Neophyten im Unterinntal nahe Kufstein

= Blütenpflanzen
Oliver Stöhr
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Neophyten im Unterinntal nahe Kufstein

Beitragvon Oliver Stöhr » Donnerstag 7. November 2019, 21:07

Liebe alle,

gestern war ich beruflich im Unterinntal unterwegs und konnte noch ein paar interessante Neophyten nachweisen.

Zunächst konnte ich an der Bahn ein paar Individuen von Euphorbia nutans sichten:
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Dann gabs auf einem Erdhaufen einen kleinen Trupp von Salvia hispanica (Chia) zu sehen:
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An einem Waldrand in Angerberg ist ein verwilderter Trupp von Hylotelephium "Herbstfreude" (diese Sorte hatten wir heuer im Forum schon diskutiert) zu sehen:
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In Niederbreitenbach dann in einem Ufergehölz Spiraea cf vanhouttei verwildert:
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Und schließlich an einem autobahnnahen Waldrand einige verwilderte Individuen von Rubus laciniatus:
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Mit Ausnahme von Rubus laciniatus habe ich in der DB zur Flora von Tirol keine Angaben zu den obigen Taxa für Nordtirol gefunden, sie könnten daher neu für Nordtirol sein ...

Wie bei der heute geposteten Orobanche gracilis: sorry für die mäßige Bildqualität!

Beste Grüße
Oliver

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Norbert Griebl
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Re: Neophyten im Unterinntal nahe Kufstein

Beitragvon Norbert Griebl » Freitag 8. November 2019, 09:31

Tolle Funde, danke Oliver!

Dazu meine Recherchen:
Nordamerikanischer Herkunft ist die Nickende Wolfsmilch, Euphorbia nutans, die im Gebiet seit dem Jahr 1883 vom Mannheimer Hafen bekannt ist und vereinzelt unbeständig bis etabliert auftritt, so Parndorf im Burgenland (BARTA 2009), Klagenfurt, Grafenstein, Greifenburg, St. Veit a. d. Glan, Oberdrauburg und Bleiburg in Kärnten (LEUTE 1973, MELZER 2001), Niederösterreich, Kleinmünchen in Oberösterreich (KLEESADL 2003), der Steiermark, bei Kufstein in Nordtirol (STÖHR 2019), am Bahnhof Dölsach, Matrei und Lienz in Osttirol (STÖHR & BRANDES 2014, BRANDES 2011), Branzoll in Südtirol (WILHALM 2014).

Quellen:
ADLER W. & MRKVICKA Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Mus. Wien, 831 S.
AMANN G. (2019): Euphorbia serpens, in Floristische Neufunde (305−375) – Neilreichia 10: 224.
BARTA T. (2009): Virtual Herbaria JACQ – Euphorbia nutans – https://herbarium.univie.ac.at
DALLA TORRE W. K. & SARNTHEIN L. (1909): Flora der gefürsteten Grafschaft Tirol, des Landes Vorarlberg und des Fürstenthumes Lichtenstein. Band VI, 2. Teil, 964 p. – Innsbruck: Wagner’sche Univ.-Buchhandlung.
ESSL F. & RABITSCH W. (2002): Neobiota in Österreich. – Wien, Umweltbundesamt; 432 S.
HOHLA M. (2002): Agrostis scabra Willd. neu für Oberösterreich sowie weitere Beiträge zur Kenntnis der Flora des Innviertels und Niederbayerns – Beitr. Naturk. Oberösterreichs 11: 465–505.
HOHLA M. (2013): Eragrostis amurensis, Euphorbia serpens und Lepidium latifolium - neu für Oberösterreich, sowie weitere Beiträge zur Flora Österreichs - Stapfia 99: 35–51.
KLEESADL G. (2003): Zobodat-Herbarbelege – http://www.zobodat.at/belege.php?id=100394370
LEUTE G. (1973): Nachträge zur Flora von Kärnten III — Carinthia II 163/83: 389–424.
MELZER H. (1995): Geranium purpureum L., der Purpur-Storchschnabel-neu für Kärnten und weiteres Neues zur Flora dieses Bundeslandes – Carinthia II 185_105: 585–598.
MELZER H. (2001): Weitere Daten zur Flora von Kärnten – Wulfenia 8: 111–119.
POLATSCHEK A. (1999): Flora von Nordtirol, Osttirol und Vorarlberg, Band 2. Innsbruck, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, 1077 S.
POLATSCHEK A. & NEUNER W. (2013): Flora von Nordtirol, Osttirol und Vorarlberg, Band 6 – Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, 971 S.
ROZANEK R. (2015): Floristische Neufunde (124–169) – Neilreichia 7: 157–194.


Erst in den letzten Jahren im Gebiet verstärkt in Kultur findet sich der aus Mexiko und Guatemala stammende Mexikanische Salbei, Salvia hispanica, auch Chia genannt. Er gilt als wertvolles Nahrungsmittel, reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren und findet sich vereinzelt verwildert oder verschleppt, so in den Schwechatauen bei Traiskirchen in Niederösterreich (SAUBERER & TILL 2015), Höft bei Braunau am Inn in Oberösterreich (HOHLA 2016), bei Kufstein in Nordtirol (STÖHR 2019) und Tristacher Au bei Lienz in Osttirol (STÖHR 2017).

Quellen:
HOHLA M. (2016a): Salvia hispanica – neu für Bayern. In: Floristische Mitteilungen. — Berichte der bayerischen Botanischen Gesellschaft 86.
SAUBERER N. & W. TILL (2015): Die Flora der Stadtgemeinde Traiskirchen in Niederösterreich: Eine kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen. Biodiversität und Naturschutz in Ostösterreich. — BCBEA 1/1: 3-63.
STÖHR O. (2017): Was zum Grübeln – forum.flora-austria.at-Foren-Übersicht-Forum-Interessante Funde- Pteridophyta – http://forum.flora-austria.at/
STÖHR O. (2019): Neophyten im Unterinntal nahe Kufstein - viewtopic.php?f=10&t=1881


Hylotelephium spectabile: Vereinzelt verwildert oder verschleppt, so Friedhof Freistadt und auf den Bahnhöfen Aschach und Linz-Stadthafen in Oberösterreich (HOHLA 2014), in der Tiefenbachhofstraße und am Gelände des Frachtenbahnhofes in der Stadt Salzburg (PILSL & al. 2008), bei Reifersdorf und Knittelfeld in der Steiermark (HOHLA & al. 2000, MELZER 1971) und bei Kufstein in Nordtirol (STÖHR 2019).

Quellen:
HOHLA M. (2014): Zobodat-Herbarbelege – http://www.zobodat.at/belege.php?id=100399100
HOHLA M., KLEESADL G. & MELZER H. (2000): Neues zur Flora der oberösterreichischen Bahnanlagen – mit Einbeziehung einiger grenznaher Bahnhöfe Bayerns – Beitr. Naturk. Oberösterreichs 9: 191–250.
MELZER H. (1971): Neues zur Flora der Steiermark, XIII. – Mitteilungen des naturwissenschaftlichen Vereins für Steiermark 100: 240–254.
STÖHR O. (2019): Neophyten im Unterinntal nahe Kufstein - viewtopic.php?f=10&t=1881


Liebe Grüße
Norbert

Oliver Stöhr
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Re: Neophyten im Unterinntal nahe Kufstein

Beitragvon Oliver Stöhr » Freitag 8. November 2019, 15:13

Danke Norbert für diese Informationen, da liege ich ja gar nicht so daneben mit den Neufunden für Nordtirol. Zu Hylotelephum aber noch eine Frage: Du schreibst von H. spectabile, aber ich glaube in diesem Fall wieder an die Sorte H. "Herbstfreude", die ja als Hybride von H. spectabile und H. telephium gehandelt wird (siehe: viewtopic.php?f=4&t=1779&p=8006&hilit=Hylotelephium+spectabile#p8006)
Beste Grüße
Oliver

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Norbert Griebl
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Re: Neophyten im Unterinntal nahe Kufstein

Beitragvon Norbert Griebl » Montag 11. November 2019, 08:41

Servus Oliver!

Ja ich weiß, Herbstfreude ist nur zum Teil Hylotelephium spetabile. Ich rechne sie damit aber trotzdem zu den Neophyten - weil nicht indigen und verwildert. So ähnlich auch Arten wie die Pfeffer-Minze, wo ein Teil (Mentha aquatica) heimisch ist und ein Teil (Mentha spicata) nicht.
Liebe Grüße Norbert

Oliver Stöhr
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Re: Neophyten im Unterinntal nahe Kufstein

Beitragvon Oliver Stöhr » Montag 11. November 2019, 19:51

Hallo Norbert,
danke, aber es geht nicht darum, ob Herbstfreude ein Neophyt ist oder nicht - natürlich ist diese in diesem Fall als solcher zu werten. Aber es geht darum, dass nicht reine H. spectabile mit Herbstfreude (also einer Hybride) vermengt wird, wie bei deiner Fundauflistung offenbar der Fall ;-)
Viele Grüße
Oliver


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