Verwilderte Primel-Hybriden

= Blütenpflanzen
Ernst Vitek
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Re: Verwilderte Primel-Hybriden

Beitragvon Ernst Vitek » Sonntag 14. März 2021, 10:35

Auch in meinem Garten wurden immer wieder geschenkte bunte Primeln ausgepflanzt. Die haben sich dann rasch mit der ebenfalls gepflanzten P. vulgaris (war lokal nicht vorhanden) vermischt. Die bunten Eltern fallen innerhalb kurzer Zeit aus - das Klima ist bei uns in Hagenbrunn sehr pannonisch, starke Winterfröste ohne Schneedecke könnten hier der Faktor sein (die Sommertrockenheit ist es nicht).

Die Mischformen bleiben, es entstehen auch noch bleichere Blütenfarben - event. weitere (Rück-)Kreuzungen mit P. vulgaris. Die Population ist mittlerweile etabliert und hat auch eine benachbarte Gebüschfläche erobert.

Ernst
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kurt nadler
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Re: Verwilderte Primel-Hybriden

Beitragvon kurt nadler » Sonntag 14. März 2021, 10:45

du meinst, dass der fortlaufende kontakt zu - anzunehmenderweise hochpolyploiden - hybriden diese bleibenden farbeinschläge in den vulgarispopulationen bewirkt?
da ergeben sich für mich folgende fragen:
* geht das genetisch?
* warum ist da gerade vulgaris so empfänglich hierfür?
in die populationen der "stängeligen" primeln scheints ja keine dauerhafte introgression zu geben.
es wäre interessant, das historisch zu beleuchten: seit wann gibts die mischfarb-vulgaris und seit wann sind die "überzüchteten", bunten gartenprimeln im handel?

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Hermann Falkner
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Re: Verwilderte Primel-Hybriden

Beitragvon Hermann Falkner » Sonntag 14. März 2021, 11:29

Also bei uns im Garten hab ich Primula vulgaris und P. veris aus der Wildnis mitgebracht, und P. vulgaris hat sich sehr bereitwillig mit den schon vorhanden gewesenen "bunten" stängellosen Primeln "verbandelt". (Eine Hybride aus P. veris & vulgaris ist auch mal aufgegangen, aber inzwischen auch schon wieder verschwunden.)
Aus dieser Erfahrung heraus würde ich meinen, dass es sich durchaus um spontane Hybriden handeln kann. Dazu müssen die "bunten" Primeln ja nicht im Garten der Schwiegermutter stehen, der Garten des Nachbarn reicht völlig aus ;-)

Warum gerade P. vulgaris so gern hybridisiert, kann ich dir nicht erklären, aber ich schätze halt mal, dass die den Gartensorten genetisch näher stehen.

Oliver Stöhr
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Re: Verwilderte Primel-Hybriden

Beitragvon Oliver Stöhr » Sonntag 14. März 2021, 12:05

Danke für eure Rückmeldungen! Schaut nach einem spannenden Thema aus, das man mit genetischen Analysen mal studieren könnte. Interessant wären auch die naturschutzfachlichen Impacts eben auf die Wildpopulationen, v.a. wenn diese wie in Osttirol recht kleinräumig kommen.
Die farblich intermediären Mischlinge habe ich übrigens bisher nur in der engsten Kontaktzone gefunden, aber genetische Effekte könnten räumlich weiter reichen ...
Viele Grüße
Oliver

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Re: Verwilderte Primel-Hybriden

Beitragvon kurt nadler » Sonntag 14. März 2021, 13:04

zum verwandten thema vulgaris + veris bestätige ich das von hermann gesagte. wie schon einmal vor wenigen jahren im forum erwähnt und illustriert, hat auch dieser winzige stadt-vorgarten etwas abseits des langjährigen, bunten vulgaris-bestands eine hybridpopulation vulgaris x veris in verschiedensten intermediären formen, die aber allesamt gelb blühen (so wie man sie in der "natur" draußen auch antrifft). die vor vielen jahren abseits gepflanzte einzelne veris samt vielleicht einzelnen artenreinen nachkommen verschwand dabei zuletzt über etliche jahre (die hybriden blieben). erst 2020 scheint wieder ein reines individuum aufgekommen zu sein - aus einem schlafenden samen, was für mich weniger vorstellbar ist, oder als rückschlag aus einer hybride, wobei ich über zu wenig genetikwissen verfüge, ob das überhaupt geht. die dritte, mäßig realistische, aber wohl sehr plausible möglichkeit, die mir einfällt, ist, dass die pflanze direkt von den veris-eltern abstammt, aber über jahre nicht blühfähig war und erst 2020 erstmals "florierte".

die 2 kleinpopulationen stehen etwa 4 m voneinander entfernt, veris und mischlinge im gehölzunterwuchs, vulgaris ohne bestockung im rasen bzw. unter blütenstauden.

es gibt überdies familiäre mutmaßungen, der bunte vulgarisbestand "sei aus gepflanzten hybriden", quasi durch rückschlag, entstanden. den gab es angeblich vor etlichen jahrzehnten noch nicht. ich kann mir das nicht vorstellen und mutmaße die ausbreitung der "bunten vulgaris" durch direkten transfer oder jenen von samen, kann mich aber auch gravierend täuschen.

ad oliver: ja, primeln sind offensichtlich spannend bzw. werden immer spannender mit dem, was im forum an informationen aufscheint.


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