Biodiversitäts-Atlas Österreich

Weiterführendes zu Flora, Vegetation, Naturschutz
Benutzeravatar
Stefan Lefnaer
Beiträge: 4676
Registriert: Sonntag 18. September 2016, 21:41
Wohnort: Wien
Kontaktdaten:

Re: Biodiversitäts-Atlas Österreich

Beitragvon Stefan Lefnaer » Mittwoch 27. November 2024, 21:29

Es kommt halt darauf an, was man sich erwartet: einen wissenschaftlichen Verbreitungsatlas oder ein Google der Botanik. Letzteres ist auch in Ordnung, sofern man sich dessen bewusst ist und alles kritisch hinterfrägt und prüft.

Benutzeravatar
2045
Beiträge: 1217
Registriert: Donnerstag 20. Oktober 2016, 19:05
Wohnort: NÖ, Breitenfurt
Kontaktdaten:

Re: Biodiversitäts-Atlas Österreich

Beitragvon 2045 » Donnerstag 28. November 2024, 15:22

Naturbeobachtung hat es meines Wissens nach vor, dorthin Daten zu übergeben.
Ich habe da schon aktiv am Jahresanfang einmal nachgefragt.
Am Anfang sollen aber einmal nur Pflanzen, Amphibien und Reptilien weiter gegeben werden.
Ob jetzt tatsächlich schon die ersten Daten übergeben wurden, kann ich nicht sagen.

Zumindest bei Naturbeobachtung gibt es eine relativ abgesicherte Bestimmungslogik.
Meldet jemand etwas korrekt, dann reicht ein Experte diese Bestimmung zu bestätigen.
Meldet jemand etwas falsch oder unbestimmt, dann sind 2 Experten notwendig. Einer der korrigiert oder bestimmt und ein 2. der das noch einmal bestätigt.
Validierer sind dort definierte Personen, als normaler User kann ich unbestimmte Meldungen nur bestimmen. Das finale Häckchen muss aber dann wieder vom definierten Validierer kommen
Fehler können natürlich immer noch passieren, sollten aber mit dieser Logik doch relativ selten vorkommen.
Und nicht bestätigte Meldungen werden hoffentlich nicht weitergegeben in andere Systeme.

Im inat ist das ganze leider nicht so gut abgesichert. Dort meldet jemand etwas und oft innerhalb von Sekunden wird dort die Bestimmung von Leuten bestätigt und es hat schon Forschungsqualität. Eine fehlerhafte Meldung wird immer vorkommen. Entweder aufgrund fehlender Kenntnis oder vielleicht auch nur den falschen Namen beim melden erwischt. Aber eine sofortige Bestätigung von einer fehlerhaften Meldung ist halt schon ein Problem.
Dort kann jeder bestätigen, und für mich hat es den Eindruck, das dort viele Personen einen richtigen Wettbewerb machen, möglichst viele Bestimmungen zu machen. Das wird dort mitgezählt und ist bei den Usern sichtbar. Ich finde das inzwischen recht lästig, wenn ich, wie gerade aktuell, Nachrichten bekomme zu einer Meldung vom Jahr 2021, wo ich die erste Bestätigung gemacht habe und nun 3 Jahre später jemand nun wieder die Art bestätigt (als insgesamt dritter).

Leider vermutlich nur für angemeldete sichtbar - der erste Fall ist ein wirkliches Highlight, welches ich zufällig mitbekommen habe.
https://www.inaturalist.org/observations/80784625

aber auch der 2. Fall ist ähnlich gelagert, sofort falsche Bestätigung
https://www.inaturalist.org/observations/80454163

Vermutlich überhaupt nicht geregelt , ganz egal von welchem Vorsystem kommend, ist die Vorgehensweise, wenn nach einer Bestätigung und nach einer Übermittlung, etwas korrigiert wird. Ich stelle mir das auch technisch recht kompliziert vor. Einen neuen Datensatz zu übermitteln und den falschen gleichzeitig zu löschen. Da müsste es für jede Meldung eine Rückmeldung mit einer ID Nummer geben.
Das wären dann aber wohl oft zwei verschiedene ID Nummern wenn es entweder zunächst über GBIF oder parallel auch zu GBIF übermittelt wird.

Eine Gesamtdatenbank die die zahlreichen gesammelten Daten von diversen, oft Themenspezifischen Meldeplattformen zusammensammelt, finde ich schon gut.
Und für manche Organismus-Gruppen gibt es aktuell vermutlich gar nichts, bzw. nichts halbwegs aktuelles.
Die Mykologie oder die Botanik sind mit österreichweiten Datenbanken sehr gut aufgestellt. Wenn jemand aber etwas über die österreichischen Nachtfalter wissen will, dann braucht er gar nicht zum Suchen anfangen. Dementsprechend gibt es auch keine aktuellen Verbreitungskarten und auch keine roten Risten.

LG Markus

Benutzeravatar
Norbert Sauberer
Beiträge: 657
Registriert: Samstag 1. April 2017, 21:22

Re: Biodiversitäts-Atlas Österreich

Beitragvon Norbert Sauberer » Donnerstag 28. November 2024, 16:04

Ja, Markus ich gebe dir recht. Auf iNaturalist können sich recht schnell Fehler einschleichen. Andererseits liebe ich hier die Offenheit und es funktioniert einfach! Ich schätze auch sehr die Filtermöglichkeiten. Wenn ich beispielsweise erkenne, dass bei gewissen Arten öfters Fehlbestimmungen vorkommen, dann filtere ich mir diese Region heraus und schaue alle Beobachtungen durch, ob da schon früher was falsch gelaufen ist. Diese Beobachtungen korrigiere ich. Damit funktioniert dann auch hier das Bilderkennungssystem auf der lokalen Ebene. Beim Bilderkennungssystem kann man ja auswählen zwischen zwei Ebenen. Bei häufigen Arten ist das Bilderkennungssystem mittlerweile wirklich sehr gut.
Was ich auch sehr mag: Ich schaue mir das gesamte Verbreitungsgebiet an und suche mir gezielt die abgelegenen Beobachtungen heraus. Die sind dann öfters falsch und ich überlege mir was das wirklich ist, da lernt man viel dazu.

Benutzeravatar
2045
Beiträge: 1217
Registriert: Donnerstag 20. Oktober 2016, 19:05
Wohnort: NÖ, Breitenfurt
Kontaktdaten:

Re: Biodiversitäts-Atlas Österreich

Beitragvon 2045 » Donnerstag 28. November 2024, 16:50

Hallo Norbert!
Es gibt dort sicher sehr viele Experten, denen wohl nie ein Fehler passiert. Ich nutze inat auch für gewisse Dinge, weil dort oft die einzigen öffentlich auftretenden Experten für diverse Insekten aktiv sind.

Leider sind dort aber auch sehr viele Nicht Experten unterwegs, die versuchen nur viele Punkte zu sammeln, vor allem beim Bestätigen von Meldungen. Das ist das große Problem dort. Und etwas was einen Experten Status hat, schaut sich dann dort wohl nur mehr wenige Personen genauer an. Das funktioniert wie an den Beispielen gezeigt schon bei ganz einfachen und eigentlich eindeutigen Arten nicht mehr.
Wahrscheinlich würde schon eine Verbesserung eintreten, wenn die Bestimmungen nicht mehr mitgezählt würden.

Das das Bilderkennungssystem beim inat auch auf lokaler Ebene funktioniert, kenne ich beim inat bis jetzt nicht. Das habe ich dort noch nicht entdeckt. Wo versteckt sich das?
LG Markus

Benutzeravatar
Carnifex
Beiträge: 321
Registriert: Freitag 21. Oktober 2016, 22:02
Kontaktdaten:

Re: Biodiversitäts-Atlas Österreich

Beitragvon Carnifex » Donnerstag 28. November 2024, 23:42

Ich kann den Erfahrungen von Markus nur bedingt zustimmen, aber das mag vielleicht auch an den jeweiligen Artengruppen liegen, die man sich bevorzugt anschaut.
Klar gibt es Fehlbestimmungen mit Forschungsqualität, sei es durch einen Lapsus eines Experten oder durch unerfahrene/übereifrige User - aber das kommt meiner Erfahrung nach recht selten vor, zudem sollte man auch die Zeitkomponente berücksichtigen: selbst fehlerhafte Bestimmungen können mit relativ wenig Aufwand korrigiert werden, und dass eine Pflanze über mehrere Jahre hinweg falsch bestimmt auf der Plattform verbleibt, dürfte wirklich die Ausnahme darstellen.
Umgekehrt habe ich schon bei Plattformen, bei denen die Validierung über das 'Experten-System' läuft (observation.org; naturbeobachtung.at) entweder unmittelbar oder aus erster Hand erfahren, wie mühsam und schwierig es ist, einen Fehler zu korrigieren, der einem anderen Experten unterlaufen ist.

Außerdem möchte ich noch einen Aspekt zum Überdenken mitgeben:
Einige Datensätze mit sehr hoher Bestimmungsqualität oder sehr viele Datensätze mit hoher Qualität - was davon wertvoller/sinnvoller ist kann ja jeder für sich selber überlegen. Aber (lokale) Experten sind sehr begrenzt und daher können auch viel weniger Beobachtungen bestätigt werden als wenn es auf viele Köpfe und Länder verteilt ist.

Und die beiden Orchideenbeispiele - nun, zum einen wurden sie ja tatsächlich korrigiert, zum anderen war es beides Mal der gleiche IDer, welcher zudem ein deutscher Botaniker und Kakteenexperte ist, der also durchaus auch von seiner Expertise her auf naturbeobachtung.at als Experte hätte fungieren (und ihm dort die gleichen Fehler unterlaufen) können. Ich kann mir zudem gut vorstellen, dass der Orchideen-Hybrid auf naturbeobachtung.at auch nicht als solcher erkannt worden wäre.
Generell ist es sowieso schwierig, von einzelnen Beispielen auf einen generellen Trend zu schließen, da braucht es dann schon belastbare Daten...

Ich weiß nicht, wie der Biodiversitäts-Atlas upgedatet wird, aber iNat-Beobachtungen auf GBIF z.B. werden regelmäßig (so alle 2 Monate, wenn ich das richtig im Kopf habe) aktualisiert.

LG
Lorin


Zurück zu „Botanische Literatur“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast