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Die Juvan-Hauswurz (Sempervivum wulfenii subsp. juvanii) ist ein Lokalendemit des slowenischen Donatibergs (Donačka gora) einschließlich des benachbarten Resenik, für den allerdings keine Wander- oder Forstwege existieren. Die Pflanzen wachsen hier auf Silikatgestein an sonnseitigen Felsvorsprüngen in Höhenlagen von etwa 500 bis 850 m. Lippert (1995) gibt als Substrat allerdings kalkhaltigen Sandstein an.
Die Unterart unterscheidet sich von der Nominatform (S. wulfenii subsp. wulfenii) vor allem durch ihre drüsig-flaumig behaarten Rosettenblätter, während diese bei der Nominatform kahl sind. Darüber hinaus werden im Hegi (Lippert 1995) weitere angebliche Unterschiede angeführt:
• Rosettendurchmesser: 5–10 cm (bei subsp. wulfenii 4–7 cm)
• Breite der Rosettenblätter: 1,5–3 cm (bei subsp. wulfenii 0,8–1,5 cm)
• Staubfäden: violett (bei subsp. wulfenii rot)
Auffällig ist zudem die vergleichsweise geringe Höhenlage der Vorkommen, die deutlich außerhalb des Hauptareals der Wulfen-Hauswurz liegt. Allerdings kommen auch Populationen von S. wulfenii in tieferen Lagen der steirischen Voralpen vor, etwa auf den Felsen der Riegersburg und bei Herberstein. Dort wurden gelegentlich ebenfalls fein drüsig behaarte Blätter beobachtet (G. Dumont). Diese Drüsenhaare sind jedoch kürzer ausgeprägt und verschwinden in gärtnerischer Kultur, was ihre taxonomische Aussagekraft einschränkt.
Der Donatiberg (Donačka gora) ist ein markanter Bergstock im östlichen Slowenien, der nach der Kirche des Heiligen Donatus (Sveti Donat) am Südfuß benannt ist. Geografisch gehört der Berg zu den Karawanken. Südwestlich liegt der Ort Rohitsch-Sauerbrunn (Rogaška Slatina), dessen Quellen seit dem Mittelalter als Kur- und Badeort genutzt werden.
Geologie und Landschaft
Geologisch besteht der Donatiberg überwiegend aus verschiedenen Kalkgesteinen. Daneben treten auch silikatische Substrate auf, etwa am Sattel zwischen Donatiberg und Resenik, wo Mergelsandsteine anstehen (Dreger 1893). Am Bergkamm dominieren Kalkstein und Quarzsandstein, während am Fuß weichere tertiäre Gesteine, vor allem Mergel, vorkommen. Diese kleinräumig wechselnden Gesteinsunterlagen prägen die Vielfalt der Standorte und spiegeln sich unmittelbar in der Flora wider.
Flora und Vegetation
Die abwechslungsreiche Geologie führt zu einem engen Nebeneinander unterschiedlicher Pflanzengesellschaften. So wechseln kalkliebende Arten wie das Ochsenauge (Buphthalmum salicifolium) mit kalkmeidenden Arten wie der Pechnelke (Viscaria vulgaris). Die Aurikel (Primula auricula) erreicht am Ostgipfel des Donatiberges einen ihrer östlichsten Verbreitungspunkte, während die Hoppe-Federnelke (Dianthus plumarius subsp. hoppei) verbreitet in Felsspalten der Kalkfelsen wächst.
Ein besonders artenreicher Bereich sind die Wiesen rund um die Kirche am Südfuß des Berges. Auf einer kleinen Wiese und deren Waldsaum westlich der Kirche konnte ich Anfang Mai 2026 neun Orchideenarten finden: Anacamptis morio, A. pyramidalis, Cephalanthera longifolia, Himantoglossum adriaticum, Neotinea tridentata, Ophrys holosericea, O. insectifera, O. sphegodes und Orchis pallens.
Ein 27 Hektar großer Teil des Buchenurwaldes am Donatiberg steht seit 1965 unter Naturschutz.
Geschichte und Archäologie
Der Donatiberg weist eine lange Besiedlungsgeschichte auf. Knapp unterhalb des Gipfels wurden Überreste einer terrassenartigen Siedlung entdeckt, die vermutlich von der Spätbronzezeit über die ältere Eisenzeit bis ins Früh- und Spätmittelalter (ca. 1200 v. Chr. bis ins 13. Jahrhundert n. Chr.) genutzt wurde. Am Fuß des Berges fanden sich zudem steinzeitliche Geräte, eine Bronzeaxt aus der Zeit um 1000 v. Chr., keltische Münzen sowie weitere Artefakte. An den Hängen wurden zwei Sarkophage aus der Spätantike entdeckt.
Aus historischen Quellen geht hervor, dass in der Nähe des Donatiberges eine römische Straße verlief. Die Römer bezeichneten den Berg als Mons Claudius, und am Gipfel soll sich ein Mithräum befunden haben. Während der Zeit der Türkeneinfälle diente der Gipfel als Wachposten, von dem aus mittels Feuerzeichen vor Gefahren gewarnt wurde.
Um das Jahr 1853 ließ der Arzt Ernst Froelich aus dem nahe gelegenen Kurort Sauerbrunn einen Weg auf den Gipfel anlegen, der als erster markierter Weg der untersteirischen Berge gilt. Aufgrund seiner geomorphologischen, botanischen und zoologischen Besonderheiten wurde der Donatiberg 1990 zum Naturdenkmal erklärt.
Artenliste Donatiberg (Sveti Donati – Donatiberg-Gipfel – Ostgipfel – Medgore - Rudijev dom) (2. Mai 2026):
Actaea spicata, Adoxa moschatellina, Anacamptis morio, A. pyramidalis, Anthoxanthum odoratum, Anthriscus nitidus (N-Hang Donatiberg), Aposeris foetida, Arabidopsis arenosa, Arabis hirsuta, Arum maculatum, Aruncus dioicus, Asarum europaeum, Asplenium ruta-muraria, A. scolopendrium, A. trichomanes, Astragalus glycyphyllos, Atropa belladonna, Bellidiastrum michelii (Ostgipfel), Berberis vulgaris, Bromus hordaceus, B. sterilis, Buphthalmum salicifolium, Campanula glomerata, C. persicifolium, C. rapunculoides, C. rotundifolia, C. trachelium, Cardamine bulbifera (hfg.), C. enneaphyllos, C. impatiens, C. kitaibelii, Carex muricata agg., Castanea sativa, Centaurea scabiosa, C. triumfettii, Cephalanthera longifolia, Cerastium arvense, Cerinthe minor, Cervaria rivini, Chamaecytisus hirsutus, Circaea lutetiana, Cirsium pannonicum, Clematis alpina (Gipfelkamm), Clinopodium alpinum, Convallaria majalis, Cruciata verna, Cyclamen purpurascens, Cytisus scoparius, Dianthus carthusianorum, D. plumarius subsp. hoppei, Digitalis grandiflora, Dioscorea communis, Dorotnicum austriacum, Epilobium montanum, Epipactis helleborine agg., Erica carnea, Euphorbia cyparissias, E. dulcis, Festuca ovina agg., F. valesiaca agg., Filipendula vulgaris, Fraxinus ornus, Galeobdolon montanum, Galium intermedium (Syn. G. schultesii), G. odoratum, G. sylvaticum, G. verum, Genista germanica, G. sagittalis, G. tinctoria, Gentiana asclepiadea, Geranium phaeum, G. robertianum, G. sanguineum, Helianthemum nummularium subsp. obscurum, Hepatica nobilis, Hieracium murorum, H. sabaudum, Hylotelephium maximum, Hypericum perforatum, Iris graminea (slt.), Juniperus communis, Knautia drymeia, Lactuca muralis, Lamium orvala, Laserpitium latifolium, Lathyrus niger, L. vernus, Leucojum vernum, Lilium martagon, Linum catharticum, Lunaria rediviva, Luzula luzuloides, Lysimachia punctata, Melampyrum pratense, Melica uniflora, Mercurialis perennis, Milium effusum, Moehringia trinervia, Myosotis sylvatica, Neotinea tridentata, Onobrychis viciifolia, Ononis spinosa, Ophrys holosericea, O. insectifera, O. sphegodes, Orchis pallens, Origanum vulgare, Ornithogalum pyrenaicum, Orobanche gracilis, O. lutea, Ostrya carpinifolia, Parietaria officinalis, Paris quadrifolia, Petasites albus, P. hybridus, Peucedanum austriacum, P. oreoselinum, Phyteuma spicatum, Pilosella bauhini, Polygala comosa, Polypodium vulgare, Polystichum setiferum, Potentilla argentea, P. carniolica, P. heptaphylla, Prenanthes purpurea, Primula auricula (Ostgipfel), P. vulgaris, Pseudoturritis turrita, Pulmonaria stiriaca, Pulsatilla pratensis, subsp. nigricans, Ranunculus bulbosus, R. lanuginosus, Rhamnus cathartica, Rosa pendulina, Salvia glutinosa, S. pratensis, S. verticillata, Sanguisorba minor, Sanicula europaea, Saxifraga hostii (Ostgipfel), Securigera varia, Sedum album, Sempervivum wulfenii subsp. juvanii, Sesleria caerulea, Silene dioica, S. nutans, S. vulgaris, Solidago virgaurea, Stellaria nemorum, Symphytum tuberosum, Tanacetum corymbosum, Tephroseris longifolia, Thalictrum minus, Thymus praecox, Torilis japonica, Trifolium montanum, Valeriana tripteris, Verbascum alpinum, V. chaixii subsp. austriacum, Veronica montana, Vicia hirsuta, V. oroboides, Vincetoxicum hirundinaria, Viola reichenbachiana, V. riviniana, Viscaria vulgaris.
Quellen:
Dreger J. (1893): Ueber die geologischen Verhältnisse der Umgebung des Wotsch- und Donatiberges in Südsteiermark. VerhGeolBundesanstalt_1893_0092-0098.pdf
Lippert W. (1995) in Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa Band IV, Teil 2A, 3. Auflage – Blackwell-Wissenschaft.
t´Hart H., B. Bleij & B. Zonneveld in: Urs Eggli (2003): Sukkulentenlexikon, Band 4.
Sempervivum wulfenii subsp. juvanii am Donatiberg
- Norbert Griebl
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Sempervivum wulfenii subsp. juvanii am Donatiberg
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Je größer ein Mensch ist, desto mehr neigt er dazu, sich vor einer Blume niederzuknien
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