Warum gibt es im Wienerwald keine Schneerosen?

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kurt nadler
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Re: Warum gibt es im Wienerwald keine Schneerosen?

Beitragvon kurt nadler » Sonntag 27. Februar 2022, 10:02

danke euch. als ökologe "genieße" und beherzige ich eure diesbezüglichen kommentare.

Gerd4126
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Re: Warum gibt es im Wienerwald keine Schneerosen?

Beitragvon Gerd4126 » Sonntag 27. Februar 2022, 10:44

Die klimatischen Unterschiede des Verbreitungsgebietes im Voralpengebiet gegenüber dem Wienerwald wurden ja von Hermann und Markus anschaulich beschrieben. Ich glaube auch das die Feuchtigkeit und Temperatur ein wesentliches Kriterium für den Standort ist und weniger die Höhe.
Vielleicht noch eine Anmerkung zur Höhenverbreitung :
Die östlichsten Vorkommen in engen Seitentälern des Triestingtales steigen nordwestseitig bis in Tallagen runter auf 370 m SH, selbstverständlich in bewaldeten schattigen Mischwaldlagen.

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Norbert Sauberer
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Re: Warum gibt es im Wienerwald keine Schneerosen?

Beitragvon Norbert Sauberer » Sonntag 27. Februar 2022, 14:13

Es gibt eine brandaktuelle genetische Studie über Helleborus niger: https://www.frontiersin.org/articles/10 ... 83043/full

Resümee: Helleborus niger hat sich in den nordöstlichen Kalkalpen schon vor der letzten Eiszeit angesiedelt und hat hier wohl sehr lokal in lichten Lärchen-Föhren-Wäldern überlebt. Nach dem Ende der letzten Eiszeit hat sie sich dann ausgebreitet, aber als Art mit großen schweren Samen, die offensichtlich nicht von Tieren über größere Strecken transportiert werden, hat sie das mögliche Areal wegen der Langsamkeit der Ausbreitung nicht auffüllen können.

Drei Zitate aus dem Artikel:

1) "We suggest, therefore, that H. niger survived the LGM in open coniferous forests at the southern and northeastern margin of the Alps as well as in the northwestern Balkan Peninsula. Being a slow migrator, the species has likely survived repeated glacial-interglacial circles in distributional stasis while the composition of the tree canopy changed in the meanwhile."

2) "Being a slow migrator, the species has likely survived repeated glacial-interglacial circles in distributional stasis while the composition of the tree canopy changed in the meanwhile."

3) "Whereas the western range margin in the Southern Limestone Alps is likely imposed by unsuitable siliceous bedrock (Froitzheim et al., 2008), range margins in the Northern Limestone Alps and the Dinaric Mountains are difficult to explain as no obvious geologic or topographic barriers are evident there. In addition, beech forests, the main habitat of H. niger, extend far beyond the species’ distribution area (Willner et al., 2009; Ellenberg and Leuschner, 2010). This strongly suggests incomplete range filling (Svenning and Skov, 2004; Willner et al., 2009; Dullinger et al., 2012a) as expected for a large-seeded species lacking adaptations to efficient vectors for dispersal over long distances and, hence, slow migration (Klotz et al., 2002)."

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Norbert Sauberer
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Re: Warum gibt es im Wienerwald keine Schneerosen?

Beitragvon Norbert Sauberer » Sonntag 27. Februar 2022, 14:19

Es gibt aber außerhalb des Areals ein paar eindeutig von Menschen eingebrachte, also angesalbte Vorkommen ....

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Norbert Sauberer
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Re: Warum gibt es im Wienerwald keine Schneerosen?

Beitragvon Norbert Sauberer » Sonntag 27. Februar 2022, 14:43

Norbert Sauberer hat geschrieben:Es gibt eine brandaktuelle genetische Studie über Helleborus niger: https://www.frontiersin.org/articles/10 ... 83043/full

Resümee: Helleborus niger hat sich in den nordöstlichen Kalkalpen schon vor der letzten Eiszeit angesiedelt und hat hier wohl sehr lokal in lichten Lärchen-Föhren-Wäldern überlebt. Nach dem Ende der letzten Eiszeit hat sie sich dann ausgebreitet, aber als Art mit großen schweren Samen, die offensichtlich nicht von Tieren über größere Strecken transportiert werden, hat sie das mögliche Areal wegen der Langsamkeit der Ausbreitung nicht auffüllen können.

Zwei Zitate aus dem Artikel:

1) "We suggest, therefore, that H. niger survived the LGM in open coniferous forests at the southern and northeastern margin of the Alps as well as in the northwestern Balkan Peninsula. Being a slow migrator, the species has likely survived repeated glacial-interglacial circles in distributional stasis while the composition of the tree canopy changed in the meanwhile."

2) "Whereas the western range margin in the Southern Limestone Alps is likely imposed by unsuitable siliceous bedrock (Froitzheim et al., 2008), range margins in the Northern Limestone Alps and the Dinaric Mountains are difficult to explain as no obvious geologic or topographic barriers are evident there. In addition, beech forests, the main habitat of H. niger, extend far beyond the species’ distribution area (Willner et al., 2009; Ellenberg and Leuschner, 2010). This strongly suggests incomplete range filling (Svenning and Skov, 2004; Willner et al., 2009; Dullinger et al., 2012a) as expected for a large-seeded species lacking adaptations to efficient vectors for dispersal over long distances and, hence, slow migration (Klotz et al., 2002)."


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