Marsilea quadrifola - neue Fundorte
- Norbert Griebl
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- Registriert: Donnerstag 20. Oktober 2016, 16:59
Marsilea quadrifola - neue Fundorte
Liebes Forum,
der Kleefarn, Marsilea quadrifolia, ist rezent nur mehr aus der Steiermark bekannt. Neben den bekannten Fundorten Weinburger Teich, Stangdorfer Teiche und Neuteich bei Wundschuh konnte ich die Art heuer auch an zwei weiteren Teichen finden: dem Kapperteich und Spielteich bei Oberrakitsch.
Zur Art: Der Kleefarn (Marsilea quadrifolia) ist in den warmgemäßigten Regionen Eurasiens von den Azoren bis nach Japan verbreitet. In Mitteleuropa ist die Art in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen. In Deutschland, Polen und der Schweiz gilt sie als ausgestorben (Käsermann 1999, Janiak & al. 2014), wenngleich an einigen neueren Fundorten eine spontane Wiederansiedlung nicht ausgeschlossen werden kann (Seidenstücker 1998, Schiel & Hunger 2004).
Zusammen mit den Schwimmfarnen gehört der Kleefarn zu einer evolutionär hochentwickelten Linie innerhalb der Farne. Charakteristisch ist die Heterosporie: Die Pflanzen bilden getrennte männliche und weibliche Sporen in unterschiedlichen Sporangien, die in bohnenförmigen Sporokarpien am Grund der Pflanze eingeschlossen sind. Die kriechende Sprossachse entwickelt in regelmäßigen Abständen eingerollte Blattanlagen, die sich zu den charakteristischen vierteiligen, kleeähnlichen Blättern entfalten. Die Fiederblättchen zeigen nachts eine ausgeprägte Schlafbewegung (Hoffmann 2003). Die Sporokarpien sind langlebig. Johnson (1985) konnte Sporokarpien einer anderen Marsilea-Art selbst nach rund 100 Jahren noch zur Keimung bringen. Dadurch kann Marsilea quadrifolia an historischen Wuchsorten nach Jahrzehnten wieder erscheinen, sobald geeignete Standortbedingungen, etwa durch das Ablassen von Fischteichen und Entfernung von Uferbewuchs, erneut gegeben sind (Magnes 2016).
Der Gattungsname Marsilea wurde von Linné zu Ehren des italienischen Botanikers Giovanni Marsili (1727–1794) vergeben. Marsili war Präfekt des Botanischen Gartens von Padua und begründete dort das Arboretum. Während seiner Amtszeit besuchte Johann Wolfgang von Goethe auf seiner Italienreise den Botanischen Garten. Die dort noch heute erhaltene Zwergpalme (Chamaerops humilis) soll Goethe zu seiner berühmten Erkenntnis „Alles ist Blatt" angeregt haben (Minelli 2019).
In der aktuellen Roten Liste Österreichs wird der Kleefarn als stark gefährdet (EN) eingestuft (Schratt-Ehrendorfer & al. 2022). Hervorgehoben werden die derzeit noch stabilen Vorkommen in extensiv bewirtschafteten Fischteichen der Südsteiermark (Magnes 2016).
Für das Burgenland muss Marsilea quadrifolia heute als verschollen beziehungsweise ausgestorben gelten. Historische Nachweise liegen aus Nikitsch, Güssing und Urbersdorf vor (Maurer 1996; Gilli & Schratt-Ehrendorfer 2022). Noch 1962 konnte Walter Nagl den Kleefarn in den Güssinger Fischteichen nachweisen (Nagl 1962). Traxler (1972) nennt außerdem den Stausee bei Urbersdorf.
Auch in Kärnten ist der Kleefarn ausgestorben. Historische Vorkommen sind aus Waidmannsdorf bei Klagenfurt (Hartl & al. 1992) sowie „aus Sümpfen am Wörther See" bekannt (Pacher & Jabornegg 1881; Holzinger & Paill 2000).
Für Oberösterreich existieren ausschließlich historische und teilweise zweifelhafte Angaben. Hohla & al. (2009) weisen darauf hin, dass die Art in der Roten Liste Oberösterreichs (Strauch 1997) mangels gesicherter Belege als nicht bestätigt geführt wird. Bereits Poetsch & Schiedermayr (1872) bezeichneten die älteren Angaben aus dem Raum Mondsee, Langbathsee und Gutau als zweifelhaft, während Janchen (1956) die Art für Oberösterreich als wahrscheinlich ausgestorben einstufte.
In der Steiermark wurde der Kleefarn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mehrfach nachgewiesen (Hayek 1908–1911; Fritsch 1920, 1929), galt jedoch 1989 als ausgestorben (Zimmermann & al. 1989). Durch die Wiederaufnahme einer extensiven Teichwirtschaft gelangen Melzer ab den frühen 1990er-Jahren mehrere Wiederfunde, unter anderem an den Stangdorfer Teichen zwischen Hainsdorf und Siebing sowie in den Weinburger Teichen (Melzer & Bregant 1993; Melzer 2005). Für die Weinburger Teiche existieren bereits Beobachtungen aus dem Jahr 1972 (Melzer 2005). Neuere Nachweise liegen neben den Stangdorfer Teichen und Weinburger Teichen vom Brunnsee nördlich von Hainsdorf sowie vom Neuteich bei Wundschuh vor. Am Neuteich bei Wundschuh war der Kleefarn aus den 1920er-Jahren bekannt, in den 1950er-Jahren war er wegen des Aussetzens der Teichbewirtschaftung verschwunden (Melzer 1956), konnte aber 1994 wieder nachgewiesen werden (Magnes 2016). Maurer (1996) nennt in seiner Flora der Steiermark den Schwimmfarn als erloschen für die Wundschuher Teiche und den Ehrenteich. Dem kann hier widersprochen werden, denn bei Nachsuchen im Sommer 2026 konnte ich die Art an folgenden Teichen finden bzw. bestätigen:
Stangdorfer Teiche (28. Juli 2026: in vier der sieben Teiche: westlichster Teich: ca 20 m², Teich westlich der Saßtal-Straße am Nordufer ca. 25 m², kleiner nördlicher Teich ca. 12 m², kleiner südlicher Teich ca. 15 m²); Großer Weinburger-Teich (19. Juli 2026, am SO-Ufer ca. 5 m²) und Wundschuher Teiche (24. Juli 2026, am Nordende des Neuteichs ca. 60 m²). Zusätzliche Funde gelangen an den Oberrakitscher Teichen am 29. Juli 2026 (Kapperteich am NO-Ufer ca. 50 m², Spielteich ca. 80 m² am SW-Ufer und NO-Ufer und Langer Teich am W-Ufer ca. 10 m²). Am Ehrenteich, auch Echenteich genannt, wo der Kleefarn früher vorgekommen ist, dürfte der Kleefarn durch Ludwigia grandiflora, welches fast das gesamte Ufer besiedelt, verschwunden sein.
Für Nordtirol wird schließlich ein Neufund aus dem Tiroler Lechtal erwähnt, dessen Status derzeit noch ungeklärt ist (Schratt-Ehrendorfer & al. 2022).
In Bayern kam Marsilea quadrifolia früher im Raum Rosenheim vor, gilt dort jedoch seit Langem als erloschen (Merxmüller 1965).
Der Kleefarn (Marsilea quadrifolia) wurde 1753 von Carl von Linné in seinem grundlegenden Werk Species Plantarum unter dem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Nach Genaust (1996) widmete Linné den Gattungsnamen dem italienischen Botaniker Giovanni Marsili (1727–1794), und nicht dem in älterer Literatur oft genannten Naturforscher Luigi Ferdinando Marsili (1658–1730).
Quellen:
Fritsch K. 1920: Beiträge zur Flora der Steiermark I. – Österreichische Botanische Zeitschrift 69: 225–230.
Fritsch K. 1929: Siebenter Beitrag zur Flora der Steiermark. – Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Vereines für Steiermark 64, 65: 29–78.
Genaust, H. (1996): Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Birkhäuser Verlag, Basel–Boston–Berlin.
Gilli C. & L. Schratt-Ehrendorfer (2022): Checkliste und Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen des Burgenlandes – Naturschutzbund Burgenland. Microsoft Word - Titelblatt_RLB.docx
Hartl H., Kniely G., Leute G. H., Niklfeld H. & Perko M. 1992: Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Kärntens. -Klagenfurt, Naturwiss. Ver. Kernten, 451 S.
HAYEK A. (1908–1911): Flora von Steiermark, 1. — Monografien Botanik Blütenpflanzen. 39: 1–1271.
Hoffmann M.H. (2003): Marsilea quadrifolia – Botanischer Garten Halle Marsilea quadrifolia
HOHLA M., STÖHR O., BRANDSTÄTTER G., DANNER J., DIEWALD W., ESSL F., FIEDERER H., GRIMS F., HÖGLINGER F., KLEESADL G., KRAML A.G., LENGLACHNER F., LUGMAIR A., NADLER K., NIKLFELD H., SCHMALZER A., SCHRATT-EHRENDORFER L., SCHRÖCK C., STRAUCH M. & WITTMANN H. (2009): Katalog und Rote Liste der Gefäßpflanzen Oberösterreichs. – Stapfia 91: 1–324.
Holzinger W.E. & W. Paill (2000): Ein neuer Fund des Kleefarns [Marsilea quadrifolia L.) in der Steiermark - Not. Flora Steiermark 16: 37-40. NotizenFloraStmk_16_0037-0040.pdf
Janchen E. (1956-1960, 1963, 1964, 1965, 1967): Catalogus Florae Austriae 1. Dazu Erstes, Zweites und Drittes Ergänzungsheft und Generalindex. — Springer, Wien.
Janiak A., Galej K., Parusel J.B. & Szarejko I. 2014: A study of the genetic variation of the aquatic fern Marsilea quadrifolia L. preserved in botanical collections in Poland and originated from natural populations in Europe. – Flora - Morphology, Distribution, Functional Ecology of Plants 209: 655–665.
Johnson D.M. 1985: New records for longevity of Marsilea sporocarps. American Fern Journal 75: 30–31.
Käsermann C. 1999: EW Marsilea quadrifolia L. – Kleefarn – Marsileaceae. – Merkblätter Artenschutz – Blütenpflanzen und Farne: 196-197.
Linnaeus, C. (1753): Species Plantarum, Tomus II. Laurentii Salvii, Holmiae, S. 1099.
Magnes M. (2016): Der Kleefarn Marsilea quadrifolia in der Steiermark - Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Vereines für Steiermark 145: 59-67.
MAURER W. (1996): Flora der Steiermark. Band I. Farnpflanzen (Pteridophyten) und freikronblättrige Blütenpflanzen (Apetale und Dialypetale). – Eching: IHW-Verlag; 311 S.
MELZER H. (2005): Neues zur Flora der Steiermark, XLI. — Mitt. Naturwiss. Ver. Steiermark 134: 153–188.
MELZER H. & BREGANT E. (1993): Bemerkenswerte Funde von Gefäßpflanzen in der Steiermark. – Mitteilungen des naturwissenschaftlichen Vereins für Steiermark 123: 183–205.
Merxmüller H. (1965): Neue Übersicht der im rechtsrheinischen Bayern einheimischen Farne und Blütenpflanzen, Teil I – Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft zur Erforschung der Flora – 38: 93 - 115.
Minellii A. (2019): Giovanni Marsili, the library oft he Prefect of Padovas Botanical Garden Giovanni Marsili
Nagl W. (1962): Ein neuer Fundort des Kleefarnes (Marsilia quadrifolia) – Natur und Land nat-land_1962_1_0020.pdf
Pacher D. & Jabornegg M. von (1881): Flora von Kärnten. Systematische Aufzählung der in Kärnten wildwachsenden Gefässpflanzen. I. Abteilung: Akotyledones, Monokotyledones. Ferdinand von Kleinmayr, Klagenfurt.
Poetsch J.S. & K.B. Schiedermayr (1872): Systematische Aufzählung der im Erzher zogthume Oesterrreich ob der Enns bisher beobachteten samenlosen Pflanzen (Krypto gamen). — Zool. bot. Ges. Wien, Wien: 1 384.
Sailer J.S. (1841): Die Flora Oberöstreichs. — Linz.
Sailer J.S. (1844): Flora der Linzergegend und des oberen und unteren Mühlviertels in Oberösterreich oder Aufzählung der allda wildwachsenden Pflanzen mit kenntlichen Blüthen mittelst Angabe ihrer deutschen, la teinischen und vulgaren Namen. (Ein Local Auszug und eine Vervollständigung seiner Flora Oberösterreich´s). — Linz.
Schiel F. & Hunger H. 2004: Wiederfund des Vierblättrigen Kleefarns (Marsilea quadrifolia) in Baden-Württemberg. – Berichte der Botanischen Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutschland 3: 33–37.
SCHRATT-EHRENDORFER L., H. NIKLFELD, Ch. SCHRÖCK & O. STÖHR (2022): Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen Österreichs, dritte, völlig neu bearbeitete Auflage – Stapfia 114: 1-357.
Seidenstücker C. 1998: Verbreitung und Reproduktionsökologie von Marsilea quadrifolia in Deutschland. – Diplomarbeit Ruhr-Universität Bochum.
Strauch M. (1997): Rote Liste gefährdeter Farn- und Blütenpflanzen Oberösterreichs und Liste der einheimischen Farn- und Blütenpflanzen Oberösterreichs. — Beitr. Naturk. Oberösterreichs 5: 3-63.
TRAXLER G. (1972): Floristische Neuigkeiten aus dem Burgenland (VI) — Burgenl. Heimatbl. 34/3: 97–105.
Zimmermann A., Kniely G., Melzer H., Maurer W. & Höllriegl R. 1989: Atlas gefährde ter Farn- und Blütenpflanzen der Steiermark. – Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Rechtsabteilung 6, Fachstelle Naturschutz, Graz.
der Kleefarn, Marsilea quadrifolia, ist rezent nur mehr aus der Steiermark bekannt. Neben den bekannten Fundorten Weinburger Teich, Stangdorfer Teiche und Neuteich bei Wundschuh konnte ich die Art heuer auch an zwei weiteren Teichen finden: dem Kapperteich und Spielteich bei Oberrakitsch.
Zur Art: Der Kleefarn (Marsilea quadrifolia) ist in den warmgemäßigten Regionen Eurasiens von den Azoren bis nach Japan verbreitet. In Mitteleuropa ist die Art in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen. In Deutschland, Polen und der Schweiz gilt sie als ausgestorben (Käsermann 1999, Janiak & al. 2014), wenngleich an einigen neueren Fundorten eine spontane Wiederansiedlung nicht ausgeschlossen werden kann (Seidenstücker 1998, Schiel & Hunger 2004).
Zusammen mit den Schwimmfarnen gehört der Kleefarn zu einer evolutionär hochentwickelten Linie innerhalb der Farne. Charakteristisch ist die Heterosporie: Die Pflanzen bilden getrennte männliche und weibliche Sporen in unterschiedlichen Sporangien, die in bohnenförmigen Sporokarpien am Grund der Pflanze eingeschlossen sind. Die kriechende Sprossachse entwickelt in regelmäßigen Abständen eingerollte Blattanlagen, die sich zu den charakteristischen vierteiligen, kleeähnlichen Blättern entfalten. Die Fiederblättchen zeigen nachts eine ausgeprägte Schlafbewegung (Hoffmann 2003). Die Sporokarpien sind langlebig. Johnson (1985) konnte Sporokarpien einer anderen Marsilea-Art selbst nach rund 100 Jahren noch zur Keimung bringen. Dadurch kann Marsilea quadrifolia an historischen Wuchsorten nach Jahrzehnten wieder erscheinen, sobald geeignete Standortbedingungen, etwa durch das Ablassen von Fischteichen und Entfernung von Uferbewuchs, erneut gegeben sind (Magnes 2016).
Der Gattungsname Marsilea wurde von Linné zu Ehren des italienischen Botanikers Giovanni Marsili (1727–1794) vergeben. Marsili war Präfekt des Botanischen Gartens von Padua und begründete dort das Arboretum. Während seiner Amtszeit besuchte Johann Wolfgang von Goethe auf seiner Italienreise den Botanischen Garten. Die dort noch heute erhaltene Zwergpalme (Chamaerops humilis) soll Goethe zu seiner berühmten Erkenntnis „Alles ist Blatt" angeregt haben (Minelli 2019).
In der aktuellen Roten Liste Österreichs wird der Kleefarn als stark gefährdet (EN) eingestuft (Schratt-Ehrendorfer & al. 2022). Hervorgehoben werden die derzeit noch stabilen Vorkommen in extensiv bewirtschafteten Fischteichen der Südsteiermark (Magnes 2016).
Für das Burgenland muss Marsilea quadrifolia heute als verschollen beziehungsweise ausgestorben gelten. Historische Nachweise liegen aus Nikitsch, Güssing und Urbersdorf vor (Maurer 1996; Gilli & Schratt-Ehrendorfer 2022). Noch 1962 konnte Walter Nagl den Kleefarn in den Güssinger Fischteichen nachweisen (Nagl 1962). Traxler (1972) nennt außerdem den Stausee bei Urbersdorf.
Auch in Kärnten ist der Kleefarn ausgestorben. Historische Vorkommen sind aus Waidmannsdorf bei Klagenfurt (Hartl & al. 1992) sowie „aus Sümpfen am Wörther See" bekannt (Pacher & Jabornegg 1881; Holzinger & Paill 2000).
Für Oberösterreich existieren ausschließlich historische und teilweise zweifelhafte Angaben. Hohla & al. (2009) weisen darauf hin, dass die Art in der Roten Liste Oberösterreichs (Strauch 1997) mangels gesicherter Belege als nicht bestätigt geführt wird. Bereits Poetsch & Schiedermayr (1872) bezeichneten die älteren Angaben aus dem Raum Mondsee, Langbathsee und Gutau als zweifelhaft, während Janchen (1956) die Art für Oberösterreich als wahrscheinlich ausgestorben einstufte.
In der Steiermark wurde der Kleefarn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mehrfach nachgewiesen (Hayek 1908–1911; Fritsch 1920, 1929), galt jedoch 1989 als ausgestorben (Zimmermann & al. 1989). Durch die Wiederaufnahme einer extensiven Teichwirtschaft gelangen Melzer ab den frühen 1990er-Jahren mehrere Wiederfunde, unter anderem an den Stangdorfer Teichen zwischen Hainsdorf und Siebing sowie in den Weinburger Teichen (Melzer & Bregant 1993; Melzer 2005). Für die Weinburger Teiche existieren bereits Beobachtungen aus dem Jahr 1972 (Melzer 2005). Neuere Nachweise liegen neben den Stangdorfer Teichen und Weinburger Teichen vom Brunnsee nördlich von Hainsdorf sowie vom Neuteich bei Wundschuh vor. Am Neuteich bei Wundschuh war der Kleefarn aus den 1920er-Jahren bekannt, in den 1950er-Jahren war er wegen des Aussetzens der Teichbewirtschaftung verschwunden (Melzer 1956), konnte aber 1994 wieder nachgewiesen werden (Magnes 2016). Maurer (1996) nennt in seiner Flora der Steiermark den Schwimmfarn als erloschen für die Wundschuher Teiche und den Ehrenteich. Dem kann hier widersprochen werden, denn bei Nachsuchen im Sommer 2026 konnte ich die Art an folgenden Teichen finden bzw. bestätigen:
Stangdorfer Teiche (28. Juli 2026: in vier der sieben Teiche: westlichster Teich: ca 20 m², Teich westlich der Saßtal-Straße am Nordufer ca. 25 m², kleiner nördlicher Teich ca. 12 m², kleiner südlicher Teich ca. 15 m²); Großer Weinburger-Teich (19. Juli 2026, am SO-Ufer ca. 5 m²) und Wundschuher Teiche (24. Juli 2026, am Nordende des Neuteichs ca. 60 m²). Zusätzliche Funde gelangen an den Oberrakitscher Teichen am 29. Juli 2026 (Kapperteich am NO-Ufer ca. 50 m², Spielteich ca. 80 m² am SW-Ufer und NO-Ufer und Langer Teich am W-Ufer ca. 10 m²). Am Ehrenteich, auch Echenteich genannt, wo der Kleefarn früher vorgekommen ist, dürfte der Kleefarn durch Ludwigia grandiflora, welches fast das gesamte Ufer besiedelt, verschwunden sein.
Für Nordtirol wird schließlich ein Neufund aus dem Tiroler Lechtal erwähnt, dessen Status derzeit noch ungeklärt ist (Schratt-Ehrendorfer & al. 2022).
In Bayern kam Marsilea quadrifolia früher im Raum Rosenheim vor, gilt dort jedoch seit Langem als erloschen (Merxmüller 1965).
Der Kleefarn (Marsilea quadrifolia) wurde 1753 von Carl von Linné in seinem grundlegenden Werk Species Plantarum unter dem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Nach Genaust (1996) widmete Linné den Gattungsnamen dem italienischen Botaniker Giovanni Marsili (1727–1794), und nicht dem in älterer Literatur oft genannten Naturforscher Luigi Ferdinando Marsili (1658–1730).
Quellen:
Fritsch K. 1920: Beiträge zur Flora der Steiermark I. – Österreichische Botanische Zeitschrift 69: 225–230.
Fritsch K. 1929: Siebenter Beitrag zur Flora der Steiermark. – Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Vereines für Steiermark 64, 65: 29–78.
Genaust, H. (1996): Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Birkhäuser Verlag, Basel–Boston–Berlin.
Gilli C. & L. Schratt-Ehrendorfer (2022): Checkliste und Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen des Burgenlandes – Naturschutzbund Burgenland. Microsoft Word - Titelblatt_RLB.docx
Hartl H., Kniely G., Leute G. H., Niklfeld H. & Perko M. 1992: Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Kärntens. -Klagenfurt, Naturwiss. Ver. Kernten, 451 S.
HAYEK A. (1908–1911): Flora von Steiermark, 1. — Monografien Botanik Blütenpflanzen. 39: 1–1271.
Hoffmann M.H. (2003): Marsilea quadrifolia – Botanischer Garten Halle Marsilea quadrifolia
HOHLA M., STÖHR O., BRANDSTÄTTER G., DANNER J., DIEWALD W., ESSL F., FIEDERER H., GRIMS F., HÖGLINGER F., KLEESADL G., KRAML A.G., LENGLACHNER F., LUGMAIR A., NADLER K., NIKLFELD H., SCHMALZER A., SCHRATT-EHRENDORFER L., SCHRÖCK C., STRAUCH M. & WITTMANN H. (2009): Katalog und Rote Liste der Gefäßpflanzen Oberösterreichs. – Stapfia 91: 1–324.
Holzinger W.E. & W. Paill (2000): Ein neuer Fund des Kleefarns [Marsilea quadrifolia L.) in der Steiermark - Not. Flora Steiermark 16: 37-40. NotizenFloraStmk_16_0037-0040.pdf
Janchen E. (1956-1960, 1963, 1964, 1965, 1967): Catalogus Florae Austriae 1. Dazu Erstes, Zweites und Drittes Ergänzungsheft und Generalindex. — Springer, Wien.
Janiak A., Galej K., Parusel J.B. & Szarejko I. 2014: A study of the genetic variation of the aquatic fern Marsilea quadrifolia L. preserved in botanical collections in Poland and originated from natural populations in Europe. – Flora - Morphology, Distribution, Functional Ecology of Plants 209: 655–665.
Johnson D.M. 1985: New records for longevity of Marsilea sporocarps. American Fern Journal 75: 30–31.
Käsermann C. 1999: EW Marsilea quadrifolia L. – Kleefarn – Marsileaceae. – Merkblätter Artenschutz – Blütenpflanzen und Farne: 196-197.
Linnaeus, C. (1753): Species Plantarum, Tomus II. Laurentii Salvii, Holmiae, S. 1099.
Magnes M. (2016): Der Kleefarn Marsilea quadrifolia in der Steiermark - Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Vereines für Steiermark 145: 59-67.
MAURER W. (1996): Flora der Steiermark. Band I. Farnpflanzen (Pteridophyten) und freikronblättrige Blütenpflanzen (Apetale und Dialypetale). – Eching: IHW-Verlag; 311 S.
MELZER H. (2005): Neues zur Flora der Steiermark, XLI. — Mitt. Naturwiss. Ver. Steiermark 134: 153–188.
MELZER H. & BREGANT E. (1993): Bemerkenswerte Funde von Gefäßpflanzen in der Steiermark. – Mitteilungen des naturwissenschaftlichen Vereins für Steiermark 123: 183–205.
Merxmüller H. (1965): Neue Übersicht der im rechtsrheinischen Bayern einheimischen Farne und Blütenpflanzen, Teil I – Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft zur Erforschung der Flora – 38: 93 - 115.
Minellii A. (2019): Giovanni Marsili, the library oft he Prefect of Padovas Botanical Garden Giovanni Marsili
Nagl W. (1962): Ein neuer Fundort des Kleefarnes (Marsilia quadrifolia) – Natur und Land nat-land_1962_1_0020.pdf
Pacher D. & Jabornegg M. von (1881): Flora von Kärnten. Systematische Aufzählung der in Kärnten wildwachsenden Gefässpflanzen. I. Abteilung: Akotyledones, Monokotyledones. Ferdinand von Kleinmayr, Klagenfurt.
Poetsch J.S. & K.B. Schiedermayr (1872): Systematische Aufzählung der im Erzher zogthume Oesterrreich ob der Enns bisher beobachteten samenlosen Pflanzen (Krypto gamen). — Zool. bot. Ges. Wien, Wien: 1 384.
Sailer J.S. (1841): Die Flora Oberöstreichs. — Linz.
Sailer J.S. (1844): Flora der Linzergegend und des oberen und unteren Mühlviertels in Oberösterreich oder Aufzählung der allda wildwachsenden Pflanzen mit kenntlichen Blüthen mittelst Angabe ihrer deutschen, la teinischen und vulgaren Namen. (Ein Local Auszug und eine Vervollständigung seiner Flora Oberösterreich´s). — Linz.
Schiel F. & Hunger H. 2004: Wiederfund des Vierblättrigen Kleefarns (Marsilea quadrifolia) in Baden-Württemberg. – Berichte der Botanischen Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutschland 3: 33–37.
SCHRATT-EHRENDORFER L., H. NIKLFELD, Ch. SCHRÖCK & O. STÖHR (2022): Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen Österreichs, dritte, völlig neu bearbeitete Auflage – Stapfia 114: 1-357.
Seidenstücker C. 1998: Verbreitung und Reproduktionsökologie von Marsilea quadrifolia in Deutschland. – Diplomarbeit Ruhr-Universität Bochum.
Strauch M. (1997): Rote Liste gefährdeter Farn- und Blütenpflanzen Oberösterreichs und Liste der einheimischen Farn- und Blütenpflanzen Oberösterreichs. — Beitr. Naturk. Oberösterreichs 5: 3-63.
TRAXLER G. (1972): Floristische Neuigkeiten aus dem Burgenland (VI) — Burgenl. Heimatbl. 34/3: 97–105.
Zimmermann A., Kniely G., Melzer H., Maurer W. & Höllriegl R. 1989: Atlas gefährde ter Farn- und Blütenpflanzen der Steiermark. – Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Rechtsabteilung 6, Fachstelle Naturschutz, Graz.
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Je größer ein Mensch ist, desto mehr neigt er dazu, sich vor einer Blume niederzuknien
- Norbert Griebl
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Re: Marsilea quadrifola - neue Fundorte
Marsilea quadrifolia Teil 2
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Je größer ein Mensch ist, desto mehr neigt er dazu, sich vor einer Blume niederzuknien
Re: Marsilea quadrifola - neue Fundorte
Lieber Norbert,
der Beitrag passt zeitlich ganz gut, denn letztes Wochenende hab ich mich selber auch auf Kleefarn-Expedition begeben, da ich Sorge hatte, dass es die Population dort bald nicht mehr zu bestaunen gibt: denn seit 2023 ist ein Vorkommen im Tullnerfeld bekannt (https://www.inaturalist.org/observations/163713994), in einem Retentionsbecken der ÖBB nördlich von Atzelsdorf.
Auf 'Retentionsbecken-Safari' bin ich entlang der Bahnstrecke, von Höhe Baumgarten (Gärtnerei Praskac) gestartet, gen Westen geradelt - und dabei wie zu erwarten bis auf wenige Ausnahmen in staubtrockene Becken 'eingetaucht'. Immerhin, mit dem eigentlichen Ziel der Reise hat es dann gerade noch zu Sonnenuntergang geklappt - die Herkunft dieser Population wird wohl ungeklärt bleiben.



LG
Lorin
der Beitrag passt zeitlich ganz gut, denn letztes Wochenende hab ich mich selber auch auf Kleefarn-Expedition begeben, da ich Sorge hatte, dass es die Population dort bald nicht mehr zu bestaunen gibt: denn seit 2023 ist ein Vorkommen im Tullnerfeld bekannt (https://www.inaturalist.org/observations/163713994), in einem Retentionsbecken der ÖBB nördlich von Atzelsdorf.
Auf 'Retentionsbecken-Safari' bin ich entlang der Bahnstrecke, von Höhe Baumgarten (Gärtnerei Praskac) gestartet, gen Westen geradelt - und dabei wie zu erwarten bis auf wenige Ausnahmen in staubtrockene Becken 'eingetaucht'. Immerhin, mit dem eigentlichen Ziel der Reise hat es dann gerade noch zu Sonnenuntergang geklappt - die Herkunft dieser Population wird wohl ungeklärt bleiben.



LG
Lorin
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