Liebes Forum,
die Wasserfeder, Hottonia palustris, ist in der Steiermark selten. Ich konnte sie bisher erst einmal, 2003, bei den Waldschacher Teichen nahe Wettmannstätten finden. Der Standort ist allerdings bereits lange durch die Anlage eines Wirtschaftsweges vernichtet. Letztes Wochenende konnte ich sie an einem anderen Ort, in einem kleinen Waldteich bei Sicheldorf nahe Bad Radkersburg finden.
Die Wasserfeder, Hottonia palustris, ist eine überwiegend europäische Art, deren Verbreitungsgebiet mit wenigen Vorkommen bis nach Westasien reicht. Sie ist eine ausdauernde Wasserpflanze, die vorwiegend in kalkarmen, stehenden oder langsam fließenden Gewässern mit schlammigem, meist torfigem Untergrund (pH 4,5–7) wächst. Dabei ist sie mit nur wenigen Wurzeln im Gewässergrund verankert. Das Primelgewächs wird als Zierpflanze für Gartenteiche sowie für Aquarien verwendet.
Hottonia palustris gilt in Österreich als stark gefährdet (EN, ehemalige Gefährdungskategorie 2). Die Art kommt in den Bundesländern Burgenland, Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark indigen vor, ist in Salzburg unbeständig und in Wien ausgestorben (Schratt-Ehrendorfer & al. 2022).
Im Burgenland im Quelltümpel Heiligenstock bei Luising sowie im Parallelgraben der Strem bei Rauchwart und Schallendorf (Traxler 1973, Traxler 1974). Weitere Vorkommen befinden sich in Altarmen der Lafnitz zwischen Königsdorf und Rosendorf sowie an der Leitha bei Bruck und Gattendorf (Janchen 1977, Lazowski 1995).
Aus Niederösterreich liegen zahlreiche historische Nachweise vor, unter anderem von Breitensee an der Lainsitz nördlich von Gmünd, zwischen Pöchlarn und Melk, bei Mautern, Grafenwörth, Theiss und Klosterneuburg sowie von der Melk oberhalb Melk, der Traisen bei Herzogenburg, der Thaya bei Rabensburg und der Leitha bei Bruck auf niederösterreichischer und burgenländischer Seite (Janchen 1977). Weitere Nachweise stammen aus den Donauauen bei Wallsee (Grünweis 1977) sowie aus den Marchauen bei Hohenau an der March (Bregant 1984). Neuere Funde gelangen unter anderem bei Drösing und im Pommersee im Marchtal (Barta 2006, Barta 2015), bei St. Pantaleon zwischen Enns und Amstetten (Barta 2020) sowie bei Greifenstein (Reich & Sander 2024).
Auch aus Oberösterreich existieren zahlreiche historische Fundmeldungen, etwa von Sailer (1841) und Duftschmied (1883). Im Innviertel bestand ein autochthones Vorkommen „in einer Pfütze am Kräutlstein am rechten Donauufer“ bei Freinberg (Mayenberg 1875, Vierhapper 1887). Dieser Bestand ist jedoch seit Langem erloschen (Grims 2008). 2002 in einem ehemaligen Donauarm bei Alkoven gefunden (Lugmair 2009). Im Jahr 2008 entdeckte Michael Strauch die Wasserfeder in einem langsam fließenden Quellbach am Fuß der Salzachleite im Mühltal, Gemeinde Überackern (Hohla 2008). Der große Bestand nahm in den folgenden Jahren kontinuierlich zu. Nach einem Hochwasser wurde die Art außerdem einige Kilometer flussabwärts unterhalb der Salzachmündung in einem Bootshafen nachgewiesen, wo sie sich ebenfalls stark ausbreitete. Im Jahr 2015 wurde sie zusätzlich in einem Teich und Wassergraben südlich von Ostermiething festgestellt. Vermutlich wurde die Wasserfeder an der Salzach ursprünglich angesalbt oder mit Fischbesatz eingeschleppt. Bemerkenswert ist, dass sie sich dort bis heute weiter ausbreitet und lokal sogar invasiv verhält, während ihre natürlichen Populationen an der Donau in Oberösterreich vom Aussterben bedroht sind (Hohla & al. 2009). Das Fehlen historischer Nachweise entlang von Salzach und Inn sowie die starke Ausbreitung in diesen Flusssystemen sprechen dafür, dass es sich dort um einen Neophyten handelt (Hohla 2022). Weitere Vorkommen sind aus der Entenlacke bei Pichling bei Linz (Strauß 1997) sowie vom Innufer nordwestlich von Paischen bekannt (Pilsl 2016).
In Salzburg wurde Hottonia palustris bisher nur in künstlich angelegten Gewässern nachgewiesen, nämlich in einem Teich bei Hellweng nahe St. Koloman im Bezirk Hallein (Reich 2018) und in einem Teich bei St. Jakob am Thurn im Tennengau (Pilsl 2022).
In der Steiermark sind historische Vorkommen von Mürnsdorf(?) im Schwarzautal (Fritsch 1929), vom Stainzerbach südlich von Wieselsdorf bei Preding (Aron 1985), von Groß St. Florian, Gussendorf, der Lafnitz östlich von Fürstenfeld, Seibersdorf im Schwarzautal, aus Altwässern der Murauen bei Mureck, von Weixelbaum, südlich von Dietzen sowie von Sicheldorf bekannt (Maurer 1998). Weitere Nachweise stammen von nördlich Hackendran bei Bad Radkersburg (Kolmanitsch 1992) sowie aus den Waldschacher Teichen (unveröff. Eigenfund Griebl 2003).
Aus Wien liegen historische Angaben vom Heustadlwasser im Prater und aus der Lobau vor (z. B. Eichenfeld 1884). Die Art gilt hier heute als ausgestorben beziehungsweise verschollen (Adler & Mrkvicka 2003), allerdings stammt ein jüngerer Nachweis vom Himmelteich im 22. Wiener Gemeindebezirk (Mrkvicka 2010).
Quellen:
ADLER W. & MRKVICKA A. C. (2003): Die Flora Wiens, gestern und heute. Die wildwachsenden Farn- und Blütenpflanzen in der Stadt Wien von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Jahrtausendwende. — Verlag des Naturhistorischen Museums Wien.
Aron A. (1985): Jacq - JACQ - Virtual Herbaria
Barta T. (2006): Jacq - JACQ - Virtual Herbaria
Barta T. (2015): Jacq - JACQ - Virtual Herbaria
Barta T. (2020): Jacq - JACQ - Virtual Herbaria
Bregant E. (1984): Jacq - JACQ – Virtuelle Herbaria
BRITTINGER C. (1862): Flora von Ober-Österreich. — Verh. Zool.-Bot. Ges. Wien 12: 977–1140.
DUFTSCHMID J. (1870, 1876, 1883, 1885): Die Flora von Oberösterreich. — Linz 1/1, 2, 3, 4.
Eichenfeld M. von (1884): Jacq - JACQ – Virtuelle Herbaria
Grims F. (2008): Flora und Vegetation des Sauwaldes und der umgrenzenden Täler von Pram, Inn und Donau – 40 Jahre spä ter. — Stapfia 87: 1-262.
Grünweis F. M. (1977): Jacq - JACQ - Virtual Herbaria
HOHLA M. (2008): Oenothera suaveolens ein Wiederfund und Achillea lanulosa ein Neufund für Österreich sowie weitere Beiträge zur Kenntnis der Flora des Innviertels – Beitr. Naturk. Oberösterreichs 18: 89–114.
Hohla M. (2022): Flora des Innviertels – Stapfia 115 STAPFIA_0115_0001-0720.pdf
HOHLA M., STÖHR O., BRANDSTÄTTER G., DANNER J., DIEWALD W., ESSL F., FIEDERER H., GRIMS F., HÖGLINGER F., KLEESADL G., KRAML A.G., LENGLACHNER F., LUGMAIR A., NADLER K., NIKLFELD H., SCHMALZER A., SCHRATT-EHRENDORFER L., SCHRÖCK C., STRAUCH M. & WITTMANN H. (2009): Katalog und Rote Liste der Gefäßpflanzen Oberösterreichs. – Stapfia 91: 1–324.
Hurck S. (2022): Hottonia palustris – Wasserfeder (Primulaceae), Wasserpflanze des Jahres 2021 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver.13: 206-213. Pflanzenportraet_Hottonia_palustris.pdf
JANCHEN E. (1977): Flora von Wien, Niederösterreich und Nordburgenland — Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien, 758 pp.
Kolmanitsch E. (1992): Jacq - JACQ – Virtuelle Herbaria
Lazowski W. (1995): Zum Vorkommen von Hottonia palustris L. im Verband Oenanthion-Aquaticae Hejny 59 an den Potamalflüssen Lafnitz und March – Sauteria-Schriftenreihe f. systematische Botanik, Floristik u. Geobotanik – 6: 167 - 192.
Linnaeus C. (1753): Species Plantarum, Tomus I. Laurentii Salvii, Holmiae (Stockholm), 560 S: 145 (Erstbeschreibung).
LUGMAIR A. (2009): Beiträge zur Kenntnis der Flora von Oberösterreich, insbesondere zur Verbreitung der Wildrosen BNO_0019_0119-0149.pdf
MAURER W. (1998): Flora der Steiermark. Ein Bestimmungsbuch der Farn- und Blütenpflanzen des Landes Steiermark und angrenzender Gebiete am Ostrand der Alpen in zwei Bänden. Band II/1. Verwachsenkronblättrige Blütenpflanzen (Sympetale). — IHW-Verlag, Eching.
Mayenberg J. (1875): Aufzählung der um Passau vorkommenden Gefässpflanzen. Beitrag zur Flora Niederbayerns. — Jah resber. Naturhistor. Ver. Passau 10: I-X u. 1-114.
Mrkvicka A. (2010): Jacq JACQ – Virtuelle Herbaria
Pilsl P. (2016): Jacq - JACQ - Virtual Herbaria
Pilsl P. (2022): Jacq - JACQ - Virtual Herbaria
Reich D. (2018): Jacq - JACQ – Virtuelle Herbaria
Reich D. & R. Sander (2024): Jacq – JACQ – Virtuelle Herbaria
SAILER F.S. (1841): Die Flora Oberösterreichs, 2 Bde. — Haslinger, Linz.
Strauß V. (1997): Jacq - JACQ - Virtual Herbaria
Traxler G. (1973): Floristische Neuigkeiten aus dem Burgenland (VII) — Burgenländische Heimatblätter 35: 163–171.
TRAXLER G. (1974): Floristische Neuigkeiten aus dem Burgenland (IX) — Burgenländische Heimatblätter 36: 49–59.
Vierhapper F. (1887): Prodromus einer Flora des Innkreises in Oberösterreich. — Jber. d. k.k. Staatsgymn. in Ried I., Bd. 16: 1-37.
Hottonia palustris in der Südsteiermark
- Norbert Griebl
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- Registriert: Donnerstag 20. Oktober 2016, 16:59
Hottonia palustris in der Südsteiermark
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Je größer ein Mensch ist, desto mehr neigt er dazu, sich vor einer Blume niederzuknien
- Hermann Falkner
- Beiträge: 2083
- Registriert: Sonntag 23. Oktober 2016, 20:16
- Wohnort: Wien
Re: Hottonia palustris in der Südsteiermark
Der Fund von Mrkvicka 2010 im Himmelteich, Wien 22, ist bemerkenswert!
Ich wohne dort in der Nähe und von den leicht einsehbaren Stellen hab ich nie eine Hottonia palustris gesehen.
Das Kleingewässer ist eine alte Schottergrube und wilde Deponie, die bis 2001 saniert worden ist:
https://www.diepresse.com/5721159/der-h ... r-seestadt
Die Seerosen, die es dort auch gibt, sind nahezu sicher gepflanzt worden (einzige andre Möglichkeit wäre Verschleppung durch Vögel), sodass ebenso eine Hottonia-Pflanzung vorstellbar wäre.
Beim Fund von Mrkvicka wird S Niklas Eslarn angegeben = nicht sehr genau, denn das trifft für den ganzen Teich zu:
https://jacq.org/detail/194423
Ich werde die Augen offen halten, aber zumindest grosse Bestände gibts dort bestimmt nicht, bzw evtl ist sie inzwischen von dort auch schon wieder verschwunden.
Ich wohne dort in der Nähe und von den leicht einsehbaren Stellen hab ich nie eine Hottonia palustris gesehen.
Das Kleingewässer ist eine alte Schottergrube und wilde Deponie, die bis 2001 saniert worden ist:
https://www.diepresse.com/5721159/der-h ... r-seestadt
Die Seerosen, die es dort auch gibt, sind nahezu sicher gepflanzt worden (einzige andre Möglichkeit wäre Verschleppung durch Vögel), sodass ebenso eine Hottonia-Pflanzung vorstellbar wäre.
Beim Fund von Mrkvicka wird S Niklas Eslarn angegeben = nicht sehr genau, denn das trifft für den ganzen Teich zu:
https://jacq.org/detail/194423
Ich werde die Augen offen halten, aber zumindest grosse Bestände gibts dort bestimmt nicht, bzw evtl ist sie inzwischen von dort auch schon wieder verschwunden.
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