Die Kalkklippen nächst Falkenstein
Verfasst: Montag 14. April 2025, 21:19
In der Kalkklippenlandschaft, auf der die Burg Falkenstein steht, gibt es einige interessante Trockenrasen, um die es in diesem Thread gehen soll. Geologisch gehört das Gebiet zur Waschbergzone. Details können der geologischen Karte GEOFAST 1:50.000 entnommen werden.
Über das Gebiet ist unlängst eine von Wolfgang Willner betreute Masterarbeit erschienen. Die Verfasserin, Melanie Frauendienst, hielt darüber Ende 2023 einen interessanten Vortrag in unserer Seminarreihe. Auffällig ist, dass einige im Folgenden gezeigte Arten in der Masterarbeit fehlen: Thesium dollineri (stattdessen wird Th. ramosum angeführt), Viola rupestris und Linum hirsutum (obwohl es sogar einen Beleg gibt). Die drei Arten sind mir nach eine kurzen Suche aufgefallen, ich habe nicht alles abgeglichen.
In der Arbeit wird - wie in der Vegetationsökologie üblich - versucht die Natur in Schränke, Schubladen, Schachteln und Schachterln hineinzustecken. Aus meiner Sicht ist das - allgemein auf die Vegetationsökologie bezogen - eine zweifelhafte Vorgehensweise. Die Natur weist meist nämlich keine scharfen Grenzen auf, sondern fließende Übergänge, sowohl räumlicher wie zeitlicher Natur (letzteres wird als Sukzession bezeichnet). Meines Erachtens lebt die Vegetationsökologie bzw. das Braun-Blanquet-System stark von der anthropogenen Prägung der Landschaft durch den Menschen: dadurch dass der Mensch das Grundbuch erfand, das Land in Parzellen aufteilte und diese verschieden nutzt - die eine als Wiese, die nächste als Wald, die dritte als Acker usw. - ergeben sich scharfe Grenzen zwischen Vegetationseinheiten, die man recht gut in einem solchen Schubladensystem erfassen kann. In natürlichen Lebensräumen geht das klarerweise nicht und eine Schubladisierung ist nur möglich, indem man mehr oder weniger willkürlich Grenzen zieht, wo gar keine sind. Ich will nicht sagen, dass es völlig überflüssig wäre eine Einteilung der Vegetation vorzunehmen, nur müssten die Übergänge korrekt abbildet werden. Möglich wäre das sicher, z.B. mit den mathematischen Methoden der Graphentheorie etc., und moderne Computer könnten damit sicher problemlos umgehen (Braun-Blanquet damals mit seinen Zetteln vermutlich noch nicht). Daher erscheint es mir umso fragwürdiger, wieso man an einem solchen starren System festhält, anstatt es zu erweitern. Wissenschaft heißt ja immer Fortschritt: auch Einstein hielt nicht an der Newtonschen Mechanik fest, sondern erweiterte sie um die Relativitätstheorie. Und Einsteins Nachfolger verwarfen wiederum manches davon, um die Quantenmechanik daraufzusetzen. Nur in der Biologie ist man teilweise unbeweglich.
So, nach diesem Rundumschlag können wir uns dem vorliegenden Gebiet widmen. Zur Orientierung verlinke ich auf eine Landkarte.
Über das Gebiet ist unlängst eine von Wolfgang Willner betreute Masterarbeit erschienen. Die Verfasserin, Melanie Frauendienst, hielt darüber Ende 2023 einen interessanten Vortrag in unserer Seminarreihe. Auffällig ist, dass einige im Folgenden gezeigte Arten in der Masterarbeit fehlen: Thesium dollineri (stattdessen wird Th. ramosum angeführt), Viola rupestris und Linum hirsutum (obwohl es sogar einen Beleg gibt). Die drei Arten sind mir nach eine kurzen Suche aufgefallen, ich habe nicht alles abgeglichen.
In der Arbeit wird - wie in der Vegetationsökologie üblich - versucht die Natur in Schränke, Schubladen, Schachteln und Schachterln hineinzustecken. Aus meiner Sicht ist das - allgemein auf die Vegetationsökologie bezogen - eine zweifelhafte Vorgehensweise. Die Natur weist meist nämlich keine scharfen Grenzen auf, sondern fließende Übergänge, sowohl räumlicher wie zeitlicher Natur (letzteres wird als Sukzession bezeichnet). Meines Erachtens lebt die Vegetationsökologie bzw. das Braun-Blanquet-System stark von der anthropogenen Prägung der Landschaft durch den Menschen: dadurch dass der Mensch das Grundbuch erfand, das Land in Parzellen aufteilte und diese verschieden nutzt - die eine als Wiese, die nächste als Wald, die dritte als Acker usw. - ergeben sich scharfe Grenzen zwischen Vegetationseinheiten, die man recht gut in einem solchen Schubladensystem erfassen kann. In natürlichen Lebensräumen geht das klarerweise nicht und eine Schubladisierung ist nur möglich, indem man mehr oder weniger willkürlich Grenzen zieht, wo gar keine sind. Ich will nicht sagen, dass es völlig überflüssig wäre eine Einteilung der Vegetation vorzunehmen, nur müssten die Übergänge korrekt abbildet werden. Möglich wäre das sicher, z.B. mit den mathematischen Methoden der Graphentheorie etc., und moderne Computer könnten damit sicher problemlos umgehen (Braun-Blanquet damals mit seinen Zetteln vermutlich noch nicht). Daher erscheint es mir umso fragwürdiger, wieso man an einem solchen starren System festhält, anstatt es zu erweitern. Wissenschaft heißt ja immer Fortschritt: auch Einstein hielt nicht an der Newtonschen Mechanik fest, sondern erweiterte sie um die Relativitätstheorie. Und Einsteins Nachfolger verwarfen wiederum manches davon, um die Quantenmechanik daraufzusetzen. Nur in der Biologie ist man teilweise unbeweglich.
So, nach diesem Rundumschlag können wir uns dem vorliegenden Gebiet widmen. Zur Orientierung verlinke ich auf eine Landkarte.