Die Wälder der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
- Stefan Lefnaer
- Beiträge: 4783
- Registriert: Sonntag 18. September 2016, 21:41
- Wohnort: Wien
- Kontaktdaten:
Die Wälder der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Die hier schon mehrfach erwähnte Hollabrunn-Mistelbach-Formation (HMF) ist eine geologische Formation im niederösterreichischen Weinviertel. Die damals deutlich weiter nördlich fließende Urdonau lagerte während des Pannoniums zwischen dem Ausgang der Wachau über Hohenwarth, Ziersdorf, Hollabrunn und weiter nördlich der Leiser Berge über die Waschbergzone entlang der Zaya-Furche bis zum Steinbruchberg im Wiener Becken Sande und Schotter mit bis zu 50 Meter Mächtigkeit ab. Da diese fluvatilen Ablagerungen der ehemaligen Rinnenfüllung widerstandsfähiger als die umgebenden Sedimente der Molassezone sind, hielten sie der Abtragung im Laufe der Zeit besser stand und sind nun als Höhenrücken erhalten (Reliefumkehr). Da dieser teils aus basischen Kalksteinen, teils aus saurem Quarz und sauren Kristallingesteinen bestehende Rücken der HMF schwer zu bewirtschaftende und wenig ertragreiche Böden ausbildete, wurde er nicht ackerbaulich genützt, weshalb er noch heute Großteils mit Wald bestockt ist. (das habe ich von Wikipedia kopiert. Aber ich darf das, da ich diesen Absatz dort verfasst habe)
Auf der folgenden geologischen Karte ist die HMF als oranger annähernd horizontaler Streifen eingezeichnet. Im Osten quert die HMF die ältere, in die rechte obere Bildecke streichende Waschbergzone die zur allochthonen Molasse gehört (lila und dunkelblau) bzw. floß damals die Donau über diese Schwelle hinweg. Noch weiter östlich ergoß sich die Urdonau in einem Delta und formte so einen breiten Schüttkegel im Raum Mistelbach aus.
Hier derselbe Ausschnitt topographisch:
Auf der folgenden geologischen Karte ist die HMF als oranger annähernd horizontaler Streifen eingezeichnet. Im Osten quert die HMF die ältere, in die rechte obere Bildecke streichende Waschbergzone die zur allochthonen Molasse gehört (lila und dunkelblau) bzw. floß damals die Donau über diese Schwelle hinweg. Noch weiter östlich ergoß sich die Urdonau in einem Delta und formte so einen breiten Schüttkegel im Raum Mistelbach aus.
Hier derselbe Ausschnitt topographisch:
- Stefan Lefnaer
- Beiträge: 4783
- Registriert: Sonntag 18. September 2016, 21:41
- Wohnort: Wien
- Kontaktdaten:
Re: Die Wälder der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Der größte Wald in der HMF, überhaupt das größte Waldgebiet des Weinviertels, ist der Glasweiner Wald. Es handelt sich dabei um ein Eichenmischwaldgebiet zwischen Hollabrunn und Ernstbrunn. Der westliche Teil wird Hollabrunner Wald oder Schwarzwald genannt, der mittlere Glasweiner Wald i.e.S., der östliche Ernstbrunner Wald. Ich nenne das gesamte Waldgebiet hier Glasweiner Wald (i.w.S.), da dies das zentrale Teilstück ist. In der folgenden topographischen Karte ist der Glasweiner Wald markiert:
Der Glasweiner Wald ist höchst divers. An vielen Stellen herrschen trockenwarme lichte Eichenwälder vor. Hier ein paar Fotos:


Hier ein Teilbereich mit Carex praecox deckend in der Krautschicht:
Besonders an den Westflanken der Schotterrücken fehlt oft die Streuschicht und Humusauflage komplett und der Schotter steht an. Ich vermute, dass die Blätter durch den meist von Westen einwehenden Wind verblasen werden. Die Böden sind dort meist stark sauer und sehr mager. Außen Eichen wächst dort wohl nicht viel und diese stehen locker und wachsen langsam.
An anderen Stellen liegen am Schotter mächtige Auflagen aus Löss(lehm). Dort sind die Böden deutlich tiefgründiger und fruchtbarer. Leider wurde dies an vielen Stellen genützt um Douglasien und seltener Rotföhren aufzustocken. Diese dürften wohl mehr Holzertrag bringen. Das sieht dann so aus (Beispiele aus dem Schwarzwald):
In der "Krautschicht" kommt dann praktisch nur mehr Clematis vitalba vor, die die Bäume überwuchert:
Als "Pflege" werden in den grauslichen schwarzen Verhau mit schweren Maschinen Schneisen hineingebrochen. Das sieht dann aus, als wäre ein Panzer-Bataillon durchmaschiert:
Man kann nur hoffen, dass hier bald ein Umdenken stattfindet und diese Bereiche wieder renaturiert werden.
Der Glasweiner Wald ist höchst divers. An vielen Stellen herrschen trockenwarme lichte Eichenwälder vor. Hier ein paar Fotos:
Hier ein Teilbereich mit Carex praecox deckend in der Krautschicht:
Besonders an den Westflanken der Schotterrücken fehlt oft die Streuschicht und Humusauflage komplett und der Schotter steht an. Ich vermute, dass die Blätter durch den meist von Westen einwehenden Wind verblasen werden. Die Böden sind dort meist stark sauer und sehr mager. Außen Eichen wächst dort wohl nicht viel und diese stehen locker und wachsen langsam.
An anderen Stellen liegen am Schotter mächtige Auflagen aus Löss(lehm). Dort sind die Böden deutlich tiefgründiger und fruchtbarer. Leider wurde dies an vielen Stellen genützt um Douglasien und seltener Rotföhren aufzustocken. Diese dürften wohl mehr Holzertrag bringen. Das sieht dann so aus (Beispiele aus dem Schwarzwald):
In der "Krautschicht" kommt dann praktisch nur mehr Clematis vitalba vor, die die Bäume überwuchert:
Als "Pflege" werden in den grauslichen schwarzen Verhau mit schweren Maschinen Schneisen hineingebrochen. Das sieht dann aus, als wäre ein Panzer-Bataillon durchmaschiert:
Man kann nur hoffen, dass hier bald ein Umdenken stattfindet und diese Bereiche wieder renaturiert werden.
- Stefan Lefnaer
- Beiträge: 4783
- Registriert: Sonntag 18. September 2016, 21:41
- Wohnort: Wien
- Kontaktdaten:
Re: Die Wälder der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Heute habe ich den östlichen Abschnitt der HMF besucht. Dieser hat in der ÖK50 keinen richtigen Namen. Die "Gipfel" heißen Rosenberg und Hochberg, ein Teil ist als Leiser Wald ausgewiesen. In der Franziszeischen Landesaufnahme wird der schöne Name "Die hohen Berge" (an der höchsten Stelle 320 m!) angeführt. In der folgenden topographischen Karte ist das Waldgebiet eingezeichnet:
Die Wälder dort sind bis auf einige Robinienforste und versprengte Douglasien in einem guten Zustand. Wie auch im Glasweiner Wald besteht der Untergrund aus Schottern und Sanden und die Böden sind daher mager und trocken und oft sauer. Hier ein paar Eindrücke:
Hier eine aus meiner Sicht gut umgesetzte Waldverjüngung mit Überhältern:
Hier noch ein Blick vom südseitigen Waldrand Richtung Westen, d.h. Ernstbrunn und Leiser Berge:
Die Wälder dort sind bis auf einige Robinienforste und versprengte Douglasien in einem guten Zustand. Wie auch im Glasweiner Wald besteht der Untergrund aus Schottern und Sanden und die Böden sind daher mager und trocken und oft sauer. Hier ein paar Eindrücke:
Hier eine aus meiner Sicht gut umgesetzte Waldverjüngung mit Überhältern:
Hier noch ein Blick vom südseitigen Waldrand Richtung Westen, d.h. Ernstbrunn und Leiser Berge:
- Stefan Lefnaer
- Beiträge: 4783
- Registriert: Sonntag 18. September 2016, 21:41
- Wohnort: Wien
- Kontaktdaten:
Re: Die Wälder der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Ganz im Osten fand ich dann heute in den "Hohen Bergen" ein wunderschönes Platzerl mit viel Hierochloe australis
Euphorbia polychroma
Dictamnus albus (beginnt bald zu Blühen) und
Iris variegata
Euphorbia polychroma
Dictamnus albus (beginnt bald zu Blühen) und
Iris variegata
- Stefan Lefnaer
- Beiträge: 4783
- Registriert: Sonntag 18. September 2016, 21:41
- Wohnort: Wien
- Kontaktdaten:
Re: Die Wälder der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Zum Schluss besuchte ich in den "Hohen Bergen" dann noch einen Schotterrücken mit einer kleinen Lichtung.
Als Arten fand ich u.a. Linaria genistifolia (subsp. genistifolia)
und die Säurezeiger Anthoxanthum odoratum
Luzula divulgata und
Viscaria vulgaris vor.
An einer Stelle fehlte der Oberboden komplett und der Schotter stand an:
Auf dieser Fläche eine spärliche aber recht interessante Flora mit weiteren Säurezeigern wie Arabidopsis thaliana
Rumex acetosella (s. lat.)
und Myosotis stricta:
Herzig ist dieses kleine Chenopodium opulifolium, mein erstes für 2020 und überhaupt das erste das ich in einem natürlichen Habitat fand!
Als Arten fand ich u.a. Linaria genistifolia (subsp. genistifolia)
und die Säurezeiger Anthoxanthum odoratum
Luzula divulgata und
Viscaria vulgaris vor.
An einer Stelle fehlte der Oberboden komplett und der Schotter stand an:
Auf dieser Fläche eine spärliche aber recht interessante Flora mit weiteren Säurezeigern wie Arabidopsis thaliana
Rumex acetosella (s. lat.)
und Myosotis stricta:
Herzig ist dieses kleine Chenopodium opulifolium, mein erstes für 2020 und überhaupt das erste das ich in einem natürlichen Habitat fand!
Zurück zu „Konkrete botanische Themen“
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: Baidu [Spider] und 15 Gäste