Viola-Workshop - kritische Arten unterscheiden, Hybrid-Problematik
- Hermann Falkner
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Re: Viola-Workshop - kritische Arten unterscheiden, Hybrid-Problematik
Habe nach einigem Suchen festgestellt, dass ich wohl wirklich keine "einwandfreie" Viola riviniana im Archiv haben dürfte - das beste, was ich gefunden habe, sind Bilder vom 16.04.2015 Untere Lobau bzw. womöglich schon auf niederösterreichischem Gebiet (Schönau a. d. Donau; ist nahe der Stadtgrenze).
Ich zähle 3 Grundblätter, somit in jedem Fall nicht V. canina (bei dem auch die Nebenblattfransen kürzer sein sollten) bzw. kommt die V.-pumila-Gruppe schon wegen der für diese Gruppe typischen sehr langen Nebenblätter nicht in Frage. Die Nebenblattform schliesst auch V. rupestris aus, und der helle Sporn V. reichenbachiana.
Der Sporn ist allerdings hellviolett bzw. leicht "gesprenkelt", das Exemplar (bzw. eine Population von wenigen Exemplaren) ist also doch wohl eher als die Hybride anzusprechen.
Ich zähle 3 Grundblätter, somit in jedem Fall nicht V. canina (bei dem auch die Nebenblattfransen kürzer sein sollten) bzw. kommt die V.-pumila-Gruppe schon wegen der für diese Gruppe typischen sehr langen Nebenblätter nicht in Frage. Die Nebenblattform schliesst auch V. rupestris aus, und der helle Sporn V. reichenbachiana.
Der Sporn ist allerdings hellviolett bzw. leicht "gesprenkelt", das Exemplar (bzw. eine Population von wenigen Exemplaren) ist also doch wohl eher als die Hybride anzusprechen.
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Oliver Stöhr
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Re: Viola-Workshop - kritische Arten unterscheiden, Hybrid-Problematik
Hallo Hermann,
ja, ich hätte diese Bilder ebenso als Hybride zwischen reichenbachiana und riviniana eingestuft. Die Dichte der Spornfärbung dieser Hybride ist übrigens etwas variabel (flächig weißlichblau bis eben "gesprenkelt"), jedenfalls deutlich anders als bei den Elternarten.
Anbei auch noch ein Bild zu dieser Hybride, das ich heute noch gefunden habe; hier weist der Sporn nur mehr wenige blaue Flecken auf.
Viele Grüße
Oliver
ja, ich hätte diese Bilder ebenso als Hybride zwischen reichenbachiana und riviniana eingestuft. Die Dichte der Spornfärbung dieser Hybride ist übrigens etwas variabel (flächig weißlichblau bis eben "gesprenkelt"), jedenfalls deutlich anders als bei den Elternarten.
Anbei auch noch ein Bild zu dieser Hybride, das ich heute noch gefunden habe; hier weist der Sporn nur mehr wenige blaue Flecken auf.
Viele Grüße
Oliver
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- Hermann Falkner
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Re: Viola-Workshop - kritische Arten unterscheiden, Hybrid-Problematik
Danke herzlich für die Nachbestimmung meiner Hybride, Oliver ;-) ist immer gut, Bestätigung zu haben.
- Hermann Falkner
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Re: Viola-Workshop - kritische Arten unterscheiden, Hybrid-Problematik
Wenn man keine "schöne" Viola riviniana im Archiv findet, dann sucht man besser in natura - und heureka, ich habe gefunden: am Bisamberg-Südhang im Wald gibt es sehr zahlreich Viola reichenbachiana und V. reichenbachiana × riviniana, mit unterschiedlichsten Spornfärbungen. Nicht ganz so zahlreich, aber doch stellenweise, gibt es aber auch Exemplare mit wirklich weissem Sporn - also "reine" Viola riviniana.
Bilder sind alle von gestern, Sonntag, 09.04.2017.
Bilder sind alle von gestern, Sonntag, 09.04.2017.
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- Viola riviniana (von hinten, Sporn sichtbar)
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- Viola riviniana (Sporn)
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- Hermann Falkner
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Re: Viola-Workshop - kritische Arten unterscheiden, Hybrid-Problematik
In seinem Beitrag über Bisamberg-Raritäten hat Jürgen Baldinger am Bisamberg eigenartige "zweifärbige" Veilchen gefunden, zu denen mir nicht wirklich was eingefallen ist.
Gestern, 09.04.2017, am Bisamberg habe ich die Population untersucht und bin zum Schluss gekommen - es kann sich nur um Viola hirta handeln.
Man könnte zwar auch hybriden Einschlag vermuten,*) aber das glaub ich gar nicht - die Exemplare passen wirklich sehr gut zu Viola hirta und dann gibt's auch keine Veranlassung, die farbliche Abweichung auf eine andere Veilchenart zurückzuführen (ausserdem - wenn, auf welche denn? auch andre Veilchen haben das nicht, nicht so, wie am Bisamberg ausgeprägt).
*) Bei genauer Nachbetrachtung: die Behaarung der Nebenblätter könnte aus Drüsenblättern bestehen (wie von V. ambigua gefordert!), bei ambigua ist aber der Blattgrund nie herzförmig, ausserdem duftet ambigua; es könnte wenn dann also nur "ambigua-Einschlag" sein.
Möglicherweise ist diese Farbvariante sogar eine exklusive Spezialität des Bisambergs (Viola hirta "forma bisambergensis" :-), ich kenn das jedenfalls von keiner anderen Lokalität, allerdings bin ich auch in den Gebieten nördlich und westlich vom Bisamberg kaum zur Veilchenzeit unterwegs, die Farbvariante könnte also leicht auch weiter verbreitet sein.
Das Exemplar #1 zeigt sehr deutliche weisse Streifen auf den Kronblättern, die in der Tat auch kein Einzelfall sind: vermutlich ist der grösste Teil der Viola-hirta-Populationen auf dieser Seite (Südhang, Trockenrasen bzw. trockener Buschwald) dermassen "zweifärbig", ich würde sogar sagen mehr als 2/3.
Die Laubblätter sind aber überwiegend deutlich mit herzförmigem Grund, so wie es sich für hirta "gehört", und die Blätter sind deutlich länger als breit; gestutzte Blätte (wie bei V. ambigua) sind die Ausnahme. Ausserdem ist die abstehende Behaarung immer sehr deutlich feststellbar.
Die Blüten duften ausserdem nicht - es war ein sehr warmer, fast frühsommerlicher Tag; an solchen Tagen müsste man den Veilchenduft sogar im Stehen deutlich wahrnehmen, es ist aber nicht der geringste Veilchenduft in der Luft gehangen, auch aus nächster Nähe war keine Spur Duft feststellbar. Viola ambigua dagegen duftet.
Die Nebenblätter waren zwar durchwegs mit Fransen, aber mit sehr kurzen, und somit auch voll und ganz in der Variationsbreite gemäss Exkursionsflora.
Ausläufer waren definitiv keine vorhanden - wobei die "Ausläuferveilchen" V. suavis, odorata und alba ohnehin vom Habitus her schon nicht in Frage kommen würden.
Exemplare #2 und #3 räumen schliesslich alle Zweifel aus - diese sind "nahezu einfärbig" - aber selbst bei diesen kann man einen Hauch von "hellem Strich" in den Kronblättern erkennen (beim Fotografieren habe ich diese für rein violett gehalten, das ist mir erst zuhause aufgefallen). Ich glaube aber doch, dass eine grössere Zahl von V. hirta durchaus "einfärbig violett" war.
Die Abgrenzung von Viola ambigua ist also jedenfalls ganz leicht und auch eindeutig. Viola pyrenaica kommt in Wien und Niederösterreich nicht vor und wäre wenn dann ausserdem nur schwach behaart; und die ebenfalls stärker behaarten Viola collina (auch in Ostösterreich!) und Viola thomasiana (Westösterreich) duften und haben länger befranste Nebenblätter; Viola collina hat ausserdem das Vorblatt viel höher am Stengel, zumindest in Ostösterreich kann man also selbst dann, wenn man keine "gute Nase" hat, Viola hirta eigentlich mit nichts verwechseln.
Gestern, 09.04.2017, am Bisamberg habe ich die Population untersucht und bin zum Schluss gekommen - es kann sich nur um Viola hirta handeln.
Man könnte zwar auch hybriden Einschlag vermuten,*) aber das glaub ich gar nicht - die Exemplare passen wirklich sehr gut zu Viola hirta und dann gibt's auch keine Veranlassung, die farbliche Abweichung auf eine andere Veilchenart zurückzuführen (ausserdem - wenn, auf welche denn? auch andre Veilchen haben das nicht, nicht so, wie am Bisamberg ausgeprägt).
*) Bei genauer Nachbetrachtung: die Behaarung der Nebenblätter könnte aus Drüsenblättern bestehen (wie von V. ambigua gefordert!), bei ambigua ist aber der Blattgrund nie herzförmig, ausserdem duftet ambigua; es könnte wenn dann also nur "ambigua-Einschlag" sein.
Möglicherweise ist diese Farbvariante sogar eine exklusive Spezialität des Bisambergs (Viola hirta "forma bisambergensis" :-), ich kenn das jedenfalls von keiner anderen Lokalität, allerdings bin ich auch in den Gebieten nördlich und westlich vom Bisamberg kaum zur Veilchenzeit unterwegs, die Farbvariante könnte also leicht auch weiter verbreitet sein.
Das Exemplar #1 zeigt sehr deutliche weisse Streifen auf den Kronblättern, die in der Tat auch kein Einzelfall sind: vermutlich ist der grösste Teil der Viola-hirta-Populationen auf dieser Seite (Südhang, Trockenrasen bzw. trockener Buschwald) dermassen "zweifärbig", ich würde sogar sagen mehr als 2/3.
Die Laubblätter sind aber überwiegend deutlich mit herzförmigem Grund, so wie es sich für hirta "gehört", und die Blätter sind deutlich länger als breit; gestutzte Blätte (wie bei V. ambigua) sind die Ausnahme. Ausserdem ist die abstehende Behaarung immer sehr deutlich feststellbar.
Die Blüten duften ausserdem nicht - es war ein sehr warmer, fast frühsommerlicher Tag; an solchen Tagen müsste man den Veilchenduft sogar im Stehen deutlich wahrnehmen, es ist aber nicht der geringste Veilchenduft in der Luft gehangen, auch aus nächster Nähe war keine Spur Duft feststellbar. Viola ambigua dagegen duftet.
Die Nebenblätter waren zwar durchwegs mit Fransen, aber mit sehr kurzen, und somit auch voll und ganz in der Variationsbreite gemäss Exkursionsflora.
Ausläufer waren definitiv keine vorhanden - wobei die "Ausläuferveilchen" V. suavis, odorata und alba ohnehin vom Habitus her schon nicht in Frage kommen würden.
Exemplare #2 und #3 räumen schliesslich alle Zweifel aus - diese sind "nahezu einfärbig" - aber selbst bei diesen kann man einen Hauch von "hellem Strich" in den Kronblättern erkennen (beim Fotografieren habe ich diese für rein violett gehalten, das ist mir erst zuhause aufgefallen). Ich glaube aber doch, dass eine grössere Zahl von V. hirta durchaus "einfärbig violett" war.
Die Abgrenzung von Viola ambigua ist also jedenfalls ganz leicht und auch eindeutig. Viola pyrenaica kommt in Wien und Niederösterreich nicht vor und wäre wenn dann ausserdem nur schwach behaart; und die ebenfalls stärker behaarten Viola collina (auch in Ostösterreich!) und Viola thomasiana (Westösterreich) duften und haben länger befranste Nebenblätter; Viola collina hat ausserdem das Vorblatt viel höher am Stengel, zumindest in Ostösterreich kann man also selbst dann, wenn man keine "gute Nase" hat, Viola hirta eigentlich mit nichts verwechseln.
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- Viola hirta Exemplar #1 ("zweifärbige" Blüte)
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- Viola hirta Exemplar #1 (tiefliegendes Vorblatt, Behaarung)
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- Viola hirta Exemplar #1 (Nebenblätter mit sehr kurzen Fransen)
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- Viola hirta Exemplar #1 (fehlende Ausläufer)
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- Viola hirta Exemplar #2 (Habitus; nahezu typisch, "fast einfärbig")
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- Viola hirta Exemplar #2 (Behaarung)
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- Viola hirta Exemplar #3 (Habitus; nahezu typisch, "fast einfärbig")
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- Viola hirta Exemplar #3 (Behaarung)
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