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Clematis integrifolia - Kaltenleutgeben, NÖ
Verfasst: Donnerstag 29. Juni 2017, 18:05
von 2045
Bei einer Besichtigung eines kleinen Standortes (heuer 6 blühende Pflanzen) von Epipactis palustris im Gemeindegebiet von Kaltenleutgeben, NÖ, wurden 2 Pflanzen von Clematis integrifolia entdeckt, wobei eine demnächst blühen wird.
Der Standort ist eine feuchte Stelle (derzeit leider sehr trocken) in einer größeren Wiese nächst der Vereinsquelle (aktuell versiegt), ebenfalls vorhanden, allerdings schon verblüht und fruchtend ist Iris sibirica.
War mir nicht bewusst, das diese Art auch im Wienerwald vorkommt.
Hoffe da hat niemand gärtnerisch nachgeholfen.
LG Markus
Re: Clematis integrifolia - Kaltenleutgeben, NÖ
Verfasst: Donnerstag 29. Juni 2017, 18:29
von Norbert Sauberer
Clematis integrifolia war früher in den Feuchtwiesen des Wiener Beckens gar nicht so selten anzutreffen, wenn man die historische Literatur und alte Herbarbelege hernimmt. Es ist also durchaus möglich, dass es sich beim Vorkommen in Kaltenleutgeben um ein randliches, heutzutage reliktisches Vorkommen handelt, denn erst durch die massiven Drainagierungen und Umbrüche der Feuchtwiesen (v.a. nach 1945) ist diese Art südlich der Donau weitgehend erloschen. Spannender Fund auf jeden Fall!
Re: Clematis integrifolia - Kaltenleutgeben, NÖ
Verfasst: Donnerstag 29. Juni 2017, 19:14
von Hermann Falkner
Sehr intressant, ich hab die auch noch nie im Wienerwald gesehen, jedenfalls melden, Markus ;-) kultiviert wird die Art glaub ich kaum, möglich wär allenfalls Ansalbung.
Re: Clematis integrifolia - Kaltenleutgeben, NÖ
Verfasst: Montag 3. Juli 2017, 19:12
von 2045
Habe den Fund an Herrn Niklfeld gemeldet.
Seine freundliche, umfangreiche Antwort dazu als Ergänzung zu diesem Beitrag.
"Ich vermute, dass auch die schöne, seltene Clematis integrifolia auf eine Ansalbung zurückgeht. Diese feuchte Mulde wird seit vielen Jahren von Botanikern gern aufgesucht (ich selber kenne sie auch). Wenn die Art dort wirklich heimisch wäre, hätte sie eigentlich längst entdeckt werden müssen. Auch Wolfgang Adler, der das Gebiet um Perchtoldsdorf, Kaltenleutgeben und Gießhübl für die floristische Kartierung Österreichs sehr gründlich untersucht hat, hat sie nicht gefunden. Pflanzengeographisch wäre ein einheimisches Vorkommen im Wienerwald ganz unerwartet. Die bekannten österreichischen Vorkommen befinden sich vereinzelt in der Ebene des Wiener Beckens und vor allem in Auwiesen entlang der March"
Bezüglich der dort ebenfalls vorkommenden Iris "sibirica":
Bei iris sibirica halte ich dagegen ein einheimisches Vorkommen dort für durchaus plausibel. Trotzdem sollten die Merkmale im Hinblick auf die ähnlichen Gartenhybriden kontrolliert werden.