Luzula campestris agg. p. p.

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Stefan Lefnaer
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Luzula campestris agg. p. p.

Beitragvon Stefan Lefnaer » Donnerstag 30. April 2020, 20:34

Ich hatte das ja schon an anderer Stelle gefragt, da ist es aber wohl untergegangen. Ich sehe in trocken-warmen Laubmischwäldern im Weinviertel immer nur Luzula divulgata. Ich habe sie bisher in 18 Quadranten (+1 heute) kartiert (siehe die Karte). Drei davon cf., weil die Pflanzen da in einem bestimmungstechnischen ungünstigen Zustand waren. Ich richte mich normalerweise nach dem Längenverhältnis Anthere zu Filament, manchmal auch nach der Griffellänge, und das liefert mir immer ein eindeutiges Ergebnis. Am Anfang habe ich zusätzlich die Spaltöffnungen vermessen, was mehr Aufwand ist, aber auch immer einen konsistenten Wert lieferte. L. multiflora s. str. konnte ich hingegen noch nie finden. Ich glaube sie einmal auf einer Exkursion am Semmering gesehen zu haben, habe sie damals aber nur im Feld untersucht.

Meine Vermutung ist daher, dass im Weinviertel (und dem restlichen Pannonikum) nur L. divulgata auftritt und L. multiflora s. str. eine mitteleuropäischen Sippe ist. Welche Erfahrungen habt ihr da gemacht und wie oft habt ihr die Arten jeweils wo gefunden?

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Re: Luzula campestris agg. p. p.

Beitragvon Norbert Sauberer » Donnerstag 30. April 2020, 21:03

Ich habe im Pannonikum bisher nur Luzula divulgata und L. campestris gefunden.

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Stefan Lefnaer
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Re: Luzula campestris agg. p. p.

Beitragvon Stefan Lefnaer » Donnerstag 30. April 2020, 21:07

Danke für die Rückmeldung! Klar, L. campestis gibt es auch, aber nicht im Wald und durch den lockerrasigen Habitus leicht unterscheidbar.

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Re: Luzula campestris agg. p. p.

Beitragvon Stefan Lefnaer » Sonntag 3. Mai 2020, 23:13

Heute konnte ich im Ernstbrunner Wald tatsächlich Luzula multiflora s. str. nachweisen. Alle Merkmale passen perfekt, v.a. das Längenverhältnis Filament zu Anthere und die Griffellänge. Auch die Spaltöffnungen, für die zwar im Schlüssel keine Maße angegeben sind, wären mit 30-35 µm zu klein für L. divulgata. Man kann die Art aus meiner Sicht aber schon von weitem von L. divulgata durch die hellbraunen Perigonblätter, die die Blütenstände heller erscheinen lassen, unterscheiden. Hier Fotos:

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In der Umgebung erinnert die Flora, mit Arten wie Sambucus racemosa, Epilobium angustifolium und Prenanthes purpurea, etwas an das westliche Waldviertel. Ich vermute, dass hier am Ostende des Glasweiner Walds der meist von Westen wehende Wind mit Feuchtigkeit angereichert ankommt und daher ein kühleres und feuchteres Mikroklima vorherrscht als in den westlichen Teilen. Das wirkt sich entsprechend auf die Artzusammensetzung aus. Weiter oben am Hang, nur wenige hundert Meter entfernt (wie würde Jürgen sagen? Subsyntop?) und auf einem viel weniger tiefgründigen, schottrigen Boden, fand ich allerdings dann L. divulgata vor.

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Re: Luzula campestris agg. p. p.

Beitragvon Jürgen Baldinger » Montag 4. Mai 2020, 08:10

Hingegen fand ich gestern Sonchus asper und S. oleraceus – Achtung – eusyntop. :-)

Schmähohne: Hast Du vielleicht auch ein Foto von den Samen? Bei divulgata sollen sie ja fast kugelig sein, jene von Deinem Link oben sind aber teilweise auch ellipsoidal. Es würde mich interessieren, wie groß der Unterschied zu multiflora s. str. ist.
"(...) gib ihnen noch zwei südlichere Tage (...)"

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Re: Luzula campestris agg. p. p.

Beitragvon Stefan Lefnaer » Montag 4. Mai 2020, 12:32

Foto habe ich, ist aber noch nicht bearbeitet. Die Unterschiede sind aber marginal, das Samenmerkmal passt nicht so wirklich. Mögicherweise muss man vollreife Samen anschauen. Ich werde heuer, nachdem ich nun beide Arten an bekannten Wuchsorten zur Verfügung stehen habe, versuchen solche zu fotografieren.


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