Eine Rätsel-Weide...
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Oliver Stöhr
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Eine Rätsel-Weide...
Liebe alle,
nach dem Beitrag zu Salix caesia (viewtopic.php?f=10&t=1568) bleiben wir bei den alpinen Weiden und kommen zu einer Pflanze aus dem hinteren Obertilliacher Tal (Karnische Alpen, Osttirol; subalpine Höhenstufe), die ich taxonomisch nicht klar zuordnen kann.
Es handelt sich um eine Weide mit stark glänzenden Blättern, die einen Verdacht von Salix glabra, welche in der Umgebung nicht selten auftritt, nahelegt. Das Schwarzwerden der Blätter im getrockneten Zustand spricht auch für Salix glabra. Aber die Wuchsform passt für diese Art nicht, denn es war keine Strauchweide, sondern eine durchwegs am Boden kriechende Spalierweide! Außerdem waren die Blätter etwas kleiner und schmäler, als dies bei S. glabra gewöhnlich der Fall ist.
Daher könnte dieses eine gesichtete Individuum eine Hybride mit dieser Art sein, ev. Salix glabra x retusa, die von A. Kerner als Salix x fenzliana beschrieben wurde. Ein im Internet verfügbares Bild eines Herbarbeleges dieses Bastardes (http://www.plantsoftheworldonline.org/t ... s:777660-1) zeigt eine Pflanze mit etwas andersartigen Blättern, aber das muss bei Weiden-Hybriden nichts heißen ... Für die Hybridtheorie spricht auch der schlechte, kaum vorhandene generative Ansatz - es waren an der Pflanzen nur wenige, hinfällige (männliche) Kätzchen zu sehen.
Was ist eure Meinung?
Viele Grüße
Oliver
nach dem Beitrag zu Salix caesia (viewtopic.php?f=10&t=1568) bleiben wir bei den alpinen Weiden und kommen zu einer Pflanze aus dem hinteren Obertilliacher Tal (Karnische Alpen, Osttirol; subalpine Höhenstufe), die ich taxonomisch nicht klar zuordnen kann.
Es handelt sich um eine Weide mit stark glänzenden Blättern, die einen Verdacht von Salix glabra, welche in der Umgebung nicht selten auftritt, nahelegt. Das Schwarzwerden der Blätter im getrockneten Zustand spricht auch für Salix glabra. Aber die Wuchsform passt für diese Art nicht, denn es war keine Strauchweide, sondern eine durchwegs am Boden kriechende Spalierweide! Außerdem waren die Blätter etwas kleiner und schmäler, als dies bei S. glabra gewöhnlich der Fall ist.
Daher könnte dieses eine gesichtete Individuum eine Hybride mit dieser Art sein, ev. Salix glabra x retusa, die von A. Kerner als Salix x fenzliana beschrieben wurde. Ein im Internet verfügbares Bild eines Herbarbeleges dieses Bastardes (http://www.plantsoftheworldonline.org/t ... s:777660-1) zeigt eine Pflanze mit etwas andersartigen Blättern, aber das muss bei Weiden-Hybriden nichts heißen ... Für die Hybridtheorie spricht auch der schlechte, kaum vorhandene generative Ansatz - es waren an der Pflanzen nur wenige, hinfällige (männliche) Kätzchen zu sehen.
Was ist eure Meinung?
Viele Grüße
Oliver
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kurt nadler
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Re: Eine Rätsel-Weide...
was spricht gegen eine prominente beteiligung von s. alpina?
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Oliver Stöhr
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Re: Eine Rätsel-Weide...
Hallo Kurt,
die Beteiligung von Salix alpina (falls dies eine Hybride ist) würde ich nicht restlos ausschließen, obwohl ich diese eher für unwahrscheinlich halte, denn lt. Hörandl (1992) sind Hybriden mit Salix alpina in Österreich nur mit S. retusa und S. breviserrata nachgewiesen. Auch erkenne ich kein Merkmal in dieser Pflanze, das für Salix alpina als Elter spricht. Wie auch immer: Salix alpina war in der Nähe ebenso wie Salix retusa reichlich vorhanden, ebenso folgende Arten: Salix glabra, S. waldsteiniana, S. appendiculata und S. hastata.
Viele Grüße
Oliver
die Beteiligung von Salix alpina (falls dies eine Hybride ist) würde ich nicht restlos ausschließen, obwohl ich diese eher für unwahrscheinlich halte, denn lt. Hörandl (1992) sind Hybriden mit Salix alpina in Österreich nur mit S. retusa und S. breviserrata nachgewiesen. Auch erkenne ich kein Merkmal in dieser Pflanze, das für Salix alpina als Elter spricht. Wie auch immer: Salix alpina war in der Nähe ebenso wie Salix retusa reichlich vorhanden, ebenso folgende Arten: Salix glabra, S. waldsteiniana, S. appendiculata und S. hastata.
Viele Grüße
Oliver
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kurt nadler
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Re: Eine Rätsel-Weide...
lieber oliver
knifflig.
wenn ich postuliere, dass das laub "klein" ist und die laubblattunterseitenfärbung nicht viel anders als die der oberseite, und reproduziere, dass es sich um eine reine spalierweide, die sichtlich kurz- und langtriebe ausbildet, hat glabra da einiges nicht reinvererbt.
der erste optische eindruck ergibt mir alpina x retusa. würde laut lit. auch blattrandzähnelung rechtfertigen und den fehlenden unterseitenglanz (fischadler für alpina).
herzliche grüße
kurt
knifflig.
wenn ich postuliere, dass das laub "klein" ist und die laubblattunterseitenfärbung nicht viel anders als die der oberseite, und reproduziere, dass es sich um eine reine spalierweide, die sichtlich kurz- und langtriebe ausbildet, hat glabra da einiges nicht reinvererbt.
der erste optische eindruck ergibt mir alpina x retusa. würde laut lit. auch blattrandzähnelung rechtfertigen und den fehlenden unterseitenglanz (fischadler für alpina).
herzliche grüße
kurt
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Oliver Stöhr
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Re: Eine Rätsel-Weide...
Je mehr ich darüber nachdenke, Kurt, desto eher glaube ich an Salix glabra x retusa und nicht an die Beteiligung von S. alpina. Denn Salix alpina hat ganzrandige Blätter und auch jene von Salix retusa sind i.d.R. ganzrandig (bis höchstens entfernt gezähnt). Aber dieses Individuum hat deutlich gezähnte/gekerbte Blattränder! D.h. dieses Merkmal sollte von einem Elter kommen, der auch gezähnte/gekerbte Blattränder hat.
Auch die starke lackartige Glanz der Blattoberseite spricht für die Beteiligung von S. glabra. Auch wenn Salix retusa ebenso kahle, glänzende Blätter hat, so sind diese doch nicht "lackartig" glänzend. Was für Salix retusa-Beteiligung spricht, sind auch die an den Bildern gut erkennbaren, bogig zur Blattspitze ziehenden Seitennerven, die wie der Habitus des Spalierwuchses lt. EFÖLS (bzw. E. Hörandl) auf die Hybriden übertragen wird. Dass es keine reine Salix gabra ist, wird an den kleineren Blättern, die unterseits nicht stark bereift sind, und dem Spalierwuchs deutlich.
LG
Oliver
Auch die starke lackartige Glanz der Blattoberseite spricht für die Beteiligung von S. glabra. Auch wenn Salix retusa ebenso kahle, glänzende Blätter hat, so sind diese doch nicht "lackartig" glänzend. Was für Salix retusa-Beteiligung spricht, sind auch die an den Bildern gut erkennbaren, bogig zur Blattspitze ziehenden Seitennerven, die wie der Habitus des Spalierwuchses lt. EFÖLS (bzw. E. Hörandl) auf die Hybriden übertragen wird. Dass es keine reine Salix gabra ist, wird an den kleineren Blättern, die unterseits nicht stark bereift sind, und dem Spalierwuchs deutlich.
LG
Oliver
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