Hallo Stefan,
zunächst einmal vielen Dank für die Info zum Ort. Ich werde bald einmal hinfahren. Dann Gratulation zur Recherche: Das ist sehr interessant. Ich würde übrigens nicht ausschließen, dass die Art dort überdauert hat. Nicht unbedingt an genau demselben Ort, aber in der Nähe. Und dass sie jetzt vielleicht sich wieder ausbreitet. Es wäre nicht der einzige solche Fall.
Ich denke da z.B. an Leersia oryzoides, die zu Neilreichs Zeiten „auf den Donau-Inseln“ vorkam, laut Flora Wiens aber nur noch vom Wienfluss bekannt ist. Ich habe sie einmal vor langen Zeiten in der Unteren Lobau hart an oder unmittelbar jenseits der Landesgrenze zu NÖ gefunden. Und nun hat sie sich auf der Donauinsel erfreulich ausgebreitet.
Was die Merkmale der Unterarten angeht, so kann ich im Wesentlichen nur das beitragen, was die Literatur hergibt. Und hier zeigt sich, dass Cyperus longus einer jener Fälle ist, in denen Beschreibungen der Art vielfach implizit auf die Sippe abzielen, die als typisch betrachtet wird, in diesem Fall eben subsp. longus. Dies ist vor allem früher sehr häufig vorgekommen. Oftmals dann, wenn, so wie bei subsp. badius, andere Sippen zeitweise als eigene Arten aufgefasst worden sind.
Liest man den Hegi, dann zeigt sich genau das: Erst im letzten Unterkapitel des Beitrages zu Cyperus longus, nämlich „Variabilität der Art“ wird klar, dass sich alles vorher Gesagte auf Cyperus longus subsp. longus bezieht, inklusive der Spirrenastanzahl (die Länge wird hier nicht als differenzierendes Merkmal erwähnt) und des Vorkommens in Bad Vöslau. Für C. l. subsp. badius wird für Mitteleuropa überhaupt nur ein Vorkommen erwähnt: „früher im Gebiet (bei Aachen)“.
Auch auf der Website der Stadt Vöslau wird die dortige Sippe als C. longus subsp. longus identifiziert: https://www.badvoeslau.at/de/lebenswert ... -2010.html. Darüber scheint also Konsens zu herrschen. Dass in der EFÖLS die Unterart für Bad Vöslau nicht angegeben wird, ist offenbar eine Auslassung.
Im Übrigen dürfte sich der beschriebene Unterschied in der Länge der Spirrenäste immer auf die der 1. Ordnung beziehen, so wie du vermutest. Die anderslautende Angabe in der EFÖLS dürfte ein weiterer Fehler sein. Man sieht auf vielen Fotos im Internet - auch auf deinen -, dass die dortige Angabe für subsp. longus - „5-10“ cm lang - für die Äste zweiter Ordnung so nicht stimmt, da sie meistens kürzer sind.
Zusammengefasst: Deine Fotos zeigen, dass die längsten - und um die geht es - Spirrenäste 1. Ordnung länger als 10 cm und dass die Spelzen hellrötlich, aber keineswegs schwarzrötlich sind. Ich sehe daher keine Merkmale, die auf die subsp. badius hinweisen. Im Internet gibt es viele Fotos, die diese Unterschiede zeigen.
Schöne Grüße,
Rolf
Cyperus longus cf. subsp. badius verwildert in Floridsdorf
-
Rolf Diran
- Beiträge: 5
- Registriert: Montag 12. Dezember 2016, 16:22
Zurück zu „Spermatophyta (Samenpflanzen)“
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 10 Gäste