Seite 1 von 2

Gagea minima neu für das zentrale Weinviertel

Verfasst: Dienstag 19. April 2022, 07:17
von Stefan Lefnaer
Gestern habe ich mir den bewaldeten Teil der Leiser Berge angesehen. Der Wald stockt dort über Ernstbrunner-Kalkstein und ist aus teils eher wärmeliebenden Arten wie Quercus petraea, Carpinus betulus und Sorbus torminalis, aber auch aus mitteleuropäischen Arten wie Fagus sylvatica, die im Weinviertel selten vorkommt, hier aber offensichtlich natürlich, zusammengesetzt.

20220418_112129.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20220418_112129.jpg (1.13 MiB) 4192 mal betrachtet
20220418_112156.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20220418_112156.jpg (1.16 MiB) 4192 mal betrachtet
20220418_105826.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20220418_105826.jpg (1.14 MiB) 4192 mal betrachtet

In der Krautschicht wachsen mit z.Z. v.a. Corydalis cava und Galanthus nivalis Auwaldarten. Dazwischen mischt sich ein Gelbstern, der sich als Gagea minima ansprechen lässt. Neben den vorne spitzen Tepalen, ein Merkmal das nicht überall gut sichtbar ist, sind es v.a. die Zwiebeln. Das was man als Zwiebel sieht, besteht nämlich aus zwei Zwiebeln die unter einer gemeinsamen Hülle stecken. Die kleinere Nebenzwiebel bricht dann später aus der Hülle heraus und bildet eine eigenständige Pflanze. Wie alle Arten mit vegetativer Vermehrung über Nebenzwiebeln, neigt auch G. minima zur Ausbildung gebüschelter Vorkommen, wobei von jungen Pflanzen nur mehr oder weniger fädliche Laubblätter sichtbar sind. Hier Fotos:

20220418_104755.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20220418_104755.jpg (662.25 KiB) 4192 mal betrachtet
20220418_104158.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20220418_104158.jpg (439.66 KiB) 4192 mal betrachtet
20220418_113325.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20220418_113325.jpg (454.22 KiB) 4192 mal betrachtet
20220418_105803.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20220418_105803.jpg (462.97 KiB) 4192 mal betrachtet

20220418_105336.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20220418_105336.jpg (600.12 KiB) 4192 mal betrachtet
20220418_105718.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20220418_105718.jpg (346.28 KiB) 4192 mal betrachtet
20220418_105600.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20220418_105600.jpg (284.87 KiB) 4192 mal betrachtet
Mikro3.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
Mikro3.jpg (378.82 KiB) 4192 mal betrachtet
Mikro6.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
Mikro6.jpg (478.57 KiB) 4192 mal betrachtet

Gagea minima ist aus dem Weinviertel bisher nur von dessen äußersten Rändern bekannt: aus dem Nationalpark Thayatal bzw. dessen Umland, aus einem Quadranten bei Krems und einem an der March. Ansonsten herrscht gähnende Leere, die somit geschlossen werden konnte!

Re: Gagea minima neu für das zentrale Weinviertel

Verfasst: Dienstag 19. April 2022, 07:42
von Stefan Lefnaer
Interessant ist, dass Jurasky (1980) für das oben genannte Gebiet G. pusilla angibt. Offensichtlich beruht das auf einer Verwechslung mit G. minima. G. pusilla unterscheidet sich nicht nur durch vorne abgerundete Tepalen und einfache Zwiebeln von G. minima, sondern auch durch das Habitat. Ich kenne ihn jedenfalls nur von Halbtrockenrasen und trocken-warmen Gebüschsäumen, auch aus Scherrasen, aber nicht aus frischen Wäldern. Nun gibt Jurasky G. pusilla auch für den Würfelberg bei Bergau an. Also bin ich dort am Nachmittag hingefahren und habe gesucht. Und tatsächlich fand ich neben der von Jurasky angegebenen G. lutea auch hier G. minima. Auch hier zusammen in einem frischen Waldhabitat mit für Auwälder typischen Frühlings-Geophyten. Nachfolgend Fotos:

20220418_160222.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20220418_160222.jpg (915.25 KiB) 4190 mal betrachtet
20220418_155955.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20220418_155955.jpg (617.35 KiB) 4190 mal betrachtet
20220418_160054.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20220418_160054.jpg (511.47 KiB) 4190 mal betrachtet
20220418_161626.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20220418_161626.jpg (992.55 KiB) 4190 mal betrachtet
20220418_160524.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20220418_160524.jpg (1.19 MiB) 4190 mal betrachtet
Mikro9.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
Mikro9.jpg (447.92 KiB) 4190 mal betrachtet

Somit konnte Juraskys Gagea-Verwechslung aufgeklärt und wieder ein Beitrag zur floristischen Kartierung geleistet werden. Es zeigt sich einmal mehr wie schlecht Niederösterreich bisher kartiert und wie viel Arbeit noch nötig ist hier zu einem soliden Bearbeitungsstand zu kommen.

Re: Gagea minima neu für das zentrale Weinviertel

Verfasst: Dienstag 19. April 2022, 08:02
von kurt nadler
ja, auch das forum gibt forschungsimpulse, auch wenn deine forschungen auch unabhängig laufen würden.
hier in echtzeit reinstellen ist jedenfalls "lebhafter" als bloß in der neilreichia aufzuzählen. schön, dass es beides gibt.
nette funde!

Re: Gagea minima neu für das zentrale Weinviertel

Verfasst: Dienstag 19. April 2022, 13:48
von Jonas
Hallo zusammen

Ich traue mich aufgrund dieses Beitrags doch noch einmal meine vergangene Anfrage zu Gagea pusilla vom Hainburger Friedhof hervorzuholen. Bei den dortigen Individuen sind die Perigonzipfel etwas spitz zulaufend, ähnlich wie bei G. minima. Jedoch konnte ich auch am Herbarbeleg keine Nebenzwiebeln feststellen. Haltet ihr die Bestimmung G. pusilla immer noch für korrekt oder wäre dennoch G. minima möglich? Hier der Beitrag:
viewtopic.php?f=4&t=3426

Beste Grüsse
Jonas

Re: Gagea minima neu für das zentrale Weinviertel

Verfasst: Dienstag 19. April 2022, 14:29
von Stefan Lefnaer
Jetzt bin ich mir auch nicht mehr sicher. Ist auf DSC03681 nicht sogar eine Nebenzwiebel zu sehen, etwas verdeckt?