Der Kogelberg SO von Erdberg
- Stefan Lefnaer
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Der Kogelberg SO von Erdberg
Im Folgenden möchte ich über den Kogelberg SO von Erdberg (Bez. Mistelbach), ein wohl wenig bekanntes Halbtrockenrasengebiet, berichten. Dabei handelt es sich um eine südexponierte Böschung eines nach Westen offenen, U-förmigen Geländeeinschnitts. Dieser Südhang besteht aus einem westlichen und einem östlichen Hügel und einer weniger stark geneigten Fläche dazwischen. Auf folgender Ansicht von Süden ist das Gebiet recht gut erkennbar:
Hier Detailfotos vom westlichen Hügel...
...sowie vom östlichen Hügel:
Der westliche Hügel ist terassiert und es wurde hier, laut Auskunft eines Einheimischen, früher durch einen adeligen Großgrundbesitzer Weinbau betrieben. Dieser dürfte aber bereits seit längerer Zeit aufgegeben worden sein. In der Urmappe ist am Kogelberg (hier als Kugelberg bezeichnet) zudem noch kaum Weinbau (rot) verzeichnet, sondern v.a. Grünland, also wohl Weiden (hellgrün). Im Folgenden oben der Ausschnitt aus der Urmappe und darunter derselbe Ausschnitt aus einem aktuellen Luftbild:
Dies dürfte ein Erklärung sein, weshalb hier einige seltene Pflanzenarten zu finden sind: sie haben wohl auf den Weiden für lange Zeit existiert und sich bis heute gehalten. Da das Gebiet nun, nach der weitgehenden Nutzungsaufgabe (nur die mittlere Fläche dürfte noch gemäht werden), zunehmend verbuscht, ist ihr Lebensraum und somit auch ihr mittelfristiges Überleben gefährdet.
Hier Detailfotos vom westlichen Hügel...
...sowie vom östlichen Hügel:
Der westliche Hügel ist terassiert und es wurde hier, laut Auskunft eines Einheimischen, früher durch einen adeligen Großgrundbesitzer Weinbau betrieben. Dieser dürfte aber bereits seit längerer Zeit aufgegeben worden sein. In der Urmappe ist am Kogelberg (hier als Kugelberg bezeichnet) zudem noch kaum Weinbau (rot) verzeichnet, sondern v.a. Grünland, also wohl Weiden (hellgrün). Im Folgenden oben der Ausschnitt aus der Urmappe und darunter derselbe Ausschnitt aus einem aktuellen Luftbild:
Dies dürfte ein Erklärung sein, weshalb hier einige seltene Pflanzenarten zu finden sind: sie haben wohl auf den Weiden für lange Zeit existiert und sich bis heute gehalten. Da das Gebiet nun, nach der weitgehenden Nutzungsaufgabe (nur die mittlere Fläche dürfte noch gemäht werden), zunehmend verbuscht, ist ihr Lebensraum und somit auch ihr mittelfristiges Überleben gefährdet.
- Stefan Lefnaer
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Re: Der Kogelberg SO von Erdberg
Hier ein Link auf die Bodenkarte. Wie man sieht, sind die Böden stark kalkhältig und alkalisch. Der westliche Hügel besteht aus lehmigem Sand, der östliche aus Ton.
Laut geologischer Karte (GEOFAST 1:50.000) gehört der Untergrund zur "Bzenec-Formation (Zone der Congeria partschi und "ornithopsis" und Melanopsis impressa (Zone D, C und B), vorwiegend Tonmergel und Sande; Unteres Pannonium)", als Teil des Wiener Beckens und seinen Randbuchten.
Laut geologischer Karte (GEOFAST 1:50.000) gehört der Untergrund zur "Bzenec-Formation (Zone der Congeria partschi und "ornithopsis" und Melanopsis impressa (Zone D, C und B), vorwiegend Tonmergel und Sande; Unteres Pannonium)", als Teil des Wiener Beckens und seinen Randbuchten.
- Stefan Lefnaer
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Re: Der Kogelberg SO von Erdberg
Nun zu den pflanzlichen Bewohnern, alphabetisch geordnet. Am östlichen Hügel am Halbtrockenrasen, aber vereinzelt auch in den Prunus domestica-Gebüschen Carex humilis LC — Li Ti K6 F2 Rb N2 S0 :
Am Fuße des westlichen Hügels Cerastium pumilum s.str. NT — L8 T7 K4 F2 R8 N2 S1 :
Ebendort, schon recht ruderal gelegen Sisymbrium orientale LC — L8 T7 K7 F4 R7 N6 S0 :
Auf beiden Hügeln Taraxacum serotinum EN — L9 T8 K7 F2 R8 N3 S0 :
Am westlichen Hügel Thesium dollineri EN — L8 T7 K6 F3 R8 N3 S0 :
Am westlichen Hügel auf einer Terassenstufe Veronica praecox VU — L9 T7 K5 F2 R8 N2 S0 :
Auf beiden Hügeln Viola ambigua VU — L8 T7 K6 F3 R8 N3 S0 . Teils auch in den Gebüschen, dort mit etwas abweichenden Merkmalen (z.B. weniger dicklich-steife Laubblätter).
In Gebüschen Viola odorata LC — L5 T6 Ki F5 ~ R7 N6 S0 :
Auf der Fläche zwischen den Hügeln ein unglaubliches Meer an Viola rupestris NT , im PA VU — L7 Ti K6 F3 R8 N2 S0 :
Am Fuße des westlichen Hügels Cerastium pumilum s.str. NT — L8 T7 K4 F2 R8 N2 S1 :
Ebendort, schon recht ruderal gelegen Sisymbrium orientale LC — L8 T7 K7 F4 R7 N6 S0 :
Auf beiden Hügeln Taraxacum serotinum EN — L9 T8 K7 F2 R8 N3 S0 :
Am westlichen Hügel Thesium dollineri EN — L8 T7 K6 F3 R8 N3 S0 :
Am westlichen Hügel auf einer Terassenstufe Veronica praecox VU — L9 T7 K5 F2 R8 N2 S0 :
Auf beiden Hügeln Viola ambigua VU — L8 T7 K6 F3 R8 N3 S0 . Teils auch in den Gebüschen, dort mit etwas abweichenden Merkmalen (z.B. weniger dicklich-steife Laubblätter).
In Gebüschen Viola odorata LC — L5 T6 Ki F5 ~ R7 N6 S0 :
Auf der Fläche zwischen den Hügeln ein unglaubliches Meer an Viola rupestris NT , im PA VU — L7 Ti K6 F3 R8 N2 S0 :
- Stefan Lefnaer
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Re: Der Kogelberg SO von Erdberg
Von der Begehung im Juni 2020 können hier Bilder eingesehen werden. Einige Arten davon im Folgenden angeführt: Pilosella rothiana VU — L9 T7 K6 F2 R7 N2 S0 :

Medicago minima LC — L9 T7 Ki F3 R8 N4 S1 :

Melampyrum arvense VU — L7 T7 K6 F3 R7 N4 S0 :

Rapistrum perenne VU — L8 T7 K8 F3 R8 N5 S0 :

Rosa rubiginosa NT , im PA VU — L8 T6 Ki F3 R8 N3 S0



Medicago minima LC — L9 T7 Ki F3 R8 N4 S1 :
Melampyrum arvense VU — L7 T7 K6 F3 R7 N4 S0 :
Rapistrum perenne VU — L8 T7 K8 F3 R8 N5 S0 :
Rosa rubiginosa NT , im PA VU — L8 T6 Ki F3 R8 N3 S0
- Jürgen Baldinger
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Re: Der Kogelberg SO von Erdberg
Danke für die Vorstellung dieses Gebiets, so weit rauf in's Weinviertel komme ich leider nur selten.
"(...) gib ihnen noch zwei südlichere Tage (...)"
-
Helmut Reiner
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Re: Der Kogelberg SO von Erdberg
16.4.2025
Mein besonderes Interesse für die Kulturpflanzen aus der Gattung Prunus hat mich am Kogelberg gepackt und wir konnten dort einiges lernen, denn man sieht – so haben wir es uns jedenfalls in wissenschaftlicher Redlichkeit eingebildet – alle 3 wichtigen Gattungen aus der Verwandtschaft der Pflaume, in unserer Flora (2008) siehe da auf Seite 548:
Prunus spinosa, die Schlehe mit den folgenden besonderen Merkmalen: Blüten vor den Laubblättern erscheinend, die starken Wurzelsprossen, die zu einer vollen Deckung der Fläche mit den kaum über 1 m hohen Pflanzen führen. (Fotos von Helmut)
Prunus cerasifera, die Kirschpflaume, sie blüht noch früher und hatte am 4. April 2025 schon Blätter bekommen, ein kleiner Baum, vielleicht 5 m hoch mit einem glatten Stamm und ohne Dornen. Am Grund der Blüten etwas rot – so bei Georg Schramayr! (diese Fotos stammen von Hubert Ebenberger)
Prunus domestica, die Pflaume bzw. in dieser Situation vielleicht eher ein Kriecherl (Prunus domestica. ssp insititia). Die waren in einem kleinen „Wäldchen“ – und noch nicht aufgeblüht. Sie hat ganz deutlich Gene, nicht nur von P. cerasifera sondern auch von Prunus spinosa, der Schlehe. Denn die Dichte des Wäldchens stammt von der Wurzelbrut und die Dornen zeigen die Bewehrung der Schlehe. Die Steine waren auch ganz deutlich von P. domestica.
Alle Fotos hier stammen vom Trockenrasen Kogelberg bei Erdberg südlich von Poysdorf vom
4. Apr. 2025 mit Stefan Lefnaer und wir dürfen hier seine schönen Bilder durch unsere Prunus-Bilder ergänzen.
Bei dieser Gelegenheit sei Werbung gemacht für die gute Broschüre von Georg Schramayr: Die Kriecherl (Prunus domestica subsp. insititia (L.) Poiret mit einer erhellenden Gegenüberstellung der Merkmale der Kirschpflaume (P. cerasifera) und der Kriecherl (P. insititia).
Besonders wichtig für uns in Österreich ist, dass Carolus Clusius die Kirschpflaume schon klar erkannt und als Myrobalane benannt hat. Denn die Kirschpflaume stammt aus Südosteuropa und war zu Clusius‘ Zeiten im 16. Jh. hier schon wohl bekannt. Diese Geschichte findet sich im interessanten Buch von Körber-Grohne Udelgard: Pflaumen, Kirschpflaumen, Schlehen (Theiss-Verlag, Stuttgart 1996 – in meiner Bibliothek) schön beschrieben!
Dieser Beitrag würde übrigens auch sehr gut in die Rubrik: Phänologie passen, denn die Blühzeiten sind ein wichtiger Schlüssel zur Bestimmung der Pflaumen-Verwandtschaft! Nur das Leben ist viel zu kurz – man müsste im März und April fast jeden Tag im Gelände sein, um diese wichtigen Merkmale für ausgesuchte Individuen zu prüfen und aufzuzeichnen!
Mein besonderes Interesse für die Kulturpflanzen aus der Gattung Prunus hat mich am Kogelberg gepackt und wir konnten dort einiges lernen, denn man sieht – so haben wir es uns jedenfalls in wissenschaftlicher Redlichkeit eingebildet – alle 3 wichtigen Gattungen aus der Verwandtschaft der Pflaume, in unserer Flora (2008) siehe da auf Seite 548:
Prunus spinosa, die Schlehe mit den folgenden besonderen Merkmalen: Blüten vor den Laubblättern erscheinend, die starken Wurzelsprossen, die zu einer vollen Deckung der Fläche mit den kaum über 1 m hohen Pflanzen führen. (Fotos von Helmut)
Prunus cerasifera, die Kirschpflaume, sie blüht noch früher und hatte am 4. April 2025 schon Blätter bekommen, ein kleiner Baum, vielleicht 5 m hoch mit einem glatten Stamm und ohne Dornen. Am Grund der Blüten etwas rot – so bei Georg Schramayr! (diese Fotos stammen von Hubert Ebenberger)
Prunus domestica, die Pflaume bzw. in dieser Situation vielleicht eher ein Kriecherl (Prunus domestica. ssp insititia). Die waren in einem kleinen „Wäldchen“ – und noch nicht aufgeblüht. Sie hat ganz deutlich Gene, nicht nur von P. cerasifera sondern auch von Prunus spinosa, der Schlehe. Denn die Dichte des Wäldchens stammt von der Wurzelbrut und die Dornen zeigen die Bewehrung der Schlehe. Die Steine waren auch ganz deutlich von P. domestica.
Alle Fotos hier stammen vom Trockenrasen Kogelberg bei Erdberg südlich von Poysdorf vom
4. Apr. 2025 mit Stefan Lefnaer und wir dürfen hier seine schönen Bilder durch unsere Prunus-Bilder ergänzen.
Bei dieser Gelegenheit sei Werbung gemacht für die gute Broschüre von Georg Schramayr: Die Kriecherl (Prunus domestica subsp. insititia (L.) Poiret mit einer erhellenden Gegenüberstellung der Merkmale der Kirschpflaume (P. cerasifera) und der Kriecherl (P. insititia).
Besonders wichtig für uns in Österreich ist, dass Carolus Clusius die Kirschpflaume schon klar erkannt und als Myrobalane benannt hat. Denn die Kirschpflaume stammt aus Südosteuropa und war zu Clusius‘ Zeiten im 16. Jh. hier schon wohl bekannt. Diese Geschichte findet sich im interessanten Buch von Körber-Grohne Udelgard: Pflaumen, Kirschpflaumen, Schlehen (Theiss-Verlag, Stuttgart 1996 – in meiner Bibliothek) schön beschrieben!
Dieser Beitrag würde übrigens auch sehr gut in die Rubrik: Phänologie passen, denn die Blühzeiten sind ein wichtiger Schlüssel zur Bestimmung der Pflaumen-Verwandtschaft! Nur das Leben ist viel zu kurz – man müsste im März und April fast jeden Tag im Gelände sein, um diese wichtigen Merkmale für ausgesuchte Individuen zu prüfen und aufzuzeichnen!
Zuletzt geändert von Helmut Reiner am Mittwoch 16. April 2025, 19:04, insgesamt 6-mal geändert.
- Jürgen Baldinger
- Beiträge: 3960
- Registriert: Montag 19. September 2016, 19:47
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Re: Der Kogelberg SO von Erdberg
Nur eine kleine Ergänzung: Die Gattung ist Prunus, die drei open genannten Sippen sind darin enthaltene Arten.
"(...) gib ihnen noch zwei südlichere Tage (...)"
-
Helmut Reiner
- Beiträge: 5
- Registriert: Montag 4. Mai 2020, 21:37
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Re: Der Kogelberg SO von Erdberg
Hallo Jürgen, Hallo Stefan - warum zeigts bei mir die Bilder unten nochmal an? Was mach ich das falsch?
Vielen Dank für die Hilfe
Vielen Dank für die Hilfe
- Stefan Lefnaer
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Re: Der Kogelberg SO von Erdberg
Ich glaube, ich hab es dir falsch erklärt. Mit img kann man externe Fotos einbinden. Im Forum hochgeladen Fotos muss man via "Im Beitrag anzeigen" als attachment einbinden. Ich habe das nun in deinem Post korrigiert.
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