Aquilegia vulgaris agg.
Verfasst: Donnerstag 21. Juni 2018, 19:03
Liebe alle,
obwohl es in Österreich lt. EFÖLS gerade mal 5 Aquilegia-Arten gibt und zwei Arten (einseleana und alpina) unzweifelhaft sind und hier nicht bespochen werden müssen, gibt das Aquilegia vulgaris agg. für mich immer noch Fragen auf. Nicht umsonst steht in der Exkursionsflora bei den dieser Gruppe zugeordneten Arten, d.h. A. vulgaris, A. atrata und A. nigricans, auch ein Rautezeichen für bestimmungskritische Taxa ;-)
Klar, es gibt unzweifelhafte Populationen, die sich gut in die Art-Beschreibungen des Schlüssels einfügen - daneben gibt es immer wieder aber auch Bestände unklarer bzw. fraglicher Identität. So habe ich gerade vor wenigen Tagen am Südabfall der Lechtaler Alpen im Stanzertal vom Hangfuß (rd. 1300 msm) bis zur Waldgrenze (ca. 1800 m) an diversen Stellen morphologisch sehr einheitliche Bestände mit folgenden Merkmalen angetroffen: Blütenfarbe violettblau (nicht violettbraun!), Blättchen unterseits deutlich behaart, Staubbeutel ca. 4-5 mm die inneren Perigonblätter überragend, Deckblätter mehr als 7 x (bis 10 x) so lang wie breit. Nach den Merkmalen der EFÖLS kommt man damit mehrheitlich zu A. nigricans; weit und breit fanden sich dort keine violettbraunblütigen Pflanzen bzw. unzweifelhafte A. atrata. Nur: A. nigricans sollte lt. Exkursionsflora "wohl hauptsächlich im Osten und Südosten" auftreten und mit A. atrata, die mehr im Westen vorkommen soll, vikariieren. Darüberhinaus waren bei den Beständen im Stanzertal die Blütendimensionen und Spornlängen eher A. atrata entsprechend (diese hat kleinere Blüten), also passen nicht alle Merkmale für A. nigricans. Es bleibt somit die Frage, was das dort für eine Art ist? Dabei möchte ich noch erwähnen, dass ich diese Bestände nicht für Hybrid-Schwärme halte, denn zu einheitlich waren die Bestände ausgebildet ...
Hier in Osttirol haben wir neben der typischen violettbraunblütigen A. atrata an bislang einer Stelle auch A. nigricans (Fund von mir noch unpubl.), was aufgrund der Vorkommen in Kärnten und dann Norditalien/Slowenien arealkundlich plausibel ist - aber im westlichen Nordtirol hätte ich diese Art nicht vermutet. Allerdings hat A. Polatschek in seinen diversen früheren "Beiträgen zur Flora von Tirol" schon einmal A. nigricans aus Nordtirol publiziert, um sie dann in seiner monumentalen Flora (bewusst?) nicht mehr anzugeben. Hat er hier ev. auch ähnliche kritische Populationen wie ich gesehen?
Auch die A. vulgaris s.str. gibt mir Fragen auf, denn wer kennt wirklich eindeutige autochthone Bestände dieser Art in Österreich? Gibt es solche im Osten (den ich nicht so gut kenne) bzw. überhaupt? Hier im Westen kenne ich nur Verwilderungen, die tw. buntkronig bis auch gefülltblütig auftreten und - nicht zuletzt aufgrund der leichten Aussamung der Arten - verbreitet sind.
Also in die Runde gefragt: Was sind eure Erfahrungen mit dieser Gruppe?
Viele Grüße
Oliver
obwohl es in Österreich lt. EFÖLS gerade mal 5 Aquilegia-Arten gibt und zwei Arten (einseleana und alpina) unzweifelhaft sind und hier nicht bespochen werden müssen, gibt das Aquilegia vulgaris agg. für mich immer noch Fragen auf. Nicht umsonst steht in der Exkursionsflora bei den dieser Gruppe zugeordneten Arten, d.h. A. vulgaris, A. atrata und A. nigricans, auch ein Rautezeichen für bestimmungskritische Taxa ;-)
Klar, es gibt unzweifelhafte Populationen, die sich gut in die Art-Beschreibungen des Schlüssels einfügen - daneben gibt es immer wieder aber auch Bestände unklarer bzw. fraglicher Identität. So habe ich gerade vor wenigen Tagen am Südabfall der Lechtaler Alpen im Stanzertal vom Hangfuß (rd. 1300 msm) bis zur Waldgrenze (ca. 1800 m) an diversen Stellen morphologisch sehr einheitliche Bestände mit folgenden Merkmalen angetroffen: Blütenfarbe violettblau (nicht violettbraun!), Blättchen unterseits deutlich behaart, Staubbeutel ca. 4-5 mm die inneren Perigonblätter überragend, Deckblätter mehr als 7 x (bis 10 x) so lang wie breit. Nach den Merkmalen der EFÖLS kommt man damit mehrheitlich zu A. nigricans; weit und breit fanden sich dort keine violettbraunblütigen Pflanzen bzw. unzweifelhafte A. atrata. Nur: A. nigricans sollte lt. Exkursionsflora "wohl hauptsächlich im Osten und Südosten" auftreten und mit A. atrata, die mehr im Westen vorkommen soll, vikariieren. Darüberhinaus waren bei den Beständen im Stanzertal die Blütendimensionen und Spornlängen eher A. atrata entsprechend (diese hat kleinere Blüten), also passen nicht alle Merkmale für A. nigricans. Es bleibt somit die Frage, was das dort für eine Art ist? Dabei möchte ich noch erwähnen, dass ich diese Bestände nicht für Hybrid-Schwärme halte, denn zu einheitlich waren die Bestände ausgebildet ...
Hier in Osttirol haben wir neben der typischen violettbraunblütigen A. atrata an bislang einer Stelle auch A. nigricans (Fund von mir noch unpubl.), was aufgrund der Vorkommen in Kärnten und dann Norditalien/Slowenien arealkundlich plausibel ist - aber im westlichen Nordtirol hätte ich diese Art nicht vermutet. Allerdings hat A. Polatschek in seinen diversen früheren "Beiträgen zur Flora von Tirol" schon einmal A. nigricans aus Nordtirol publiziert, um sie dann in seiner monumentalen Flora (bewusst?) nicht mehr anzugeben. Hat er hier ev. auch ähnliche kritische Populationen wie ich gesehen?
Auch die A. vulgaris s.str. gibt mir Fragen auf, denn wer kennt wirklich eindeutige autochthone Bestände dieser Art in Österreich? Gibt es solche im Osten (den ich nicht so gut kenne) bzw. überhaupt? Hier im Westen kenne ich nur Verwilderungen, die tw. buntkronig bis auch gefülltblütig auftreten und - nicht zuletzt aufgrund der leichten Aussamung der Arten - verbreitet sind.
Also in die Runde gefragt: Was sind eure Erfahrungen mit dieser Gruppe?
Viele Grüße
Oliver