Juncus effusus x inflexus

= Blütenpflanzen
Oliver Stöhr
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Juncus effusus x inflexus

Beitragvon Oliver Stöhr » Montag 27. Juli 2020, 20:40

Liebes Forum,

jetzt wirds sehr speziell (Nicht-Gräser-Fraktion bitte vergebt mir!), aber ich muss euch einfach die Hybride aus Juncus effusus und J. inflexus (Juncus x diffusus), zweier sehr häufiger Feuchtgrünland-Arten, einfach hier vorstellen, zumal ich diese gestern in einem Mischbestand der Eltern in Dölsach gefunden habe.

Diese Hybride erkennt man an dem rel. lockeren Blütenstand, der mehr an Juncus inflexus erinnert und - in Kombination dazu - an dem leicht gerieften Stängel, dessen Farbe aber grün ist und damit mehr an Juncus effusus erinnert. Aussagekräftig ist zudem das Mark im Stängellängsschnitt, das tw. eine leichte Kammerung aufweist. Die Kammerung des Marks ist aber bei weitem nicht so stark/eindeutig wie bei J. inflexus; J. effusus hat ja keine Markkammerung, dessen Mark ist durchgehend (voll).

Vielleicht habt ihr die Gelegenheit (und nun auch die Motivation), in Mischbeständen auf diese Hybride zu achten, zumal sie offenbar kaum bekannt ist!

Viele Grüße
Oliver
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Juncus x diffusus, Habitus; Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
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Blütenstand: links: J. inflexus; mitte: Juncus x diffusus; rechts: Juncus effusus; Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
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Markkammerung im Stängellängsschnitt: oben: J. effusus; mitte: Juncus x diffusus; unten: Juncus inflexus; Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
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Norbert Griebl
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Re: Juncus effusus x inflexus

Beitragvon Norbert Griebl » Dienstag 28. Juli 2020, 09:47

Liebes Forum, kann als zur Nicht-Gräser-Fraktion gehörender nur Theoretisches zu dieser Hybride beitragen:
Juncus effusus × J. inflexus (= Juncus ×diffusus)
K, NÖ, S, T, W.
FRITSCH (1898): Salzburg: Im Bürmoos gegen Lamprechtshausen zu, zwischen den dort sehr häufigen Stammeltern.
LEEDER & REITER (1958): Salzburg: Glanegg (Fugger)?
JANCHEN (1959: 744): nicht sehr selten, so in Niederösterreich (?), Oberösterreich, Salzburg, Vorarlberg (?).
JANCHEN (1977: 627): Niederösterreich: Rosaliengebirge oberhalb Frohsdorf und bei der Rosalienkapelle. Wien: Hütteldorf.
HARTL & al. (1992: 402): Kärnten: 9351/4 Ost-Kärnten, Fund von vor 1900; 9454/2 Südost-Kärnten, Fund von nach 1945.
DOBEŠ & VITEK (2000: 549): 2n = 28 Kärnten/Salzburg: Großglocknerregion - H. Nordenskiöld [UPS] Kirschner 1991.
POLATSCHEK (2001: 622): Nordtirol: Gnadenwald gegen Walder Alm bei Hall in Tirol. Vorarlberg: Bodensee-Ried bei Bregenz.
STÖHR & al. (2002: 1451): Salzburg: Flachgau, Wals-Siezenheim, Gois, Walser Wiesen, stark eutrophe Feuchtbrache am Fahrweg 100m nordwestlich Kote 441, ca. 440 msm - 8243/2.
In der „Kleinen Flora des Landes Salzburg" schreiben LEEDER & REITER (1958) über diesen seltenen Bastard: „Glanegg (Fugger)?". Diese Angabe muss zu Recht als fraglich gewertet werden, ist doch in den beiden floristischen Arbeiten, die E. Fugger zusammen mit K. Kastner in den Jahren 1891 und 1899 verfasst hat, nichts über Juncus ×diffusus zu lesen. Da jedoch in LEEDER & REITER (1958) weitere Meldungen aus Salzburg unberücksichtigt blieben, sollen diese nun angeführt werden: so hat schon FRITSCH (1898) Juncus ×diffusus „im Bürmoos gegen Lamprechtshausen zu zwischen den dort sehr häufigen Stammeltem" als neu für Salzburg vorgefunden und auch SCHWAIGHOFER (1951) nennt ein Vorkommen „im Bürmoos am Feldbahngleise ins Zehmemoos". Daher ist die Angabe für Salzburg in JANCHEN (1956–1960) berechtigt.
Am neuen Fundort in den Walser Wiesen wächst Juncus ×diffusus in nur einem, allerdings auffallend großen Horst zwischen den Eltern an einer stark gestörten Stelle. Nach STACE (1975) kann die Hybride teilweise fertil sein, weshalb auch Rückkreuzungen möglich sind.
POLATSCHEK A. & NEUNER W. (2013: 408): Nordtirol: Walder Alm bei Hall.
STÖHR (2020): Osttirol: Dölsach. Diese Hybride erkennt man an dem rel. lockeren Blütenstand, der mehr an Juncus inflexus erinnert und - in Kombination dazu - an dem leicht gerieften Stängel, dessen Farbe aber grün ist und damit mehr an Juncus effusus erinnert. Aussagekräftig ist zudem das Mark im Stängellängsschnitt, das tw. eine leichte Kammerung aufweist. Die Kammerung des Marks ist aber bei weitem nicht so stark/eindeutig wie bei J. inflexus; J. effusus hat ja keine Markkammerung, dessen Mark ist durchgehend (voll).

LG Norbert

Quellen:
DOBES C. & VITEK E. (2000): Documented Chromosome Number Checklist of Austrian Vascular Plants – Naturhistorisches Museum Wien, 664 S.
HARTL H., KNIELY G., LEUTE G.H., NIKLFELD H. & M. PERKO (1992): Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Kärntens. — Klagenfurt, 451 S.
FRITSCH K. (1898): Beiträge zur Flora von Salzburg V. — Verh. Zool.-Bot. Ges. Wien 48: 244–273.
JANCHEN E. (1956–1960, 1963, 1964, 1966, 1967): Catalogus Florae Austriae (dazu 1., 2. und 3. Ergänzungsheft und Generalindex). — Springer, Wien.
JANCHEN E. (1977): Flora von Wien, Niederösterreich und Nordburgenland, 2.Auflage – Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. 758 S.
LEEDER F. & M. REITER (1958): Kleine Flora des Landes Salzburg. — Naturwiss. Arbeitsgem. Haus der Natur, Salzburg. 348 S.
MELZER H. (1992): Neues zur Flora von Steiermark, XXXIII. – Mitteilungen des naturwissenschaftlichen Vereins für Steiermark 122: 123–133.
POLATSCHEK A. (2001): Flora von Nordtirol, Osttirol und Vorarlberg, Bd. 4. — Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck. 1083 S.
POLATSCHEK A. & NEUNER W. (2013): Flora von Nordtirol, Osttirol und Vorarlberg, Band 7 – Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, 821 S.
SCHWAIGHOFER M. (1951): Beiträge zur Flora des Landes Salzburg, a.) Flora von St. Georgen b. S. und Umgebung, b.) Flora des Kleinarltales mit dem Jägersee und Tappenkar. — Mitt. Naturwiss. Arbeitsgem. Haus der Natur, Salzburg, Jg. 1951: 1–34.
STACE C.E. (ed., 1975): Hybridization and the flora of the British Isles. - Academic Press, London, New York, San Francisco.
STÖHR O. (2003): Vegetationskundliche Untersuchungen an Streuwiesen im Vorfeld des Untersberges bei Großgmain (Salzburg, Österreich) und Marzoll (Bayern, BRD). — Stapfia 81: 1–231.
STÖHR O. (2020): Juncus effusus x inflexus - viewtopic.php?f=10&t=2475

Oliver Stöhr
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Re: Juncus effusus x inflexus

Beitragvon Oliver Stöhr » Mittwoch 29. Juli 2020, 21:52

Danke Norbert!

kurt nadler
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Re: Juncus effusus x inflexus

Beitragvon kurt nadler » Donnerstag 30. Juli 2020, 21:50

interessanter fund, der mir in jahrzehnten umgangs mit beiden arten in je großer menge noch nie untergekommen ist. aber vielleicht hab ich zu wenig geschaut.


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