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Re: Segetalflora 2020

Verfasst: Samstag 23. Mai 2020, 20:58
von Stefan Lefnaer
Heute nächst Ernstbrunn eine interessante Ackerbrache über "kalkhältigem Kultur-Rohboden aus Kalkmergel (stark kalkhältig)". Neben diversen spontan aufgegangenen sowie (in früheren Jahren?) eingesäten Arten zwei auch sicher spontane Individuen von Lathyrus hirsutus  EN . Man kann diese Art sofort an der purpurnen, später hellblauen Fahne und den viel helleren Flügeln der Blüte erkennen.

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Daneben auf der Ackerböschung an einem Gebüschrand übrigens zahlreich Hesperis sylvestris  EN . Diese Art dürfte in Ausbreitung begriffen sein. Jedenfalls ist sie im mittleren Weinviertel immer wieder zu finden und zeigt auch eine subruderale und subsegetale Tendenz.

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Re: Segetalflora 2020

Verfasst: Sonntag 24. Mai 2020, 18:30
von kurt nadler
am fuß des königswartenbergs in den östlichen hainburger bergen segetal agrostemma githago in nettem bestand einen ganzen ackerrand entlang. und ein stück weiter eine noch halboffene ackerbrache voll von coriandrum sativum. wo das wohl wieder herkommt? furchtbar stinkend im feld, saurer wanzendampf, zum glück starker wind - fürs fotografieren weniger glück. gut, dass es den rothmaler-bildband gibt, mit flora nhm und blumen in schwaben bin ich bei dieser nie zuvor gesehenen art bestimmungsgescheitert.

Re: Segetalflora 2020

Verfasst: Sonntag 24. Mai 2020, 20:28
von Stefan Lefnaer
Coriandrum sativum sehe ich öfters. Das scheint in Begrünungsmischungen enthalten zu sein. Vielleicht wird es gelegentlich auch als Gewürz kultiviert. Jedenfalls habe ich schon ganze Felder mit Reinkulturen gesehen.

Re: Segetalflora 2020

Verfasst: Sonntag 24. Mai 2020, 20:43
von Norbert Sauberer
Koriander ist in den Lagerhaus-"Biodiversitäts"-Mischungen enthalten!

Re: Segetalflora 2020

Verfasst: Sonntag 24. Mai 2020, 21:37
von Stefan Lefnaer
Heute wollte ich mir am Vormittag bei Eichenbrunn (Bez. Mistelbach) verbuschende Hänge, früher laut Franziszeischem Kataster teils Weingärten, teils "Oed" (wohl als Hutweiden genützt), ansehen. Tatsächlich sind diese aber schon so stark verbuscht und teilweise mit Robinien bestockt, dass sie nichts Interessantes mehr bieten. Am Hangfuß ist alles furchtbar eutrophiert, außer Brennnesseln, Schöllkraut und Galium aparine ist dort nichts los. Oben auf den Flächen riesige Äcker, die dafür optimiert sind möglichst viel und möglichst billig Futter für Menschen, Tiere und Wärmekraftmaschinen (die Reihenfolge der Nennung muss nicht der tatsächlichen Nutzung entsprechen) zu produzieren:

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Die Ackerbeikräuter können hier höchstens ein karges Dasein am Rand fristen, so wie hier Erysimum repandum  VU :

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Erst dann fand ich eine schmale Brache mit viel Anthemis austriaca. Der obere Teil besteht laut Bodenkarte aus "Braunlehm aus kalkfreiem, reliktem Bodenmaterial (kalkfrei; Bodenreaktion: sauer bis schwach sauer)", der untere ist "verbrauntes, kalkhaltiges Kolluvium aus abgeschwemmtem Krumenmaterial (schwach bis stark kalkhaltig (z. T. kalkarm); Bodenreaktion neutral bis alkalisch)".

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Besonders im unteren Teil herrschte eine interessante und für das Weinviertel ungewöhnliche lückige Segetalflora vor (Trifolium incarnatum ist natürlich eingesät)...

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...mit u.a. Anthemis arvensis subsp. arvensis (in Weinviertel viel seltener als A. austriaca)...

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...Scleranthus annuus (s. str.)...

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... und Rumex acetosella subsp. acetoselloides  VU :

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Links Männchen, rechts Weibchen:

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Daneben steht ein Roggenacker, der am Waldrand schütter und beikrautreich wird:

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Am Waldrand eine Einzelpflanze von (echter :-) Neslia paniculata s. str.:

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Zudem erfreulicherweise ein größerer Bestand von Papaver argemone  VU , im Pann  EN :

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Dieses Beispiel, wie auch weitere weiter oben im Text, zeigt sehr schön, was durch eine Extensivierung der Nutzung (durch temporäre Brachen oder Extensivierung der Bewirtschaftung) erreicht werden kann. Einige Segetalarten sind schon ausgestorben. Aber zumindest die anderen, auch die seltenen, kommen schnell wieder zurück und sind noch nicht verloren. Hier wäre ein rasches Gegensteuern vonnöten! Wie kolportiert wurde, möchte die EU-Kommission den Einsatz von Herbiziden, Dünger usw. reduzieren, was schon einmal ein guter Schritt wäre. Es bleibt nur abzuwarten, ob und wie die Nationalstaaten und deren Industrielobby das torpedieren und verwässern. Mal sehen!

Re: Segetalflora 2020

Verfasst: Sonntag 24. Mai 2020, 21:52
von Stefan Lefnaer
Am Nachmittag war ich dann nächst Niederhollabrunn (Bez. Korneuburg) unterwegs. Die Äcker sind auch hier weitgehend monoton und steril, nur an deren Rändern können sich noch einige Beikräuter halten. Gegen Ende der Exkursion bin ich dann noch einen schmalen Feldrain zwischen einem Weizen- und einem Gerstenacker hineingegangen:

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Und siehe da, an einer Stelle konnte sich, warum auch immer, ein Bestand von Galium tricornutum  CR  halten!

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Das ist jetzt immerhin mein 15. Quadrant in dem ich die Art kartiert habe. Wie schon oben geschrieben ist diese Art sicher nicht häufig, taucht aber immer wieder in meist kleineren Populationen auf.

Re: Segetalflora 2020

Verfasst: Mittwoch 27. Mai 2020, 20:24
von Stefan Lefnaer
Vom Floridsdorfer Bupleurum rotundifolium  EN , drei Individuen habe ich zwischenzeitlich am Erdhaufen gefunden, gibt es ein phänologisches Update:

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Re: Segetalflora 2020

Verfasst: Mittwoch 27. Mai 2020, 20:36
von Stefan Lefnaer
Auf einem Floridsdorfer Friedhof auf unbelegten Gräbern (auch solche können wertvolle Ersatzhabitate für von der industrialisierten Landwirtschaft gefährdete Arten abgeben!) dann immer wieder Legousia speculum-veneris, im Pann  VU . Adler & Mrkvicka 2003 geben die Art für Wien als "sehr selten" und nur für den Süden von Wien an. In den Nachträgen wird dann auch ein Fund in Floridsdorf ("Paukerwerkstraße auf Abstellgleis") erwähnt. Aber häufig dürfte sie nicht sein.

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Re: Segetalflora 2020

Verfasst: Freitag 29. Mai 2020, 22:29
von Stefan Lefnaer
Bupleurum rotundifolium  EN  hatten wir ja schon. Heute fand ich die Art wieder, auf der schon weiter oben erwähnten Brache nächst Schrick (mit Filago arvensis). Interessanterweise direkt neben Potentilla argentea (s. lat.), einer kalkmeidenen Art. Laut Bodenkarte handelt es sich beim Boden um einen "Paratschernosem aus feinen über groben, kalkfreien Sedimenten (kalkfrei; Bodenreaktion: schwach sauer bis neutral)". Fischer et al. 2008 nennen Bupleurum rotundifolium hingegen "kalkliebend" und Karrer gibt als Reaktionszahl 9 = "Basen- und Kalkzeiger, stets auf kalkreichen Böden" an. Immer scheint diese Einstufung aber nicht zu passen. Welche Erfahrungen habt ihr mit der Art gemacht?

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Re: Segetalflora 2020

Verfasst: Freitag 29. Mai 2020, 22:44
von kurt nadler
fund 1 nächst nsg thenau über grusigem leithakalk
fund 2 am jungerberg über silikat
fund 3 auf irgendeiner schwarzerde des seevorlands