Beim Stiefmütterchen kommt wieder der Gärtner ins Spiel:
Das Garten-Stiefmütterchen,
Viola x wittrockiana ist hybridogen durch Züchtungen aus Viola lutea × V. tricolor × V. altaica ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden (JÄGER & al. 2008). In den letzten Jahren und Jahrzehnten verstärkt in die Züchtung miteingeflossen ist das Horn-Veilchen, Viola cornuta und deren Hybriden. Eine scharfe Trennung zwischen Hybriden von V. cornuta und V. wittrockiana ist heute nicht mehr möglich, da die aus Samen entstandenen Verwilderungen der F2-Generation in ihren Merkmalen aufspalten (MEIEROTT 2008). Aus den überwiegend gepflanzten F1-Hybriden mit Züchtungsschwerpunkt Blütengröße entstehen in der darauffolgenden F2-Generation aus Samen zumeist wieder Pflanzen mit wesentlich kleineren Blüten, die mit Viola tricolor verwechselt werden können - die oben abgebildete Pflanze dürfte eine solche F2-Aufspaltung sein.
Benannt ist die Sippe zu Ehren des deutsch-schwedischen Botanikers Veit Brecher Wittrock (1839−1914), der den Hybridkomplex 1896 erstmals beschrieb, ohne ihn zu benennen. Wittrock war Algenfachmann, der auch an Gattungen wie Viola und Linnaea forschte. Die korrekte Erstbeschreibung wurde erst 2007 nachgeholt und veröffentlicht.
In Österreich unbeständig in allen Bundesländern, so etwa im Burgenland am Friedhof von Jormannsdorf (TRAXLER 1975), Untergriesbach, Mauerkirchen und Vorderstoder in Oberösterreich (HOHLA 2003, STÖHR 2002), Zeltweg in der Steiermark (MELZER 2003), Axams, Wildschönau, Forchach und Scharnitz in Nordtirol, Virgen und Kals in Osttirol (POLATSCHEK & NEUNER 2013) und in Schlanders und Schnauders in Südtirol (NIKLFELD 2002).
Quellen:
ESSL F. & STÖHR O. (2006): Bemerkenswerte floristische Funde aus Wien, Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark, Teil III. — Linzer biol. Beitr. 38/1: 121–163.
ESSL F. (2008): Beitrag zur Floristik von Kärnten, Nord- und Osttirol (Österreich) – Linzer biol. Beitr. 40_1: 329–339.
HOHLA M. (2003): Zobodat-Herbarbelege – http://www.zobodat.at/belege.php?id=100076792
JÄGER E. J., EBEL F., HANELT P. & MÜLLER G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Spektrum, 874 S.
MEIEROTT L. (2008): Flora der Haßberge und des Grabfeldes – Neue Flora von Schweifurt. 2 Bände, IHW-Verlag, Eching.
MELZER H. (2012): Virtual Herbaria JACQ –Viola wittrockiana – https://herbarium.univie.ac.at
NIKLFELD H. (2002): Für die Flora Südtirols neue Gefäßpflanzen (1) – Gredleriana 2: 271−294.
PFLUGBEIL G. & PILSL P. (2013): Vorarbeiten an einer Liste der Gefäßpflanzen des Bundeslandes Salzburg, Teil 1: Neophyten – Mitt. Haus der Natur 21: 25–83.
POLATSCHEK A. & NEUNER W. (2013): Flora von Nordtirol, Osttirol und Vorarlberg, Band 7 – Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, 821 S.
STÖHR O. (2002): Floristisches aus der Gemeinde Vorderstoder – Beitr. Naturk. Oberösterreichs 11: 411−459.
TRAXLER G. (1975): Floristiscbe Neuigkeiten aus dem Burgenland (IX) – Burgenländische Heimatblätter 37: 52–64.
LG Norbert