Liebe Forums-Teilnehmer,
gestern habe ich den Herzerlstock, Lamprocapnos spectabilis (Synonym Dicentra spectabilis) verwildert im Brillergraben bei St. Veit an der Gölsen im wunderschönen niederösterreichischen Alpenvorland gefunden. Meines Wissens ist es der zweite Fund in Niederösterreich. Beheimatet ist die Art in Nordchina und Korea und befindet sich hier schon lange in Gartenkultur. Als erster Europäer sah sie wohl der in Peking missionierende französische Jesuitenpater Pierre d´Incarville (1706−1757), der Pflanzen nach Frankreich schickte, die aber dort nie ankamen, weil die Schiffe durch Kaperung und Schiffbruch verlorengingen. Nach Europa gelangten sie dann durch den deutschen Naturforscher Johann Georg Gmelin, der 1733 bis 1743 Sibirien bereiste und dabei Exemplare der Pflanze aus China zugeschickt bekam. Über Sankt Petersburg erreichte das Tränende Herz 1769 Deutschland und 1816 England (KRAUSCH 2003).
Die Pflanze bildet keine Ausläufer und auch kaum Samen (JÄGER & WERNER 2005). Somit dürften nur gelegentlich Teile des Wurzelstockes mit Gartenauswurf in die freie Natur gelangen. Dies kann insofern leicht passieren, als dass das Tränende Herz im Sommer die oberirdischen Teile komplett oder aber zumindest zum Teil einzieht. Für manche Gartenbesitzer bereits Grund genug für einen Erdaustausch, im Zuge dessen dann der Wurzelstock in die Landschaft gerät.
Sehr selten verwildert, so Dürrnstein in der Wachau Niederösterreichs (ESSL 2005), am Hohen Schachen bei Eggerding und bei Asang/Dietach in Oberösterreich (HOHLA 2006, GRIMS 2008, ESSL 2004), Wehrgasse, Leopoldkronstraße und Donnenbergpark in der Stadt Salzburg und St. Veit Richtung Goldegg im Salzburger Pongau (PILSL & al. 2008, PFLUGBEIL & MOOSBRUGGER 2016, PFLUGBEIL & PILSL 2013), Judendorf-Strassengel und Gnas in der Steiermark (LEONHARTSBERGER 2018, TRUMMER 2000), Vomp und Innsbruck in Nordtirol und Feldkirch und Gaschurn in Vorarlberg (POLATSCHEK & NEUER 2013).
LG Norbert
Quellen:
ESSL F. (2004): Floristische Beobachtungen aus dem östlichen Oberösterreich und dem angrenzenden Niederösterreich, Teil III. – Beitr. Naturk. Oberösterreichs 13: 131–183.
ESSL F. (2005): Bemerkenswerte floristische Funde aus Wien, Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark, Teil II – Linzer biol. Beitr. 37_2: 1207–1230.
HOHLA M. (2006): Panicum riparium (Poaceae) – neu für Österreich – und weitere Beiträge zur Kenntnis der Adventivflora Oberösterreichs - Neilreichia 4: 9–44.
HOHLA M. (2014): Hystrix patula – neu für Österreich, sowie weitere Beiträge zur Flora von Oberösterreich, Salzburg, Steiermark und Vorarlberg – Stapfia 101: 83–100.
JÄGER E. J. & WERNER K. (2005): Exkursionsflora von Deutschland, Bd. 4 Gefäßpflanzen: Kritischer Band. — 10. Aufl., Elsevier, München, 980 S.
KLEESADL G. (2009): Floristische Neu-, Erst- und Wiederfunde für Österreich, Oberösterreich bzw. die jeweiligen drei Großregionen Oberösterreichs. — Beitr. Naturk. Oberösterreichs 19: 49–112
KRAUSCH H.-D. (2003): Kaiserkron und Päonien rot - Von der Entdeckung und Einführung unserer Gartenblumen – Dölling und Galitz-Verlag. 536 S.
LEONHARTSBERGER S. (2018): Grazer Kulturpflanzen in Ausbreitung, Vorbereitung zu einer Flora von Graz 2 – Joannea Botanik
PFLUGBEIL G. & PILSL P. (2013): Vorarbeiten an einer Liste der Gefäßpflanzen des Bundeslandes Salzburg, Teil 1: Neophyten - Mitt. Haus der Natur 21: 25–83.
PFLUGBEIL G. & MOOSBRUGGER K. (2016): Floristische Besonderheiten in der Stadt Salzburg und ihren Umlandgemeinden – Mitt. Haus der Natur 23: 58–71.
PILSL P., SCHRÖCK C., KAISER R., GEWOLF S., NOWOTNY G. & STÖHR O. (2008): Neophytenflora der Stadt Salzburg (Österreich). – Sauteria 17: 1–596.
POLATSCHEK A. & NEUNER W. (2013): Flora von Nordtirol, Osttirol und Vorarlberg, Band 7 – Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, 821 S.
TRUMMER E. (2000): Virtual Herbaria JACQ – Dicentra spectabilis – https://herbarium.univie.ac.at
Lamprocapnos spectabilis in Niederösterreich
- Norbert Griebl
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Lamprocapnos spectabilis in Niederösterreich
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Je größer ein Mensch ist, desto mehr neigt er dazu, sich vor einer Blume niederzuknien
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Oliver Stöhr
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- Wohnort: Nussdorf-Debant
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Re: Lamprocapnos spectabilis in Niederösterreich
Hänge mich da mit dem Neufund dieser Art für Osttirol dazu - heute verwildert in zwei Individuen weißblühend (Sorte Alba) in Leisach-Gries in einer Ruderalflur beobachtet.
Beste Grüße
Oliver
Beste Grüße
Oliver
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