Segetalflora 2020
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Onlinekurt nadler
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Re: Segetalflora 2020
wieder herrliche funde in den letzten 2 wochen, gratulier euch.
mein highlight in floridsdorf ist sideritis!
super auch der melampyrum barbatum-acker so weit westlich. kann wer dessen (vom m. barbatum!) areal beschreiben?
mein highlight in floridsdorf ist sideritis!
super auch der melampyrum barbatum-acker so weit westlich. kann wer dessen (vom m. barbatum!) areal beschreiben?
Zuletzt geändert von kurt nadler am Freitag 10. Juli 2020, 23:48, insgesamt 1-mal geändert.
- Stefan Lefnaer
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Re: Segetalflora 2020
Ich müsste das Thema wohl nun in Filago vulgaris-Blog umbenennen. Ich bin nämlich nun gezielt auf kalkfreien Brachen an Waldrändern auf Suche gegangen. Am Vormittag war ich in der Hollabrunn-Mistelbach-Formation (HMF) nördlich des Buschbergs unterwegs. Dort westlich des Zaya Gates, wo die Urdonau über die Waschbergzone in den Lake Pannon floß, haben sich besonders viele schottrige kalkfreie Böden erhalten. Bereits auf meiner ersten Untersuchungsfläche fand ich recht zahlreich Filago vulgaris:
Im nördlich anschließenden Quadranten habe ich mir eine weitere Brache angesehen und zahlreich F. arvensis gefunden.
Darunter gemischt an einigen Stellen auch F. vulgaris:
Man kann also konstatieren, dass sich in der HMF ein von der Florenkarierung bisher unentdecktes Filago vulgaris-Cluster versteckt hat! Ob dieser Umstand auf Ausbreitung der Art in den letzten Jahren oder bisher mangelhafte Kartierung zurückzuführen ist, kann ich z.Z. nicht sagen.
Am Nachmittag war ich dann am Glockenberg unterwegs. Auf (mit anscheinend mit Ernstbrunner Kalksandstein!?) gekiesten Forststraßen habe ich zweifach kleinere Vorkommen von F. vulgaris gefunden:
Diese Vorkommen gehören zu einem zweiten Cluster am Bisamberg-Glockenbergzug über Quarzsandstein der Flyschzone. Hier eine aktualisierte Verbreitungskarte, diesmal mit geologischem Hintergrund:
Die HMF ist der horizontale orange Streifen in der Bildmitte. Der Bisamberg-Glockenbergzug der rechte dunkelorange Streifen rechts unten.
Prof. Niklfeld hatte bisher neun randliche Quadranten im Weinviertel mit F. vulgaris in seiner Karte. Ich habe nun weitere acht hinzufügen können. Vielleicht gehen sich heuer noch weitere aus!
Im nördlich anschließenden Quadranten habe ich mir eine weitere Brache angesehen und zahlreich F. arvensis gefunden.
Darunter gemischt an einigen Stellen auch F. vulgaris:
Man kann also konstatieren, dass sich in der HMF ein von der Florenkarierung bisher unentdecktes Filago vulgaris-Cluster versteckt hat! Ob dieser Umstand auf Ausbreitung der Art in den letzten Jahren oder bisher mangelhafte Kartierung zurückzuführen ist, kann ich z.Z. nicht sagen.
Am Nachmittag war ich dann am Glockenberg unterwegs. Auf (mit anscheinend mit Ernstbrunner Kalksandstein!?) gekiesten Forststraßen habe ich zweifach kleinere Vorkommen von F. vulgaris gefunden:
Diese Vorkommen gehören zu einem zweiten Cluster am Bisamberg-Glockenbergzug über Quarzsandstein der Flyschzone. Hier eine aktualisierte Verbreitungskarte, diesmal mit geologischem Hintergrund:
Die HMF ist der horizontale orange Streifen in der Bildmitte. Der Bisamberg-Glockenbergzug der rechte dunkelorange Streifen rechts unten.
Prof. Niklfeld hatte bisher neun randliche Quadranten im Weinviertel mit F. vulgaris in seiner Karte. Ich habe nun weitere acht hinzufügen können. Vielleicht gehen sich heuer noch weitere aus!
- Jürgen Baldinger
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- Stefan Lefnaer
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Re: Segetalflora 2020
Hier eine nicht-segetale Fortsetzung des Filago vulgaris-Themas: heute habe ich Quadrant 7363-4 untersucht, insbesondere den Glasweiner Wald südlich von Patzmannsdorf. Auf einer Schlagfläche, die aufgrund der gepflanzten Rot-Föhren an das westliche Waldviertel erinnert...
...dann auch wieder eine kleine Population von F. vulgaris:
Das ist heuer mein neunter Quadrant neu für die Art. Luise Schratt-Ehrendorfer meint, heuer wäre ein F. vulgaris-Jahr. Sie hat an der March große Bestände gesehen.
Was ich jedoch noch nicht ganz verstehe, sind die limitierenden Faktoren. Laut der Meuselkarte kommt die Art fast in ganz Europa außer in den Alpen vor. Es handelt sich also um keine osteuropäische oder mediterrane Art, die bei uns an der Verbreitungsgrenze liegt. Wieso ist die Art bei uns selten bzw. warum war sie früher häufiger? Laut Fischer et al. (2008) sind ihre Habitate "Trockenrasen, Ackerbrachen, Äcker, Ruderalstellen; meist kalkarme, humus- u. feinerdearme Sand- u. Kiesböden", Kästner et al. (2001) geben "trockene, sandig-kiesige Böden, in extensiv genutzten Äckern, Sandtrockenrasen, Ruderalfluren und Brachen, Wegränder und Böschungen" an. Also kann es nicht nur an der Intensivierung der Landwirtschaft liegen. Habitate wie Forststraßen, Schlagflächen, Ruderalflächen usw. sind ja weiterhin vorhanden. Es wird jedenfalls interessant sein die Bestände und deren Entwicklung in Zukunft zu beobachten.
...dann auch wieder eine kleine Population von F. vulgaris:
Das ist heuer mein neunter Quadrant neu für die Art. Luise Schratt-Ehrendorfer meint, heuer wäre ein F. vulgaris-Jahr. Sie hat an der March große Bestände gesehen.
Was ich jedoch noch nicht ganz verstehe, sind die limitierenden Faktoren. Laut der Meuselkarte kommt die Art fast in ganz Europa außer in den Alpen vor. Es handelt sich also um keine osteuropäische oder mediterrane Art, die bei uns an der Verbreitungsgrenze liegt. Wieso ist die Art bei uns selten bzw. warum war sie früher häufiger? Laut Fischer et al. (2008) sind ihre Habitate "Trockenrasen, Ackerbrachen, Äcker, Ruderalstellen; meist kalkarme, humus- u. feinerdearme Sand- u. Kiesböden", Kästner et al. (2001) geben "trockene, sandig-kiesige Böden, in extensiv genutzten Äckern, Sandtrockenrasen, Ruderalfluren und Brachen, Wegränder und Böschungen" an. Also kann es nicht nur an der Intensivierung der Landwirtschaft liegen. Habitate wie Forststraßen, Schlagflächen, Ruderalflächen usw. sind ja weiterhin vorhanden. Es wird jedenfalls interessant sein die Bestände und deren Entwicklung in Zukunft zu beobachten.
- Stefan Lefnaer
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Re: Segetalflora 2020
Hier noch ein paar Fotos von gestern. Eigentlich war ich am Toblerberg bei Oberrohrbach (Bez. Korneuburg) um wieder Filago vulgaris suchen, weil es von dort eine Angabe in Janchen (1977) gibt. Diese Art habe ich nicht gefunden, dafür aber einen Weizenacker mit Neslia paniculata s. str. (abgeschnitten und neu ausgetrieben)...
...Ranunculus arvensis, im Pann EN ...
...und zahlreich Aphanes arvensis. Das ist mein Zweitfund im Weinviertel dieser kalkfeindlichen Art. So viele kalkfreie Böden gibt es da ja nicht, daher ist diese Art hier eine Rarität.
...Ranunculus arvensis, im Pann EN ...
...und zahlreich Aphanes arvensis. Das ist mein Zweitfund im Weinviertel dieser kalkfeindlichen Art. So viele kalkfreie Böden gibt es da ja nicht, daher ist diese Art hier eine Rarität.
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