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Astragalus hypoglottis – Wiederfund für Österreich

Verfasst: Montag 4. Mai 2020, 07:28
von Norbert Griebl
Liebes Forum,

Astragalus hypoglottis, der Purpur-Tragant, war bis zum Jahr 1978 aus Österreich nicht bekannt. 1978 sammelte die damalige Diplomandin Elisabeth Wassermann Oxytropis carinthiaca-Pflanzen am Südhang der Jauken in Kärnten. Diese Pflanzen lagen ein Jahr später Walter Gutermann zur Revision vor. Dabei entdeckte er unter den Oxytropis carinthiaca-Pflanzen auch eine Astragalus hypoglottis – der Neufund für Österreich. Es konnte nachträglich nicht mehr festgestellt werden, wo genau der Purpur-Tragant gesammelt wurde, ein Wiederfund blieb aus. Nun war auch nicht sicher, in welchen Quadrant der Fund zu legen ist. Gutermann schreibt „9344/1 oder 9344/3“ (Gutermann 2000), Hartl & al. legen den Fund im Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Kärntens in den Quadranten 9344/1 (Hartl & al. 1992). Gutermann vermutet als Aufsammlungsort die Jauken-Südhänge zwischen 1800 und 2000 m Seehöhe (Gutermann 2000).

Bei einer Wanderung gestern, am 3.Mai 2020 vom Reißkofelbad nördlich von Reisach im Gailtal zum Jaukensattel fanden wir, Elfi und ich, südsüdöstlich vom Jaukensattel, 1615 m, einen kleinen Bestand von Astragalus hypoglottis auf etwa 1450 m Seehöhe in südexponierten, vollsonnigen Kalkfelsen oberhalb einer Forststraße. Obwohl erst Anfang Mai, standen die ersten Blütenstände schon in Blüte, die allermeisten waren aber gerade erst knospig oder noch nicht mal das. Es ist zu vermuten, dass die Pflanzen an diesem Standort zumindest bis Ende Juni blühend angetroffen werden können. Der Fundort findet sich direkt am 233er-Wanderweg zwischen dem Lenzhof und dem Jaukensattel (GPS-Daten habe ich keine, weil ich immer ohne GPS gehe). Damit kann der Fund nach über 40 Jahren bestätigt werden. Fundquadrant ist 9344/1.
Natürlich ist es nicht sicher, dass es sich bei diesem Fundort auch um denselben Fundort wie der von Elisabeth Wassermann handelt. Möglicherweise gibt es im Jauken-Reißkofel-Gebiet mehrere Fundorte. Eigene Nachsuchen nach Astragalus hypoglottis auf den Jaukenwiesen am 3. Juli 2000 blieben allerdings erfolglos, genauso wie Nachsuchen von Wiener Botanikern.

Noch kurz zu Astragalus hypoglottis. Bei der Art handelt es sich um einen submediterranen Oreophyt, der von Nordspanien bis zur Balkanhalbinsel verbreitet ist (Gutermann 2000). Von manchen Botanikern werden Pflanzen aus dem östlichen Areal, genauer aus den südlichen Kalkalpen, dem Apennin und den Illyrischen Gebirgen, als subsp. gremlii von der Nominatform abgetrennt. Die Unterart unterscheidet sich aber nur geringfügig von der Stammart. Die österreichischen Pflanzen sind dieser subsp. gremlii zuzuordnen.

Danke an Oliver für die Bestätigung von A. hypoglottis,
LG Norbert

Quellen:
GUTERMANN W. (2000) in: Fischer M. & Niklfeld H. (2000): Floristische Neufunde (22-50). – Florae Austriacae Novitates – 6: 49-60.
HARTL H., KNIELY G., LEUTE G.H., NIKLFELD H. & M. PERKO (1992): Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Kärntens. — Klagenfurt, 451 S.
STOEHR O. (2017): Spätsommerblüher auf der Jauken - Forum Flora-Austria: viewtopic.php?f=10&t=461&p=1494&hilit=hypoglottis#p1494

Re: Astragalus hypoglottis – Wiederfund für Österreich

Verfasst: Montag 4. Mai 2020, 08:15
von Jürgen Baldinger
Gratuliere, großartig!

Re: Astragalus hypoglottis – Wiederfund für Österreich

Verfasst: Montag 4. Mai 2020, 18:38
von Norbert Sauberer
Gratulation, der gute Gutermann wird sich freuen!

Re: Astragalus hypoglottis – Wiederfund für Österreich

Verfasst: Montag 4. Mai 2020, 21:25
von Oliver Stöhr
Sensationeller Fund in einem spannenden Gebiet - danke fürs Teilhabenlassen!
LG
Oliver

Re: Astragalus hypoglottis – Wiederfund für Österreich

Verfasst: Montag 4. Mai 2020, 21:59
von Michael Hohla
Ich schließe mich der Gratulantenschar an
In respektvoller Verneigung ;-)
Michael

Re: Astragalus hypoglottis – Wiederfund für Österreich

Verfasst: Mittwoch 6. Mai 2020, 08:49
von Norbert Griebl
Liebes Forum,
Herr Prof. Niklfeld hat mich informiert, dass es sich bei dem Fund um einen Neufund (Zweitfund) handelt, weil das Arbeitsgebiet von Frau Wassermann nicht so weit nach Osten reichte. Der neue Fundort liegt bereits im Quadrant 9344/2.
LG Norbert