Wo gibt es bei EFÖLS 3 die meisten Bestimmungsschwierigkeiten?
- Jürgen Baldinger
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Re: Wo gibt es bei EFÖLS 3 die meisten Bestimmungsschwierigkeiten?
Mein letzter Stand ist frühestens Ende 2019 (mündl. Mitteilung MAF).
"(...) gib ihnen noch zwei südlichere Tage (...)"
- Norbert Sauberer
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Re: Wo gibt es bei EFÖLS 3 die meisten Bestimmungsschwierigkeiten?
@ Oliver: Ich denke, dass im Sommer bis Frühherbst 2019 noch letzte Korrekturen eingearbeitet werden könnten und der Erscheinungstermin dann wohl 2020 sein wird. Wenn du konkret an eine bestimmte Gattung denkst, um den derzeitigen Schlüssel zu verbessern, dann wäre es am besten mit Manfred Fischer direkt Kontakt aufzunehmen.
@ Jürgen: Was ich mir bereits gedacht habe, hat sich bei der Durchsicht des Herbars WU bestätigt. Inula britannica wird immer wieder nicht erkannt. Diese Art ist was die Behaarung und die Blätter betrifft enorm vielgestaltig. Noch dazu wächst sie auch an (wechsel)trockenen Standorten und hat eine ruderale Tendenz. Untypische Inula britannica-Formen werden derzeit immer wieder mal als Inula oculus-christi, als Inula salicina oder als Hybriden gedeutet. Es gibt aber Merkmalskombinationen, die eine eindeutige Bestimmung zulassen!
@ Jürgen: Was ich mir bereits gedacht habe, hat sich bei der Durchsicht des Herbars WU bestätigt. Inula britannica wird immer wieder nicht erkannt. Diese Art ist was die Behaarung und die Blätter betrifft enorm vielgestaltig. Noch dazu wächst sie auch an (wechsel)trockenen Standorten und hat eine ruderale Tendenz. Untypische Inula britannica-Formen werden derzeit immer wieder mal als Inula oculus-christi, als Inula salicina oder als Hybriden gedeutet. Es gibt aber Merkmalskombinationen, die eine eindeutige Bestimmung zulassen!
Re: Wo gibt es bei EFÖLS 3 die meisten Bestimmungsschwierigkeiten?
Hallo Jürgen
Bist du dir sicher, dass I. salicina ebenso wie britannica behaarte Früchte aufweisen soll? Ich habe das wohl noch nie im Feld überprüft, es steht aber im Widerspruch zu den Angaben in der Exkursionsflora Österreich und meinem "Binz - Schul- und Exkursionsflora für die Schweiz".
Liebe Grüsse
Jonas
Bist du dir sicher, dass I. salicina ebenso wie britannica behaarte Früchte aufweisen soll? Ich habe das wohl noch nie im Feld überprüft, es steht aber im Widerspruch zu den Angaben in der Exkursionsflora Österreich und meinem "Binz - Schul- und Exkursionsflora für die Schweiz".
Liebe Grüsse
Jonas
“There are wonders enough out there without our inventing any.” Carl Sagan
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kurt nadler
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Re: Wo gibt es bei EFÖLS 3 die meisten Bestimmungsschwierigkeiten?
polygala, vielleicht euphrasia, vielleicht dactylorhiza und vielleicht rhinanthus sind überarbeitungswürdig. es gibt tw. mehr sippen als in der eföls. gentianella sollte bei rhaetica versus styriaca (oder stiriaca) neuen, klärenden input bekommen (es geht um den artstatus etlicher gentianellensippen an sich). ich fürchte, da fehlt noch immer forschung.
neue nigritellen gibts. neue platanthera muelleri.
bastarde sind, wie hermann sagt, wohl unterrepräsentiert.
manche merkmalsspannen sind zu eng gefasst, aber es ist klar, dass aufweitungen zu verwässerungen führen.
vielleicht kann man bei entsprechenden sippen weitere verweise auf hohe variabilität anbringen.
minuartia im ostpannon hatte ich schwierigkeiten mit cf. glaucina. obskure hirsuta wartet jenseits der österr. grenzen und nicht alles passt auf glaucina.
es gab auch einmal ein torilisproblem.
silene vulgaris antelopum noch klarer rausarbeiten.
gagea haut im pannon auch nicht so optimal hin.
thalictrum minus passt hinsichtlich unterarten gar nicht.
bisweilen gab es sogar calamagrostis-haarmerkmalsprobleme. gut dass man sie standortsökologisch gut fassen kann.
galium funktioniert nicht so gut, z.b. sylvatica-verwandtschaft in hochmontanen salzburger hochstaudenfluren.
vielleicht kann man viola kitaibeliana zu einem wirklich schlüssigen end bringen.
mit erucastrum hab vielleicht nur ich gewisse schwierigkeiten.
in salzburg hatte ich einen charakteristischen kleinen schmalblättrigen rumex auf sumpfstandorten, wo eine bestimmung partout nicht gelang.
relativ extrem schwer tu ich mir mit epilobien, gebe meist schon frühzeitig auf und lass es bleiben.
leucanthemum ist für mich nach jahrzehnten weiterhin nicht schlüssig, z.b. vulgare agg, da stellt sich die frage, ob es die beiden unterarten wirklich als solche gibt (oder nicht etliche odeer keine), aber auch adustum (seit unserer nicht gut einordenbaren stubalmsippe).
vielfach ists mit diploiden versus tetraploide an sich schwierig, z.b. molinia, vaccinium uliginosum und sicher viele andere.
carex nigra-bigelowii-"zwischenformen" oder für nigra den auch typischen montanen bis subalpinen standort bodenfrische zwergstrauchheiden" nachführen.
als naturschützer mit respekt vor allen lebensformen plädiere ich für eine schwerpunktlegung auf "minder invasive" merkmale. ausreißaufforderungen sollten tunlichst unterbleiben. in der pannonischen dürre hilft das bisweilen empfohlene nachträgliche einsetzen dann auch nix mehr.
so weit ad hoc, vielleicht fällt mir wieder einmal was ein.
das werk ist schon jetzt sehr gut, dennoch ists im fortgeschrittenenbereich so, dass man sehr oft scheitert oder dass eine feinheit nicht passt.
schlüsselverzweigungen müssen möglichst 100%ig halten, das ist aber oftmals nicht der fall. im zweifel mit andren mitteleuropäischen schlüsseln kritisch ver- oder abgleichen, wobei das wohl eh zum vorgehensstandard gehört.
macht alles viel arbeit, aber die wichtigste neuere lit. und die wichtigsten forenbeiträge eingearbeitet wäre schon ein guter fortschritt.
neue nigritellen gibts. neue platanthera muelleri.
bastarde sind, wie hermann sagt, wohl unterrepräsentiert.
manche merkmalsspannen sind zu eng gefasst, aber es ist klar, dass aufweitungen zu verwässerungen führen.
vielleicht kann man bei entsprechenden sippen weitere verweise auf hohe variabilität anbringen.
minuartia im ostpannon hatte ich schwierigkeiten mit cf. glaucina. obskure hirsuta wartet jenseits der österr. grenzen und nicht alles passt auf glaucina.
es gab auch einmal ein torilisproblem.
silene vulgaris antelopum noch klarer rausarbeiten.
gagea haut im pannon auch nicht so optimal hin.
thalictrum minus passt hinsichtlich unterarten gar nicht.
bisweilen gab es sogar calamagrostis-haarmerkmalsprobleme. gut dass man sie standortsökologisch gut fassen kann.
galium funktioniert nicht so gut, z.b. sylvatica-verwandtschaft in hochmontanen salzburger hochstaudenfluren.
vielleicht kann man viola kitaibeliana zu einem wirklich schlüssigen end bringen.
mit erucastrum hab vielleicht nur ich gewisse schwierigkeiten.
in salzburg hatte ich einen charakteristischen kleinen schmalblättrigen rumex auf sumpfstandorten, wo eine bestimmung partout nicht gelang.
relativ extrem schwer tu ich mir mit epilobien, gebe meist schon frühzeitig auf und lass es bleiben.
leucanthemum ist für mich nach jahrzehnten weiterhin nicht schlüssig, z.b. vulgare agg, da stellt sich die frage, ob es die beiden unterarten wirklich als solche gibt (oder nicht etliche odeer keine), aber auch adustum (seit unserer nicht gut einordenbaren stubalmsippe).
vielfach ists mit diploiden versus tetraploide an sich schwierig, z.b. molinia, vaccinium uliginosum und sicher viele andere.
carex nigra-bigelowii-"zwischenformen" oder für nigra den auch typischen montanen bis subalpinen standort bodenfrische zwergstrauchheiden" nachführen.
als naturschützer mit respekt vor allen lebensformen plädiere ich für eine schwerpunktlegung auf "minder invasive" merkmale. ausreißaufforderungen sollten tunlichst unterbleiben. in der pannonischen dürre hilft das bisweilen empfohlene nachträgliche einsetzen dann auch nix mehr.
so weit ad hoc, vielleicht fällt mir wieder einmal was ein.
das werk ist schon jetzt sehr gut, dennoch ists im fortgeschrittenenbereich so, dass man sehr oft scheitert oder dass eine feinheit nicht passt.
schlüsselverzweigungen müssen möglichst 100%ig halten, das ist aber oftmals nicht der fall. im zweifel mit andren mitteleuropäischen schlüsseln kritisch ver- oder abgleichen, wobei das wohl eh zum vorgehensstandard gehört.
macht alles viel arbeit, aber die wichtigste neuere lit. und die wichtigsten forenbeiträge eingearbeitet wäre schon ein guter fortschritt.
- Jürgen Baldinger
- Beiträge: 4053
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- Wohnort: Wien
Re: Wo gibt es bei EFÖLS 3 die meisten Bestimmungsschwierigkeiten?
Mir macht der Schlüssel zum Carex muricata-agg. Schwierigkeiten. Wenn man sich Herbarbelege ansieht, die natürlich falsch bestimmt sein können, scheinen die diakritischen Merkmale der EfÖLS3 gerade bei muricata s. str., divulsa und polyphylla nicht immer zuzutreffen oder zumindest nicht hinreichend zu sein.
Parallel zu unserem EfÖLS-Schlüssel möchte ich künftig mit der Taxonomie von Gregor (2014) vergleichen, der für die Artengruppe (in Südwestdeutschland) folgende Charakteristika angibt:
C. spicata: als einzige Kleinart des Aggregats auch ohne Ährenstand bestimmbar durch spitzbogiges Blatthäutchen und innen zumindest teilweise violette Wurzeln, Schläuche mit basalem Schwammparenchym
Weg-, Straßenränder, Grünland; trittunempfindlich
C. muricata: dichter Ährenstand, durch schachbrettartig gefärbte ♀ Ährenstände unverkennbar (allerdings kommen auch wenig braune oder sogar hell gefärbte Deckblätter vor); Abgrenzung zu schlecht entwickelter, schattig stehender C. pairae kann schwierig sein, hier helfen Schlauchlänge 4 mm, Deckblattlänge 2,5 mm (= 60 %)
lichte Wälder, Waldränder
C. pairae: dichter Ährenstand, kleine Schläuche; Schlauchlänge 3,5 mm, Deckblattlänge 3,1 mm (= 90 %); typische Exemplare in der Fruchtreife unverkennbar: helle, relativ lange Deckblätter, kontrastierend mit dunkelbraunen Schläuchen (bräunliche Deckblätter kommen aber vor, Bestimmung oft nur durch in Kultur genommene Pflanzen möglich)
basenarme Saumbiotope, Wälder, Grünland, Ruderalstellen
C. divulsa: unterbrochener Ährenstand, kleine Schläuche; Abgrenzung zu schlecht entwickelter, schattig stehender C. polyphylla, die auch Schläuche bis 4 mm entwickeln können, kann schwierig sein, hier hilfreich: helle Deckblätter, kaum spreizende Schläuche, meist >10 Ährchen mit je meist <5 ♀ Blüten, Schnabel wenig gezähnt
offene Waldbereiche, Wegränder, Rasen, Ruderalstellen
C. polyphylla: unterbrochener Ährenstand, lange Schläuche; dunkle Deckblätter, spreizende Schläuche, meist <10 Ährchen mit je meist >5 ♀ Blüten, Schnabel dicht gezähnt; Bestimmung meist problemlos: verhältnismäßig lange, elliptische Schläuche ohne schwammartiges Gewebe am Grund, auffällig der meist deutlich unterbrochener Ährenstand sowie die spreizenden Schläuche (Exemplare mit dichtem Ährenstand und dunklen Deckblättern kommen vor)
Waldsäume, Ruderalstellen, Grünland
Parallel zu unserem EfÖLS-Schlüssel möchte ich künftig mit der Taxonomie von Gregor (2014) vergleichen, der für die Artengruppe (in Südwestdeutschland) folgende Charakteristika angibt:
C. spicata: als einzige Kleinart des Aggregats auch ohne Ährenstand bestimmbar durch spitzbogiges Blatthäutchen und innen zumindest teilweise violette Wurzeln, Schläuche mit basalem Schwammparenchym
Weg-, Straßenränder, Grünland; trittunempfindlich
C. muricata: dichter Ährenstand, durch schachbrettartig gefärbte ♀ Ährenstände unverkennbar (allerdings kommen auch wenig braune oder sogar hell gefärbte Deckblätter vor); Abgrenzung zu schlecht entwickelter, schattig stehender C. pairae kann schwierig sein, hier helfen Schlauchlänge 4 mm, Deckblattlänge 2,5 mm (= 60 %)
lichte Wälder, Waldränder
C. pairae: dichter Ährenstand, kleine Schläuche; Schlauchlänge 3,5 mm, Deckblattlänge 3,1 mm (= 90 %); typische Exemplare in der Fruchtreife unverkennbar: helle, relativ lange Deckblätter, kontrastierend mit dunkelbraunen Schläuchen (bräunliche Deckblätter kommen aber vor, Bestimmung oft nur durch in Kultur genommene Pflanzen möglich)
basenarme Saumbiotope, Wälder, Grünland, Ruderalstellen
C. divulsa: unterbrochener Ährenstand, kleine Schläuche; Abgrenzung zu schlecht entwickelter, schattig stehender C. polyphylla, die auch Schläuche bis 4 mm entwickeln können, kann schwierig sein, hier hilfreich: helle Deckblätter, kaum spreizende Schläuche, meist >10 Ährchen mit je meist <5 ♀ Blüten, Schnabel wenig gezähnt
offene Waldbereiche, Wegränder, Rasen, Ruderalstellen
C. polyphylla: unterbrochener Ährenstand, lange Schläuche; dunkle Deckblätter, spreizende Schläuche, meist <10 Ährchen mit je meist >5 ♀ Blüten, Schnabel dicht gezähnt; Bestimmung meist problemlos: verhältnismäßig lange, elliptische Schläuche ohne schwammartiges Gewebe am Grund, auffällig der meist deutlich unterbrochener Ährenstand sowie die spreizenden Schläuche (Exemplare mit dichtem Ährenstand und dunklen Deckblättern kommen vor)
Waldsäume, Ruderalstellen, Grünland
"(...) gib ihnen noch zwei südlichere Tage (...)"
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