Viola odorata x hirta - eine kaum bekannte Veilchenhybride

= Blütenpflanzen
Benutzeravatar
Hermann Falkner
Beiträge: 2084
Registriert: Sonntag 23. Oktober 2016, 20:16
Wohnort: Wien

Re: Viola odorata x hirta - eine kaum bekannte Veilchenhybride

Beitragvon Hermann Falkner » Dienstag 10. April 2018, 20:50

Fall #2 ist schon verdächtiger: zwar habe ich keine Ausläufer feststellen können (ich wollte allerdings nicht den ganzen Buschen ausgraben), Viola hirta wächst aber normalerweise doch eher "einzeln" und nicht in Büscheln, hier ist aber auf einem fast kreisrunden Fleck von rund 40 cm Durchmessern ein Veilchen neben dem anderen gestanden, dicht an dicht - wie es für Viola odorata und Viola suavis (also ausläuferbildende Arten) typisch ist.

Ausserdem bewegen sich die Nebenblätter am "Rand" der in der EfÖLS angegebenen Abmessungen (oder schon jenseits davon): "zulässig" sei nach EfÖLS bei Viola hirta: "NebenB ungefranst od. mit wenigen Fransen, die 1/5 bis 1/4x so lg sind wie die Breite des Mittelfeldes, event. vorhandene Fransen nicht bewimpert". Hier messe ich die längste Franse in einem Verhältnis von circa 1/3 der Breite des Mittelfeldes an jener Stelle, an der es ansitzt - beim "Bewimperungsmerkmal" bin ich mir nicht ganz sicher: zwischen den Fransen gibt es ganz kurze Haare (ca. 1/4x so lang wie die Fransen), und zwar 2-4 (5) solche zwischen 2 Fransen - falls diese "Bewimperung" sind, dann würde dies gegen reine Viola hirta sprechen.

Das Wurzelbild zeigt, dass 2 Veilchen in diesem Buschen übers Rhizom verbunden sind - Oliver schreibt ja oben, dass das nicht "gilt", dh nicht als Ausläufer zählt - wie gesagt erscheint mir aber die Wuchsform sehr verdächtig, auch wenn ich keine Ausläufer feststellen kann.
Das Vorblatt sitzt übrigens tief am Stengel.
Übrigens - diese Exemplare haben definitiv nicht wohlriechend nach Veilchen geduftet; ich habe mir eingebildet, einen leicht unangenehmen Geruch wahrzunehmen - das kann aber auch woanders herrühren; der "klassische" Veilchenduft war jedenfalls ganz sicher nicht vorhanden.

Wenn das keine reine Viola hirta sein sollte, dann wäre wohl am ehesten Viola hirta x suavis denkbar (sicher keine Hybride mit odorata).
Die fleckigen violett-weissen Kronblätter sieht man übrigens auch in diesem Buschen.

Standort übrigens nicht weit weg vom obigen Exemplar, aber auf einem Halbtrockenrasen.
Dateianhänge
20180408-0104_P4080105.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20180408-0104_P4080105.jpg (1.28 MiB) 9239 mal betrachtet
20180408-0109_P4080110.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20180408-0109_P4080110.jpg (849.3 KiB) 9239 mal betrachtet
20180408-0110_P4080111.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20180408-0110_P4080111.jpg (1.1 MiB) 9239 mal betrachtet
20180408-0113_P4080114.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20180408-0113_P4080114.jpg (790.26 KiB) 9239 mal betrachtet
20180408-0117_P4080118.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20180408-0117_P4080118.jpg (1.32 MiB) 9239 mal betrachtet
Zuletzt geändert von Hermann Falkner am Dienstag 10. April 2018, 20:55, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
Hermann Falkner
Beiträge: 2084
Registriert: Sonntag 23. Oktober 2016, 20:16
Wohnort: Wien

Re: Viola odorata x hirta - eine kaum bekannte Veilchenhybride

Beitragvon Hermann Falkner » Dienstag 10. April 2018, 20:54

Nur wenige Meter davon entfernt, aber im harten Auwald, dann ein viel leichter bestimmbares und - nach meinem Dafürhalten - ganz sicher hybridogenes Exemplar (duftend übrigens) - Viola odorata x suavis, hätte ich gesagt, denn:
- Vorblatt knapp unterhalb der Mitte = intermediär, könnte aber auch Viola odorata sein
- Blütenfarbe eindeutig eher die von Viola suavis, zwar mit leicht lila Einschlag, aber definitiv nicht dunkelviolett wie bei odorata und mit sehr deutlich ausgeprägtem weissen Zentrum
- Ausläufer sehr lang und oberirdisch, und bereits im 1. Jahr blühend = Hinweis auf odorata

Solche Exemplare findet man in der Lobau immer wieder.

Einen "klaren Verdachtsfall" auf Viola odorata x hirta hab ich aber nicht gefunden - ich war dann aber wie gesagt irgendwann auch nicht mehr fähig, mich noch auf die Sache zu konzentrieren, nach 3 Stunden intensiven Veilchenstudiums ...
Dateianhänge
20180408-0124_P4080125.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20180408-0124_P4080125.jpg (997.82 KiB) 9238 mal betrachtet

Oliver Stöhr
Beiträge: 3560
Registriert: Freitag 25. November 2016, 20:05
Wohnort: Nussdorf-Debant
Kontaktdaten:

Re: Viola odorata x hirta - eine kaum bekannte Veilchenhybride

Beitragvon Oliver Stöhr » Dienstag 10. April 2018, 21:32

Lieber Hermann,

kann deinen Ausführungen - auch nach einem langen Tag (siehe Lapsus Arabidopsis) - gut folgen und meine, dass Fall 2 V. hirta ist und Fall 3 V. suavis x odorata sein dürfte.

Viele Grüße
Oliver

Benutzeravatar
Hermann Falkner
Beiträge: 2084
Registriert: Sonntag 23. Oktober 2016, 20:16
Wohnort: Wien

Re: Viola odorata x hirta - eine kaum bekannte Veilchenhybride

Beitragvon Hermann Falkner » Mittwoch 11. April 2018, 06:25

Lieber Oliver,
Danke, also doch keine hirta-Hybride!
Ich werd aber weiter danach Ausschau halten.
Lg Hermann

Benutzeravatar
Hermann Falkner
Beiträge: 2084
Registriert: Sonntag 23. Oktober 2016, 20:16
Wohnort: Wien

Re: Viola odorata x hirta - eine kaum bekannte Veilchenhybride

Beitragvon Hermann Falkner » Mittwoch 11. April 2018, 20:31

Lieber Oliver,

vielleicht hab ich doch noch einen "Kandidaten" für Viola odorata x hirta - leider war das ganz am Ende meiner Veilchen-Tour und ich hab bei diesen Exemplaren dann nicht mehr auf Ausläufer überprüft ...
Ich kann die aber ganz leicht noch einmal besuchen, ich wohne ja wenige Kilometer entfernt.

Es waren 2 oder 3 grössere "Buschen" mit mehreren Exemplaren, die besonders üppig waren - deutlich grösser als sicher als Viola hirta bestimmte Exemplare; auch dieser Standort ist ein gepflanzter (hier) Rotföhrenwald, aber nicht ganz so trocken, nahe einem Altarm, aber gut 3 m über Mittelwasserniveau.
An diesem Standort kommen auch Viola odorata und Viola suavis vor (und auch Viola reichenbachiana).

Das Hochblatt sitzt hier leicht unterhalb der Mitte, aber nicht so tief wie üblicherweise bei Viola hirta, die Behaarung entspricht +/- Viola hirta, die Blattspreitenform auch eher, aber vielleicht etwas "rundlicher" als für Viola hirta typisch; die Nebenblätter sehen nicht wirklich anders aus als das oben gepostete (sprich: als Viola hirta). Ausserdem sind diese wie gesagt viel üppiger im Wuchs als alle andren Veilchen an diesem Standort.
Die Kronblätter sind etwas dunkler als bei Viola hirta üblich, intermediär zwischen Viola hirta und Viola odorata - hätte ich gesagt.

Lohnt sich's, die nochmals aufzusuchen, oder ist auch das ganz einfach nur Viola hirta?

LG
Hermann
Dateianhänge
20180408-0187_P4080188.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20180408-0187_P4080188.jpg (1.03 MiB) 9223 mal betrachtet
20180408-0189_P4080190.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20180408-0189_P4080190.jpg (364.29 KiB) 9223 mal betrachtet
20180408-0190_P4080191.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20180408-0190_P4080191.jpg (905.72 KiB) 9223 mal betrachtet
20180408-0191_P4080192.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20180408-0191_P4080192.jpg (986.63 KiB) 9223 mal betrachtet
20180408-0192_P4080193.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20180408-0192_P4080193.jpg (1.1 MiB) 9223 mal betrachtet
20180408-0192_P4080193.jpg
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
20180408-0192_P4080193.jpg (1.1 MiB) 9223 mal betrachtet


Zurück zu „Spermatophyta (Samenpflanzen)“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste