Salix appendiculata x caprea

= Blütenpflanzen
Oliver Stöhr
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Salix appendiculata x caprea

Beitragvon Oliver Stöhr » Sonntag 31. Mai 2020, 08:58

Liebes Forum,

gestern habe ich an der Isel bei Ainet einen rd. 3 m hohen Strauch gesichtet, den ich aufgrund der Blattausprägung als Salix appendiculata x caprea (S. x macrophylla A. Kerner) ansprechen würde. Für mich sind die Blätter recht deutlich intermediär zwischen den Eltern stehend ausgebildet. Die Beteiligung von appendiculata erkenne ich in der länglichen Blattform und darin, dass die größte Blattbreite oft etwas über der Blattspreitenmitte liegt; auch sind die Primärblätter etwas gezähnelt und am Rand runzelig. Die Beteiligung von caprea ist in der deutlich größeren Blattbreite, in der apikalen Zuspitzung der Blätter (die Spitzen sind zudem "verdreht") und unterseits in der dichteren Behaarung zu erkennen. Die Anzahl der Seitennervenpaare entspricht wiederum besser appendiculata. Auffallend ist der rel. lange Blattstiel und das Fehlen von Nebenblättern, das Mark ist braun. Kätzchen waren nicht ausgebildet.
Anbei ein paar Fotos, wobei am letzten ein Blatt-Vergleich mit den Elternarten, die an der Isel häufig wachsen, zu sehen ist.
Hörandl et al. (2002; Weiden in Österreich und angrenzenden Gebieten) schreiben, dass diese Hybride zu den schwer erkennbaren Weiden-Bastarden zählt, aber relativ häufig und v.a. an Forststraßen zu finden ist. Angaben aus Tirol liegen bereits vor (vgl. Polatschek-Flora).

Viele Grüße
Oliver
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Blattvergleich mit den Elternarten (obere Reihe Blattoberseiten, untere Reihe Blattunterseite): caprea (links), Hybride (mitte), appendiculata (rechts); Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
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kurt nadler
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Re: Salix appendiculata x caprea

Beitragvon kurt nadler » Sonntag 31. Mai 2020, 09:48

schön dargestellt!

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Norbert Griebl
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Re: Salix appendiculata x caprea

Beitragvon Norbert Griebl » Sonntag 31. Mai 2020, 11:05

Schöner Fund.
Über die Hybride habe ich zusammengestellt (in der Hoffnung, dass daraus mal "Die Hybriden Österreichs" wird):
Salix appendiculata × S. caprea (= Salix ×macrophylla)
NÖ, OÖ, S, St, T, V.
NEILREICH (1866: 38, als Salix grandifolio-caprea): Niederösterreich: Alpl des Schneebergs (Neilreich), zwischen Hohenberg und St. Ägyd (Kerner), an der Erlauf bei Scheibbs (Kerner), am Grubberg bei Gaming (Kerner).
HINTERHUBER & PICHLMAYR (1899): Salzburg: Auf steinigem Boden der Schiefergebirge auf Kalklager, im Pinzgau nicht selten (Dr. Saut.).
HAYEK (1911): Steiermark: Unterscheidet sich von Salix caprea durch dünner filzige Blätter mit einer größeren Zahl von Seitennerven und deutlicher vorspringendem Adernetz sowie den deutlichen Griffel, von S. grandifolia durch die kahlen einjährigen Äste, mehr elliptische, unterseits filzige Blätter und reicher beblätterte Kätzchenstiele. Unter den Stammeltern, bisher nur ein weiblicher Strauch auf dem Plabutsch (Bainer!) und bei St. Leonhard bei Graz (Maly!). Angeblich auch bei Murau und im Schöttelgraben bei Oberwölz (Krasan). Nachtrag: Im Kaltenbachgraben bei Spital (Rechinger).
NEUMAYER (1929): Steiermark: bei Altaussee, Aussee und Kainisch (Karl Rechinger sen.).
JANCHEN (1956–1960: 109): NÖ, OÖ, St, Sb, Ti, auch OTi, Vb; häufig.
LEEDER & REITER (1958): Salzburg: Mit den Eltern, bes. im Oberpinzgau, nicht selten (Sauter u. a.).
LEUTE (1973: 418): Kärnten: Beim Wasserfall in St. Lorenzen im Gitschtal, G. Leute.
JANCHEN (1977: 61): Niederösterreich: mäßig häufig, Voralpengebiet der Kalkalpen und des Wechselgebiets.
SCHEFCZIK (1978): Niederösterreich: Bei Beck 1890:289 unter S. dendroides A. et J. Kerner = S. grandifolia x S. caprea „am Alpl des Gahns". P, Kalk.
WAGENITZ (1981: 127): Im gemeinsamen Verbreitungsgebiet der Stammarten eine häufige Hybride, so in Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark, Salzburg, Tirol und Vorarlberg.
HARTL & al. (1992: 403): Kärnten: Fund von nach 1945: 9345/2 Südwestkärnten. Funde von zwischen 1900 und 1945: 9148/4 Zentralkärnten; 9351/4 Ostkärnten. Fund von vor 1900: 9348/3 Zentral-Kärnten.
MAURER (1996: 48): Steiermark.
DENK (1999: 106): Steiermark: 8550/3 Walchengraben und 8650/1 Gumpeneck in den Wölzer Tauern.
POLATSCHEK (2001: 66): Nordtirol: Bollbichl bei Bad Häring, Gnadenwald, beim „Hackl“ in Hall in Tirol, Halltal-Eingang, Innufer bei Kranebitten, Kranebittner Klamm bei Innsbruck, Zirl, Martinswand bei Zirl, Finstermünz-Schlucht, Bergisel und Mentlberg bei Innsbruck, Rothenbrunn, Zenzenhof gegen Unterberg im Silltal, Kundler Klamm, unterhalb Vilsalpsee, Isstal bei Hall in Tirol, Brandenberger Tal, Hintersteiner See bei Kufstein, Buchensteinwand bei Fieberbrunn, Kühtai, Stollensteig bei Mieders, Nedertal bei Kreith. Osttirol: Rabant Berg bei Nörsach, Innervillgraten, zwischen Tafintal und Oberhofer Alpe bei Innervillgraten, unter dem Nibitzerhof bei Lienz, Matrei. Vorarlberg: Pfänder und Lohorn bei Bregenz, Schloss Amberg bei Feldkirch, Hohenems, Letze bei Feldkirch, Reute bei Bregenz, zwischen Beschling und Rabenstein, Frastanz, Spondenwald bei Frastanz, Gstütalpe bei Lech am Arlberg, Satteinser Berg bei Feldkirch, Stuben am Arlberg, zwischen Brand und Parpfienz, Fellengatter-Älple bei Feldkirch.
STÖHR (2020): Osttirol: Ainet, Isel-Ufer, 30.5.2020.

LG Norbert

Quellen:
DENK T. (1999): Die Flora des Gumpenecks und des Walchengrabens in den Wölzer Tauern (Steiermark) – Joannea Botanik 1: 27–114.
HARTL H., KNIELY G., LEUTE G.H., NIKLFELD H. & M. PERKO (1992): Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Kärntens. — Klagenfurt, 451 S.
HAYEK A. (1911): Flora von Steiermark I. Band - Graz: Bornträger, 1908-1911, 1271 pp
HÖRANDL E., FLORINETH F. &HADACEK F. (2002): Weiden in Österreich und angrenzenden Gebieten. — Univ. Bodenkultur, Wien.
JANCHEN E. (1956–1960, 1963, 1964, 1966, 1967): Catalogus Florae Austriae (dazu 1., 2. und 3. Ergänzungsheft und Generalindex). — Springer, Wien.
JANCHEN E. (1977): Flora von Wien, Niederösterreich und Nordburgenland, 2.Auflage – Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. 758 S.
KNIELY G, LEUTE G. H. & MAURER W. (2006): Die Flora des Klopeiner Hügellandes und seiner Umgebung in Kärnten – Carinthia II 196_116: 425–482.
LEUTE G. H. (1973): Nachträge zur Flora von Kärnten III. – Carinthia II 163_83: 389–424.
MAURER W., K. MECENOVIC & H. PITTONI-DANNENFELDT (1975): Die Flora von Pischelsdorf und Stubenberg (Steiermark, Österreich) — Mitt. der Abteilung für Botanik am Landesmuseum Joanneum in Graz 47: 1–60.
MAURER W. (1996): Flora der Steiermark. Band I. Farnpflanzen (Pteridophyten) und freikronblättrige Blütenpflanzen (Apetale und Dialypetale). – Eching: IHW-Verlag; 311 S.
NEILREICH A. (1859): Flora von Nieder-Österreich Theil 1 – Carl Gerold´s Sohn, Wien.
NEILREICH A. (1866): Nachträge zur Flora von Nieder-Österreich – K. K. zoologisch-botanische Gesellschaft in Wien.
NEUMANN A. & POLATSCHEK A. (1974): Cytotaxonomischer Beitrag zur Gattung Salix - Ann. Naturhist. Mus. Wien 76: 619-633
POLATSCHEK A. (2001): Flora von Nordtirol, Osttirol und Vorarlberg, Bd. 4. — Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck. 1083 S.
POLATSCHEK A. & NEUNER W. (2013): Flora von Nordtirol, Osttirol und Vorarlberg, Band 7 – Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, 821 S.
SCHEFCZIK J. (1978): Zur Kenntnis der Pflanzedecke des „Gahns-Gebeites“ – Mitt. der Abt. Bot. am Landesmuseum Joanneum in Graz. Heft 8/9 (49/50). 229 S.
STÖHR O., P. PILSL, F. ESSL, M. HOHLA & C. SCHRÖCK (2007): Beiträge zur Flora von Österreich, II – Linzer biol. Beitr. 39/1: 155–292.
STÖHR O. (2020): Salix appendiculata x caprea - viewtopic.php?f=10&t=2270
WAGENITZ G. (1981): in Gustav HEGI – Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band III, Teil 1, 3.Auflage. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg. 504 S.

Je größer ein Mensch ist, desto mehr neigt er dazu, sich vor einer Blume niederzuknien

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Re: Salix appendiculata x caprea

Beitragvon kurt nadler » Sonntag 31. Mai 2020, 12:54

hybriden - damit wirst du eine tolle nische füllen!!
ich nehm das als inspiration mit, auf dieses mich sehr interessierende thema noch verstärkt zu achten. leider mit der einschränkung, dass der themenbereich feldbotanisch ziemlich (sehr) spekulativ bleibt. aber gute (labor-)forschungsanregung!

Oliver Stöhr
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Re: Salix appendiculata x caprea

Beitragvon Oliver Stöhr » Sonntag 31. Mai 2020, 19:50

"Hybriden in Österreich" - das wär schon was - und zugleich eine echte Lebensaufgabe ;-)
Danke an Norbert für diese feine Zusammenstellung, nur eine Anmerkung: in unserer Arbeit (Stöhr et al. 2007) haben wir seinerzeit nicht über diese Hybride berichtet, sondern über andere ...
@Kurt: Gerade Weiden-Hybriden sind tw. sicherlich eine harte Nuss, aber viele andere Hybriden sind mE nicht spekulativ und gehören zur flor. Erforschung dazu!

Viele Grüße
Oliver

PS: das Blatt auf dem Foto habe ich natürlich nicht angespuckt (wäre ja gerade in Corona-Zeiten verpönt ;-)) sondern derzeit sind die Weiden bei uns voll mit Schaumzikaden ...


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