Viola-Workshop - kritische Arten unterscheiden, Hybrid-Problematik

= Blütenpflanzen; Bestimmungsfragen
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Jürgen Baldinger
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Re: Viola-Workshop - kritische Arten unterscheiden, Hybrid-Problematik

Beitragvon Jürgen Baldinger » Dienstag 17. April 2018, 11:19

Der EföLS 2008-Schlüssel wird nach Neilreichia 6: 297–325 (2011) in diesem Punkt abgeändert, falls es jemand noch nicht weiß:

S.433, 20.Z. v.u., Viola rupestris: Richtig: … gekerbt; Frkn u. Fr kahl od. („var. arenaria“) flaumig behaart. — …
"(...) gib ihnen noch zwei südlichere Tage (...)"

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Hermann Falkner
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Re: Viola-Workshop - kritische Arten unterscheiden, Hybrid-Problematik

Beitragvon Hermann Falkner » Dienstag 17. April 2018, 17:14

Tolle Bilder und intressante Geschichte, Oliver!
Motiviert von diesen Beiträgen ist es mir heute auch gelungen, Viola rupestris in Perchtoldsdorf auf der Heide zu bestimmen; hab ich sicher schon oft gesehen, aber mich nie damit genauer befasst. Anhand der Bilder von Stefan lässt sich leicht und sicher bestimmen :-)

Die Art soll auch am Hubertusdamm in der Lobau vorkommen, dort ist aber durch die Sanierung viel zerstört worden; ich weiss nicht, ob es die dort noch gibt - den Damm absuchen ist sehr mühsam, so lang wie der ist, aber vielleicht gelingt mir ein Zufallsfund.

[-Bilder nachgetragen-]
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Hermann Falkner
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Re: Viola-Workshop - kritische Arten unterscheiden, Hybrid-Problematik

Beitragvon Hermann Falkner » Samstag 21. April 2018, 19:42

Liebe alle,

habe nun doch auch in der Lobau Viola rupestris gefunden - das war viel einfacher, als ich gedacht habe, denn die Art ist an sehr trockenen Standorten offenbar gar nicht so selten; so trockene Standorte gibt's vor allem in der Oberen Lobau (ich hab nach Föhren Ausschau gehalten, die ja meist trockene Standorte anzeigen, obwohl natürlich alle dichten Föhrenbestände in der Lobau gepflanzt sind, trifft das doch +/- zu): von 4 Punkten in der Oberen Lobau haben 3 Punkte Viola rupestris erbracht, von 2 Punkten in der Unteren Lobau einer mit Viola rupestris (beim 2. hab ich mir aber schon im Vorhinein kaum Hoffnungen gemacht, da voraussehbar wohl zu feucht). In der Unteren Lobau übrigens auch eine weisse Population (mit "vorschriftsmässig" violettem Sporn; das 2. Bild zeigt gut die bestimmungskritischen Merkmale) - an diesem Standort hat's aber auch violette gegeben.

Viola rupestris ist in der Lobau sicher trotzdem nicht häufig - dafür gibt's einfach zu wenige gute Standorte -, an geeigneten Standorten gibt's aber eine sehr gute Chance, welche zu finden - insbes. jetzt, wo Viola hirta schon am Verblühen ist, Viola rupestris sticht da sehr gut heraus (und ist schnell von Viola reichenbachiana unterschieden, die ausserdem wohl nur an feuchteren Standorten wächst).

Übrigens, vor einigen Tagen hab ich auch südlich von Gänserndorf Viola rupestris gefunden - in einem Föhrenwald, wiederum.
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Viola rupestris (Untere Lobau)
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Re: Viola-Workshop - kritische Arten unterscheiden, Hybrid-Problematik

Beitragvon Oliver Stöhr » Samstag 21. April 2018, 21:38

Lieber Hermann, liebe alle,

ich vermute heute, die Hybride zwischen V. rupestris und V. riviniana bei uns in Osttirol (Mittewald an der Drau) gefunden zu haben. In einer kleinen Population aus durchwegs weißblütigen Sand-Veilchen fand ich eine einzelne blaublühende Pflanze, deren Blätter in Form und Kerbung dieser Art ähneln; auch die Wuchshöhe war in etwa ident zu V. rupestris, die ja bekanntlich relativ klein ist. Aber die Sporn war deutlich hell bis weiß (nur spitzenwärts ganz schwach violett überlaufen) und der Stängel war eindeutig kurzflaumig behaart wie bei V. rupestris. Bilder dazu anbei (leider ist deren Qualität nicht ganz optimal). Viola riviniana war etwas entfernt vom Wuchsort der mutmaßlichen Hybride nicht selten ... ich denke, die Bestimmung sollte passen.

Viele Grüße
Oliver
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Viola rupestris x riviniana (cf); Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
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Re: Viola-Workshop - kritische Arten unterscheiden, Hybrid-Problematik

Beitragvon Hermann Falkner » Samstag 21. April 2018, 21:43

Lieber Oliver,
ich kann die Art ja erst seit kurzem sicher unterscheiden (glaub ich ;-), aber was meine Laienmeinung betrifft, schaut das auch für mich sehr nach der Hybride aus ;-)
In der Lobau ist Viola reichenbachiana sehr häufig, V. riviniana dagegen selten; eine Hybride mit V. riviniana wär also nicht sehr wahrscheinlich und bei V. reichenbachiana wär dann schwer zu beurteilen, woran die Hybride erkennbar ist ...
LG
Hermann

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Re: Viola-Workshop - kritische Arten unterscheiden, Hybrid-Problematik

Beitragvon 2045 » Sonntag 22. April 2018, 06:43

Nachdem es hier sehr gut dazu passt, erlaube ich mir ein Veilchen hier anzuhängen. Als nahezu völliger Viola Laie habe ich durch die Diskussionen der letzten Wochen im Forum und vor allem durch das tolle Bildmaterial und die dazu gehörigen Erklärungen hoffentlich bestimmungswichtige Details mit abgebildet.
Gefunden am 21.04.2018 im Burgenland, NS-Gebiet Siegendorf.
Aus meiner Sicht Viola arvensis (subsp. arvensis?), das Hochblatt (leider nicht ganz gut sichtbar) ist klar vor der Krümmung.
Wenn ein Experte dies bestätigt oder korrigiert, dann Danke im vor aus.
LG Markus
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Re: Viola-Workshop - kritische Arten unterscheiden, Hybrid-Problematik

Beitragvon Hermann Falkner » Sonntag 22. April 2018, 07:48

Hallo Markus,

es ist eher Viola arvensis - eher nicht (aber womöglich doch!) seltene Viola kitaibeliana:
viewtopic.php?f=4&t=744
Stefan Lefnaer hat zur Stiefmütterchen-Gruppe einen eigenen Thread gemacht:
viewtopic.php?f=4&t=191&p=567&hilit=kitaibeliana#p567

Selbst auf Exkursionen waren sich die Experten nicht sicher, was jetzt wirklich eine kitaibeliana ausmacht - Stefan hat das gut dokumentiert.
In Siegendorf könnt's gut auch Viola kitaibeliana geben, aber eine sichere Bestummung ist sehr schwierig.

Lg Hermann

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Re: Viola-Workshop - kritische Arten unterscheiden, Hybrid-Problematik

Beitragvon Norbert Sauberer » Mittwoch 2. Januar 2019, 22:24

Dem im Jahr 2012 publizerten Bestimmungsschlüssel von Scoppola & Lattanzi folgend handelt es sich bei dem von Markus am 21.04.2018 in Siegendorf fotografierten Veilchen ganz klar um Viola arvensis subsp. arvensis. Beim vom Stefan L. fotografierten Veilchen vom Hochberg in Perchtoldsdorf weisen die Merkmale dahingegen auf Viola kitaibeliana hin.

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Re: Viola-Workshop - kritische Arten unterscheiden, Hybrid-Problematik

Beitragvon Jürgen Baldinger » Sonntag 31. März 2019, 20:45

Hermann, ad viewtopic.php?f=4&t=191&p=564&hilit=f.+bisambergensis#p562: Diese Form ist nicht auf den Bisamberg beschränkt, wie diese Bilder heute von der Himmelswiese zeigen. Jetzt müssen wir schon f. vindobonensis draus werden lassen.
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Re: Viola-Workshop - kritische Arten unterscheiden, Hybrid-Problematik

Beitragvon Oliver Stöhr » Sonntag 31. März 2019, 21:37

Erhöhe auf f. austriaca, da solche Formen von V. hirta auch in Osttirol vorkommen - Bild von vorgestern aus Nussdorf-Debant
LG
Oliver
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Viola hirta, zweifärbig, Nussdorf-Debant; Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
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