Unterarten von Cardamine amara

= Blütenpflanzen; Bestimmungsfragen
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Stefan Lefnaer
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Unterarten von Cardamine amara

Beitragvon Stefan Lefnaer » Mittwoch 29. Juli 2026, 21:29

Im April habe ich über einen Fund von Cardamine amara auf der Donauinsel berichtet. Nun habe ich versucht die Unterart zu bestimmen. Die Merkmale in der EFÖ08 nach dem langen Gedankenstrich sind so wischiwaschi und überlappend, dass ich damit nicht viel anfangen konnte. Zumal es sich um ein Kümmerexemplar handelte, wo die Maße eh nicht passen. Also habe ich die Pollenkörner vermessen:

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Eindeutig ist das Ergebnis auch hier nicht. Die Pollenkörner haben recht verschiedene Größen: manche nur 20 µm, die meisten aber 23 oder mehr µm. Einige hatten 27 µm Durchmesser. Daher meine Fragen in die Runde:

- könnt ihr die Unterarten unterscheiden?
- falls ja,
...- anhand welcher Merkmale?
...- und welche Unterart ist das eurer Meinung nach?
- falls nein, haltet es für sinnvoll solche kryptischen Cytotypen, die von Freilandbotanikern nicht zu unterscheiden sind, überhaupt in einem Schlüssel anzuführen?

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Stefan Lefnaer
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Re: Unterarten von Cardamine amara

Beitragvon Stefan Lefnaer » Mittwoch 29. Juli 2026, 21:41

Nachtrag: ich finde ja schon die Angabe im Schlüssel "20,3–23,0 μm ∅" vs. "23,0–25,7 μm ∅" witzig. Wer bitte kann schon ein Pollenkorn auf einen ⅒ µm vermessen?

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Hermann Falkner
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Re: Unterarten von Cardamine amara

Beitragvon Hermann Falkner » Donnerstag 30. Juli 2026, 06:40

Stefan Lefnaer hat geschrieben:Nachtrag: ich finde ja schon die Angabe im Schlüssel "20,3–23,0 μm ∅" vs. "23,0–25,7 μm ∅" witzig. Wer bitte kann schon ein Pollenkorn auf einen ⅒ µm vermessen?

Ich schätze mal, die Schlüsselangaben stammen aus einer Monographie über Cardamine amara - in der die Unterarten nach Ploidie unterschieden worden sind: subsp. amara = Tieflandsippe diploid, subsp. austriaca = tetraploid - und mangels stringenter Merkmale stehen halt die Pollenkörner als primäres Merkmal - die mich nebstbei schon von vornherein davon abschrecken, die subsp bestimmen zu versuchen.

Erinnert mich ein bissi an Scilla bifolia/drunensis/spetana ...

Trotzdem find ich schon sinnvoll, die Variationsbreite in einem Schlüssel anzuführen (incl Ploidie und den in der konkreten Studie ermittelten Werte, die so exakten Angaben bei den Pollen & auch bei sonstigen Pflanzenteilen auf Zehntel-mm würde ich so deuten, dass sich die Angaben auf eine einzige Studie beziehen, ist mir jetzt aber zu mühsam, im Lit-Vz zu suchen).

Weil - im Feld könnte einem schon auch die grosse Variationsbreite bei den makroskopischen Merkmalen auffallen, und der Schlüssel würde dann bestätigen, dass der auf unterschiedlichen Ploidie-Sippen beruht.

Wirklich eindeutig bestimmbar meiner Meinung nach sowieso nur über Bestimmung der Ploidie = sprich für 99% der Nutzer einer Flora keine zugängliche Methode.

Ausser es kommt irgendwann der Tricoder aus Raumschiff Enterprise - warum auch nicht, das "Piepserl" = den Kommunikator gibts schliesslich längst*), sitzt in jeder Hosentasche und nennt sich unsinnigerweise "Handy" ;-)

*) naja - mit Abstrichen: schliesslich funktioniert der Kommunikator ganz ohne Handymasten (oder Satelliten) - sogar von Planet zu Raumschiff!
Zuletzt geändert von Hermann Falkner am Donnerstag 30. Juli 2026, 06:51, insgesamt 1-mal geändert.

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Hermann Falkner
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Re: Unterarten von Cardamine amara

Beitragvon Hermann Falkner » Donnerstag 30. Juli 2026, 06:51

PS: hab mir nochmals deine Pollenkörner angeschaut - nach der Regel, dass der Durchschnitt eines grösseren Samples als Näherungswert evtl brauchbar ist, kommt man vermutlich auch nicht hin - schwer zu sagen, wie das Verhältnis ist, weil zB MicroX2 und MicroX3 eher die gleichen Pollen sind, aber ich käme nahezu auf 1:1 = rund die Hälfte <= 23,0 & Rest grösser.

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Alexander
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Re: Unterarten von Cardamine amara

Beitragvon Alexander » Donnerstag 30. Juli 2026, 12:27

Hallo Stefan,

Stefan Lefnaer hat geschrieben:Nachtrag: ich finde ja schon die Angabe im Schlüssel "20,3–23,0 μm ∅" vs. "23,0–25,7 μm ∅" witzig. Wer bitte kann schon ein Pollenkorn auf einen ⅒ µm vermessen?


Mit einem kalibrierten Messprogramm, welches bei einer digitalen Aufnahme anhand der Pixel eine gewünschte Messstrecke (zum Beispiel den Durchmesser eine Pollenkorns) errechnet, ist das möglich. In der Pilzmikroskopie werden solche Programme beim Vermessen der winzigen Sporen eingesetzt. Ob in einem Schlüssel für Gefäßpflanzen Nachkommastellen im μm-Bereich sinnvoll sind, kann ich mir hingegen kaum vorstellen. Die Größe der Pollenkörner eines einzelnen Individuums schwankt ja bereits in einem deutlich größeren Umfang. Zudem schrumpfen dehydrierte Pollen, oder nehmen je nach verwendetem Eindeckmedium (Wasser, Glycerin, Glyceringelatine, Pflanzenöl, ...) an Volumen zu.
Selbst auf "PalDat - Palynological Database" werden keine Nachkommastellen angegeben. Für Cardamine amara wird dort je nach Feuchtigkeitssättigung eine Pollengröße von 10-25 µm genannt. Bei voll hydrierten Pollen liegt diese laut der Website bei 21-25 µm (https://www.paldat.org/pub/Cardamine_amara/303943).

Grüße
Alexander
„Nichts in der Geschichte des Lebens ist beständiger als der Wandel.“ - Charles Darwin

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Re: Unterarten von Cardamine amara

Beitragvon Stefan Lefnaer » Donnerstag 30. Juli 2026, 19:20

Danke für eure umfangreichen Antworten! Leider sind die zentralen Fragen noch nicht beantwortet: nämlich wie man die Unterarten unterscheidet und zu welcher Unterart mein Pflänzchen gehört.

Oliver Stöhr
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Re: Unterarten von Cardamine amara

Beitragvon Oliver Stöhr » Freitag 31. Juli 2026, 16:20

Ja, diese Fragen bleiben auch für mich oft offen! Allerdings weisen Hochlagenpflanzen (ssp. austriaca) vielfach tatsächlich mehr Blattfiederpaare als die Tieflandformen auf. Das in der EFÖLS angeführte Stängelgrundmerkmal (ebenso die angeführten Blütenmerkmale) ist wegen der Überschneidung nicht wirklich brauchbar.


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