Seite 1 von 3

Gagea spp. um Rauchenwarth

Verfasst: Freitag 30. März 2018, 22:05
von Jürgen Baldinger
Hallo Hermann, alter Rauchenwarther - sag, hast Du um die Schottergruben irgendwo Gagea spp. gesehen? Ich kartiere in diesem Gebiet und war heute südlich der Gruben unterwegs, habe aber nichts gefunden. Geht um den Schwadorfer Wald etwas, weißt Du da was?

LG,
J

Re: Gagea spp. um Rauchenwarth

Verfasst: Samstag 31. März 2018, 15:47
von Hermann Falkner
Hallo Jürgen,
ich glaub nur Gagea lutea im Wald, aber ob auch G. pratensis & villosa?
In den Schottergruben selbst sicher nicht. Ganz sicher gibts G. pratensis (oder womöglich sogar pusilla, habe nicht ausgegraben) an den Waldrändern des Schwadorfer Waldes und von Pfaffenöden südwärts, aber nicht in grosser Zahl, einen Standort hab ich gut im Kopf:
48.071346,16.552775 digitale Koordinaten - gibs bei Google Maps so ein, ist dort am Waldrand
G. villosa hab ich dort glaub ich nicht gesehen, wäre aber zu erwarten, die Bewirtschaftung ist dort leider immer sehr herbizidintensiv gewesen, aber so leicht lässt sich der auch nicht unterkriegen.
Lg Hermann

Re: Gagea spp. um Rauchenwarth

Verfasst: Samstag 31. März 2018, 17:02
von Jürgen Baldinger
Danke, ich sehe es mir an. Von den Pfaffenöden ist übrigens nicht mehr so viel über, von letztem Jahr auf heuer wurde noch ein Streifen Waldes weggenommen, der Schotterabbau bleibt raumgreifend.

Re: Gagea spp. um Rauchenwarth

Verfasst: Samstag 31. März 2018, 17:51
von Hermann Falkner
Sehr traurig, die Grube frisst also den Trockenrasen auf...

Re: Gagea spp. um Rauchenwarth

Verfasst: Sonntag 1. April 2018, 20:41
von Hermann Falkner
Jürgen, endlich hab ich Zeit gefunden - ich möcht dich noch mit etwas mehr Infos füttern ;-)

Eine Karte anbei, mit einigen Anmerkungen:

- der grosse runde Kreis ist jenes Gebiet, wo ich mir ganz sicher bin, schon einmal Gagea pratensis gefunden zu haben (recht üppige, grosse Exemplare, sodass ich gar nicht auf die Idee käme, sie für Gagea pusilla zu halten); vielleicht doch auch dort Gagea villosa - ich weiss es echt nicht mehr, wäre jedenfalls dort auch zu erwarten (an den Waldrand schliesst ein Acker an); an dieser Stelle hab ich übrigens auch über 2-3 Jahre hinweig eine einsame Adonis vernalis beobachten können, die sehr kümmerlich war und irgendwann verschwunden ist (intensive Bewirtschaftung, vermutlich von Traktoren demoliert); sporadisches Auftreten in diesem Gebiet wäre zu erwarten, am Schwadorfer Wald gibt's aber meines Wissens kein "Dauerhabitat" von Adonis vernalis

- Gagea wäre dort ausserdem an jedem Waldrand mit Exponierung Süd, südost oder West zu erwarten bzw. möglich; direkt nördlich der Strasse von Rauchenwarth nach Schwadorf am oberen Waldrand (also Rauchenwarth-seits) gibt's etwa eine schöne Böschung mit Knackerdbeere, dort könnt ich mir Gagea gut vorstellen, ich glaub aber nicht, dass ich dort je früh genug im Jahr war; auch an den Waldrändern zur Schottergrube hin (west- und südexponiert) wäre sie denkbar, womöglich auch stellenweise im "illegalen Motocross-Gebiet", aber dort zu botanisieren war mir meist zu gefährlich (ist auch sehr gefährlich, wenn Motocrosser unterwegs sind!!)

- an der Diptam-Lösskante am Höchstenbühel (DDD; Gagea?) wäre eigentlich Gagea zu erwarten und ich hab dort mehrmals gesucht, aber nie welche gefunden; vielleicht am südöstlicheren Rand dieser Kante? (ist übrigens auch so ein schöner Trockenrasen, übrigens - auch mit raren Ackerunkräutern, ganz sicher zB Acker-Schwarzkümmel, den hab ich dort sicher schon gesehen, was sonst noch, da bin ich mir nicht sicher, ich hab ja auch nie systematisch kartiert ...); auch an sonstigen noch erhaltenen Ackerrainen in der Gegend könnte es durchaus welche geben (G. pratensis und villosa; womöglich pusilla)

- das Gebiet mit den Funksendern, das gesperrt ist, hätt ich gern einmal besucht, ich hab immer nur sehnsüchtig hinübergelugt - ich hab keine Ahnung, ob es dort was intressantes gibt, aber Gagea wäre auch dort durchaus vorstellbar

- Diptam gibt's in dem Gebiet übrigens wirklich fast überall: am Höchstenbühel (auch im Flaumeichenwald drin), im Schwadorfer Wald (am Waldrand und drin!), sogar im Gemeindewald von Schwadorf, der sonst schon sehr anthropogen ist (dort aber nur mehr spärlich); ich hab selbst am Waldrand neben Kukuruz schon blühenden Diptam gesehen, der vom Kukuruz-Gift leicht geschädigt war

- schliesslich möcht ich auch noch auf ein paar Wiesenstreifen W Königskogel hinweisen, wo es ein reiches Vorkommen von Salvia austriaca gibt, und dort wird streifig gemäht, womöglich also ein "Privat-Naturschützer" am Werk? ich hab keine Ahnung ob nativ oder evtl gepflanzt ("Biogrünlandsaat") oder angesalbt, die Fläche könnte ebensogut auch "unschuldig" von einem Jäger Reh-und-Hasen- = auch Salvia-gerecht gepflegt werden; Salvia austriaca gibt's übrigens auch SW Königskogel unweit der Strasse auf einem "Bioflächen-Grünstreifen" und dort ist wohl Ansaat eher wahrscheinlich

Leider geht man im Schwadorfer Wald allmählich dazu über, Flaumeichenwald in traditioneller Niederholzwirtschaft parzellenweise in Hochwald umzuwandeln, wodurch die dortige pannonische Flora empfindlich gestört bis zerstört wird.
Der gepflanzte Fichtenwald auf den Pfaffenöden geht übrigens darauf zurück, dass ein Bauer eine Schafweide mit Marillen (einige Marillenbäume gibts dazwischen noch!!) nicht mehr bewirtschaften wollte und daher diese Nadelbäume gepflanzt hat - verschiedene Picea-Arten, die sich übrigens dort sichtlich nicht wohl fühlen. An den Rändern dieses Fichtenwaldes hat es aber vor einigen Jahren zB immer noch Allium flavum gegeben! Ob davon noch viel über ist, müsste man sich natürlich anschauen.

Übrigens, meiner Meinung nach wäre die ideale Form des Schutzes für dieses Gebiet - die ursprüngliche, traditionelle Bewirtschaftung aufrechterhalten bzw. wiederherstellen, dh Niederholzwirtschaft im Wald und Beweidung der extensiven Trockenrasen, bzw. die Lösskante mit Diptam und Adonis vernalis am Höchstenbühel ganz einfach "in Ruhe lassen".
Die Änderung der Bewirtschaftungsformen würde leider fast erforderlich machen, diesen Raum zu schützen, um ihn irgendwie erhalten zu können - das wird aber mit der bestehenden und stetig wachsenden Bauschuttdeponie und Schottergrube wohl leider nicht realisierbar sein ...