Euphorbia caesia
- Norbert Sauberer
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Euphorbia caesia
Schon bei meiner Dissertation im Steinfeld im Wiener Becken habe ich mich über diese Wolfsmilch gewundert und sie als Euphorbia esula var.! bezeichnet und angemerkt, dass es eine sehr kleinwüchsige, untypische Sippe aus diesem Verwandtschaftskreis ist (Sauberer 2011). Ich habe sie damals zerstreut in den Trockenrasen und stellenweise häufiger auf den Brandschutzstreifen im militärischen Sperrgebiet gefunden. Durch die Veröffentlichung von Geltmann & Till (2009) wissen wir nun, dass es sich um eine neue Art für Österreich handelt: Euphorbia ceasia. Das eigentliche Verbreitungsgebiet dieser Steppenart reicht vom südwestlichen Russland über Kasachstan bis ins westliche China (Xinjiang). Noch ist vieles unklar: Gibt es diese Art schon seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden in Österreich oder gelang sie erst durch Ferntransport auf russischen Panzerketten oder via Flugzeugen während der Besatzungszeit zu uns? Wie groß ist ihr österreichisches Verbreitungsgebiet und wie verhält sie sich ökologisch? Wie grenzt man sie eigentlich genau gegenüber E. esula und E. cyparissias ab? Hybridisiert sie eventuell mit diesen zwei Arten? (Die Unterscheidung von extrem kleinwüchsigen Formen von E. esula ist auf jeden Fall nicht ganz einfach bzw. könnten dies auch Hybriden sein.) Ist die Nominatsippe im Kerngebiet der Art identisch mit der Sippe in Österreich? Clemens Pachschwöll hat sich diesen Themen schon vor längerer Zeit angenommen und arbeitet nun wieder intensiv an deren Klärung. Angesteckt mit dem Euphorbia caesia-Virus hat er mich zu einer Steinfeld-Tour leicht motivieren können und wir haben an drei Stellen, die nicht im militärischen Sperrgebiet liegen, schöne Populationen dieser Art entdeckt.
Hier nun ein paar Bilder, von dieser noch rätselhaften Art der österreichischen Flora. Zunächst einmal Bilder aus dem militärischen Sperrgebiet, die ich 2014 dort an den Brandschutzstreifen aufgenommen habe.
Sehr ähnlich dazu war ein gestern gefundenes Vorkommen am Rand eines Schotterweges in Eggendorf. Hier haben wir Exemplare von Euphorbia caesia gefunden, die wohl eine Art Maximalgröße erreicht haben.
Charakteristisch ist der nicht oder kaum keilig-verschmälerte Blattansatz, die blaugrüne Färbung und, die für alle aus der esula-Gruppe typischen, mondsichelförmigen bzw. 2-hörnigen Nektardrüsen.
Hier nun ein paar Bilder, von dieser noch rätselhaften Art der österreichischen Flora. Zunächst einmal Bilder aus dem militärischen Sperrgebiet, die ich 2014 dort an den Brandschutzstreifen aufgenommen habe.
Sehr ähnlich dazu war ein gestern gefundenes Vorkommen am Rand eines Schotterweges in Eggendorf. Hier haben wir Exemplare von Euphorbia caesia gefunden, die wohl eine Art Maximalgröße erreicht haben.
Charakteristisch ist der nicht oder kaum keilig-verschmälerte Blattansatz, die blaugrüne Färbung und, die für alle aus der esula-Gruppe typischen, mondsichelförmigen bzw. 2-hörnigen Nektardrüsen.
Zuletzt geändert von Norbert Sauberer am Freitag 15. Mai 2020, 14:55, insgesamt 1-mal geändert.
- Norbert Sauberer
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Euphorbia caesia (Fortsetzung)
Interessant auch das Aussehen der vegetativen Bereicherungstriebe, die eine doch ganz andere Form haben als die von E. cyparissias.
Dahingegen von ganz zwergiger Art ist ein Vorkommen von E. caesia in einem Bereich des Steinfeld-Trockenrasens, der niemals umgebrochen wurde.
Zum Abschluss noch ein Foto von einem vegetativen Trieb aus dem militärischen Sperrgebiet. Hier sind die Laubblätter deutlich länger als die Stängelblätter bei den blühenden Individuen.
Dahingegen von ganz zwergiger Art ist ein Vorkommen von E. caesia in einem Bereich des Steinfeld-Trockenrasens, der niemals umgebrochen wurde.
Zum Abschluss noch ein Foto von einem vegetativen Trieb aus dem militärischen Sperrgebiet. Hier sind die Laubblätter deutlich länger als die Stängelblätter bei den blühenden Individuen.
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kurt nadler
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Re: Euphorbia caesia
danke, suchbild wird abgespeichert! bislang bewusst jedenfalls nix derartiges gesehen. wär mir wohl aufgefallen. war aber auch noch nie im "richtigen" steinfeld.
- Norbert Sauberer
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Re: Euphorbia caesia
Gibt es auch nur im Steinfeld im Wiener Becken. Sonst ist diese Art in Österreich bisher nirgendwo aufgetaucht.
- Norbert Sauberer
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Re: Euphorbia caesia
Clemens bei der Arbeit
Mit Erlaubnis der Bewirtschafter (Familie Frank) haben wir die große Untereggendorfer Weide (mit Waldviertler Blondvieh bestoßen) betreten dürfen. Ziemlich schnell wurden wir fündig und konnten auch dort E. caesia entdecken. Dieses Gebiet wurde zwar einst großteils schon einmal umgeackert, aber kleinere Bereiche bestehen aus niemals umgepflügten primären Trockenrasen.
Mit Erlaubnis der Bewirtschafter (Familie Frank) haben wir die große Untereggendorfer Weide (mit Waldviertler Blondvieh bestoßen) betreten dürfen. Ziemlich schnell wurden wir fündig und konnten auch dort E. caesia entdecken. Dieses Gebiet wurde zwar einst großteils schon einmal umgeackert, aber kleinere Bereiche bestehen aus niemals umgepflügten primären Trockenrasen.
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kurt nadler
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Re: Euphorbia caesia
alles klar.
einzigartige landschaft dort, auch ohne endlose federgrassteppe!
einzigartige landschaft dort, auch ohne endlose federgrassteppe!
- Hermann Falkner
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Re: Euphorbia caesia
Super Artportrait, hab die auch noch nicht gekannt (bzw nicht gewusst, dass es die gibt).
Die bisherigen Exkursionen ins Sperrgebiet hab ich immer versäumt, und so kenn ich mich dort gar nicht aus.
Die bisherigen Exkursionen ins Sperrgebiet hab ich immer versäumt, und so kenn ich mich dort gar nicht aus.
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