Hitze- und Trocknisstress und -resistenz
- Stefan Lefnaer
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Hitze- und Trocknisstress und -resistenz
Passend zur aktuellen Witterung möchte ich einen entsprechenden Thread aufmachen. Ich hoffe andere machen mit! Wie bekannt, herrscht seit März ein Niederschlagsdefizit, seit Mai sogar ein starkes Niederschlagsdefizit vor, das nur kurzzeitig durch eine Regenperiode gemildert wurde (vgl. hier). Der Jahresanfang war noch kühl, aber nun folgt eine Hitzewelle nach der anderen, was entsprechende Auswirkungen auf die Vegetation hat. Die Böden sind teilweise so hart wie Beton, dass man selbst annuelle Pflanzen mit einem Pflanzenstecher nicht ausgraben kann. Umso interessanter ist es zu sehen, dass manche Arten dem trotzen können und wachsen und blühen als wäre nichts. Gerade auf Ruderalfluren gibt es viele dieser Spezialisten anzutreffen, wie hier an der Brünner Straße:
Echium vulgare wuchert in alter Frische:
Besonders bewundere ich immer den häufigen Steppenroller Falcaria vulgaris, hier flankiert von Ailanthus altissima und Melica transsilvanica (subsp. transsilvanica), der zur großen Halbkugeln mit tausenden kleinen Blüten heranwächst:
Atriplex tatarica hat einen C4-Stoffwechsel, einen Mechanismus der Arten der Wüsten und Halbwüsten, und kann deshalb leichter der Hitze widerstehen:
Hordeum murinum scheint sie nicht so gut zu vertragen, hat aber den Reifezyklus schon abgeschlossen:
Lactuca serriola stellt ihre Laubblätter senkrecht um weniger Sonnenlicht abzubekommen:
Eragrostis minor und Setaria viridis var. viridis sind weitere C4-Pflanzen die der brütenden Hitze des Asphalts standhalten:
Da hatte ich mir dann auch eine Erfrischung verdient und habe auch keinen Wagen gewaschen, ich schwör's:
Echium vulgare wuchert in alter Frische:
Besonders bewundere ich immer den häufigen Steppenroller Falcaria vulgaris, hier flankiert von Ailanthus altissima und Melica transsilvanica (subsp. transsilvanica), der zur großen Halbkugeln mit tausenden kleinen Blüten heranwächst:
Atriplex tatarica hat einen C4-Stoffwechsel, einen Mechanismus der Arten der Wüsten und Halbwüsten, und kann deshalb leichter der Hitze widerstehen:
Hordeum murinum scheint sie nicht so gut zu vertragen, hat aber den Reifezyklus schon abgeschlossen:
Lactuca serriola stellt ihre Laubblätter senkrecht um weniger Sonnenlicht abzubekommen:
Eragrostis minor und Setaria viridis var. viridis sind weitere C4-Pflanzen die der brütenden Hitze des Asphalts standhalten:
Da hatte ich mir dann auch eine Erfrischung verdient und habe auch keinen Wagen gewaschen, ich schwör's:
- Hermann Falkner
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Re: Hitze- und Trocknisstress und -resistenz
Da mach ich doch gern mit ;-) - ich hab erst nur ein paar passende Bilder machen müssen.
Hier mal vom CityGate, die Rasenflächen sind noch mit der Wurzel in dürres Heu verwandelt worden, das alles erinnert eher an Kroatien oder Italien.
Die Kinder lassen sich nicht von der Hitze abschrecken und spielen in den "Käfigen" auf heissem Asphalt, umgeben von einer Steppenlandschaft.
Das hier ist doch tatsächlich Tripleurospermum inodorum, eigentlich eine sehr zähe Pflanze, aber hier doch stark gezeichnet von der Hitze:
Robust wie immer dagegen Lactuca serriola, nicht nur hitzebeständig, sondern auch urinophil:
Hier mal vom CityGate, die Rasenflächen sind noch mit der Wurzel in dürres Heu verwandelt worden, das alles erinnert eher an Kroatien oder Italien.
Die Kinder lassen sich nicht von der Hitze abschrecken und spielen in den "Käfigen" auf heissem Asphalt, umgeben von einer Steppenlandschaft.
Das hier ist doch tatsächlich Tripleurospermum inodorum, eigentlich eine sehr zähe Pflanze, aber hier doch stark gezeichnet von der Hitze:
Robust wie immer dagegen Lactuca serriola, nicht nur hitzebeständig, sondern auch urinophil:
- Stefan Lefnaer
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Re: Hitze- und Trocknisstress und -resistenz
Dramatisch wird es schön langsam für die Landwirtschaft. Hier als Beispiel eine nasse Ackersutte nächst Schleinbach. D.h. nass ist sie sonst normalerweise, inzwischen ist sie komplett ausgetrocknet und der Boden aufgerissen:
Lythrum hyssopifolia, Ranunculus sardous subsp. sardous und Juncus bufonius, die dort wuchern, sitzen inzwischen am Trockenen:
Alisma lanceolatum geht es ähnlich:
Nur die Maulwurfsgrille freut sich vielleicht, weil sie sich in den Rissen verstecken kann:
Die Ackersutte ist zwar für uns wunderschön, bringt aber klarerweise so oder so keinen Ertrag. Auf den "normalen" Feldern rundherum ist es jedoch noch trockener. Gerade auf nicht so guten Böden kümmert die Frucht schütter vor sich hin, das Getreide wird teilweise nicht mehr als 20, 30 cm hoch. Einige Getreideäcker wurden schon vor einer Woche abgeerntet, ungewöhnlich früh.
Lythrum hyssopifolia, Ranunculus sardous subsp. sardous und Juncus bufonius, die dort wuchern, sitzen inzwischen am Trockenen:
Alisma lanceolatum geht es ähnlich:
Nur die Maulwurfsgrille freut sich vielleicht, weil sie sich in den Rissen verstecken kann:
Die Ackersutte ist zwar für uns wunderschön, bringt aber klarerweise so oder so keinen Ertrag. Auf den "normalen" Feldern rundherum ist es jedoch noch trockener. Gerade auf nicht so guten Böden kümmert die Frucht schütter vor sich hin, das Getreide wird teilweise nicht mehr als 20, 30 cm hoch. Einige Getreideäcker wurden schon vor einer Woche abgeerntet, ungewöhnlich früh.
- Carnifex
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Re: Hitze- und Trocknisstress und -resistenz
Hier mein kleiner Beitrag:
Trifolium pratense kommt mit der Dürre anscheinend sehr viel besser zurecht als T. repens (kurz zuvor war das noch eine grüne Weißklee-Fläche...)

Trifolium pratense kommt mit der Dürre anscheinend sehr viel besser zurecht als T. repens (kurz zuvor war das noch eine grüne Weißklee-Fläche...)

- Stefan Lefnaer
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Re: Hitze- und Trocknisstress und -resistenz
Auf der Donauinsel sieht es jetzt schon recht wild aus. Den Bäumen vertrocknet das Laub oder sie werfen es komplett ab. Ich weiß nicht, ob das alle überstehen werden. Hier Prunus avium...
...und Acer pseudoplatanus:
Eryngium campestre als Steppenroller hält ja einiges aus...
...ist teilweise aber auch schon verdorrt:
...und Acer pseudoplatanus:
Eryngium campestre als Steppenroller hält ja einiges aus...
...ist teilweise aber auch schon verdorrt:
- Hermann Falkner
- Beiträge: 1999
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Re: Hitze- und Trocknisstress und -resistenz
Meine Verwandten haben mir übrigens gestern telefonisch versichert, dass es im Mühlviertel gar nicht so trocken gewesen sei, der Juni und Juli wären eigentlich sogar ziemlich nass gewesen ... na der Osten halt jedenfalls nicht. Obwohl die letzte Gewitterfront gar nicht so wenig Regen gebracht hat - da ist aber viel gleich wieder oberflächlich abgeflossen.
Noch ein paar weitere Bilder aus Wien - aus den letzten Tagen, noch vor den Gewittern:
Das hier sollte eigentlich Morus nigra sein; gelappte Blattform siehe baumkunde.de:
An einem Mauerfuss auf der Hitzeinsel um die U1-Station Aderklaaer Str., zwar nordseitig, trotzdem nicht ohne, dass der das dort überlebt!
Auch ein nettes Ensemble - aus der Seestadt, im heissen Schotter neben einer Beton-Leitplanke, der Boden so heiss, dass blossfüssig gehen dort nicht nur wegen des Schotters unangenehm wäre: Carduus acanthoides, Crepis foetida, Echium vulgare
Am Rand der Seestadt hat man einen kleinen Rest des ehemaligen Flugfeldes stehenlassen, auf einer Stelle ist dort ein "Trockenrasenhügel" aufgeschüttet worden: das ist es natürlich nicht, sondern eher ein (sehr trockener!) Ruderalstandort, der auch sehr rasch von einschlägigen Kandidaten besiedelt worden ist: Eryngium campestre, Centaurea stoebe, ...
... und Berteroa incana:
Unweit davon in Essling zeigt sich Polygonatum aviculare wenig beeindruckt von der Dürre, und Sclerochloa dura hat ohnehin seinen Lebenszyklus schon abgeschlossen:
Petrorhagia saxifraga ist hart im Nehmen; das ist eigentlich auch Sedum sexangulare, und die Rosettenblätter sind durchaus auch noch grün, die Blühtriebe hier sind aber frühzeitig schon ausgereift und verdorrt, in "normalen" Jahren sieht man die Art dagegen durchaus auch im Juli noch blühend:
Noch ein paar weitere Bilder aus Wien - aus den letzten Tagen, noch vor den Gewittern:
Das hier sollte eigentlich Morus nigra sein; gelappte Blattform siehe baumkunde.de:
An einem Mauerfuss auf der Hitzeinsel um die U1-Station Aderklaaer Str., zwar nordseitig, trotzdem nicht ohne, dass der das dort überlebt!
Auch ein nettes Ensemble - aus der Seestadt, im heissen Schotter neben einer Beton-Leitplanke, der Boden so heiss, dass blossfüssig gehen dort nicht nur wegen des Schotters unangenehm wäre: Carduus acanthoides, Crepis foetida, Echium vulgare
Am Rand der Seestadt hat man einen kleinen Rest des ehemaligen Flugfeldes stehenlassen, auf einer Stelle ist dort ein "Trockenrasenhügel" aufgeschüttet worden: das ist es natürlich nicht, sondern eher ein (sehr trockener!) Ruderalstandort, der auch sehr rasch von einschlägigen Kandidaten besiedelt worden ist: Eryngium campestre, Centaurea stoebe, ...
... und Berteroa incana:
Unweit davon in Essling zeigt sich Polygonatum aviculare wenig beeindruckt von der Dürre, und Sclerochloa dura hat ohnehin seinen Lebenszyklus schon abgeschlossen:
Petrorhagia saxifraga ist hart im Nehmen; das ist eigentlich auch Sedum sexangulare, und die Rosettenblätter sind durchaus auch noch grün, die Blühtriebe hier sind aber frühzeitig schon ausgereift und verdorrt, in "normalen" Jahren sieht man die Art dagegen durchaus auch im Juli noch blühend:
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