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iNaturalist
Verfasst: Montag 9. Mai 2022, 09:51
von Burkhard Leitner
Hallo Forum,
bin vor kurzem auf das Portal/die App von iNaturalist gestoßen ->
https://www.inaturalist.org"eine der beliebtesten Natur-Apps weltweit, hilft dir beim Bestimmen der Pflanzen und Tiere in deiner Umgebung. Eine Gemeinschaft von über 400.000 WissenschaftlerInnen und NaturfreundInnen erklärt dir die Natur! Und: Indem du deine Beobachtungen dokumentierst und anderen zur Verfügung stellst, produzierst du nützliche Daten für ForscherInnen, die daran arbeiten, die Natur zu verstehen und zu schützen."
Es gibt auch einzelne Projekte, etwa
https://www.inaturalist.org/projects/fl ... osterreichIch finde es sehr interessant und hilfreich und habe jetzt meine Beobachtungen der letzten Jahre (>400) hochgeladen. Sehr einfach, wenn man GPS-getaggte Fotos hat, auch die Bestimmung erfolgt automatisch (wird dann auch meist von Experten verifiziert, soweit es Fotos zulassen).
Die hier im Forum schon öfter diskutierte Frage bleibt, was tut man mit seltenen Pflanzen bzw. bis zu welchem Seltenheitsgrad ist es noch zu verantworten, Pflanzen mit genauem Standort bis hin zu Koordinaten zu veröffentlichen?
Viele Grüße
Burkhard
Re: iNaturalist
Verfasst: Dienstag 10. Mai 2022, 11:22
von E. Spögler
Hallo Burkhard,
ich persönlich nutze die App iNaturalist nicht, weiß aber, dass es die Möglichkeit gibt, Koordinaten seitens des Beobachters, der seine Beobachtung hochlädt, zu verdecken bzw. die Standortanzeige auf den Satellitenbildern auf ein weitläufiges Rasterfeld zu beschränken. Ich glaube aber, dass dieses Tool nicht besonders häufig genutzt wird.
Finde es selber problematisch, wenn punktgenaue Koordinaten von Standorten seltener Arten im Internet veröffentlicht werden, besonders bei sehr attraktiven Arten (Ophrys spp., Orchis spp., Iris sibirica usw.), da es der Plünderung von Beständen durch "Pflanzenfreunde" ebenso wie durch (versierte) Raritätensammler, aber auch der Entstehung von Trittschäden durch eventuellen starken Besucherandrang Tür und Tor öffnet.
Denke, dass Apps wie iNaturalist da schon eine gewisse Verantwortung hätten, nicht nur (randlich) ein Tool zum Verdecken der Koordinaten anzubieten, sondern die Benutzer gleich auf der Startseite aktiv auf die Problematik hinzuweisen bzw. dementsprechend zu sensibilisieren.
Viele Grüße
Elias
Re: iNaturalist
Verfasst: Dienstag 10. Mai 2022, 21:35
von Burkhard Leitner
Hallo Elias,
danke für deine Einschätzung. Ja man kann durchaus auch die Position verdecken bzw. auf "privat" umstellen.
Das mache ich natürlich auch bei meinen Orchideen-Sichtungen (ausgenommen Dactylorhiza fuchsii) und weiteren attraktiven, seltenen Pflanzen.
Es ist jedenfalls eine Gratwanderung - welche Pflanze ist jetzt entsprechend selten und könnte in Gefahr sein ausgegraben zu werden?
Es gab ja hier im Forum auch schon Diskussionen bzgl. Geheimhaltung versus Bekanntmachung von Standorten.
Bin selbst eher in der Fraktion "Zerstörung bis Ausrottung passiert nicht durch Begehen, Fotografieren oder sogar Ausgraben, sondern durch Lebensraumzerstörung, welche häufig auch durch nicht vorhandenes Wissen um die Standorte geschieht".
Ich könnte mir z.B auch vorstellen, dass ein interessierter Grundbesitzer, wenn er auf der Karte sieht, was bei ihm so alles vorkommt, auch entsprechend richtig reagiert und seine Wiese etwas später mäht oder an diesen Stellen weiterhin auf Düngen verzichtet. Vielleicht auch ein zu optimistischer Gedanke...
Viele Grüße
Burkhard
Re: iNaturalist
Verfasst: Mittwoch 11. Mai 2022, 07:49
von E. Spögler
Der Aspekt der Lebensraumzerstörung durch Unwissenheit spielt auf jeden Fall eine weit größere Rolle als das Plündern von Standorten, mich würde aber trotzdem interessieren, ob bzw. wie viele Anlaufstellen bzw. "Zentralen'" der Floristischen Kartierung Mitteleuropas tatsächlich auf Daten aus iNaturalist zurückgreifen und diese in ihre Datenbanken einspeisen und in welchem Ausmaß, da es sich dabei offensichtlich um eine sehr zeitintensive Arbeit handelt bzw. ich mir die Daten als für eine (wissenschaftliche) Datenbank recht unbefriedigend vorstelle, weil ja meist Informationen zu Lebensraum, Abundanz, chorologischem Status, Begleitflora usw. der beobachteten Arten fehlen.
Ich melde zB alle meine in Südtirol erhobenen Daten dem Naturmuseum Südtirol als zentrale Anlaufstelle der Floristischen Kartierung Südtirols, womit es sich für mich erübrigt, iNaturalist zu nutzen. Einmal integriert in die Datenbank, stehen sie auch den in Naturschutzfragen befassten Ämtern zur Verfügung.
Zum Informieren der Grundbesitzer: Das kann leider auch gewaltig nach hinten losgehen. Ich kenne einen Fall in Südtirol, wo ein Landwirt, der über das Vorkommem von Anacamptis coriophora auf seinem Grundstück informiert wurde, versichert hat, darauf aufzupassen und es in der Folge bewusst zerstört hat, offensichtlich aus Angst vor dem amtlichen Naturschutz. Hätte man nichts gesagt, würde der Bestand vielleicht noch existieren. Das ist jetzt natürlich kein Argument, aber so kann's halt auch gehen.
In einem anderen Fall hat ein Bauer gezielt nach Ausweisung eines (winzigen!) Biotopes für Anacamptis coriophora in diesem Dünger ausgebracht, erbost darüber, dass man ihm ein Teil seines Eigentums weggenommen hätte. Inzwischen ist die Art in Südtirol ausgestorben.
Re: iNaturalist
Verfasst: Mittwoch 11. Mai 2022, 08:45
von Peter Pilsl
Wir in Salzburg verwenden großteils die App von Observations.org - eine ähnliche Anwendung mit ähnlichen Funktionen.
https://observation.org/fieldwork/observations/daylist/Aber gerade für Geländekartierungen seeeeeehr praktisch. Die Erfassung erfolgt punktgenau, registiert die Person und das Datum und bei Bedarf weitere Informationen zum Fund, es können auch Fotos zur Dokumentation hochgeladen werden. Die Kartierungsdaten werden mit einem Plausibilitätsmodus geprüft, die Fotos werden - soweit möglich - von Experten bestätigt.
Das gute an der Sache ist, dass da nicht nur wir unsere Daten validieren müssen, sondern in der Community auch Fachleute aus anderen Ländern für Artengruppen arbeiten, wo es bei uns keine Experten gibt. In Abständen werden die Daten aus Österreich in die Biodiversitätsdatenbank am Haus der Natur integriert, wobei die Verknüpfung zum Originaldatensatz erstellt wird um ggf. Fotos kontrollieren zu können.
Eine weitere Plattform betreibt der Naturschutzbund mit Naturbeobachtung.at. Auch hier werden Daten in ähnlicher Form gesammelt. Auch hier ist geplant die Österreich-Daten ins Haus der Natur zu integrieren.
https://www.naturbeobachtung.at/platfor ... eplate2.do (für nicht angemeldete sind nicht alle Funktionen verfügbar)
Das tolle an diesen Citizen Science Projekten ist, dass dadurch viele Daten entstehen und für wissenschaftliche Arbeiten nach einem "Validierungsprozess" genutzt werden können.
Aber auch für Profis sind die Apps perfekt, so hab ich gestern am Abend in rund zwei Stunden bei einem Abendspaziergang in einem nicht sehr ergiebigen Gebiet rund 160 Arten kartiert. Und das schöne daran ist, dass es für mich keine "Nacharbeiten" gibt. Die Daten werden auf Knopfdruck hochgeladen und das wars dann.