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Am Wetterkogel bei Graden im steirischen Gleinalm-Gebiet gelang mir ein neuer Galium-saxatile-Fund.
Das Harz-Labkraut (Galium saxatile L.; Syn.: G. harcynicum) ist in West-, Mittel- und Nordeuropa heimisch. Sein Status in Österreich wird unterschiedlich beurteilt. Während die Art teilweise als indigene, jedoch häufig übersehene Sippe angesehen wird (z. B. Melzer 1974; POWO 2026), betrachten andere Autoren sie als eingeschleppt bzw. eingebürgert (z. B. Kästner & Ehrendorfer 2016; Kaplan & al. 2019). Ehrendorfer vermutet, dass die zerstreuten österreichischen Vorkommen auf eine Verschleppung mit Fichtensaatgut zurückgehen (Melzer 1969). Auch Fischer & al. (2008) halten eine Ausbreitung im Zusammenhang mit forstlichen Bewirtschaftungsmaßnahmen für möglich bzw. wahrscheinlich.
In Österreich liegt der Verbreitungsschwerpunkt von Galium saxatile in den höheren Lagen der Böhmischen Masse Ober- und Niederösterreichs sowie im Hausruck- und Kobernausserwaldgebiet, wo die Art durchwegs häufig ist. Außerhalb dieser Regionen tritt sie nur sehr selten auf (Stöhr & al. 2007). Der Erstnachweis für Österreich gelang 1952 im niederösterreichischen Waldviertel (Gilli 1953), jener für die Steiermark 1958 bei Mürzzuschlag (Melzer 1965; Kästner & Ehrendorfer 2016). Österreichweit gilt die Art derzeit als ungefährdet (LC) (Schratt-Ehrendorfer & al. 2022).
Steiermark: Der Erstfund gelang H. Schweiger 1958 nördlich von Mürzzuschlag in einem Föhren-Birkenwald auf saurem Quarzitboden, die Pflanze wurde jedoch erst 1964 bei einer Revision durch F. Ehrendorfer korrekt bestimmt (Melzer 1965). Weitere Nachweise stammen vom Weg von St. Wolfgang zur Rothaide, wo die Art in einem lichten Lärchen-Zirbenwald zwischen etwa 1400 und 1500 m Seehöhe große Bestände bildet (Melzer 1969), von einem feuchten Wiesenstück im Gamsgraben bei Frohnleiten (Melzer 1974), vom markierten Weg von der Mugel zur Hochalpe (Melzer 1978), aus dem Kleinen Gößgraben bei Leoben auf einem bewaldeten, steinigen Hang oberhalb der Moar-Alm zwischen 1200 und 1400 m (Maurer 1998), vom Seegupf bei der Hochhaide in den Rottenmanner Tauern (unveröffentlichter Fund Griebl 2014) sowie vom Wetterkogel bei Graden in der Weststeiermark (unveröffentlichter Fund Griebl 2026).
Kärnten: Nachgewiesen wurde die Art in den Gurktaler Alpen nahe dem Flattnitzer See auf einer sauren Almweide in etwa 1380 m Seehöhe (Melzer 1974a) sowie im Andertal bei St. Lorenzen in den Nockbergen (unveröffentlichter Fund Griebl 2014).
Salzburg: W. Schnedler konnte Galium saxatile in drei Quadranten des westlichen Lungaus nachweisen (Wittmann & al. 1987). Im Jahr 2003 wurde die Art außerdem an zwei Fundorten im Gasteinertal am Westabfall des Graukogels festgestellt. Dort tritt sie vor allem in Skipisten, Magerwiesen und mageren Waldrändern zerstreut auf. Ein Einzelfund in einer hochmontanen Hochstaudenflur stellt hingegen einen eher ungewöhnlichen Standort dar (Stöhr & al. 2007). Die meisten älteren Salzburger Literaturangaben und Herbarbelege zu Galium saxatile beziehen sich vermutlich auf Galium anisophyllum. Wahrscheinlich beruht auch die vergleichsweise junge Angabe aus dem Obersulzbachtal (Günzl 1998) auf einer solchen Verwechslung (Stöhr & al. 2007). Als gesicherter älterer Nachweis gilt lediglich eine Aufsammlung aus Mühlbach im Pinzgau aus dem Herbar Wierzbicky, die vermutlich auf M. Mielichhofer zurückgeht und von O. Stöhr als echtes Galium saxatile revidiert wurde (Stöhr & al. 2007).
Für das Burgenland führt Traxler (1989) die Art als verschollen an. In neueren Standardwerken (Fischer & al. 2008; Kästner & Ehrendorfer 2016; FKÖ 2021) wird sie jedoch nicht mehr für das Bundesland genannt.
Die Angaben für Nord- und Osttirol sind nach Pagitz & al. (2023) irrtümlich.
In Vorarlberg wird Galium saxatile zwar nicht in den Roten Listen des Bundeslandes geführt (Amann 2016), wohl aber in der Flora Kartierung Österreichs (FKÖ 2021) sowie in der aktuellen Roten Liste Österreichs (Schratt-Ehrendorfer & al. 2022).
Der botanische Artbeiname ist insofern irreführend, als die Art keineswegs an felsige Standorte gebunden ist. Vielmehr wächst sie bevorzugt in bodensauren Wäldern und Magerrasen sowie in Mooren, Heiden und Bürstlingsrasen. Die Übersetzung „Felsen-Labkraut“ erscheint daher wenig treffend, die Bezeichnungen „Harz-Labkraut“ oder „Heide-Labkraut“ sind deutlich geeigneter.
Von dem ähnlichen Niedrigen Labkraut (Galium pumilum) unterscheidet sich Galium saxatile unter anderem durch seinen dichtrasigen Wuchs mit zahlreichen niederliegenden, nicht blühenden Trieben. Galium pumilum bildet hingegen lockere Rasen und entwickelt keine vergleichbare Zahl steriler Triebe. Die Blätter von G. saxatile sind verkehrt-lanzettlich bis verkehrt-eiförmig und lediglich zwei- bis fünfmal so lang wie breit, während jene von G. pumilum lineal-lanzettlich und acht- bis zwölfmal so lang wie breit sind. Auch ökologisch unterscheiden sich die Arten deutlich: Galium saxatile besiedelt frische bis mäßig feuchte, vollständig kalkfreie Rohhumusböden, während G. pumilum vor allem trockene Wiesen und Waldränder bevorzugt.
Quellen:
FISCHER M. A., ADLER W. & OSWALD K. (2008): Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. – Linz: Biologiezentrum der Oberösterr. Landesmuseen. 1392 S.
FKÖ (2021): Arbeits-Verbreitungskarten zum Atlas der Flora Österreichs - Projektdatenbank zur Floristischen Kartierung Österreichs.
Gilli A. (1953): Galium hercynicum und Euphrasia nemorosa — neu für öster . reich. — Verh. Zool.-Bot. Ges. Wien, 93: 110-111.
Günzl B. (1998): Bericht über die Alpenexkursion in die Hohen Tauern (Obersulzbachtal) der Abteilung für Vegetationskunde und Populationsbiologie Albrecht-von-Haller-Institut für Pflanzenwissenschaften Georg-August-Universität Göttingen vom 21. Juli bis 1. August 1997. — Polykopie, Göttingen.
Kaplan Z., Danihelka J., Chrtek Jr. J., Zázvorka J., Koutecký P., Ekrt L., epka R., Št pánková J., Jelínek B., Grulich V., Prančl J. & Wild J. (2019): Distributions of vascular plants in the Czech Republic. Part 8. – Preslia 91: 257–368.
Kästner A. & F. Ehrendorfer (2016) in: Hegi, Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band VI, Teil 2B, 2. Auflage, Weissdorn-Verlag Jena.
MAURER W. (1998): Flora der Steiermark. Ein Bestimmungsbuch der Farn- und Blütenpflanzen des Landes Steiermark und angrenzender Gebiete am Ostrand der Alpen in zwei Bänden. Band II/1. Verwachsenkronblättrige Blütenpflanzen (Sympetale). — IHW-Verlag, Eching.
MELZER H. (1958): Floristisches aus Niederösterreich und dem Burgenland, II - Verh. Zool.-Bot. Ges. Wien, 97: 147—151.
MELZER H. (1965): Neues zur Flora der Steiermark (VIII). – Mitteilungen des naturwissenschaftlichen Vereins für Steiermark 95: 140–151.
MELZER H. (1969): Neues zur Flora der Steiermark (XII). – Mitteilungen des naturwissenschaftlichen Vereins für Steiermark 99: 33–47.
MELZER H. (1974): Neues zur Flora von Steiermark, XVI. – Mitteilungen des naturwissenschaftlichen Vereins für Steiermark 104: 143–158.
MELZER H. (1974a): Beiträge zur Flora von Kärnten und der Nachbarländer Salzburg, Osttirol und Friaul – Carinthia II 164./84. Jg.: 227-243.
MELZER H. (1978): Neues zur Flora von Steiermark, XX. Mitt. naturwiss. Ver. Steiermark 108: 167–175.
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POWO (2026): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science
SCHRATT-EHRENDORFER L., H. NIKLFELD, Ch. SCHRÖCK & O. STÖHR (2022): Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen Österreichs, dritte, völlig neu bearbeitete Auflage – Stapfia 114: 1-357.
STÖHR O., PILSL P., ESSL F., HOHLA M. & SCHRÖCK C. (2007): Beiträge zur Flora von Österreich, II – Linzer biol. Beitr. 39/1: 155–292.
Traxler G. (1989): Verschollene und gefährdete Gefässpflanzen im Burgenland Natur-Umwelt-Burgenland_1989_SH_0001-0032.pdf
Wittmann H. A. Siebenbrunner, P. Pilsl & P. Heiselmayer (1987): Verbreitungsatlas der Salzburger Gefäßpflanzen. — Sauteria 2: 1-403.
Wraber T. (1967): Floristica (Fortschritte der slowenischen Floristik im Jahre 1967). — Biol. vestnik, 15:111—126.
LG Norbert
Neuer Fundort von Galium saxatile in der Steiermark
- Norbert Griebl
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Je größer ein Mensch ist, desto mehr neigt er dazu, sich vor einer Blume niederzuknien
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