versteckt hat! Ob dieser Umstand auf Ausbreitung der Art in den letzten Jahren oder bisher mangelhafte Kartierung zurückzuführen ist, kann ich z.Z. nicht sagen.

Am Nachmittag war ich dann am Glockenberg unterwegs. Auf (mit anscheinend mit Ernstbrunner Kalksandstein!?) gekiesten Forststraßen habe ich zweifach kleinere Vorkommen von F. vulgaris gefunden:

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Diese Vorkommen gehören zu einem zweiten Cluster am Bisamberg-Glockenbergzug über Quarzsandstein der Flyschzone. Hier eine aktualisierte Verbreitungskarte, diesmal mit geologischem Hintergrund:

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Die HMF ist der horizontale orange Streifen in der Bildmitte. Der Bisamberg-Glockenbergzug der rechte dunkelorange Streifen rechts unten.

Prof. Niklfeld hatte bisher neun randliche Quadranten im Weinviertel mit F. vulgaris in seiner Karte. Ich habe nun weitere acht hinzufügen können. Vielleicht gehen sich heuer noch weitere aus!

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Re: Segetalflora 2020

Beitragvon Jürgen Baldinger » Samstag 11. Juli 2020, 07:29

Beeindruckend!
"(...) gib ihnen noch zwei südlichere Tage (...)"

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Re: Segetalflora 2020

Beitragvon Stefan Lefnaer » Sonntag 12. Juli 2020, 21:46

Hier eine nicht-segetale Fortsetzung des Filago vulgaris-Themas: heute habe ich Quadrant 7363-4 untersucht, insbesondere den Glasweiner Wald südlich von Patzmannsdorf. Auf einer Schlagfläche, die aufgrund der gepflanzten Rot-Föhren an das westliche Waldviertel erinnert...

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...dann auch wieder eine kleine Population von F. vulgaris:

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Das ist heuer mein neunter Quadrant neu für die Art. Luise Schratt-Ehrendorfer meint, heuer wäre ein F. vulgaris-Jahr. Sie hat an der March große Bestände gesehen.

Was ich jedoch noch nicht ganz verstehe, sind die limitierenden Faktoren. Laut der Meuselkarte kommt die Art fast in ganz Europa außer in den Alpen vor. Es handelt sich also um keine osteuropäische oder mediterrane Art, die bei uns an der Verbreitungsgrenze liegt. Wieso ist die Art bei uns selten bzw. warum war sie früher häufiger? Laut Fischer et al. (2008) sind ihre Habitate "Trockenrasen, Ackerbrachen, Äcker, Ruderalstellen; meist kalkarme, humus- u. feinerdearme Sand- u. Kiesböden", Kästner et al. (2001) geben "trockene, sandig-kiesige Böden, in extensiv genutzten Äckern, Sandtrockenrasen, Ruderalfluren und Brachen, Wegränder und Böschungen" an. Also kann es nicht nur an der Intensivierung der Landwirtschaft liegen. Habitate wie Forststraßen, Schlagflächen, Ruderalflächen usw. sind ja weiterhin vorhanden. Es wird jedenfalls interessant sein die Bestände und deren Entwicklung in Zukunft zu beobachten.

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Re: Segetalflora 2020

Beitragvon Stefan Lefnaer » Dienstag 14. Juli 2020, 21:52

Hier noch ein paar Fotos von gestern. Eigentlich war ich am Toblerberg bei Oberrohrbach (Bez. Korneuburg) um wieder Filago vulgaris suchen, weil es von dort eine Angabe in Janchen (1977) gibt. Diese Art habe ich nicht gefunden, dafür aber einen Weizenacker mit Neslia paniculata s. str. (abgeschnitten und neu ausgetrieben)...

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...Ranunculus arvensis, im Pann  EN ...

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...und zahlreich Aphanes arvensis. Das ist mein Zweitfund im Weinviertel dieser kalkfeindlichen Art. So viele kalkfreie Böden gibt es da ja nicht, daher ist diese Art hier eine Rarität.

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