Die Halbtrockenrasen südöstlich von Fallbach

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Stefan Lefnaer
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Die Halbtrockenrasen südöstlich von Fallbach

Beitragvon Stefan Lefnaer » Samstag 4. April 2026, 21:25

Ich möchte hier ein kleines Gebiet mit floristisch recht interessanten verbuschenden Habtrockenrasen und trockenen Wiesen dokumentieren, das im Trockenrasenkatalog nicht enthalten ist. Es liegt südöstlich von Fallbach im Bezirk Mistelbach (Karte). Vor 200 Jahren befanden sich dort vor allem Äcker sowie einige Weingärten:

Fallbach Urmappe.jpg
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Zwischenzeitlich wurde die Nutzung einiger steiler bzw. oben am Hügel liegender Parzellen aufgegeben. Einige Flächen sind schon ziemlich stark verbuscht, andere weniger und einige werden regelmäßig gemäht. Auf den noch offenen Graslandflächen haben sich recht interessante Halbtrockenrasen ausgebildet.

Fallbach Satellit.jpg
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Ich habe 2025 begonnen das Gebiet zu kartieren, hier findet man meine Fotos aus diesem Jahr. Mit Orobanche centaurina, Thymelea passerina und Thymus pannonicus (= Th. kosteleckyanus) sind immerhin drei  EN -Arten enthalten.

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Stefan Lefnaer
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Re: Die Halbtrockenrasen südöstlich von Fallbach

Beitragvon Stefan Lefnaer » Samstag 4. April 2026, 21:47

Heute habe ich mir das Gebiet wieder angesehen. Viel ist auf den Halbtrockenrasen noch nicht los, alles braun-grau. Nur die üblichen Verdächtigen sind anzutreffen. Viola ambigua  VU  —  L8   T7   K6   F3     R8   N3   S0  (neben V. hirta) recht zahlreich. Für mich stellt sich da die Frage, wie das mit der Ameisenausbreitung, die für die Gattung Viola postuliert wird, funktionieren soll. Wenn sich dort an der Stelle vor 200 Jahren fast nur Äcker befanden, die zwar früher artenreicher waren, aber wohl doch kein geeignetet Habitat für das Steppen-Veilchen abgaben, wie haben es dann die kleinen Ameisen, nach Aufgabe der Bewirtschaftung, geschafft, die Samen so schnell über so weite Distanz herbeizuschaffen? Gut, es mag ja sein, dass ein paar kleine Flecken Grasland damals verblieben waren, auf denen das Veilchen ausharrte. Aber ganz befriedigend klingt das nicht. Mir scheint es wahrscheinlicher, dass es neben den Ameisen weitere - seltener, aber doch auftretende - Ausbreitungsvektoren, die über längere Distanzen funktionieren, gibt.

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An einer Stelle dann wenige Dutzend Pflanzen von Thesium dollineri  EN  —  L8   T7   K6   F3     R8   N3   S0 , auch eine typische Halbtrockenrasenart (und auch eine Art mit Früchten die ein Elaiosom haben und die daher wohl - ausschließlich oder doch nur unter anderem? - von Ameisen verbreitet wird):

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Das dürfte Saturnia pavonia sein, die wegen der Kälte etwas belämmert dasitzt:

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Viola suavis  LC  —  L6   T7   K6   F4  ~  R7   N6   S0  fand ich an einem Gebüschrand:

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Lautaro
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Re: Die Halbtrockenrasen südöstlich von Fallbach

Beitragvon Lautaro » Sonntag 5. April 2026, 09:47

Gratulation Stefan, unser grösster Schmetterling ist nur sehr selten zu sehen :-)
Vormals als "Pablito" registriert mit 496 Beiträgen :-)

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2045
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Re: Die Halbtrockenrasen südöstlich von Fallbach

Beitragvon 2045 » Sonntag 5. April 2026, 18:45

Lautaro hat geschrieben:Gratulation Stefan, unser grösster Schmetterling ist nur sehr selten zu sehen :-)


Saturnia pavonia ist das Kleines Nachtpfauenauge (6 bis 8 cm Flügelspannweite)

Der größte heimische Schmetterling ist Saturnia pyri, das Wiener Nachtpfauenauge oder Großes Nachtpfauenauge (10 bis 16 cm Flügelspannweite)
LG Markus


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