Viola-Workshop - kritische Arten unterscheiden, Hybrid-Problematik
- Jürgen Baldinger
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Re: Viola-Workshop - kritische Arten unterscheiden, Hybrid-Problematik
F. bisambergensis gefällt mir. Und erhellend erklärt wieder!
Große Freunde werden die Rosetten-Veilchen und ich vorläufig trotzdem nicht...
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"(...) gib ihnen noch zwei südlichere Tage (...)"
- Stefan Lefnaer
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Viola-Workshop II
Liebes Forum,
nachdem hier unlängst einige Veilchen ieS besprochen wurden, möchte ich nun zwei Stiefmütterchen aus der taxonomisch schwierigen Artengruppe Viola tricolor agg. in die Runde werfen. Bei der ersten Art handelt es sich um die in Österreich nur im Pannonikum auftretende Viola kitaibeliana. Auf der letzten Vereinsexkursion fanden wir am Perchtoldsdorfer Hochberg in einem Trockenrasen Individuen, die wir zumindest für Viola kitaibeliana hielten. Recht ähnlich ist die weit verbreitete Viola arvensis subsp. arvensis, von der ich einige Individuen am Waschberg bei Stockerau in einem Acker auflas. Da die Artengruppe unzureichend erforscht ist und die Arten je nach Autor anhand unterschiedlicher Merkmale voneinander abgegrenzt werden, ist die Bestimmung mit Unsicherheiten behaftet. Jeder der anderer Meinung ist bzw. andere Erfahrungen gemacht hat, kann diese hier gerne mitteilen. Im folgenden werden die im Fischadler 2008 beschriebenen Merkmale anhand von Fotos diskutiert. Grundsätzlich gibt ein Foto nur ein spezifisches Individuum wieder. Ich habe aber versucht Individuen mit durchschnittlichen Merkmalen auszuwählen bzw. stark abweichende Individuen wegzulassen.
V. arvensis subsp. arvensis: Spreite der größten LB meist längl., 1½–2× so lg wie br, beiderseits fast immer mit je 5 Kerben
V. kitaibeliana: Spreite der größten LB rundl. bis br’eifmg, höchstens 1½× so lg wie br, beiderseits mit je 1–2(4) Kerben
V. arvensis subsp. arvensis: Spreite der mittleren StgB meist länger als 1 cm
V. kitaibeliana: Spreite der mittleren StgB meist weniger als 1 cm lg
V. arvensis subsp. arvensis: NebenB fiederschnittig, ihr Endabschnitt lanz., deutl. kleiner als die Spreite, die übrigen Abschnitte meist pfrieml., kürzer als der Endabschnitt
V. kitaibeliana: NebenB meist fast handfmg zerschnitten, ihr Endabschnitt längl.-spatelig, nur wenig kleiner als die Spreite, die übrigen Abschnitte lin. bis lin.-lanz., länger als der Endabschnitt
--> Diese Merkmale scheinen gut zuzutreffen. Überhaupt ist V. arvensis subsp. arvensis deutlich größer, was aber auch auf die Standortsbedingungen zurückzuführen sein kann.
V. arvensis subsp. arvensis: VorB im oberen Drittel des BlüStiels
V. kitaibeliana: VorB ≈ im oberen Zehntel des BlüStiels
--> Bei V. kitaibeliana befinden sich die Vorblätter zumindest weiter oben am Bogen des Blütenstiels.
V. arvensis subsp. arvensis: Kro 1,0–1,5 cm Längs-Durchmesser
V. kitaibeliana: Kro 0,4–0,8 cm Längs-Durchmesser
--> Trifft zu.
V. arvensis subsp. arvensis: KroB ≈ so lg wie die KB
V. kitaibeliana: KroB meist kürzer als KB
--> Bei meiner V. kitaibeliana sind die KroB deutlich kürzer als bei der V. arvensis subsp. arvensis, allerdings ungefähr so lang wie die KB. Bei V. arvensis subsp. arvensis sind die KroB länger als die KB, was nur bei V. a. subsp. megalantha der Fall sein sollte. Diese Unterart hat aber laut Schlüssel viel größere Kronen und soll duften, was nicht der Fall war.
V. arvensis subsp. arvensis: Sporn gleich lg wie die KB’Anhängsel
V. kitaibeliana: Sporn ± länger als die KB’Anhängsel
--> Trifft zu.
V. arvensis subsp. arvensis: Oberrand der oberen KroB oft mit purpurvioletten Punkten od. ± lila.
V. kitaibeliana: KroB cremeweiß bis gelbl.
--> Ist hier genau verkehrt.
V. arvensis subsp. arvensis: Stg unten kahl bis ± flaumhaarig
V. kitaibeliana: Stg unten meist dicht kurzsteifhaarig
--> Beide Stängel sind mehr oder weniger behaart aber in beiden Fällen eher kurzsteifhaarig.
V. arvensis subsp. arvensis: KB meist nicht bewimpert
V. kitaibeliana: KB meist bewimpert
--> In beiden Fällen sind die KB ganz kurz bewimpert.
Wie man sieht ist es schwierig und alles etwas widersprüchlich...
Schöne Grüße,
Stefan
nachdem hier unlängst einige Veilchen ieS besprochen wurden, möchte ich nun zwei Stiefmütterchen aus der taxonomisch schwierigen Artengruppe Viola tricolor agg. in die Runde werfen. Bei der ersten Art handelt es sich um die in Österreich nur im Pannonikum auftretende Viola kitaibeliana. Auf der letzten Vereinsexkursion fanden wir am Perchtoldsdorfer Hochberg in einem Trockenrasen Individuen, die wir zumindest für Viola kitaibeliana hielten. Recht ähnlich ist die weit verbreitete Viola arvensis subsp. arvensis, von der ich einige Individuen am Waschberg bei Stockerau in einem Acker auflas. Da die Artengruppe unzureichend erforscht ist und die Arten je nach Autor anhand unterschiedlicher Merkmale voneinander abgegrenzt werden, ist die Bestimmung mit Unsicherheiten behaftet. Jeder der anderer Meinung ist bzw. andere Erfahrungen gemacht hat, kann diese hier gerne mitteilen. Im folgenden werden die im Fischadler 2008 beschriebenen Merkmale anhand von Fotos diskutiert. Grundsätzlich gibt ein Foto nur ein spezifisches Individuum wieder. Ich habe aber versucht Individuen mit durchschnittlichen Merkmalen auszuwählen bzw. stark abweichende Individuen wegzulassen.
V. arvensis subsp. arvensis: Spreite der größten LB meist längl., 1½–2× so lg wie br, beiderseits fast immer mit je 5 Kerben
V. kitaibeliana: Spreite der größten LB rundl. bis br’eifmg, höchstens 1½× so lg wie br, beiderseits mit je 1–2(4) Kerben
V. arvensis subsp. arvensis: Spreite der mittleren StgB meist länger als 1 cm
V. kitaibeliana: Spreite der mittleren StgB meist weniger als 1 cm lg
V. arvensis subsp. arvensis: NebenB fiederschnittig, ihr Endabschnitt lanz., deutl. kleiner als die Spreite, die übrigen Abschnitte meist pfrieml., kürzer als der Endabschnitt
V. kitaibeliana: NebenB meist fast handfmg zerschnitten, ihr Endabschnitt längl.-spatelig, nur wenig kleiner als die Spreite, die übrigen Abschnitte lin. bis lin.-lanz., länger als der Endabschnitt
--> Diese Merkmale scheinen gut zuzutreffen. Überhaupt ist V. arvensis subsp. arvensis deutlich größer, was aber auch auf die Standortsbedingungen zurückzuführen sein kann.
V. arvensis subsp. arvensis: VorB im oberen Drittel des BlüStiels
V. kitaibeliana: VorB ≈ im oberen Zehntel des BlüStiels
--> Bei V. kitaibeliana befinden sich die Vorblätter zumindest weiter oben am Bogen des Blütenstiels.
V. arvensis subsp. arvensis: Kro 1,0–1,5 cm Längs-Durchmesser
V. kitaibeliana: Kro 0,4–0,8 cm Längs-Durchmesser
--> Trifft zu.
V. arvensis subsp. arvensis: KroB ≈ so lg wie die KB
V. kitaibeliana: KroB meist kürzer als KB
--> Bei meiner V. kitaibeliana sind die KroB deutlich kürzer als bei der V. arvensis subsp. arvensis, allerdings ungefähr so lang wie die KB. Bei V. arvensis subsp. arvensis sind die KroB länger als die KB, was nur bei V. a. subsp. megalantha der Fall sein sollte. Diese Unterart hat aber laut Schlüssel viel größere Kronen und soll duften, was nicht der Fall war.
V. arvensis subsp. arvensis: Sporn gleich lg wie die KB’Anhängsel
V. kitaibeliana: Sporn ± länger als die KB’Anhängsel
--> Trifft zu.
V. arvensis subsp. arvensis: Oberrand der oberen KroB oft mit purpurvioletten Punkten od. ± lila.
V. kitaibeliana: KroB cremeweiß bis gelbl.
--> Ist hier genau verkehrt.
V. arvensis subsp. arvensis: Stg unten kahl bis ± flaumhaarig
V. kitaibeliana: Stg unten meist dicht kurzsteifhaarig
--> Beide Stängel sind mehr oder weniger behaart aber in beiden Fällen eher kurzsteifhaarig.
V. arvensis subsp. arvensis: KB meist nicht bewimpert
V. kitaibeliana: KB meist bewimpert
--> In beiden Fällen sind die KB ganz kurz bewimpert.
Wie man sieht ist es schwierig und alles etwas widersprüchlich...
Schöne Grüße,
Stefan
- Hermann Falkner
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- Registriert: Sonntag 23. Oktober 2016, 20:16
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Re: Viola-Workshop - kritische Arten unterscheiden, Hybrid-Problematik
Von den ausläufertragenden Veilchen bliebe noch Viola alba: durch viel längere, schmälere Nebenblätter, spitze und häufig violett überlaufene Laubblätter unterscheidet sich dieses hinreichend von V. suavis und V. odorata.
Bei V. alba subsp. scotophylla (s. str.) ist die weisse Blüte in Verbindung mit dem lila Sporn ein leichtes Erkennungszeichen, denn weissblütige V. odorata hat immer auch einen weissen Sporn (mit leicht grünlichem Schimmer - die Blüte hat kein Pigment und die grünen Pflanzenteile schimmern durch). Lediglich bei V. alba subsp. alba (mit weissem bzw. leicht grünlichem Sporn) kann man sich nicht auf den Sporn verlassen.
V. alba subsp. violacea hat üblicherweise stark violett überlaufene Blätter und kann daran meist leicht schon von Weitem erkannt werden.
Bild #1 zeigt vermutlich subsp. violacea (aus den violett überlaufenen Blättern geschlossen), vom 10.03.2013, Wienerwald bei Grinzing.
Bild #2 = subsp. alba, 12.03.2016, Kreuttal; habe ich bisher nur sehr selten gesehen
Bild #3 = subsp. scotophylla: meiner Erfahrung nach in und um Wien die häufigste Unterart - findet man z. B. im Wienerwald vielerorts massenhaft; 25.03.2015, Lainzer Tiergarten
Bild #4 bei subsp. scotophylla ist die Lilafärbung der Laubblätter oft nicht so stark ausgeprägt; Stadtgrenze Wien/Kledering, Bahngelände, 02.04.2011 und an dieser Stelle womöglich nicht heimisch, sondern gepflanzt (früher dürfte es dort Schrebergärten gegeben haben)
Bild #5 = subsp. alba, ebenfalls 12.03.2016, Kreuttal (aus derselben Population); man kann bei diesem Exemplar gut die Nebenblätter erkennen, die Ausläufer sieht man hier auch gut
Von V. alba subsp. violacea habe ich auf die Schnelle kein Bild eines blühenden Exemplars gefunden - die Blüte ist dunkelviolett, nicht unähnlich V. odorata, aber sonst allein schon durch die violett überhauchten Blätter meist sehr auffällig verschieden von V. odorata.
Diese Unterart ist zumindest in Ostösterreich viel seltener als subsp. scotophylla.
Bei V. alba subsp. scotophylla (s. str.) ist die weisse Blüte in Verbindung mit dem lila Sporn ein leichtes Erkennungszeichen, denn weissblütige V. odorata hat immer auch einen weissen Sporn (mit leicht grünlichem Schimmer - die Blüte hat kein Pigment und die grünen Pflanzenteile schimmern durch). Lediglich bei V. alba subsp. alba (mit weissem bzw. leicht grünlichem Sporn) kann man sich nicht auf den Sporn verlassen.
V. alba subsp. violacea hat üblicherweise stark violett überlaufene Blätter und kann daran meist leicht schon von Weitem erkannt werden.
Bild #1 zeigt vermutlich subsp. violacea (aus den violett überlaufenen Blättern geschlossen), vom 10.03.2013, Wienerwald bei Grinzing.
Bild #2 = subsp. alba, 12.03.2016, Kreuttal; habe ich bisher nur sehr selten gesehen
Bild #3 = subsp. scotophylla: meiner Erfahrung nach in und um Wien die häufigste Unterart - findet man z. B. im Wienerwald vielerorts massenhaft; 25.03.2015, Lainzer Tiergarten
Bild #4 bei subsp. scotophylla ist die Lilafärbung der Laubblätter oft nicht so stark ausgeprägt; Stadtgrenze Wien/Kledering, Bahngelände, 02.04.2011 und an dieser Stelle womöglich nicht heimisch, sondern gepflanzt (früher dürfte es dort Schrebergärten gegeben haben)
Bild #5 = subsp. alba, ebenfalls 12.03.2016, Kreuttal (aus derselben Population); man kann bei diesem Exemplar gut die Nebenblätter erkennen, die Ausläufer sieht man hier auch gut
Von V. alba subsp. violacea habe ich auf die Schnelle kein Bild eines blühenden Exemplars gefunden - die Blüte ist dunkelviolett, nicht unähnlich V. odorata, aber sonst allein schon durch die violett überhauchten Blätter meist sehr auffällig verschieden von V. odorata.
Diese Unterart ist zumindest in Ostösterreich viel seltener als subsp. scotophylla.
- Dateianhänge
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- Viola alba cf. subsp. violacea
- 8555837196_bb6ed1218d_o.jpg (478.44 KiB) 299293 mal betrachtet
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- Viola alba subsp. alba
- 25189332983_04e0c360f7_o.jpg (1.21 MiB) 299293 mal betrachtet
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- Viola alba subsp. scotophylla
- 16320981964_e285e4a902_o.jpg (644.67 KiB) 299293 mal betrachtet
-
- Viola alba subsp. scotophylla
- 6167367396_68bcba2754_o.jpg (856.09 KiB) 299293 mal betrachtet
-
- Viola alba subsp. alba
- 20160312_0034_P3120034.jpg (1.17 MiB) 299292 mal betrachtet
Zuletzt geändert von Hermann Falkner am Dienstag 11. April 2017, 21:48, insgesamt 1-mal geändert.
- Jürgen Baldinger
- Beiträge: 4038
- Registriert: Montag 19. September 2016, 19:47
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Re: Viola-Workshop (Viola sect. Viola) - kritische Arten unterscheiden, Hybrid-Problematik
Subsp. alba kommt übrigens auch auf der Himmelswiese (Wien-Liesing) vor.
"(...) gib ihnen noch zwei südlichere Tage (...)"
- Hermann Falkner
- Beiträge: 2079
- Registriert: Sonntag 23. Oktober 2016, 20:16
- Wohnort: Wien
Re: Viola-Workshop II
Ganz tolle Bilder!
Ich hab mir mit den beiden Arten auch immer sehr schwer getan - und bisher auch keine V. kitaibeliana gesehen, bei der ich mir wirklich 100%ig sicher gewesen wäre, dass es auch wirklich kitaibeliana ist ... es ist für mich ein kleiner Trost, dass ich mit dieser Unsicherheit nicht alleine bin, das heisst aber auch, ergänzendes oder erhellendes kann ich zu deinem Beitrag leider auch nicht beitragen.
Ich hab mir mit den beiden Arten auch immer sehr schwer getan - und bisher auch keine V. kitaibeliana gesehen, bei der ich mir wirklich 100%ig sicher gewesen wäre, dass es auch wirklich kitaibeliana ist ... es ist für mich ein kleiner Trost, dass ich mit dieser Unsicherheit nicht alleine bin, das heisst aber auch, ergänzendes oder erhellendes kann ich zu deinem Beitrag leider auch nicht beitragen.
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