Auswirkungen von Windkraftturbinen auf die Flora

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Stefan Lefnaer
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Auswirkungen von Windkraftturbinen auf die Flora

Beitragvon Stefan Lefnaer » Sonntag 30. März 2025, 21:10

In der Öffentlichkeit werden Windkraftanlagen sehr kontroversiell diskutiert. Manche halten sie für die allerschlimmste und überflüssigste Landschaftsverschandelung und möchten deren Neubau verbieten (zumindest vor der eigenen Haustür) und alle bereits vorhandenen Anlagen wegsprengen. Andere möchten am liebsten überall welche errichten und meinen sie hätten grundsätzlich keinerlei negative Auswirkungen auf die Natur. Was ist nun wahr? Da wir klimaneutrale Energie brauchen und uns zudem nicht von Autokraten wie Putin, Trump und Ölscheichs abhängig machen sollten, benötigen wir wohl derartige Kraftwerke, um erneuerbare Energie in der näheren Umgebung erzeugen zu können. Die Frage ist nun: Sind Windräder schlecht für die Natur und inwiefern oder vielleicht sogar gut und in welcher Hinsicht? Im Bezug auf Vögel und Fledermäuse gibt es schon Forschungen. Betreffend die Flora wäre mir nichts bekannt. Ich gebe aber zu, nicht recherchiert zu haben, weil ich zu faul war. Ohne spezifisches Vorwissen würde ich Folgendes annehmen: wird ein Windrad samt Zufahrswegen an Stelle eines Halbtrockenrasen, eines naturnahen Waldes usw. errichtet, hat es tendenziell negative Auswirkungen. Wird es in einer Intensiv-Agrarwüste gebaut, kann es nur besser werden. Anhand von konkreten Beispielen und Untersuchungen würde ich das gerne hier mit Anderen diskutieren. Für die Salzburger, Tiroler, Vorarlberger, Kärntner und Oberösterreicher im Folgenden ein Foto, damit alle wissen, über was wir überhaupt reden:

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Windturbinen sind mehrere hundert Meter hohe Türme, an denen oben ein vom Wind in Bewegung gesetzter Propeller angebracht ist, der einen Generator antreibt, der wiederum Strom erzeugt. Um die riesigen Teile anliefern zu können, sind breite, befestigte Zufahrtswege vorhanden. Rund um die Windräder befindet meist eine (oft schottrige) Brachfläche, die vom Betreiber von aufkommenden Gebüschen und Bäumen freigehalten wird. Bäume können direkt über dem Betonfundament sowie kaum gedeihen. Manche Räder, wie jenes im Bild, stehen zudem auf einem Kegelstumpf mit recht steilen Böschungen. Unser besonderes Interesse gilt natürlich diesen Brachflächen und Böschungen, wie man getrost vermuten kann.

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Stefan Lefnaer
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Re: Auswirkungen von Windkraftturbinen auf die Flora

Beitragvon Stefan Lefnaer » Sonntag 30. März 2025, 21:24

Heute habe ich mir, mehr durch Zufall, weil ich eigentlich dort im Wald kartieren wollte, vier kürzlich errichtete Windräder nächst Kreuzstetten angesehen. Diese stehen überwiegend in einer Agrarwüste und ich würde in den meisten Fällen ausschließen, dass durch deren Anlage etwas floristisch Wertvolles zerstört worden sein könnte. Ich fühlte mich sofort von den steilen, trockenen, lückigen Böschungen, die offensichtlich viele Frühlingsannuelle beherbergen, magisch angezogen. Diese Böschungen wirken recht naturnah und erinnern an die botanisch oftmals interessanten Böschungen der Leeberge und auch an Eisenbahn- und Straßenböschungen. Durch die rund um die Windturbinen angelegten Brachflächen sind sie auch mehr oder weniger gut vor Herbizid- und Düngereinwehungen aus den Äckern gefeit. Hier ein paar Fotos:

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Re: Auswirkungen von Windkraftturbinen auf die Flora

Beitragvon Stefan Lefnaer » Sonntag 30. März 2025, 21:36

Auf den Böschungen fand ich neben eher häufigen Arten u.a. Veronica triloba  NT  —  L8   T7   K6   F4     R7   N7   S0 :

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Der verehrten Leserschaft ist sicher zudem schon auf den Fotos oben eine gelbblühende Brassicacee aufgefallen, die auf den Sockeln von drei Turbinen massenhaft auftritt:

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Es handelt sich dabei um Erysimum repandum  EN  —  L8   T7   K7   F4     R8   N5   S2 , vertreten sowohl mit winzigen...

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...als auch mittelgroßen Individuen,...

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...die unter den Turbinen zum Himmel streben:

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Re: Auswirkungen von Windkraftturbinen auf die Flora

Beitragvon Stefan Lefnaer » Sonntag 30. März 2025, 21:51

Im ersten hier gebrachten Beispiel überwiegt also das Positive. Ich möchte mir nun heuer weitere Windräder ansehen, als auch die Entwicklung in Kreuzstetten in den Folgejahren. Werden sich weitere seltene Arten ansiedeln? Verschwindet Erysimum repandum wieder, wenn die Böschungen möglicherweise verfilzen? Ich habe mir auch die Frage gestellt, ob es sich um eine Ansalbung handeln könnte. Bekanntlich wurde zwischenzeitlich, neben vielen anderen Dingen, auch die Biodiversität kommodifiziert und, anstatt Mittel für die Erhaltung wertvoller Restlebensräume auszugeben, Geld für Ansaaten ausgegeben. Obwohl die Pflanzenarten über ausgeklügelte, evolutionär entwickelte Ausbreitungsmechanismen verfügen, die in den allermeisten Fällen menschliche Eingriffe überflüssig machen. Verdächtig ist natürlich, dass die Art gleich auf drei Sockeln vorkommt. Andererseits sprechen die sonst vorhandenen Arten und die unregelmäßige Verbreitung des Schöterichs auf den Böschungen aus meiner Sicht gegen eine Ansalbung. Ich konnte die Art zudem schon einmal in Qu. 7464-4 und in den Nachbarquadranten 7464-3 und 7465-3 nachweisen, nur für Qu. 7564-2 ist sie neu. Ich würde daher davon ausgehen, dass die Diasporen entweder mit dem Erdreich eingebracht wurden oder durch Vektoren, z.B. Tiere, die zwischen den Brachflächen hin- und herlaufen, ausgebreitet wurden.

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Re: Auswirkungen von Windkraftturbinen auf die Flora

Beitragvon kurt nadler » Montag 31. März 2025, 01:12

aus der sicht des windparkgutachters in aller kürze und mit botanikschwerpunkt argumentiert:

in der ausgeräumten pannonischen ackerlandschaft führen zuwegungen und stellflächen zu zusätzlichen randlinieneffekten, zu mageren pionierstandorten und so zu erhöhten botanischen potentialen, (bodennah agierende) arthropoden-/insektenarten können davon natürlich ebenfalls unmittelbar profitieren; für das rebhuhn und feldhase sollten grundsätzlich auch positiveffekte überwiegen, sicherlich auch für kleinsäuger.
dies ladet aber auch prädatoren, namentlich greifvögel, als ökologische falle in die gefährliche nähe zu turbinen.

ganz anders schaut es bei den unzähligen gebirgswindparks aus: aus botanischer sicht erfolgen die bauten (pro windpark kilometerlange schotterstraßen, kabelableitungstrassen zusätzlich zu den stellflächen) fast ausschließlich in europarechtlich zu schützenden lebensräumen wie zwergstrauchheiden, mooren und bürstlingsrasen und anderen formationen. standorte gefährdeter oder geschützter arten werden durchwegs in anspruch genommen. es kommt im zuge von bauten und rekultivierungen durchwegs zu florenverfälschungen und ruderalisierungen in zuvor ungestörten biotopkomplexen.

(die wirkung auf flugtiere ist ohnehin überall dramatisch (aus sicht der projektwerber und deren auftragnehmer unerheblich), dies insbesondere weil auch gefährdete und rückgängige arten betroffen sind.)

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Re: Auswirkungen von Windkraftturbinen auf die Flora

Beitragvon Stefan Lefnaer » Montag 31. März 2025, 20:37

Danke für die Einschätzung! Mir erscheint sie allerdings etwas zu verallgemeinernd: im Pannonikum gibt es nicht nur Agrarwüsten und im alpinen Raum gibt es auch vorgeschädigte Bereiche wie Skipisten, Lifttrassen, Autobahnen, Passtraßen, breite Forststraßen usw. und nicht nur seltene, gefährdete Lebensräume. Zumal diese, falls sie durch die Errichtung von Windturbinen in jedem Fall beeinträchtigt werden sollten, gar nicht so selten sein könnten.

Wie auch immer, darum ging es mir gar nicht: mein Intention war eigentlich die anderen Leute hier dazu zu animieren, sich Windkraftwerke aus floristischer Sicht einmal genauer anzusehen.


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