"Phyteuma spicatum ssp. coeruleum" im Virgental
- Clemens Pachschwöll
- Beiträge: 23
- Registriert: Donnerstag 20. Oktober 2016, 16:53
- Wohnort: Krems und Wien
Re: "Phyteuma spicatum ssp. coeruleum" im Virgental
Liebe Leute,
Nachdem bei uns gerade ein Phyteuma-Projekt anläuft, kann ich dazu etwas sagen, siehe auch: https://www.uibk.ac.at/botany/staff/pub ... ter/66.pdf
1. Phyteuma nigrum und spicatum sind morphologisch und genetisch gut geschieden, können aber hybridisieren was man gut an der versch. Blauabstufungen sieht. In Österreich sind solche Hybriden selten, weil sich spicatum und nigrum nur selten treffen (z.B. Mühlviertel), aus Tschechien oder Deutschland aber gut belegt.
http://botany.cz/cs/phyteuma-adulterinum/
2. Phyteuma spicatum und ovatum sind morphologisch und genetisch nicht gut geschieden, was man eh schon länger weiß (Huber 1988). Phylogenetisch bilden sie einen Klade und populationsgenetische Untersuchungen werden gerade gemacht. Wahrscheinlich wären sie besser als Unterarten oder Varietäten einzustufen, was für die meisten Leute aufgrund der Farbunterschiede schwer zu glauben ist, aber alle andere Merkmale nicht gut, nicht stabil sind. Belege von Hybridpopulationen aus den Alpen habe ich schon viele gesehen, auch hier wieder mit allen Farbabstufungen. Ob "coeruleum" als Hybridname zulässig ist, hängt von einer Lectotypifikation ab, aber wer braucht schon Hybridnamen, wenn man es mit einer Hybridzone zu tun hat. ;)
Übrigens: auch das Merkmal "Blattflecken" ist nicht stabil und damit nicht als Unterscheidungsmerkmal geeignet, siehe Huber (1988).
3. Himmelblaublütige Populationen gibt es auch abseits der Verbreitungsareale von spicatum und nigrum, nämlich in potentiellen Waldrefugialgebieten in den niederösterreichischen Voralpen und v.a. auf der Balkanhalbinsel von Slowenien bis Montenegro. Leicht bläuliche Individuen dürfte es im ganzen Verbreitungsgebiet von Phyteuma spicatum immer wieder einmal geben. Ob da was dran ist, werden phylogeographische Untersuchungen zeigen!
Verbreitung nigrum: http://www2.biologie.uni-halle.de/bot/a ... t=1&Lang=D
Verbreitung spicatum: http://www2.biologie.uni-halle.de/bot/a ... t=1&Lang=D
Verbreitungs ovatum (sehr mit Vorsicht zu genießen!): http://www2.biologie.uni-halle.de/bot/a ... t=1&Lang=D
Nachdem bei uns gerade ein Phyteuma-Projekt anläuft, kann ich dazu etwas sagen, siehe auch: https://www.uibk.ac.at/botany/staff/pub ... ter/66.pdf
1. Phyteuma nigrum und spicatum sind morphologisch und genetisch gut geschieden, können aber hybridisieren was man gut an der versch. Blauabstufungen sieht. In Österreich sind solche Hybriden selten, weil sich spicatum und nigrum nur selten treffen (z.B. Mühlviertel), aus Tschechien oder Deutschland aber gut belegt.
http://botany.cz/cs/phyteuma-adulterinum/
2. Phyteuma spicatum und ovatum sind morphologisch und genetisch nicht gut geschieden, was man eh schon länger weiß (Huber 1988). Phylogenetisch bilden sie einen Klade und populationsgenetische Untersuchungen werden gerade gemacht. Wahrscheinlich wären sie besser als Unterarten oder Varietäten einzustufen, was für die meisten Leute aufgrund der Farbunterschiede schwer zu glauben ist, aber alle andere Merkmale nicht gut, nicht stabil sind. Belege von Hybridpopulationen aus den Alpen habe ich schon viele gesehen, auch hier wieder mit allen Farbabstufungen. Ob "coeruleum" als Hybridname zulässig ist, hängt von einer Lectotypifikation ab, aber wer braucht schon Hybridnamen, wenn man es mit einer Hybridzone zu tun hat. ;)
Übrigens: auch das Merkmal "Blattflecken" ist nicht stabil und damit nicht als Unterscheidungsmerkmal geeignet, siehe Huber (1988).
3. Himmelblaublütige Populationen gibt es auch abseits der Verbreitungsareale von spicatum und nigrum, nämlich in potentiellen Waldrefugialgebieten in den niederösterreichischen Voralpen und v.a. auf der Balkanhalbinsel von Slowenien bis Montenegro. Leicht bläuliche Individuen dürfte es im ganzen Verbreitungsgebiet von Phyteuma spicatum immer wieder einmal geben. Ob da was dran ist, werden phylogeographische Untersuchungen zeigen!
Verbreitung nigrum: http://www2.biologie.uni-halle.de/bot/a ... t=1&Lang=D
Verbreitung spicatum: http://www2.biologie.uni-halle.de/bot/a ... t=1&Lang=D
Verbreitungs ovatum (sehr mit Vorsicht zu genießen!): http://www2.biologie.uni-halle.de/bot/a ... t=1&Lang=D
-
Oliver Stöhr
- Beiträge: 3555
- Registriert: Freitag 25. November 2016, 20:05
- Wohnort: Nussdorf-Debant
- Kontaktdaten:
Re: "Phyteuma spicatum ssp. coeruleum" im Virgental
Lieber Clemens,
vielen Dank für deine Anmerkungen! Noch kurze einige Ergänzungen dazu:
1) Der binäre Name der Hybride aus ovatum mit spicatum ist Ph. x hegetschweileri Brügg.; ich fand diesen Namen heute in der Tirol-Flora von A. Polatschek. Dort ist auch zu lesen, dass in Tirol keine ssp. coeruleum vorkommen soll, dafür aber in Vbg. und N-Tirol diese Hybride (Polatschek listet für dort etliche Nachweise auf). Bemerkenswerterweise gibt Polatschek diese Hybride aber nicht für Osttirol an, obwohl er auch im Virgental mehrfach unterwegs war und diese Formen dort eigentlich nicht zu übersehen sind ...
2) Im Floren-Katalog für Südtirol wird die ssp. coeruleum auch nicht angeführt; bei spicatum steht aber ausdrücklich, dass dort nur die ssp. spicatum auftritt.
3) Die Angaben der ssp. coeruleum für die nö. Voralpen (wo weder nigrum noch ovatum vorkommen) sind mir bekannt. Deshalb habe ich ja in meinem vorigen Posting geschrieben, dass in anderen Gebieten Hybriden mit nigrum nur "tw." die ssp. coeruleum erklären könnten ;-)
Auf jeden Fall ich bin ich schon gespannt, was dazu die Molekulargenetik sagen wird - ich glaube aber nicht an die ssp. coeruleum und schon gar nicht im Unterart-Rang ...
Viele Grüße
Oliver
vielen Dank für deine Anmerkungen! Noch kurze einige Ergänzungen dazu:
1) Der binäre Name der Hybride aus ovatum mit spicatum ist Ph. x hegetschweileri Brügg.; ich fand diesen Namen heute in der Tirol-Flora von A. Polatschek. Dort ist auch zu lesen, dass in Tirol keine ssp. coeruleum vorkommen soll, dafür aber in Vbg. und N-Tirol diese Hybride (Polatschek listet für dort etliche Nachweise auf). Bemerkenswerterweise gibt Polatschek diese Hybride aber nicht für Osttirol an, obwohl er auch im Virgental mehrfach unterwegs war und diese Formen dort eigentlich nicht zu übersehen sind ...
2) Im Floren-Katalog für Südtirol wird die ssp. coeruleum auch nicht angeführt; bei spicatum steht aber ausdrücklich, dass dort nur die ssp. spicatum auftritt.
3) Die Angaben der ssp. coeruleum für die nö. Voralpen (wo weder nigrum noch ovatum vorkommen) sind mir bekannt. Deshalb habe ich ja in meinem vorigen Posting geschrieben, dass in anderen Gebieten Hybriden mit nigrum nur "tw." die ssp. coeruleum erklären könnten ;-)
Auf jeden Fall ich bin ich schon gespannt, was dazu die Molekulargenetik sagen wird - ich glaube aber nicht an die ssp. coeruleum und schon gar nicht im Unterart-Rang ...
Viele Grüße
Oliver
- Hermann Falkner
- Beiträge: 2078
- Registriert: Sonntag 23. Oktober 2016, 20:16
- Wohnort: Wien
Re: "Phyteuma spicatum ssp. coeruleum" im Virgental
Danke euch beiden für die Anmerkungen, sehr interessant - habe einiges über Phyteuma dazugelernt ;-)
Was die Häufigkeit von Phyteuma nigrum im Mühlviertel betrifft - am besten kenne ich das südwestliche Mühlviertel und dort kommt sie zum Glück noch auf einigen Wiesen recht zahlreich vor: wenn eine Wiese "verträglich" bewirtschaftet wird, dann tritt die Art gleich massenhaft auf; Silowiesen sind aber - natürlich - ein "Totalausfall". Die Art hat in den letzten 20, 30 Jahren jedenfalls einen Grossteil seiner Lebensräume durch Silowirtschaft verloren, und so gesehen gehört sie natürlich auf auch die Rote Liste.
Hybriden habe ich selbst wie gesagt noch nicht gesehen, aber ich hätte früher ja auch nicht darauf geachtet - und heute komme ich nur mehr selten ins Mühlviertel und selbst wenn, dann nur fallweise zu einer Wiese, wo es immer noch Phyteuma nigrum gibt.
Was die Häufigkeit von Phyteuma nigrum im Mühlviertel betrifft - am besten kenne ich das südwestliche Mühlviertel und dort kommt sie zum Glück noch auf einigen Wiesen recht zahlreich vor: wenn eine Wiese "verträglich" bewirtschaftet wird, dann tritt die Art gleich massenhaft auf; Silowiesen sind aber - natürlich - ein "Totalausfall". Die Art hat in den letzten 20, 30 Jahren jedenfalls einen Grossteil seiner Lebensräume durch Silowirtschaft verloren, und so gesehen gehört sie natürlich auf auch die Rote Liste.
Hybriden habe ich selbst wie gesagt noch nicht gesehen, aber ich hätte früher ja auch nicht darauf geachtet - und heute komme ich nur mehr selten ins Mühlviertel und selbst wenn, dann nur fallweise zu einer Wiese, wo es immer noch Phyteuma nigrum gibt.
Zurück zu „Spermatophyta (Samenpflanzen)“
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 6 Gäste