Können sich Hybrid-Pappeln natürlich verjüngen?

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Michael Hohla
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Können sich Hybrid-Pappeln natürlich verjüngen?

Beitragvon Michael Hohla » Mittwoch 7. April 2021, 16:45

Liebe Leute,
ich habe ein konkrete Frage: Können sich Hybrid-Pappeln (Populus x canadensis) natürlich verjüngen? Ich sehe gelegentlich verschleppte junge Pflanzen aber keine jungen Hybrid-Pappeln, die aus Samen hervorgegangen sind. Weiß jemand von euch verlässliche Literatur zu diesem Thema? Danke schon jetzt, liebe Grüße, Michael

kurt nadler
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Re: Können sich Hybrid-Pappeln natürlich verjüngen?

Beitragvon kurt nadler » Mittwoch 7. April 2021, 17:34

ich antworte mit einer knappen themenverfehlung: die ergebnisse der salzburger biotopkartierung entlang der unteren saalach zeigen eindrucksvoll, dass sich "hybridpappeln" massenhaft vermehren, doch beweise für p. nigra spärlich sind oder ausbleiben. der genmix scheint so weit fortgeschritten zu sein, dass reine s.-pappeln gebietsweise nicht oder kaum mehr auftreten.
im ort prellenkirchen gibt es ziemlich weit fernab der donauauen wohl keine alten schwarzpappeln, jedoch etliche für dekorzwecke gepflanzte ältere hybridpappeln, und die sämlinge durch den ort hindurch enden beim bestimmungsversuch bei p. nigra. ich schließe daraus, dass auch sorgsame p. nigra-bestimmungsergebnisse nicht reine nigras betreffen können.

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Michael Hohla
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Re: Können sich Hybrid-Pappeln natürlich verjüngen?

Beitragvon Michael Hohla » Mittwoch 7. April 2021, 18:47

Lieber Kurt,
am Unteren Inn gibt es in den Auen noch schöne Populus nigra-Bestände und auf den jungen Anlandungen und umliegenden Industriefläche und Schottergruben jede Menge junge Populus nigra, auch wenn diese dort keine Zukunft haben. Auch die Gefahr der Hybridisierung wurde in den Innauen auf der bayerischen Seite untersucht (vgl. Reichholf-Riehm & Brunninger 2011, Stapfia), man fand damals bei den beprobten Bäumen bis auf eine Ausnahme nur reine Populus nigra. Zumindest in unserem Gebiet ist diese Hybridisierung scheinbar nicht problematisch. Aber noch einmal zu den Jungpflanzen. Ich kenne selber keine Verjüngungen von Populus x canadensis. Ich hätte das gerne literaturunterstützt gewusst. Andere Frage: Wurden diese massenhaften Jungpflanzen in Salzburg genetisch untersucht?
Das würde mich brennend interessieren.
Liebe Grüße
Michael

kurt nadler
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Re: Können sich Hybrid-Pappeln natürlich verjüngen?

Beitragvon kurt nadler » Mittwoch 7. April 2021, 20:02

wie gesagt hab ich nur an der frage vorbeigeantwortet.
leider: "nix genaueres weiß ich nicht". ich denke, es wird jemand was nennen können.

Oliver Stöhr
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Re: Können sich Hybrid-Pappeln natürlich verjüngen?

Beitragvon Oliver Stöhr » Mittwoch 7. April 2021, 20:14

Kennt ihr u.a. das?
https://www.land-oberoesterreich.gv.at/ ... 202014.pdf
Eine Anfrage bei Berthold Heinze (BFW) wäre zu dieser Frage wohl ertragreich.

Eine andere, ev. provokante Frage dazu, vielleicht in gleich in die gesamte Forumsrunde: Unter welchem Namen kartiert ihr den Jungwuchs und wie unterscheidet ihr die Sämlinge? Bin gespannt auf eure Antworten ;-)
Lg
Oliver

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Norbert Sauberer
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Re: Können sich Hybrid-Pappeln natürlich verjüngen?

Beitragvon Norbert Sauberer » Mittwoch 7. April 2021, 22:39

Da gab es doch Untersuchungen im NP Donauauen. Zunächst wurde befürchtet, dass die Hybridpappel alles dominieren wird, aber genetisch war die Verjüngung dann doch (fast) nur Schwarzpappel. Ich glaube die Untersuchung wurde am BFW gemacht.

Hier in Traiskirchen vermehrt sich Populus nigra prächtig, Hybridpappelvermehrungen sind mir eigentlich noch nicht wirklich aufgefallen.

Vielleicht helfen die folgenden Links weiter:
http://bfw.ac.at/050/pdf/forst-gen-ethik_bialozyt.pdf
https://forschung.boku.ac.at/fis/suchen ... d_in=17341

oder gleich am besten beim BFW oder bei Edi Hochbichler (Boku) nachfragen...

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Michael Hohla
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Re: Können sich Hybrid-Pappeln natürlich verjüngen?

Beitragvon Michael Hohla » Donnerstag 8. April 2021, 07:11

Danke Oliver, danke Norbert,
Oliver hat mit seiner etwas provokanten Frage schon Recht: Genau genommen dürfte man junge Pappeln, junge "Balsampappeln" und auch junge verwilderte Platanen nicht als Arten führen. Ich bin überzeugt, dass da viele Kreuzungsprodukte, Rückkreuzungen bzw. so manches "Gemendelte" wächst. Bei aufgehenden Jungpflanzen der Balsampappeln verwendete ich aus diesem Grund nur mehr Populus sect. Tacamahaca. Vielleicht ist aber auch das schon zu optimistisch und man müsste sie unter Populus spec. führen? Ständig ist man auf der Suche nach den richtigen Töpfen (ähnlich wie beim Status). BotanikerInnenfleisch will scheinbar gepeinigt sein! ;-)
Liebe Grüße
Michael
PS.: Lieber Norbert, hast du mir vielleicht von Edi Hochbichler eine Mailadresse? Danke!

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Norbert Sauberer
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Re: Können sich Hybrid-Pappeln natürlich verjüngen?

Beitragvon Norbert Sauberer » Donnerstag 8. April 2021, 08:26

Edi ist leicht zu finden auf der boku-homepage: https://forschung.boku.ac.at/fis/suchen ... &id_in=100

Peter Pilsl
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Re: Können sich Hybrid-Pappeln natürlich verjüngen?

Beitragvon Peter Pilsl » Donnerstag 8. April 2021, 08:44

Im Rahmen der Neophytenkartierung der Stadt Salzburg habe ich viel Pappeljungwuchs gesammelt. Bei der Bestimmung der nigra-Gruppe aber auch bei den Formen der Balsamifera-Gruppe muss ich leider Zugeben, dass mir eine sichere Bestimmung kaum möglich war. Sowohl die Blattform als auch die Behaarungsmerkmale bei der nigra-Gruppe sind sehr variabel. So waren auch bei eindeutigen nigra-Bäumen am Blattrand und Stielansatz Härchen zu finden. Daher hab ich zuerst mal eher dazu tendiert diese Pflanzen, die ja zu tausenden auf Schotterflächen im Stadtbereich keimten, als x canadensis zu bestimmen, bin aber im Lauf der Jahre eher dazu übergegangen diese als nigra zu bezeichnen. Altpflanzen von nigra sind in der Regel aufgrund der Konorrigkeit der Stämme einfach zu bestimmen und wenn eine "Schwarzpappel" Misteln drauf hat, dann ist es sicherlich eine x canadensis. Somit auch von mir leider keine konkrete Antwort auf die Frage von Michael.
Was die Schwarzpappel in den Salzachauen betrifft, so wird diese in den nächsten Jahren aussterben, die letzten Bäume haben Greisenalter erreicht und brechen sukzessive zusammen. Aufgrund der fehlenden Flußdynamik gibt es keine offenen Schotterflächen mehr und somit auch keinen Jungwuchs. somit war der ehemalige Schotterbabbau in den Auen für die Schwarzpappel förderlich.
Bei der Balsamifera-Gruppe gibt es wohl ein ähnliches Problem mit der Bestimmung, da Kantigkeit der Triebe, Blattform als auch Blattstiellänge kaum mit den Bestimmungsbüchern korrelierten.
Peter Pilsl
SABOTAG


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