Heute habe ich mir den bewaldeten Teil des Reisbergs angesehen, also jenes Gebiet, das an die vom Naturschutzbund erworbene Graslandfläche nördlich anschließt. Insbesondere die Südhänge dieses Waldes beherbergen schöne trocken-warme Wälder mit eingesprengten offenen, teils grasigen Flächen. Bei einigen dieser Offenflächen handelt es sich um Beobachtungs- und Schußschneisen der Jäger, womit nachgewiesen ist, dass diese durchaus eine Nutzen haben, indem sie jene schaffen und so den Wald auflockern. Bevor ich ein paar typische Arten aufliste, möchte ich eine grundlegende Kritik an der Naturschutzpraxis üben. Gerade in Niederösterreich besitzen Halbtrockenrasen im Naturschutz einen zentralen Stellenwert. Naturschützer befürchten immer, dass Gebüsche und Bäume "ihre" Halbtrockenrasen zerstören könnten (während manche Förster genau umgekehrt denken). Dass die Verbuschung von Halbtrockenrasen ein Problem ist, ist sicher richtig. Andererseits sollte nicht vergessen werden, dass die natürliche Vegetation im Pannonikum die Waldsteppe, also ein Mosaik aus Wald und Grasland mit zahlreichen Übergängen, ist (unter diesem Gesichtspunkt erscheint es im Übrigen höchst seltsam, dass in der Vegetationsökologie Rasengesellschaften und Waldgesellschaften bereits auf hoher Ebene in verschiedene Schubladen gesteckt werden, wo diese natürlicherweise doch so eng miteinander verzahnt sind!). Auch nach der Sesshaftwerdung des Menschen gab es keine scharfe Trennung zwischen Grasland und Wald, da die Wälder oft als Waldweide genutzt und so aufgelichtet wurden. Daraus ergibt sich für mich, dass die Waldsteppe das primäre Schutzgut sein sollte. Und nicht die Erhaltung scharf abgegrenzter mehr oder weniger gehölzfreier Halbtrockenrasenflächen. Möglicherweise setzt sich diese Ansicht auch im Naturschutz durch. Z.B. in den Leiser Bergen gibt es seit kurzem Waldweideprojekte. Es würde jedenfalls noch zahlreiche Waldflächen geben, die eine Renaturierung als Waldsteppe mit Hilfe von Beweidung gut brauchen könnten.
Im Folgenden einige Habitatfotos des diskutieren Gebiets, das mangels Beweidung durch Großherbivoren bzw. Nutztiere des Menschen inzwischen sicherlich mehr Wald als Grasland ist:

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