"Phyteuma spicatum ssp. coeruleum" im Virgental
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Oliver Stöhr
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"Phyteuma spicatum ssp. coeruleum" im Virgental
Liebe alle,
hier noch ein kurzer kritischer Beitrag zu bläulich blühenden "Phyteuma spicatum"-Formen, die ich vorgestern in der hochmontanen Stufe im Virgental (Osttirol) am Aufstieg zur Bergersee-Hütte recht zahlreich in lichten Nadelwäldern angetroffen habe. Diese werden in der EFÖLS aufgund ihrer Blütenfarbe als "ssp. coeruleum " gegen die typische weißblühende ssp. spicatum abgetrennt.
Ich setze hier bewusst Phyteuma spicatum und diese Subspecies unter Anführungszeichen, da ich bei den angetroffenen Individuen eher an hybridogene Einflüsse (bzw. Hybridschwärme) glaube und weniger an diese (für mich zweifelhafte) Unterart. Zur Erläuterung: Im Gebiet kommt auch Phyteuma ovatum vor, die sich im Regelfall durch schwarzviolette Blüten von P. spicatum ssp. spicatum unterscheidet. Und jetzt wirds konfus: In der EFÖLS steht bei dieser Art, dass diese in Hochlagen auch gelblich-weiße Kronen haben kann. Diese Anmerkung dürfte noch auf A. Polatschek zurückgehen, der schon bei einer früheren Botanikertagung in Wien diese (seine) Geländeerfahrung angemerkt hat. Nun stellt sich aber die Frage, wie solche weißlich blühenden ovatum-Formen dann von typischem spicatum abzutrennen sind, zumal es außer der Blütenfarbe keine anderen Unterschiedungsmerkmale gibt bzw. mir bekannt sind. Und weiters: Warum sollte es nicht Kreuzungen zwischen ovatum und spicatum geben, die ev. als Resultat die "ssp. coeruleum" darstellen?
Bei den von mir angetoffenen Formen variiert der Blauton von hellblau bis lila (siehe Bilder), was für mich die Hybridthese erhärtet. Habt ihr Erfahrungen mit diesen Formen?
Viele Grüße
Oliver
hier noch ein kurzer kritischer Beitrag zu bläulich blühenden "Phyteuma spicatum"-Formen, die ich vorgestern in der hochmontanen Stufe im Virgental (Osttirol) am Aufstieg zur Bergersee-Hütte recht zahlreich in lichten Nadelwäldern angetroffen habe. Diese werden in der EFÖLS aufgund ihrer Blütenfarbe als "ssp. coeruleum " gegen die typische weißblühende ssp. spicatum abgetrennt.
Ich setze hier bewusst Phyteuma spicatum und diese Subspecies unter Anführungszeichen, da ich bei den angetroffenen Individuen eher an hybridogene Einflüsse (bzw. Hybridschwärme) glaube und weniger an diese (für mich zweifelhafte) Unterart. Zur Erläuterung: Im Gebiet kommt auch Phyteuma ovatum vor, die sich im Regelfall durch schwarzviolette Blüten von P. spicatum ssp. spicatum unterscheidet. Und jetzt wirds konfus: In der EFÖLS steht bei dieser Art, dass diese in Hochlagen auch gelblich-weiße Kronen haben kann. Diese Anmerkung dürfte noch auf A. Polatschek zurückgehen, der schon bei einer früheren Botanikertagung in Wien diese (seine) Geländeerfahrung angemerkt hat. Nun stellt sich aber die Frage, wie solche weißlich blühenden ovatum-Formen dann von typischem spicatum abzutrennen sind, zumal es außer der Blütenfarbe keine anderen Unterschiedungsmerkmale gibt bzw. mir bekannt sind. Und weiters: Warum sollte es nicht Kreuzungen zwischen ovatum und spicatum geben, die ev. als Resultat die "ssp. coeruleum" darstellen?
Bei den von mir angetoffenen Formen variiert der Blauton von hellblau bis lila (siehe Bilder), was für mich die Hybridthese erhärtet. Habt ihr Erfahrungen mit diesen Formen?
Viele Grüße
Oliver
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- Jürgen Baldinger
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Re: "Phyteuma spicatum ssp. coeruleum" im Virgental
Käme die bräunlich- bis bläuliche Narbenfarbe bei Deinem Fund somit von ovatum? Bei spicatum subsp. spicatum sind die Narben ja grünlich-weiß. Waren die Grundblätter gefleckt?
"(...) gib ihnen noch zwei südlichere Tage (...)"
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Oliver Stöhr
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Re: "Phyteuma spicatum ssp. coeruleum" im Virgental
Ja, meines Erachtens kommt die (variierende) bläulich-lila Farbgebung von ovatum, von der ich unten noch ein Foto aus dem nahen Umbaltal anhänge. Die Blätter sind durchgehend ungefleckt.
Ich habe inzwischen folgende Internetseite ausfindig gemacht, welche m.E. die gleichen Formen zeigt und diese auch als Hybriden zwischen ovatum und spicatum tituliert: http://www.guidobrusa.info/2014/05/phyt ... vatum.html
Dort werden auch die Grundblätter beider Arten gezeigt, wobei die Hybride in der Blattzähnung und der Form des herzförmigen Blattgrundes eine Mittelstellung zeigt; offenbar unterscheiden sich die beiden Arten doch stärker auch in den Grundblättern, was aber im Schlüssel der EFÖLS so nicht rauskommt (wäre dann was für die nächste Auflage).
Und übrigens soll sich auch Ph. nigrum mit Ph. spicatum kreuzen (Ph. x adulterinum), was ähnliche Blütenfarben ergeben dürfte und ev. tw. die "ssp. coeruleum" von Ph. spicatum in anderen Gebieten erklären könnte ...
Viele Grüße
Oliver
Ich habe inzwischen folgende Internetseite ausfindig gemacht, welche m.E. die gleichen Formen zeigt und diese auch als Hybriden zwischen ovatum und spicatum tituliert: http://www.guidobrusa.info/2014/05/phyt ... vatum.html
Dort werden auch die Grundblätter beider Arten gezeigt, wobei die Hybride in der Blattzähnung und der Form des herzförmigen Blattgrundes eine Mittelstellung zeigt; offenbar unterscheiden sich die beiden Arten doch stärker auch in den Grundblättern, was aber im Schlüssel der EFÖLS so nicht rauskommt (wäre dann was für die nächste Auflage).
Und übrigens soll sich auch Ph. nigrum mit Ph. spicatum kreuzen (Ph. x adulterinum), was ähnliche Blütenfarben ergeben dürfte und ev. tw. die "ssp. coeruleum" von Ph. spicatum in anderen Gebieten erklären könnte ...
Viele Grüße
Oliver
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- Hermann Falkner
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Re: "Phyteuma spicatum ssp. coeruleum" im Virgental
Hallo Oliver,
zu Phyteuma nigrum und möglicher Kreuzung mit Ph. spicatum:
Im Internet finde ich dazu z. B. Nennung für Winterberg im Sauerland (Nordrhein-Westfalen), wo beide Arten vorkommen; ich bin mir aber nicht sicher, ob es die auch bei uns gibt - denn Phyteuma nigrum ist bei uns auf den nordwestlichsten Teil von Österreich beschränkt - auf die Region, in der ich aufgewachsen bin ;-) - und dort ist Phyteuma spicatum bestenfalls selten, falls überhaupt vorhanden, da bin ich mir nicht sicher.
Phyteuma nigrum kommt jedenfalls im Sauwald und insbes. im westlichen = Oberen Mühlviertel vor (laut Flora im ganzen Mühlviertel + westlichem Waldviertel; im Unteren Mühlviertel und im Waldviertel aber glaub ich seltener); ich kann mich nicht erinnern, dort auch schon Phyteuma spicatum gesehen zu haben - wird es wohl schon geben, gehört aber dort sicher nicht zu den häufigeren Arten, am ehesten noch im Böhmerwald, würde ich vermuten.
Mangels Überschneidung der Vorkommen (oder nur marginaler Überschneidung) könnte die Hybride also in Österreich sehr selten sein, oder auch fehlen.
Die Häufigkeitsangabe in der Flora (für nigrum, versteht sich) ist übrigens "selten", was fürs westliche Mühlviertel noch immer nicht zutrifft - die Art ist dort früher auf Fettwiesen massenhaft aufgetreten, mit dem Einsetzen der Silowirtschaft ist sie aber viel seltener geworden, denn in Wiesen, die 4x oder öfter gemäht werden, verschwindet die Art sehr schnell.
Trotzdem ist sie im westlichen Mühlviertel immer noch "zerstreut" zu finden, könnte man sagen, so viele "naturnahere" Standorte gibt es noch.
LG
Hermann
PS - weil viele in diesem Forum Phyteuma nigrum womöglich gar nicht kennen - ein Bild angehängt (vom 24.05.2015, Oberes Mühlviertel, unweit Sarleinsbach, feuchte Fettwiese, ca. 600 msm)
zu Phyteuma nigrum und möglicher Kreuzung mit Ph. spicatum:
Im Internet finde ich dazu z. B. Nennung für Winterberg im Sauerland (Nordrhein-Westfalen), wo beide Arten vorkommen; ich bin mir aber nicht sicher, ob es die auch bei uns gibt - denn Phyteuma nigrum ist bei uns auf den nordwestlichsten Teil von Österreich beschränkt - auf die Region, in der ich aufgewachsen bin ;-) - und dort ist Phyteuma spicatum bestenfalls selten, falls überhaupt vorhanden, da bin ich mir nicht sicher.
Phyteuma nigrum kommt jedenfalls im Sauwald und insbes. im westlichen = Oberen Mühlviertel vor (laut Flora im ganzen Mühlviertel + westlichem Waldviertel; im Unteren Mühlviertel und im Waldviertel aber glaub ich seltener); ich kann mich nicht erinnern, dort auch schon Phyteuma spicatum gesehen zu haben - wird es wohl schon geben, gehört aber dort sicher nicht zu den häufigeren Arten, am ehesten noch im Böhmerwald, würde ich vermuten.
Mangels Überschneidung der Vorkommen (oder nur marginaler Überschneidung) könnte die Hybride also in Österreich sehr selten sein, oder auch fehlen.
Die Häufigkeitsangabe in der Flora (für nigrum, versteht sich) ist übrigens "selten", was fürs westliche Mühlviertel noch immer nicht zutrifft - die Art ist dort früher auf Fettwiesen massenhaft aufgetreten, mit dem Einsetzen der Silowirtschaft ist sie aber viel seltener geworden, denn in Wiesen, die 4x oder öfter gemäht werden, verschwindet die Art sehr schnell.
Trotzdem ist sie im westlichen Mühlviertel immer noch "zerstreut" zu finden, könnte man sagen, so viele "naturnahere" Standorte gibt es noch.
LG
Hermann
PS - weil viele in diesem Forum Phyteuma nigrum womöglich gar nicht kennen - ein Bild angehängt (vom 24.05.2015, Oberes Mühlviertel, unweit Sarleinsbach, feuchte Fettwiese, ca. 600 msm)
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Oliver Stöhr
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Re: "Phyteuma spicatum ssp. coeruleum" im Virgental
Hallo Hermann,
danke für deine Anmerkungen, die ich mehrheitlich teile.
Auch ich bin in einem Gebiet aufgewachsen, wo Phyteuma nigrum, aber auch Ph. spicatum (wenn auch nicht recht häufig) auftritt, nämlich im Hausruck-Kobernausserwaldgebiet in OÖ.. Ph. spicatum ist dort auf frische, mit Basen versorgten Laubwaldreste beschränkt, Ph. nigrum hingegen auf extensive Mäh- und Feuchtwiesen. Hybriden bzw. bläulich blühende Formen habe ich dort nie gefunden.
Das Mühlviertel kenne ich nur teilweise, aus meiner Erinnerung und dem aktuellen Hörensagen nach ist Ph. nigrum dort auch keinesfalls mehr häufig; auch im Kobernaußerwaldgebiet ist sie schon eine echte Seltenheit, weil - wie du richtig schreibst - die Wiesen mehrheitlich zugegüllt bzw. für diese Art zu oft gemäht werden. Die Art wird sicher in der derzeit von Harald Niklfeld, Luise Schratt-Ehrendorfer, Christian Schröck und mir durchgeführten Neubearbeitung der Roten Liste Österreichs eine höhergradige Rote-Liste-Art werden. Derzeit gilt sie ja als "gefährdet" (Stufe 3), aber vermutlich ist sie nun schon "stark gefährdet" (Stufe 2).
Was die ovatum bei uns in Osttirol anbelangt, so ist auch diese keinesfalls als häufig einzustufen, in der Abundanz quasi ein Pendant zur außeralpinen Ph. nigrum bzw. tw. auch Ph. spicatum. Aber für eine Hybridisierung müssen ja nicht immer alle Elternarten recht häufig sein. Vermutlich ist auch die "ssp. coeruleum" i.d.R. eine Seltenheit (deren Häufigkeit wird ja leider in der EFÖLS nicht angeführt) ...
Beste Grüße
Oliver
danke für deine Anmerkungen, die ich mehrheitlich teile.
Auch ich bin in einem Gebiet aufgewachsen, wo Phyteuma nigrum, aber auch Ph. spicatum (wenn auch nicht recht häufig) auftritt, nämlich im Hausruck-Kobernausserwaldgebiet in OÖ.. Ph. spicatum ist dort auf frische, mit Basen versorgten Laubwaldreste beschränkt, Ph. nigrum hingegen auf extensive Mäh- und Feuchtwiesen. Hybriden bzw. bläulich blühende Formen habe ich dort nie gefunden.
Das Mühlviertel kenne ich nur teilweise, aus meiner Erinnerung und dem aktuellen Hörensagen nach ist Ph. nigrum dort auch keinesfalls mehr häufig; auch im Kobernaußerwaldgebiet ist sie schon eine echte Seltenheit, weil - wie du richtig schreibst - die Wiesen mehrheitlich zugegüllt bzw. für diese Art zu oft gemäht werden. Die Art wird sicher in der derzeit von Harald Niklfeld, Luise Schratt-Ehrendorfer, Christian Schröck und mir durchgeführten Neubearbeitung der Roten Liste Österreichs eine höhergradige Rote-Liste-Art werden. Derzeit gilt sie ja als "gefährdet" (Stufe 3), aber vermutlich ist sie nun schon "stark gefährdet" (Stufe 2).
Was die ovatum bei uns in Osttirol anbelangt, so ist auch diese keinesfalls als häufig einzustufen, in der Abundanz quasi ein Pendant zur außeralpinen Ph. nigrum bzw. tw. auch Ph. spicatum. Aber für eine Hybridisierung müssen ja nicht immer alle Elternarten recht häufig sein. Vermutlich ist auch die "ssp. coeruleum" i.d.R. eine Seltenheit (deren Häufigkeit wird ja leider in der EFÖLS nicht angeführt) ...
Beste Grüße
Oliver
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