Siehe hier:
https://www.openflora.ch/de/forum/carda ... -3293.html
Cardamine matthiolii? - Marchauen
Cardamine matthiolii? - Marchauen
“There are wonders enough out there without our inventing any.” Carl Sagan
- Norbert Griebl
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Re: Cardamine matthiolii? - Marchauen
Servus Jonas,
ob die Art Cardamine matthioli ist, kann ich so leider auch nicht sagen.
Ich kann nur allgemein meinen "Senf" zu dieser Art geben, die bei uns in der Weststeiermark fast gänzlich Cardamine pratensis s.str. ersetzt und hier auf frischen Fettwiesen relativ häufig vorkommt:
Das Matthioli-Wiesen-Schaumkraut, Cardamine matthioli, ist ein südosteuropäisches Florenelement. Es reicht von Piemont über die Bergamaskeralpen bis in die östlichen Südalpen und kommt am Ostalpenrand von Wien bis in die Südsteiermark sowie an der March und in Westungarn vor. Dazu findet man sie auf dem Balkan zerstreut in Slowenien, Serbien, Kosovo, an einer Stelle in Nordgriechenland und etwas häufiger in Albanien und Bulgarien (Käsermann 1999).
Als erster erkannte der deutsche Botaniker Friedrich Gottlob Hayne (1763–1832) dieses Taxon und bezeichnete es als Cardamine stricta. Dieser Name wurde jedoch nie gültig veröffentlicht. Die erste publizierte Bezeichnung war Cardamine pratensis var. hayneana, beschrieben von Reichenbach (1830–1832) auf Grundlage eines Exemplars, das er von Welwitsch erhalten hatte und das den Namen Cardamine hayneana trug. In mehreren Floren Mitteleuropas (z. B. Novák 1948) wird Cardamine hayneana als gültiger Artname geführt. Allerdings hat Welwitsch diesen Namen offenbar nie veröffentlicht. Die erste gültige Veröffentlichung erfolgte wahrscheinlich durch Schur (1877), rund dreißig Jahre nach der regelgültigen Beschreibung von Cardamine matthioli durch Moretti (1847) (Marhold 1994). Benannt ist die Art zu Ehren des italienischen Botanikers Pietro Andrea Mattioli (1501−1578), nachdem unter anderem auch die Gattung der Levkojen, Matthiola, benannt ist.
Ökologisch handelt es sich bei Cardamine matthioli vermutlich ursprünglich um eine Art der Auenwälder, die im Zuge der landwirtschaftlichen Nutzung in neu entstandene Lebensräume wie Flachmoore, Röhrichte und Großseggenriede eingewandert ist. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, wobei die Art teilweise selbststeril ist. Die morphologischen Merkmale innerhalb des Formenkreises Cardamine pratensis agg. sind stark von äußeren Umweltbedingungen beeinflusst. Dieser Formenkreis umfasst eine Reihe ursprünglich diploider Sippen sowie diploide Hybriden und polyploide Formen, die von tetraploiden bis zu dodekaploiden Stufen reichen (Käsermann 1999).
Vom ähnlichen Echten Wiesen-Schaumkraut, Cardamine pratensis s.str., unterscheidet sich das Matthioli-Wiesen-Schaumkraut durch 1−1,5 mm breite Früchte (bei C. pratensis 2−2,5 mm breit), durchwegs weiße Kronblätter (bei C. pratensis meist hellrosa) und meist schon von Grund an verzweigten Pflanzen (bei C. pratensis meist einstängelig oder oben verzweigt).
In der aktuellen Roten Liste der Gefäßpflanzen Österreichs wird Cardamine matthioli als gefährdet (VU; früher Gefährdungsstufe 3) eingestuft. Angaben aus Vorarlberg und Tirol gelten demnach als irrig, während jene aus Oberösterreich als fraglich eingestuft werden (Schratt-Ehrendorfer et al. 2022). In der Steiermark findet man Cardamine matthioli fast ausschließlich in frischen Fettwiesen.
LG
Norbert
Quellen:
Käsermann C. (1999): Cardamine matthiolii - Merkblätter Artenschutz – Blütenpflanzen und Farne D_pp35_106.p65
Marhold K. (1994): Taxonomy of the Genus Cardamine L. (Crucicerae) in the Carpathians and Pannonia Cardamine pratensis-Group - Folia Geobot. Phytotax, Praha 29: 335-374.
Moretti G. (1847): Difesa e illustrazione delle opere botaniche di Pier Andrea Mattioli botanico del XVI secolo, memoria 5 (Defence and illustrations of the botanical work of Pier Andrea Matthioli, botanist of the XVl century, part 5). - Giorn. Imp. Reale st. Lombardo Sci. 8: 605-624.
Novák F.A. (1948): Cardamine L. em Cr. – Rehsnice Zerusnica in: Dostál J. (ed.): Kvetena CSR (Flora oft he Czechoslovak Republik), Praha 286-293.
Reichenbach H.G.L. (1830-1832): Flora germanica excursoria. - Leipzig.
SCHRATT-EHRENDORFER L., H. NIKLFELD, Ch. SCHRÖCK & O. STÖHR (2022): Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen Österreichs, dritte, völlig neu bearbeitete Auflage – Stapfia 114: 1-357.
Schur E. (1877): Photographische Mittheilungen über Pflanzenformen an verschiedenen Florengebieten des Oesterreichischen Kaiserstaates. - Verh. Naturf. Vereins Brünn 15: 3-200.
ob die Art Cardamine matthioli ist, kann ich so leider auch nicht sagen.
Ich kann nur allgemein meinen "Senf" zu dieser Art geben, die bei uns in der Weststeiermark fast gänzlich Cardamine pratensis s.str. ersetzt und hier auf frischen Fettwiesen relativ häufig vorkommt:
Das Matthioli-Wiesen-Schaumkraut, Cardamine matthioli, ist ein südosteuropäisches Florenelement. Es reicht von Piemont über die Bergamaskeralpen bis in die östlichen Südalpen und kommt am Ostalpenrand von Wien bis in die Südsteiermark sowie an der March und in Westungarn vor. Dazu findet man sie auf dem Balkan zerstreut in Slowenien, Serbien, Kosovo, an einer Stelle in Nordgriechenland und etwas häufiger in Albanien und Bulgarien (Käsermann 1999).
Als erster erkannte der deutsche Botaniker Friedrich Gottlob Hayne (1763–1832) dieses Taxon und bezeichnete es als Cardamine stricta. Dieser Name wurde jedoch nie gültig veröffentlicht. Die erste publizierte Bezeichnung war Cardamine pratensis var. hayneana, beschrieben von Reichenbach (1830–1832) auf Grundlage eines Exemplars, das er von Welwitsch erhalten hatte und das den Namen Cardamine hayneana trug. In mehreren Floren Mitteleuropas (z. B. Novák 1948) wird Cardamine hayneana als gültiger Artname geführt. Allerdings hat Welwitsch diesen Namen offenbar nie veröffentlicht. Die erste gültige Veröffentlichung erfolgte wahrscheinlich durch Schur (1877), rund dreißig Jahre nach der regelgültigen Beschreibung von Cardamine matthioli durch Moretti (1847) (Marhold 1994). Benannt ist die Art zu Ehren des italienischen Botanikers Pietro Andrea Mattioli (1501−1578), nachdem unter anderem auch die Gattung der Levkojen, Matthiola, benannt ist.
Ökologisch handelt es sich bei Cardamine matthioli vermutlich ursprünglich um eine Art der Auenwälder, die im Zuge der landwirtschaftlichen Nutzung in neu entstandene Lebensräume wie Flachmoore, Röhrichte und Großseggenriede eingewandert ist. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, wobei die Art teilweise selbststeril ist. Die morphologischen Merkmale innerhalb des Formenkreises Cardamine pratensis agg. sind stark von äußeren Umweltbedingungen beeinflusst. Dieser Formenkreis umfasst eine Reihe ursprünglich diploider Sippen sowie diploide Hybriden und polyploide Formen, die von tetraploiden bis zu dodekaploiden Stufen reichen (Käsermann 1999).
Vom ähnlichen Echten Wiesen-Schaumkraut, Cardamine pratensis s.str., unterscheidet sich das Matthioli-Wiesen-Schaumkraut durch 1−1,5 mm breite Früchte (bei C. pratensis 2−2,5 mm breit), durchwegs weiße Kronblätter (bei C. pratensis meist hellrosa) und meist schon von Grund an verzweigten Pflanzen (bei C. pratensis meist einstängelig oder oben verzweigt).
In der aktuellen Roten Liste der Gefäßpflanzen Österreichs wird Cardamine matthioli als gefährdet (VU; früher Gefährdungsstufe 3) eingestuft. Angaben aus Vorarlberg und Tirol gelten demnach als irrig, während jene aus Oberösterreich als fraglich eingestuft werden (Schratt-Ehrendorfer et al. 2022). In der Steiermark findet man Cardamine matthioli fast ausschließlich in frischen Fettwiesen.
LG
Norbert
Quellen:
Käsermann C. (1999): Cardamine matthiolii - Merkblätter Artenschutz – Blütenpflanzen und Farne D_pp35_106.p65
Marhold K. (1994): Taxonomy of the Genus Cardamine L. (Crucicerae) in the Carpathians and Pannonia Cardamine pratensis-Group - Folia Geobot. Phytotax, Praha 29: 335-374.
Moretti G. (1847): Difesa e illustrazione delle opere botaniche di Pier Andrea Mattioli botanico del XVI secolo, memoria 5 (Defence and illustrations of the botanical work of Pier Andrea Matthioli, botanist of the XVl century, part 5). - Giorn. Imp. Reale st. Lombardo Sci. 8: 605-624.
Novák F.A. (1948): Cardamine L. em Cr. – Rehsnice Zerusnica in: Dostál J. (ed.): Kvetena CSR (Flora oft he Czechoslovak Republik), Praha 286-293.
Reichenbach H.G.L. (1830-1832): Flora germanica excursoria. - Leipzig.
SCHRATT-EHRENDORFER L., H. NIKLFELD, Ch. SCHRÖCK & O. STÖHR (2022): Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen Österreichs, dritte, völlig neu bearbeitete Auflage – Stapfia 114: 1-357.
Schur E. (1877): Photographische Mittheilungen über Pflanzenformen an verschiedenen Florengebieten des Oesterreichischen Kaiserstaates. - Verh. Naturf. Vereins Brünn 15: 3-200.
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Je größer ein Mensch ist, desto mehr neigt er dazu, sich vor einer Blume niederzuknien
Re: Cardamine matthiolii? - Marchauen
Genial Norbert deine Zusammenstellung zu Cardamine matthioli! Ich habe diese natürlich gleich verschlungen... war mir nicht bekannt, dass die Art bei euch in der Weststeiermark recht häufig ist. In der Schweiz kommt sie auf periodisch feuchten Fettwiesen oder nährstoffreicheren Feuchtwiesen vor, ist jedoch sehr selten und kommt nur im Tessin und im Wallis vor. Siehe dazu auch hier:
CARDAMINE MATTHIOLI MORETTI : SYSTÉMATIQUE ET CHOROLOGIE - SAUVEGARDE D'UNE ESPÈCE RARE RÉCEMMENT DÉCOUVERTE EN VALAIS ET DÉJÀ MENACÉE
Charly Rey & Sabine Rey - Carron1
Bull. Murithienne 136 / 2018 : 43 - 82
CARDAMINE MATTHIOLI MORETTI : SYSTÉMATIQUE ET CHOROLOGIE - SAUVEGARDE D'UNE ESPÈCE RARE RÉCEMMENT DÉCOUVERTE EN VALAIS ET DÉJÀ MENACÉE
Charly Rey & Sabine Rey - Carron1
Bull. Murithienne 136 / 2018 : 43 - 82
“There are wonders enough out there without our inventing any.” Carl Sagan
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