Thalictrum foetidum in Osttirol?
Verfasst: Montag 18. Mai 2026, 20:00
Liebes Forum,
ich beschäftige mich gerade etwas näher mit Thalictrum foetidum und dabei fand ich Aufzeichnungen und ein Foto der Art aus Innervillgraten in Osttirol aus dem Jahre Schnee. Foto daher analog, eingescannt und daher sehr schlecht.
Nachdem ich in keinerlei Literatur Vorkommen dieser Art für Osttirol finden konnte, meine Frage, hat schon wer von euch die Stinkende Wiesenraute in Osttirol gefunden oder davon gelesen, dass sie dort vorkommen soll?
Anbei allgemein Wissenswertes über die Art in Österreich:
Die Stinkende Wiesenraute (Thalictrum foetidum) ist eine eurasiatische Art mit Verbreitungsschwerpunkt in Asien. In Österreich ist das Hahnenfußgewächs auf Vorkommen in Nordtirol und der Steiermark beschränkt. In der Steiermark konzentriert sich das Auftreten auf die Kalkberge des Mittleren Murtales, insbesondere auf Hochlantsch, Rote Wand, Gschwendtberg und Peggauer Wand. Frühere Angaben vom Hochschwabgebiet (Tragöß, Grasserwand) werden bereits von Hayek (1908–1911) als zweifelhaft angesehen (Zimmermann 1985).
Auch die Nennungen für Niederösterreich sind unsicher. Während Janchen (1977), Damboldt (1974) sowie die Floristische Kartierung Österreichs (FKÖ 2019) Thalictrum foetidum nicht für Niederösterreich anführen, nennen neuere Werke wie die Roten Listen Österreichs (Schratt-Ehrendorfer et al. 2022), Hand (2021) und Tribsch (1997) Vorkommen im Thayatal und im Weinviertel. Diese beruhen wahrscheinlich auf unveröffentlichten Funden von L. Tichy aus dem Thayatal und Ch. Justin aus dem Weinviertel (Niklfeld & Schratt-Ehrendorfer 1999). Möglicherweise handelt es sich hierbei jedoch um Verwechslungen mit Thalictrum minus, einer morphologisch sehr variablen Art mit mehreren Unterarten. In Österreich gilt Thalictrum foetidum derzeit als ungefährdet („Least Concern“, LC) (Schratt-Ehrendorfer et al. 2026).
In der Steiermark zeigt Thalictrum foetidum eine bemerkenswerte Vikarianz zu Thalictrum minus. Beide Arten besitzen zwar eine ähnliche ökologische Amplitude, doch scheint T. foetidum etwas höhere Ansprüche an die Nährstoffversorgung zu stellen. Auffällig ist das teilweise massenhafte Auftreten der Art auf berasten, zugleich aber exponierten Kalkfelsrücken, etwa an der Raner Wand. In solchen Beständen fehlt T. minus nicht nur innerhalb der Populationen von T. foetidum, sondern meist auch in deren unmittelbarer Umgebung. Umgekehrt konnte in Populationen von T. minus kein T. foetidum festgestellt werden.
Die Lage größerer Bestände an häufig von Gams- und Steinwild aufgesuchten Standorten sowie der erhöhte Stickstoffzeigerwert lassen eine gewisse Affinität zur sogenannten Balmenflora vermuten. Allerdings zählt T. foetidum nicht zur eigentlichen, stark überdüngten Balmenvegetation. Das soziologische Optimum der Art liegt in der Steiermark vielmehr in Übergangsbereichen, in denen sich Kalktrockenrasen infolge besserer Nährstoffversorgung bereits zu Hochstaudenfluren entwickeln. Im Wallis oberhalb von Zermatt steigt die Art bis in Höhen von etwa 2650 m an (Damboldt 1974).
Morphologisch unterscheidet sich die Stinkende Wiesenraute von Thalictrum minus vor allem durch ihre drüsig-kurzhaarigen, unangenehm riechenden Blätter. Die Blättchen sind mit 2–5 mm deutlich kleiner als jene von T. minus, deren kahle Blätter Blättchen von 5–12 mm Länge aufweisen.
Quellen:
Damboldt J. (1974) in Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band III, Teil 3. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg.
FKÖ (2021): Arbeits-Verbreitungskarten zum Atlas der Flora Österreichs - Projektdatenbank zur Floristischen Kartierung Österreichs.
Hand R. (2021): Die Ranunculaceae der Flora von Zentraleuropa: Thalictrum – Publiziert unter Die Ranunculaceae der Flora von Zentraleuropa: Thalictrum
HAYEK A. (1908–1911): Flora von Steiermark, 1. — Monografien Botanik Blütenpflanzen. 39: 1–1271.
JANCHEN E. (1977): Flora von Wien Niederösterreich und Nordburgenland. — Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 2. Aufl. 757 S.
Maurer W. (1984): Ergebnisse floristischer Kartierung in der Steiermark - Mitt, naturwiss. Ver. Steiermark 114: 207-243. MittNatVerSt_114_0207-0243.pdf
Niklfeld H. & L. Schratt-Ehrendorfer (1999): Rote Liste gefährdeter Farn- und Blutenpflanzen (Pteridophyta und Spermatophyta) Österreichs 2. Fassung Gruene-Reihe-Lebensministerium_10_0033-0129.pdf
SCHRATT-EHRENDORFER L., H. NIKLFELD, Ch. SCHRÖCK & O. STÖHR (2022): Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen Österreichs, dritte, völlig neu bearbeitete Auflage – Stapfia 114: 1-357.
Tribsch A. 1997. Beiträge zur Biosystematik und Floristik der Gattung Thalictrum (Ranun- culacecie) in Österreich. - Diplomarb. Formal- und Naturwiss. Fak. Univ. Wien, 127 + 33 + 4 Seiten.
Zernig K. (2015) in: K. Zernig, C. Berg, G. Heber, G. Kniely, S. Leonhartsberger & P. Sengl: Bemerkenswertes zur Flora der Steiermark 3 - Joannea Botanik : 197– 229. JoanBot_12_0197-0229.pdf
Zimmermann A. (1985): Arealkundliche und autökologische Notizen zur Flora der Steiermark (II) - Not. Flora Steiermark 7 NotizenFloraStmk_07_0031-0051.pdf
ich beschäftige mich gerade etwas näher mit Thalictrum foetidum und dabei fand ich Aufzeichnungen und ein Foto der Art aus Innervillgraten in Osttirol aus dem Jahre Schnee. Foto daher analog, eingescannt und daher sehr schlecht.
Nachdem ich in keinerlei Literatur Vorkommen dieser Art für Osttirol finden konnte, meine Frage, hat schon wer von euch die Stinkende Wiesenraute in Osttirol gefunden oder davon gelesen, dass sie dort vorkommen soll?
Anbei allgemein Wissenswertes über die Art in Österreich:
Die Stinkende Wiesenraute (Thalictrum foetidum) ist eine eurasiatische Art mit Verbreitungsschwerpunkt in Asien. In Österreich ist das Hahnenfußgewächs auf Vorkommen in Nordtirol und der Steiermark beschränkt. In der Steiermark konzentriert sich das Auftreten auf die Kalkberge des Mittleren Murtales, insbesondere auf Hochlantsch, Rote Wand, Gschwendtberg und Peggauer Wand. Frühere Angaben vom Hochschwabgebiet (Tragöß, Grasserwand) werden bereits von Hayek (1908–1911) als zweifelhaft angesehen (Zimmermann 1985).
Auch die Nennungen für Niederösterreich sind unsicher. Während Janchen (1977), Damboldt (1974) sowie die Floristische Kartierung Österreichs (FKÖ 2019) Thalictrum foetidum nicht für Niederösterreich anführen, nennen neuere Werke wie die Roten Listen Österreichs (Schratt-Ehrendorfer et al. 2022), Hand (2021) und Tribsch (1997) Vorkommen im Thayatal und im Weinviertel. Diese beruhen wahrscheinlich auf unveröffentlichten Funden von L. Tichy aus dem Thayatal und Ch. Justin aus dem Weinviertel (Niklfeld & Schratt-Ehrendorfer 1999). Möglicherweise handelt es sich hierbei jedoch um Verwechslungen mit Thalictrum minus, einer morphologisch sehr variablen Art mit mehreren Unterarten. In Österreich gilt Thalictrum foetidum derzeit als ungefährdet („Least Concern“, LC) (Schratt-Ehrendorfer et al. 2026).
In der Steiermark zeigt Thalictrum foetidum eine bemerkenswerte Vikarianz zu Thalictrum minus. Beide Arten besitzen zwar eine ähnliche ökologische Amplitude, doch scheint T. foetidum etwas höhere Ansprüche an die Nährstoffversorgung zu stellen. Auffällig ist das teilweise massenhafte Auftreten der Art auf berasten, zugleich aber exponierten Kalkfelsrücken, etwa an der Raner Wand. In solchen Beständen fehlt T. minus nicht nur innerhalb der Populationen von T. foetidum, sondern meist auch in deren unmittelbarer Umgebung. Umgekehrt konnte in Populationen von T. minus kein T. foetidum festgestellt werden.
Die Lage größerer Bestände an häufig von Gams- und Steinwild aufgesuchten Standorten sowie der erhöhte Stickstoffzeigerwert lassen eine gewisse Affinität zur sogenannten Balmenflora vermuten. Allerdings zählt T. foetidum nicht zur eigentlichen, stark überdüngten Balmenvegetation. Das soziologische Optimum der Art liegt in der Steiermark vielmehr in Übergangsbereichen, in denen sich Kalktrockenrasen infolge besserer Nährstoffversorgung bereits zu Hochstaudenfluren entwickeln. Im Wallis oberhalb von Zermatt steigt die Art bis in Höhen von etwa 2650 m an (Damboldt 1974).
Morphologisch unterscheidet sich die Stinkende Wiesenraute von Thalictrum minus vor allem durch ihre drüsig-kurzhaarigen, unangenehm riechenden Blätter. Die Blättchen sind mit 2–5 mm deutlich kleiner als jene von T. minus, deren kahle Blätter Blättchen von 5–12 mm Länge aufweisen.
Quellen:
Damboldt J. (1974) in Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band III, Teil 3. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg.
FKÖ (2021): Arbeits-Verbreitungskarten zum Atlas der Flora Österreichs - Projektdatenbank zur Floristischen Kartierung Österreichs.
Hand R. (2021): Die Ranunculaceae der Flora von Zentraleuropa: Thalictrum – Publiziert unter Die Ranunculaceae der Flora von Zentraleuropa: Thalictrum
HAYEK A. (1908–1911): Flora von Steiermark, 1. — Monografien Botanik Blütenpflanzen. 39: 1–1271.
JANCHEN E. (1977): Flora von Wien Niederösterreich und Nordburgenland. — Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 2. Aufl. 757 S.
Maurer W. (1984): Ergebnisse floristischer Kartierung in der Steiermark - Mitt, naturwiss. Ver. Steiermark 114: 207-243. MittNatVerSt_114_0207-0243.pdf
Niklfeld H. & L. Schratt-Ehrendorfer (1999): Rote Liste gefährdeter Farn- und Blutenpflanzen (Pteridophyta und Spermatophyta) Österreichs 2. Fassung Gruene-Reihe-Lebensministerium_10_0033-0129.pdf
SCHRATT-EHRENDORFER L., H. NIKLFELD, Ch. SCHRÖCK & O. STÖHR (2022): Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen Österreichs, dritte, völlig neu bearbeitete Auflage – Stapfia 114: 1-357.
Tribsch A. 1997. Beiträge zur Biosystematik und Floristik der Gattung Thalictrum (Ranun- culacecie) in Österreich. - Diplomarb. Formal- und Naturwiss. Fak. Univ. Wien, 127 + 33 + 4 Seiten.
Zernig K. (2015) in: K. Zernig, C. Berg, G. Heber, G. Kniely, S. Leonhartsberger & P. Sengl: Bemerkenswertes zur Flora der Steiermark 3 - Joannea Botanik : 197– 229. JoanBot_12_0197-0229.pdf
Zimmermann A. (1985): Arealkundliche und autökologische Notizen zur Flora der Steiermark (II) - Not. Flora Steiermark 7 NotizenFloraStmk_07_0031-0051.pdf