Zwei Pflanzen von den Rottenmanner Tauern

= Blütenpflanzen
Oliver Stöhr
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Zwei Pflanzen von den Rottenmanner Tauern

Beitragvon Oliver Stöhr » Dienstag 8. Januar 2019, 21:05

Liebe alle!

Weiter gehts mit den von mir derzeit aufzuarbeitenden Herbarbelegen der letzten Jahre. Diesmal darf ich euch in die Rottenmanner Tauern S Trieben (Obersteiermark) entführen, wo ich 2016 eine Kartierungstour in die Bösensteinregion unternommen habe. Knapp oberhalb der Waldgrenze nahe des Grünen Sees habe ich über Silikat folgende zwei Pflanzen gesammelt:

Bei der ersten bin ich der Meinung "Gentianella styriaca" sensu EFÖLS belegt zu haben, denn die Kelchblattzipfel an den fünfzähligen Blüten sind ganz glatt (ohne Papillen) und die Kelchblattbuchten tw. U- und tw. V-förmig. Für andere Meinungen bin ich offen ;-)

Bei der zweiten Pflanze, die am Wuchsort nur in einem Einzelindividuum auftrat, handelt sich mE bloß um einen aberranten Leontodon hispidus, der am Schaft ("Stängel") ein deutliches Laubblatt ausgebildet hat, keine Gabel- oder Sternhaare an den Blättern (sondern nur wenige einfache Haare) besitzt und noch dazu eine markante Hüllenbehaarung aufweist. Die Pflanze stand inmitten "normaler" Individuen von Leontodon hispidus; die nahestehende Gattung Scorzoneroides, die lt EFÖLS u.a. durch einfache Haare an den Laubblättern gekennzeichnet ist, schließe ich aus verschiedenen Gründen aus. Hat wer schon solche Leontodon hispidus-Formen gesehen?

Viele Grüße
Oliver
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Peter Pilsl
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Re: Zwei Pflanzen von den Rottenmanner Tauern

Beitragvon Peter Pilsl » Mittwoch 9. Januar 2019, 07:54

Hallo Oliver!
Bist du sicher, dass das ein Leontodon ist? Hast du da auch in Richtung Crepis überlegt, dafür würden mir Hülle und Stängelblätter besser gefallen.
Peter Pilsl
SABOTAG

Oliver Stöhr
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Re: Zwei Pflanzen von den Rottenmanner Tauern

Beitragvon Oliver Stöhr » Mittwoch 9. Januar 2019, 19:03

Lieber Peter,

ja eigentlich bin ich mir da schon sicher, denn welche Crepis-Art sollte das sein? Über Silikat in der subalpinen Stufe gibt es ja wie nur wenige Crepis-Arten, der Klassiker Crepis aurea scheidet hier allein aufgrund der Blütenfarbe aus. Und die anderen einkörbigen Crepis-Arten, die bei uns in den Ostalpen vorkommen, sind i.d.R. auf Karbonat zu finden und schauen auch anders aus. Von den Proportionen der Pflanzenteile und der Wuchshöhe passt Leontodon hispidus schon ...

Viele Grüße
Oliver

kurt nadler
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Re: Zwei Pflanzen von den Rottenmanner Tauern

Beitragvon kurt nadler » Sonntag 20. Januar 2019, 21:33

Lieber Oliver!

Ohne Begleitflora ists für mich gleich ganz was anderes.

Für beide Taxa ist - zumindest im Ostenalpenraum - der Standort "Silikat" interessant!
Darf man da von basenreichem Silikat sprechen? "Milder" Tonstein der Grauwacken oder zentralalpines Intermediärgestein?
Oder gibt es - stubalmartig - engste geologische Zonierungen, die die Böden zumindest in den Übergangszonen "vermischen"?

Von der Physiognomie (und vom Areal) spricht wohl nichts gegen die naheliegende, quasi "aufgelegte" Gentianella-Zuordnung. Ich warte auf Funde solcher Morphotypen in Osttirol. Dann wirds brenzlig. Wenn mich nicht alles täuscht, hat der Tirolerhans, oder wars wer anderer, hier im Forum schon Verdachtsfälle für Nordtirol gepostet, die ja konventionell rhaetica zugeordnet werden.

Nein, einen solchen Leontodon hab ich noch nicht gefunden, aber warum soll nicht einmal in einer Million Fälle ein Blatt zu hoch angesetzt sein.


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